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Geduld und was steckt vielleicht dahinter

Foto LavendelblühteEine meiner herausragenden Charaktereigenschaften war und ist auch heute noch manchmal die Ungeduld. Viele Slogans und Beiträge in unserer Al-Anon Literatur zeigen mir, dass ich damit nicht alleine bin.

Nur das ändert bei mir nichts. Ich merke, dieser Charakterzug bringt mich nicht weiter. Er macht mich mürbe, stört meinen alltäglichen Ablauf und… die Ergebnisse sind nicht so, wie ICH sie mir vorgestellt habe. Also habe ich mich mal wieder gründlicher mit dieser Eigenschaft auseinandergesetzt und kam zu der Erkenntnis, mein Wille gehört nach dem Verständnis des Dritten Schrittes mehr der Sorge meiner Höheren Macht anvertraut. Sie weiß viel besser als ich, wie und vor allen Dingen, wann was dran ist, gelöst zu werden.

Mir kam noch ein anderer Gedanke. Ich möchte schon im Voraus eine Garantie, dass alles so wird, wie ich mir das vorstelle – Perfektionismus/Ichbezogenheit -. Das hielt mich früher davon ab, etwas Neues auszuprobieren. Das Zeigen von Ungeduld in meinem Fall mit Wutausbrüchen wurde in meiner Herkunftsfamilie immer mit Missbilligung belegt. Es gab keine Unterstützung bei der nervenden Herausforderung, sondern stets den Hinweis, man solle nicht so ungeduldig sein, irgendwann werde es schon klappen. Als Kind war dieses „Irgendwann“ einfach zu groß und nicht hilfreich.

In der Ehe mit dem Alkoholiker war ich sehr ungeduldig, denn er hatte mir ja versprochen, mit mir würde er endlich aufhören können zu trinken. Auch hier gab es niemand, der mich in die Realität begleitete, dass nicht ICH die Lösung des Problems sein kann, sosehr ich mich auch aufrege oder anstrenge.

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Es ist etwas Wesentliches

Foto aus dem AllgäuÜber 35 Jahre lang gab es keinen aktiven Alkoholiker in meinem Leben. Dann kam ich in eine Situation, in der ich Verlust und Treuebruch erlebte, die nichts mit Alkohol zu tun hatten.

Das führte dazu, das alles, was ich je an Entscheidungen, Verlusten und Verletzungen erlebt hatte, plötzlich wie Korken auf dem Wasser schwammen.  Ich wurde von Selbstzweifeln und Abscheu über mich selbst überflutet und ich verurteilte mich selbst für Dinge, die ich niemals hatte kontrollieren können.
Eine Freundin meinte, dass ich vielleicht von Al-Anon profitieren könnte. Obwohl ich den Zusammenhang nicht verstand, war es doch möglich, das mein Aufwachsen in alkoholkranker Umgebung mit dafür verantwortlich war, wie ich alles und jeden sah und einordnete. Ich sagte also zu, einen Versuch zu wagen.
Bereits bei meinem allerersten Meetingsbesuch stellte ich einen wesentlichen Unterschied fest. Da gab es kein Verurteilen und keine Kritik, sondern nur Annahme. Da waren Menschen, die über sich selbst sprachen. Und es war gerade so, als würden sie meine eigene Geschichte kennen. Ich wusste,
hier war ich richtig. Ich fing an, eine weitere Gruppe zu besuchen und fand auch hier dasselbe Maß an Annahme, und ich begann, innerlich heile zu werden.
Wenn ich nach meiner Erfahrung als Neuling gefragt werde, sage ich, dass es so ist wie der Einstieg in ein Wasserbecken, das immer die ideale Temperatur hat: Kühl und erfrischend, wenn ich aufgeregt oder zornig bin, warm und besänftigend, wenn mir innerlich kalt ist und ich mich einsam
fühle.
Al-Anon Meetings und die Literatur sind wie Luft und Wasser für mich. Ich komme nicht mehr ohne sie aus. Es ist ein großer Trost für mich zu wissen, dass für den Rest meines Lebens Al Anon für mich da sein wird, wohin auch immer ich gehen werde.

Anonymous

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Ausgabe Dezember 2020, Al Anon Family Group Headquarters Inc. Virginia Beach, VA

Manchmal dauert´s auch heute noch eine Weile

Foto Schnecke auf großem SteinIn den letzten Tagen haben sich doch wieder alte ungesunde Denkmuster bemerkbar gemacht, mich verwirrt… und ich durfte wieder erkennen, dass das Leben mit seinen Herausforderungen – verstärkt auch durch die Belastungen in der andauernden Pandemiesituation – eben ist, wie es ist, mir aber heute Al-Anon mit seinen Werkzeugen zur Verfügung steht.

Über Ostern beschäftigte mich das Thema der Trauer über das Scheitern meiner Träume von heiler Ehe und Familie nochmal tief. Ein Blogartikel und die Arbeit mit dem Buch „Mit dem Öffnen unserer Herzen verwandeln wir unsere Verluste“ halfen mir ein Stück weiter. Ich spürte, dass ich erstmals fähig war, nochmal auf einer tieferen Ebene meine Verluste und geplatzten Träume wahrhaftig zu betrauern. Nicht über den Kopf, sondern die Gefühle zuzulassen. Soweit empfand ich es als heilsam.

Der Vierte Schritt war dann das Thema unseres temporären Telefonmeetings und berührte mich im Nachgang in meinem Inneren nochmal tief. Ich war seit den Feiertagen etwas dünnhäutig und ließ auch ungesunde Gedanken zu… wieder dieses „hätte ich doch damals“ usw. Was war da los? Ich dachte, ich hätte das doch nun alles längst bearbeitet, dazu meine gründliche furchtlose Inventur gemacht, Wiedergutmachung geleistet usw. und war verwirrt, dass ich plötzlich panisch dachte, ich müsse nochmal „richtig“ Wiedergutmachung an meinem Exmann leisten usw.

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Wer gehört dazu?

Foto eines WasserfallsManchmal kommt im Meeting die Frage auf: „Ich weiß nicht, ob ich dazugehöre?“
Oder auch in meiner Situation: „Musst du da noch hingehen? Bei Euch gibt es doch kein Trinkproblem mehr”.

In unserer Zweiten Tradition heißt es: – … Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist, dass bei einem Angehörigen oder Freund ein Alkoholproblem besteht -.
Letzte Nacht war mir wieder bewusst, warum ich immer noch an den Meetings teilnehme und mich zu Al-Anon zugehörig fühle.

Durch das mildere Wetter schlafe ich inzwischen wieder bei geöffnetem Fenstern und wurde zum zweiten Mal unsanft geweckt. Unser junger Nachbar hat seit Jahren ein massives Trinkproblem. Mich tangiert das (eigentlich) nicht. Er ist freundlich und hat sich noch nie irgendwie negativ mir gegenüber verhalten.

Aber:
Sobald er nachts angetrunken, betrunken oder mit anderen Substanzen abgefüllt nach Hause kommt, werde ich, nur allein von der Art wie er läuft, wankt oder auch stolpert, wach.

Was ist das?
Alte Mechanismen sind nicht weg. Die Gefahr von früher hat sich bei mir eingenistet und wird durch solche Ereignisse reaktiviert. Dafür brauche ich die Erinnerung an den Ersten Schritt: “Ich bin dem Alkohol gegenüber machtlos…”

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Ich lernte Selbstfürsorge, als mein Mann noch trank

Foto mit Blick in die LandschaftBei mir war es ein großer innerer Leidensdruck, der mich dazu veranlaßte, meinen Mann mit seiner Sucht zu konfrontieren. Ich hatte mir die Trinkerei lange kommentarlos angeschaut und einen schönen Tages sagte ich ihm auf den Kopf zu, dass ich glaube, dass er gerade eine halbe Kiste Bier intus hat. Er leugnete.
Ich sagte, dass ich ihn die neue Kiste habe hinstellen sehen, ging zur Kiste und schnippte die “getarnten” wieder zu gedrückten Kronkorken runter. Drehte mich kommentarlos um und ging wieder rein. Am nächsten Tag sagte ich ihm, dass ich mir nicht vorstellen kann mit einem Alkoholiker zusammen zu leben und dass ich mit ihm weitergehe, wenn er aufhört zu trinken und gehe, wenn er das nicht tut.

Heute weiß ich, dass ich nicht das Recht habe, jemandem den Stempel Alkoholiker aufzudrücken. Das Wort kommt mir nicht mehr über die Lippen. Ich hätte in dieser Situation auch nicht damit drohen sollen, ihn zu verlassen, denn zu diesem Zeitpunkt meinte ich nicht, was ich sagte.
Heute bin ich vorsichtiger in meiner Wortwahl und versuche möglichst genau das in Worte zu fassen, was ich meine. So kann ich hinter dem stehen, was ich sage und tun, was ich ankündige. …weiterlesen …

Hilfe durch die Literatur

Als meine älteste Schwester mir erzählte, dass bei ihr Nierenkrebs diagnostiziert worden sei, weinten wir beide am Telefon.
Es gab keine Hoffnung, denn die Erkrankung war in einem progressiven Zustand, in dem eine Operation nicht möglich war. Sie erzählte mir von den Medikamenten, die sie nehmen musste und es war klar, dass wir weniger als ein Jahr zusammen hatten.
Da fing ich an, in unserem wunderbaren Buch „Mit dem Öffnen unserer Herzen verwandeln wir unsere Verluste“ zu arbeiten. Ich las ein oder zwei Passagen und schrieb meine Gedanken und Gefühle auf. Danach war ich bereit, mit meiner Schwester zu telefonieren.
Ich hatte die Kraft zuzuhören und ihr zu sagen, wie ich über diese hoffnungslose Situation denke. Wir konnten die Krankheit realistisch betrachten, und das gab ihr, glaube ich, den Mut, dem Druck ihrer Familie standzuhalten. Diese wollte, dass sie kämpft, obwohl es kein Heilmittel gab.
Um gut für mich zu sorgen, las ich das Buch täglich. Auf der einen Seite konnten wir beide so der Realität besser ins Auge sehen und auf der anderen Seite konnten wir über unser Leben und die Menschen sprechen, die uns wichtig waren.

Tageslektüre

Foto vom BuchIn diesem Jahr habe ich meinen Al Anon Leseschwerpunkt auf unser erstes Tagesspruchbuch „Nur einen Tag nach dem anderen in Al Anon“ gelegt. Dieses Buch war in den Anfangsjahren eine gute Stütze, was auch die äußere Erscheinung verrät. Der Vogel hat den Umschlag zerkaut, es gibt
Spuren vom Kaffeetisch, wichtige Passagen sind angemarkert und so weiter. Dann fand ich dieses Buch irgendwann altmodisch und für mich nicht mehr passend. Daher wanderte die erste Anschaffung in die Sammlung der ausgelesenen Literatur. Irgendwann kaufte ich mal ein neues Exemplar, was nun in diesem Jahr mein täglicher Begleiter ist. Der Beitrag vom 18. Februar hat mich sehr zum Nachdenken angeregt.
Zitat: Wir können keine Wunder über Nacht erwarten; es hat Jahre gedauert, die Situation zu bewirken, in der wir uns jetzt befinden.
Noch vor einiger Zeit habe ich mich beklagt, dass ich es so schwer schaffe, von der Überholspur auf eine normale Geschwindigkeit zu wechseln. Obwohl es gar nicht nötig war, gab es immer noch das Gefühl von: Es ist nicht genug, es müsste schneller gehen, warum schon wieder dieser innere Druck.

Schnell, schnell, schnell und am besten alles auf einmal. Was eine Belastung.
Mit dem Lesen des Textes fiel mir der Spruch eines Mitgliedes wieder ein. Auf meine nicht zu bändigende Ungeduld mit mir und allem um mich herum, bekam ich die Antwort:„Es dauert so lange wie es dauert! Oft genauso lange wie der Weg in der eigentlichen Alkoholkrise.“
Ja, ich bin in einer Familie groß geworden, in der zwar nicht getrunken wurde, aber ein Elternteil extrem durch das Trinken des eigenen Vaters beeinträchtigt war.

Meine Generation hat sich die entsprechenden Partner gesucht und sie auch erfolgreich gefunden. Auf einmal wurde mir klar, was sich verändert hat. Ich durfte die erste sein, die aus diesem alkoholischen Krankheitskarussell aussteigen konnte. Der Weg war tatsächlich sehr lang und teilweise auch steinig. Es hat sich gelohnt nicht auf ein Wunder zu warten, denn das war wundersamer Weise nach jahrelanger Arbeit auf einmal für mich da.

Danke Al Anon für die vielen kleinen und großen Wunder in meinem Leben.
Eine Angehörige

Hoffnung – endlich!

Foto blaue BlumeDie Erfahrung, nicht mehr alleine zu sein, erlaubte mir, mich mit der Scham und der Schuld auseinanderzusetzen, die mit der Familienkrankheit Alkoholismus in Verbindung steht.

Andere Al-Anon Mitglieder waren in der gleichen Situation und kämpften damit – genau wie ich. Das erleichterte mich und half mir, von mir zu erzählen. Indem ich andere um Hilfe bat und ihrer Erfahrung, Kraft und Hoffnung zuhörte, konnte auch ich mich meinen Schmerzen stellen.

Das Loch in meinem Herzen begann zu heilen. Meine Machtlosigkeit über den Alkohol und seine Auswirkungen auf mich und meine Familie zu verstehen, gab mir die Chance, überhaupt wieder ein Gefühl von „ich kann es bewältigen“ zu erreichen. Ich fühlte mich nicht länger für alles verantwortlich oder schuldig, was in unserem Leben passierte. Ich begann, die Situation zu akzeptieren, wie sie war und fand eine gewisse geistige Gesundheit wieder.

Meinen besessenen Gedanken erlaubte ich nicht mehr, jeden wachen Moment und jede meiner schlaflosen Nächte zu beherrschen. Mit dem Verstehen meiner Machtlosigkeit konnte ich plötzlich besser schlafen und hatte mehr Zeit, andere Dinge zu tun. Ich suchte nicht mehr Schutz im Auto und hörte dabei weinend immer wieder den gleichen Song.

Schließlich konnte ich mein Leben geistig gesünder und hoffnungsvoller bewältigen.

By Manette M., California

Aus: The Forum, Februar 2020 Gedruckt/ veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Al-Anon Family Group Headquarters, Inc., Virginia Beach, VA
 

Struktur

Foto: Baum mit eisigen ÄstenJe länger die jetzigen Einschränkungen dauern, um so schwerer fällt es mir, nicht in alte Muster zu verfallen. Das tägliche Einerlei wird mir jeden Abend klar, wenn ich in mein Tagebuch schreibe.
Manchmal erinnere ich mich nicht mehr, ob ich denn zum Einkaufen war oder nicht. Mit wem habe ich heute telefoniert? War ich heute draußen oder war das schon gestern? Das hat nichts damit zu tun, dass mein Gehirn nicht mehr funktioniert. Nein, wie früher spult sich der Tag ab in der Hoffnung, dass es endlich wieder „normal“ wird.
Dementsprechend bin ich auch manchmal ungeduldig oder ungerecht mit meinem Partner: „Das habe ich Dir doch schon gesagt!“, „Warum ist das denn immer noch nicht erledigt!“ „Musst du morgens immer schon so früh telefonieren!“
Alles keine großen Sachen, aber die Arbeit an mir selbst, ist ohne die regelmäßigen Besuche im Meeting viel schwerer geworden. Dabei habe ich mehrmals die Woche Kontakt zu meinen Al-Anon Freunden. Ebenso habe ich meine Literatur, und die nicht nur – zum im Schrank stehen -. Daran kann es also nicht liegen.
Beim Durchforsten meiner Al-Anon Literatur stieß ich auf unsere Programmkarte, und siehe da, sie hatte die Lösung für mich. – Mach Dir einen Plan… – Genau, durch das ewige Warten auf Veränderung habe ich keinen klaren roten Faden mehr in meinem Tagesablauf.
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Mit jedem Meeting geht es mir besser

Foto„Was tue ich hier?“, dachte ich. Ich wollte gar nicht hier sein. Ich fragte mich wie Al-Anon mir helfen sollte, bei dem, womit ich daheim konfrontiert war. Diese Leute kennen mich nicht einmal, dachte ich, aber es stellte sich heraus, dass sie mich kannten.

Ins erste Meeting zu gehen, war wohl das beängstigende, traurigste und auf der anderen Seite, der für mich lebensrettende Moment, den ich jemals erlebt habe. Meine Lebenssituation brachte mich hierher, egal ob ich es wollte oder nicht. Ich fühlte mich in dem Moment, als ob ich meinen alkoholkranken Partner verraten würde. Als würde ich ihn für die ganze Welt als Alkoholiker abstempeln.

Ich dachte, wie kann ich jemand, den ich so sehr liebe, auf diese Weise bloßstellen. Aber ich setzte mich auf meinen Platz und hörte zu. Da gab es keinen Zwang zu sprechen, in Kontakt zu treten oder sich jemanden anzuvertrauen. Ich brauchte nur zuzuhören. Ich hörte viele Geschichten, die meine hätten sein können. Sie wurden erzählt von Menschen aus allen Schichten, die im selben alkoholischen Durcheinander lebten wie ich. …weiterlesen …

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