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Glücksgefühle

Foto einen BlüteVor zwei Wochen ging es wieder los. Unsere Gruppe traf sich erstmals wieder von Angesicht zu Angesicht. Zwar dürfen wir auf absehbare Zeit noch nicht an unseren angestammten Ort, aber es gibt eine Alternative, wo wir unter den vorgegebenen Auflagen ein „richtiges“ Meeting abhalten können.
Jeder erzählte ein bisschen vom Erleben der Zeit – ohne – und die Möglichkeiten, mit Hilfe der Kontakte und der Literatur keine Rückschritte zu machen oder diese in Grenzen zu halten oder vielleicht sogar ein bisschen Wachstum bei sich zu erkennen.

Ich hatte während der Wochen ohne persönliche Meetings meine eigene Großbaustelle, eine größere Operation in Coronazeiten ist nochmal eine ganz andere Herausforderung, als so ein Eingriff sowieso schon ist. In der Klinik war ich umsorgt und sicher. Die Vorbereitungen waren sehr vorausschauend und ich konnte mit der Verbindung zu meiner Höheren Macht auch gut meine vielen Freunde in der Gemeinschaft in die aufkommenden Bedenken einbeziehen.

Geteiltes Leid oder geteilte Angst ist nur die halbe Angst, konnte ich feststellen. Es war wie ein Netzwerk aus guten Wünschen und Gedanken, das mich getragen hat. Die Isolation von der Familie war zwar unangenehm, aber Dank der Technik für eine Woche auszuhalten. Außerdem hatte das Personal Zeit und ich wurde rundum gut versorgt.

Mit der Reha und der aufkommenden Mobilität wurden die Einschränkungen dann greifbarer und unangenehmer. Ein Besuch am Zaun wurde zur Belastung. Keine Umarmung vom Partner; zwei Meter Abstand, der eine drinnen, der andere draußen, ständig unter Beobachtung vom Personal und den Mitpatienten, das ließ sehr alte Gefühle wieder aufkeimen.
Ich bin ausgeschlossen, einsam, werde nicht gehört, man nimmt mich nicht ernst. Das waren fast drei Wochen meine Begleiter, da auch in der Reha-Klinik natürlich die Auswirkungen der Pandemie überall bemerkbar waren.
Ich habe viel in diesem Medium (Blog) gelesen, hatte Al-Anon Literatur dabei und auch elektronischen Kontakt zu den Freunden. Mein Partner und ich fanden eine Lösung für die Treffen. Wir gingen nicht mehr an den Zaun, sondern trafen uns am Tor. Das Gefühl war anders, obwohl die Regeln die gleichen waren: einer drinnen, einer draußen, kein körperlicher Kontakt.

Die Dankbarkeit, die ich jedes Mal nach diesen Treffen gespürt habe, war teilweise überwältigend. Nur Arbeit in den jeweiligen Programmen hat es möglich gemacht, dass ich so gut versorgt wurde und ich diese Fürsorge auch annehmen konnte. Das Vertrauen, das ich im Laufe der Jahre in meine Partnerschaft aufbauen konnte, lässt Glücksgefühle in mir schwingen und das ganz ohne drohende Hintergedanken.
Danke, dass es uns gibt.
Silke

 

Ein Kommentar

  1. Monika schrieb:

    Auch ich habe mein erstes Meeting sehr genossen. Vertraute Gesichter und das Wichtigste die spürbare Höhere Macht in unserer Mitte. Danke für diesen Beitrag.

    Freitag, 11. September 2020 um 09 | Permalink

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