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Die Leichtigkeit lernen

Foto Die persönlichen Aussagen in unseren Meetings gleichen sich häufig. Manchmal fühle ich mich an Zeiten erinnert, in denen ich abends vor Sorge und Ärger nicht einschlafen konnte. Meist war es Ärger über mich, weil ich nicht aus der alkoholkranken Umgebung gehen konnte oder über die Anderen, die ihre Versprechungen nicht einhielten.

Auch heute höre ich immer wieder Beiträge über die Unzulänglichkeiten der Partner, bei denen das liebevolle Loslassen auch nach langer Zeit einfach nicht glücken will. Oft geht es nicht vordergründig um den Alkohol.
Die alltäglichen Gegebenheiten bieten immer wieder Stoff für Herausforderungen im Zusammenleben. So ist es auch in unserem Buch „Mut zur Veränderung“ beschrieben. Darin steht sinngemäß, dass es mir Erleichterung bringen kann, wenn ich eine Höhere Macht gefunden habe. Ich kann lernen zu ihr zu sagen: „Nicht mein Wille, sondern Dein Wille“, also der einer Höheren Macht soll geschehen. Sie kann die Dinge auf eine Weise ordnen, die ich mir nicht vorstellen kann.
Mich daran zu erinnern, hilft mir immer wieder. Ich bin machtlos, egal welcher Situation gegenüber, wenn diese von einem anderen Menschen verursacht wird. Mein Umgang mit diesen Situationen hat sich jedoch verändert und das bringt mir Leichtigkeit und inneren Frieden.

Muss ich mich wirklich über den Radfahrer auf dem Fußweg ärgern, ihn anmotzen oder vielleicht sogar in den Weg stellen?
Soll ich den Falschparker fotografieren, anzeigen oder schlimmstenfalls sein Auto demolieren?
Soll ich meinem Partner die Socken um die Ohren hauen, die Teller, die auf der Spülmaschine stehen, vor die Füße werfen?

Ich könnte endlos weiter aufzählen, was so alles den Alltag unerträglich machen kann. Ich merke beim Schreiben, dass allein dieses Denken mein Inneres zum Brodeln bringt. …weiterlesen …

Meinen Teil erledigen

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109) Kürzlich wurde ich daran erinnert, dass ich nicht für den Ablauf des gesamten Universums verantwortlich bin. Aufgrund einer unerwarteten Versetzung von Berufs wegen in eine andere Stadt musste ich innerhalb einer Woche für mich und meine Familie eine Wohnung finden. Nach drei Tagen erfolgloser Suche geriet ich völlig außer Fassung. Ich war lange genug in Al-Anon, um zu wissen, dass ich jetzt ein Meeting brauchte. Indem ich von den anderen hörte, dass wir uns um das kümmern müssen, für das wir verantwortlich sind und den Rest der Höheren Macht überlassen, wurde mir wieder klar, dass ich nur das tun konnte, was in meiner Macht stand. Ich konnte wohl die Straßen abklappern, aber kein Haus aus dem Boden zaubern. Ich musste „Loslassen und Gott überlassen.“ Am letzten Tag meiner Suche fand ich eine wunderschöne Wohnung.

Mein Problem wurde nicht dadurch gelöst, dass ich kämpfte und mir Sorgen machte. Dass ich meinen Teil erledigte und den übrigen der Höheren Macht anvertraute – das hat’s gebracht!

Überlegung für Heute
Was ich nicht tun kann – meine Höhere Macht kann’s. Wenn ich „Loslasse und Gott überlasse“, habe ich die Freiheit, etwas zu riskieren und Fehler zu machen. Ich weiß, dass ich vielen Dingen gegenüber machtlos bin. Heute beruhigt es mich zu wissen, dass ich nicht die Macht habe, die Pläne Gottes zu durchkreuzen.

„Habe Mut für die großen Kümmernisse des Lebens und Geduld für die kleinen; und wenn du dein Tagewerk fleißig vollbracht hast, schlafe in Ruhe ein. Gott wacht.“

Victor Hugo

Quelle: Mut zur Veränderung – 19. Oktober – Seite 293

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
www.al-anon.de

Es kommt wieder…

Foto Füße auf der HerbstwieseNovember. Teil-Lockdown.
Ich spüre, ich muss wieder präsenter, wachsamer sein. Sowohl, was mein Umfeld betrifft, als auch meinem inneren System gegenüber.
Es kommt wieder… das Sorgenpaket versucht, sich Raum zu verschaffen. Besonders in den dramatischen Krisenzeiten der letzten Jahre meiner Ehe war dieses „es hat doch alles keinen Sinn“ mein ständiger Begleiter.
Damals wusste ich nichts von Selbsthilfegruppen oder gar von Al-Anon. Es ging mir immer schlechter und ich wartete darauf, dass mein Mann aufhören würde, zu trinken, dann wäre alles gut. Natürlich war das nicht der Fall. Ich schaffte es irgendwann, das erste Mal in ein Meeting zu gehen.
Dieses Gefühl, endlich angekommen zu sein und einfach verstanden zu werden werde ich nie vergessen. Seitdem komme ich immer wieder und lerne. Und jetzt, wenn mein altes krankes Denken durch die weltweite Krisensituation „wiederkommt“, kann ich es relativ schnell entlarven.
Ich habe gelernt, die Realität wahrzunehmen. Unser Präsenzmeeting kann zwar wieder für eine gewisse Zeit nicht stattfinden, doch können wir über das Telefon und Email in Kontakt bleiben.

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Ich fand Unterstützung in diesem Raum

Abbildung MorgenröteIch lernte den Alkoholiker in meinem Leben durch das Online-Dating kennen. Ich dachte bis dahin, dass ich mit normalem Trinken gut zurecht komme. Schnell musste ich aber lernen, dass es für Alkoholiker kein normales Trinken gibt. Mein Partner war in A.A., aber er war ein Komasäufer.

Wenn er nicht trank, war er nett, liebevoll und respektvoll. Alles Dinge, die ich von einem Partner erwartete. Ich dachte, er würde trinken, um böse zu mir zu sein und um unsere Beziehung zu sabotieren. Ich konnte vor lauter Sorgen nicht mehr schlafen. Ich ging mit ihm zwei Jahre zu A.A.-Meetings, um herauszubekommen, was ihm fehlte und in der Hoffnung ihn retten zu können. Aber andere A.A.-Mitglieder empfahlen mir, dass ich zu Al-Anon gehen sollte. Ich verstand das nicht, denn er hatte doch das Problem.
Der erste Punkt im Programm, der für mich in Frage kam war, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Das machte Sinn, denn nun konnte ich es als eine Art Geisteskrankheit sehen. …weiterlesen …

Was immer die Höhere Macht ist, ich bin es nicht!

Foto einer BlüteDieses Jahr hatten wir ganz anders geplant, als es nun schon den achten Monat zu bewältigen ist.
Rente ab Jahresbeginn; eine große Reise ohne Zeitdruck an Orte, die wir schon einmal kurz besucht hatten; Träume, die endlich Wirklichkeit werden sollten – sorgenfrei – . So hatten wir uns das vorgestellt und unsere Höhere Macht hat auf uns geschaut und wohl gemeint: Schauen wir mal, was Ihr schon gelernt habt!
Die Reise fiel bedingt durch die Pandemie ins Wasser. Wir hatten jeder einen großen chirurgischen Eingriff, dann noch ein kleinerer bei meinem Partner. Nicht wie angekündigt ein kleiner Routinefall, sondern die Notwendigkeit einer Nachoperation.
Dann Hiobsbotschaften aus der Firma eines nahen Angehörigen, die auch nicht vom Tisch zu wischen sind. Eigentlich reicht das schon, doch dazu kommen auch noch die derzeitigen Einschränkungen, die das Leben von uns allen nicht unbedingt locker und leicht machen. All das hat mich vor ein paar Tagen mal wieder daran erinnert, dass nicht mein Wille geschehe, sondern ich beschlossen habe, meinen Willen und meine Sorge einer Höheren Macht zu übergeben.
Mit dem Einstieg in die Programmarbeit habe ich einen Weg gefunden, nicht wieder in die alten Muster des Selbstmitleids und der Zweifel einzusteigen. Mein Tagebuch.

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Mein Selbstheilungsprogramm

FOTO Sitzkissen mit Tagebuch und Stiftoder: Raus aus dem Jammertal!

Ja, es gibt sie noch, die Momente am frühen Morgen, trotz Sonnenschein, in denen die alten Themen Selbstmitleid, Sorgen über alles und jeden usw. versuchen, sich wieder in mir festzusetzen. Ich weiß, damit könnte ich alle alten Drama -Türen sofort wieder öffnen und mich als armes Opfer in den See des Jammerns stürzen…
welch Geschenk, diese Momente wahrzunehmen, sie anzunehmen und mich mit einer Hilfe, die größer ist als ich, wieder auf den Weg in das reale Heute zu machen.
In unserem Gelassenheitsspruch sind z.B. für mich wesentliche „Handlungsanleitungen“ in Kurzform enthalten. Und immer wieder der Erste Schritt, ich bin den meisten Dingen, auch alten Gefühlen und Gedanken gegenüber, machtlos.
Doch ich habe mit unserem Al-Anon Programm und seinen Menschen gelernt, meinen Blick und meine Handlungen auf das zu richten, was ich ändern kann. Und das ist mehr als ich mir jemals in den vielen alkoholkranken Jahren hätte vorstellen können. Also: Raus aus dem Jammertal– Carpe Diem – Nutze den Tag!
Meinen Zustand ernst- und annehmen: Es in mein Tagebuch schreiben und nochmal laut vorlesen.

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Vertrauen üben

FotoSchon zu Beginn meiner Zeit in Al-Anon hörte ich immer wieder: Du solltest mal Vertrauen üben. Gut und schön, aber…

Jeder hat wohl die Erfahrung machen müssen, dass Vertrauen auf ein Versprechen des Alkoholkranken nicht sehr oft von Erfolg gekrönt ist.

Im Laufe der Jahre hatte ich viele Gelegenheiten, dieses Vertrauen tatsächlich zu üben. Zuerst mein bewusster Entschluss, trotz der Erfahrungen mit dem trinkenden Alkoholiker, eine Partnerschaft mit einem trockenen Alkoholiker zu beginnen. Das Vertrauen, dass er nicht bei der kleinsten negativen Gelegenheit in die Kneipe geht.

Das Vertrauen, dass er sich angemessen um mein Kind kümmert, wenn ich es nicht kann. Das Vertrauen, dass die gefassten Vereinbarungen tatsächlich eingehalten werden und so weiter. Langsam, wirklich ganz langsam und mit viel Hilfe der Meetings und meinen Sponsoren wuchs dieses Vertrauen. Manchmal wusste ich mir nicht anders zu helfen, als dass ich gedacht habe: Was passiert, wenn du jetzt plötzlich nicht mehr da bist? Die Antwort war ganz klar, die Welt würde sich weiter drehen. Also konnte ich diese Gedanken meiner Höheren Macht abgeben, die sowieso einen besseren Überblick über das Geschehen hat.

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Ich kann einfach nur da sein

Bei meiner aktuellen Morgenlektüre in unserem Buch „In all unseren Angelegenheiten“ traf mich dieser Satz wie ein Paukenschlag!
Ich konnte spüren, erkennen: Heute kann ich das tatsächlich immer besser! Wie der Autor in dem Text wuchs auch ich in einer alkoholkranken Familie auf und wurde für „mein Tun oder Lassen“ geliebt oder abgewertet.
Immer in Aktion zu sein wurde zu meinem Lebensmotto. Schmerzhaft kamen mir Bilder aus meiner Zeit als Mutter mit noch kleinen Kindern in den Sinn. Waren sie z.B. krank oder traurig musste ich sofort etwas tun; ich konnte nicht einfach erst mal nur da sein und zuhören oder Halt geben. Ständig prüfte ich, ob meine Taten auch „richtig“ waren, las hektisch in Ratgebern zur Erziehung und zum „kranken Kind“; schlief schlecht oder kaum; immer damit beschäftigt, das Wundermittel zu finden und die perfekte Mutter zu sein.
Und: Irgendwas war ja immer. Somit war ich „lebenslang mit dem Außen“ beschäftigt. Zur Ruhe kommen war ein Fremdwort für mich. Bis ich mit dem Rücken zur Wand stand.

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Mein Weg geht da lang, wo die Angst ist

FotoWut ist ein starkes Gefühl. Ich überdeckte lange Angst mit explosionsartigen Wutanfällen. Nicht bewusst. Natürlich nicht. Wer tickt schon gerne so unfassbar aus, dass er Dinge durch die Wohnung schmeißt, jemanden ohrfeigt, beleidigend und verletzend wird etc.
Diese emotionalen Aussetzer habe ich nicht mehr. Der Gefühlsrausch überrollt mich nicht mehr, seit ich mir meiner Ängste bewusst bin. Mein Weg geht da lang, wo die Angst ist.
An dieser Entwicklung hat Al-Anon den Hauptanteil. Vor meiner ersten Inventur hatte ich keine Ahnung, welche Ängste mein Denken und Verhalten steuern, denn ich erlaubte mir damals vermeintlich schwache Gefühle nicht. Ein Überbleibsel aus meiner Kindheit, in der es darum ging, die Fassade um jeden Preis zu wahren und Stärke in jeder Situation auszustrahlen.
Ich fühle Angst heute bewusst. Ich schau sie mir an und gestatte meinen Ängsten da zu sein. In Ruhe betrachtet werden sie kleiner für mich. Kontrollverlust ist dabei ein immer wieder zu erkennender Angstauslöser. Ich ertappe mich dann dabei, dass ich aus Angst krampfhaft versuche Dinge zu kontrollieren, die nicht in meiner Macht liegen.

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Glücksgefühle

Foto einen BlüteVor zwei Wochen ging es wieder los. Unsere Gruppe traf sich erstmals wieder von Angesicht zu Angesicht. Zwar dürfen wir auf absehbare Zeit noch nicht an unseren angestammten Ort, aber es gibt eine Alternative, wo wir unter den vorgegebenen Auflagen ein „richtiges“ Meeting abhalten können.
Jeder erzählte ein bisschen vom Erleben der Zeit – ohne – und die Möglichkeiten, mit Hilfe der Kontakte und der Literatur keine Rückschritte zu machen oder diese in Grenzen zu halten oder vielleicht sogar ein bisschen Wachstum bei sich zu erkennen.

Ich hatte während der Wochen ohne persönliche Meetings meine eigene Großbaustelle, eine größere Operation in Coronazeiten ist nochmal eine ganz andere Herausforderung, als so ein Eingriff sowieso schon ist. In der Klinik war ich umsorgt und sicher. Die Vorbereitungen waren sehr vorausschauend und ich konnte mit der Verbindung zu meiner Höheren Macht auch gut meine vielen Freunde in der Gemeinschaft in die aufkommenden Bedenken einbeziehen.

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