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Fortschritt statt Perfektion

Foto einer Blüte mit BieneDer Spruch “Fortschritt statt Perfektion” hilft mir, mich ein bisschen mehr zu entspannen. Es ist okay, kleine Schritt zu gehen. Für mich ist es schon ein Fortschritt, dass ich erkannt habe, dass mein Selbstbewusstsein ziemlich im Keller ist und auch, dass es mir nun gelingt, mir das einzugestehen.
Ich dachte immer mein Wert sei davon abhängig, was ich leiste oder davon, wie gut ich helfe. Ich merke, dass ich Lob manchmal ganz schlecht annehmen kann, weil es gar nicht mit dem Bild, was ich selbst von mir habe übereinstimmt. Ich bin manchmal sehr kritisch zu mir und sage mir immer eher “Das hast du jetzt aber nicht so gut gemacht“, “Das war jetzt aber schlecht von dir“. Es tut mir weh, diese innere Stimme zu hören, aber dennoch bin ich froh, dass ich diese Stimme jetzt wahrnehmen kann. Denn Probleme können ja erst gelöst werden, wenn ich sie wahrnehme. Ich möchte nicht mehr verleugnen.
Ich dachte lange Zeit, mein Selbstwertgefühl ist von der Anerkennung der anderen abhängig, aber jetzt sehe ich, dass es auf diesem Weg nicht funktioniert. Ich werde nicht glücklich, wenn ich auf die Bestätigung und das „okay“ von außen warte. Ich darf mir selbst erlauben glücklich zu sein, und das auch unabhängig davon, wie es meinen Mitmenschen geht.
Eigentlich habe ich immer gedacht: wenn die anderen sich endlich mal ändern würden und Verantwortung für ihre Sucht übernehmen würden, dann hätte ich diese Verantwortung ja nicht mehr und dann wäre vieles viel leichter. Jetzt sehe ich, dass nicht die anderen sich ändern müssen, sondern ich selbst. Ich möchte aufhören, diese Verantwortung tragen zu wollen. Sie machte mich kaputt und führte dazu, dass ich mein Leben nicht mehr meistern konnte.
Ich habe gesehen, dass das Streben nach Perfektion in meinem Leben oft Stillstand bedeutete: Bevor ich etwas verkehrt mache, mache ich lieber gar nichts. Bevor ich etwas Falsches sage, sage ich lieber gar nichts. Al-Anon zeigt mir, dass es darum geht, die kleinen Schritte zu feiern. Ich erlaube mir selbst, den Tag zu genießen und zufrieden mit mir zu sein. Heute bin ich gut genug: wertvoll, einzigartig und unperfekt.
Sophia, eine Al-Anon

Gesunde Grenzen

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109) Ich glaube, das Wort „Loslassen“ wird oft missverstanden. Für mich bedeutet loslassen die Freiheit, das zu besitzen, was mir gehört und anderen zu erlauben, das zu besitzen, was ihnen gehört.

Diese Freiheit erlaubt mir, meine eigene Identität zu wahren und dennoch anderen Liebe und Fürsorge entgegenzubringen und ihre Gefühle zu verstehen. Tatsächlich glaube ich, dass wir als Menschen daran gemessen werden können, ob wir fähig sind, Schmerz und Freude eines Anderen wahrzunehmen. Seit langem wende ich die Al-Anon Prinzipien an, so gut ich kann. Aber wenn jemand in Al-Anon erzählt, es ginge ihm oder ihr schlecht, kann ich mich wieder in den ersten Tag zurückversetzen. Ich lebe nicht mehr mit dieser Seelenqual, aber ich kann sie fühlen. Ich kann den Schmerz anderer spüren, ohne ihn beseitigen zu wollen. Für mich ist das ein Al-Anon Erfolgserlebnis.

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Was ein schöner Sonntag

Foto mit drei TeddysHeute hatten wir Besuch von meinem Sohn, der meinem Mann bei technischen Problemen mit dem Computer hilfreich zur Seite stehen wollte.
Was ein Unterschied zu den Jahren, als wir uns als Patchwork-Familie zusammenfinden mussten. Drei durch die Familienkrankheit Alkoholismus verletzte Seelen auf dem Weg der Genesung mit Al-Anon und A.A., später dann auch noch Alateen.
Lange ist es her, dass wir Samstag für Samstag in der Küche zusammenhocken mussten, um die vergangene Woche zu reflektieren und eine Strategie für eine bessere kommende Woche gemeinsam ausarbeiteten. Wie oft habe ich neidisch aus dem Fenster auf die Leute geschaut, die in meinen Augen unbefangen auf dem Wochenmarkt als Familie einkaufen konnten. Für uns war mancher Außenkontakt eine Herausforderung, da jeder das Verhalten des anderen beäugte und natürlich unser Heranwachsender genau wusste, welche Knöpfe zu drücken waren, damit es nach seinem Willen läuft. Wir waren für einige Freunde sicher anstrengende Gäste. Der Weg zur Lösung unserer Probleme war für manchen nicht gut aushaltbar, denn wir haben miteinander danach gesucht. Wir haben nichts unter den Teppich gekehrt, sondern manchmal auch recht temperamentvoll die Unstimmigkeiten ausgefochten.
Da gab es Zeiten in denen ich mir die Frage stellte, ist dieser Aufwand die Partnerschaft wert? Meinem Partner ging es ähnlich, da er in manchen Situationen ratlos kurz vor dem Kofferpacken stand, um sein trockenes Leben nicht zu gefährden. Mein Sohn wollte auch von Zeit zu Zeit eine Trennung von uns oder mir oder meinem Partner, den er jedem als seinen Vater vorstellte. Sein leiblicher Vater war kurz vor seiner Einschulung am Alkoholismus verstorben. Wie auch immer, wir haben es geschafft bis zum Abschluss seines Studiums zusammenzuleben und haben dabei die Werkzeuge unserer Programme sehr häufig als Heil- und Hilfsmittel angewendet.

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Erster Schritt

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109) Der Alkoholiker benutzt manchmal Ablenkungsmanöver, um die Familie oder Freunde daran zu hindern, ihn vom Trinken abzuhalten, indem er die anderen beschuldigt oder sie provoziert. In einem solchen Moment haben wir, die wir durch das Trinken eines anderen beeinträchtigt sind, die Angewohnheit, zu reagieren, zu argumentieren und uns zu rechtfertigen. Das Ergebnis ist, dass niemand das Alkoholproblem ansehen muss, denn wir sind zu sehr damit beschäftigt, uns auf den Punkt zu konzentrieren, über den wir diskutieren – ganz gleich, worum es auch geht. Und unglücklicherweise machen wir das zur Wirklichkeit, wogegen wir uns wehren.

Im Ersten Schritt geben wir zu, dass wir keine Macht über diese Krankheit haben. Wir besitzen nicht die Kraft, die nötig wäre, um dagegen anzugehen. Uns zu verteidigen, indem wir uns auf Diskussionen mit trinkenden oder anderweitig unvernünftig handelnden Menschen einlassen, ist so zwecklos wie eine Rüstung anzulegen, um uns vor einer Atomexplosion zu schützen. Nur eine Macht – größer als wir selbst – kann uns unsere geistige Gesundheit zurückgeben.

Überlegung für Heute

Ich bin dafür verantwortlich, das Nötige zu tun, um mich in Sicherheit zu bringen. Aber wenn meine Sicherheit nicht gefährdet ist, kann ich mir die Zeit nehmen, zu überlegen, wie ich reagiere. Ich brauche nicht sofort auf herausforderndes Benehmen einzugehen, und ich bin keinem Menschen Rechenschaft schuldig. Indem ich mich um Schutz an meine Höhere Macht wende, statt mich auf meine eigene Klugheit oder meinen Willen zu verlassen, sichere ich mir den bestmöglichen Schutz.

„Sobald wir unsere Situation so sehen konnten, wie sie wirklich war, begriffen wir, warum wir uns an eine Macht, größer als wir selbst, wenden mussten.“

Al-Anon Zwölf Schritte und Zwölf Traditionen

Quelle: Mut zur Veränderung – 3. Juni – Seite 155

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)

Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
Emilienstraße 4 – D – 45128 Essen
Telefon: 0201 / 77 30 07 – www.al-anon.de

Versöhnung ist möglich

Foto eines gelegten Herzens aus Blumen ausIch bin noch immer etwas erstaunt, dass eine Begegnung mit meinen Eltern in dieser Form überhaupt noch möglich wurde. Seit ca. 1,5 Jahren lebte ich in einer Kontaktpause zu ihnen. Das war für mich eine Entscheidung, die „lebens-not-wendig“ war, genau in diesem Wortsinn. Für mein Leben musste ich damals die Not wenden.
Zum Glück hatte ich Al-Anon schon vor einer Weile gefunden. Ich gehe regelmäßig in Meetings, arbeite in den Schritten und mit meiner Sponsorin. Somit konnte ich in dieser schwierigen Zeit weiter an der Entwicklung meiner Persönlichkeit arbeiten. Ich befreite mich Schritt für Schritt von meiner inneren Verhaftung an ein kindliches Sein, von dem früheren Hoffen auf „meine Eltern sind endlich so, wie ich es brauche und alles wird gut“.
„Wenn ich etwas tue, tut sich was für mich“ – wie wahr! Ich lernte, Verantwortung für mich zu übernehmen und Entscheidungen für mein Leben zu treffen. Nicht mehr zu hoffen und zu warten, jemand anderes würde das für mich machen…oder der andere ändert sich endlich…oder ich mache einfach die Augen zu und das Problem ist weg. Ich beendete das Zusammenleben mit meinem 20-jährigen PC-süchtigen Sohn, nahm meine Essstörung ernst und konnte auch endlich akzeptieren, dass ich nicht mehr in meinem helfenden Beruf arbeiten kann, ohne mich selbst aufzulösen.
Mit diesem späten Wachstumsweg (ich bin Mitte 50) konnte ich auch Gefühle von Zuneigung zu meinen Eltern wahrnehmen. Ich spürte meine Bereitschaft und Kompetenz, ihnen jetzt erwachsen und autonom gegenüber treten zu können; nicht mehr ihrem alkoholkranken Verhalten ausgeliefert zu sein. Ich habe meine Grenzen und trage Verantwortung dafür, sie zu schützen.

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Al-Anon in Barcelona, Spanien

Foto eines MeetingsschildIch möchte mit Euch etwas ganz Besonderes teilen.
Vor noch nicht allzu vielen 24 Stunden fand ich den Weg zu Al-Anon. Es hat mein Leben verändert. An alle neuen Interessierten dort draußen, die diesen Blog lesen und verfolgen, möchte ich insbesondere mitgeben, dass dies keine Übertreibung ist. Ich bin super skeptisch in fast allen Lebenslagen, auch wenn es sich mittlerweile schon gebessert hat. Können fremde Menschen mir helfen? Wie soll das funktionieren? Ist das Leben überhaupt lebenswert? Finde es heraus und gehen zu einem Meeting in Deiner Nähe. Ich konnte mich endlich Menschen so zeigen wie ich bin. Und das Beste daran, sie verstanden mich.
Meetings sind für mich ein wesentlicher Bestandteil meiner Routine geworden. Sie helfen mir immer wieder von neuem mit meinen vielen Fragen, indem ich die Erfahrungen der anderen Gruppenmitglieder aufnehme und für mich mitnehme, was ich gebrauchen kann. Dadurch, dass ich anfing von mir zu erzählen und meine Geschichte zu teilen, fühlte ich mich mit der Zeit stärker und selbstbewusster. Ich meine damit nicht die vermeintliche Stärke meines bisherigen Alltags, meinen Schutzwall gegenüber anderen, mein Drang Dinge zu tun und zu erledigen, der Kümmerer schlechthin – nur nicht um mich selbst. Ich meine die Stärke in meinem Inneren. Mein wahres Ich. Meine Gruppe hat mich von Anfang an bestärkt auch andere Gruppen zu besuchen. Durch meinen Beruf reise ich in regelmäßigen Abständen durch Deutschland. Aktuell verschlägt es mich eher in die Berliner Region. Immer wenn ich unterwegs bin, besuche ich ein Meeting. Einmal schlitterte ich in eine A.A.-Gruppe (Anonyme Alkoholiker) und merkte es erst Minuten nachdem ich mich setzte. Von der parallel stattfindenden Al-Anon-Gruppe war an diesem Tag keiner da. Also blieb ich, und durfte es. Als “Erwachsenes Kind” (aufgewachsen in einer alkoholkranken Familie) sprach ich danach die einzige Frau an, ein langjähriges trockenes A.A.-Mitglied. Wir sprachen eine Weile über meine Mutter. Unendlich dankbar bin ich auch über diese Erfahrung. …weiterlesen …

Wie gehe ich mit unserem Al-Anon Programm um?

Foto von einem BaumstammAl-Anon hat das Zwölf Schritte Programm von A.A. mit nur kleinen Veränderungen übernommen.
Anfangs konnte ich mit den Schritten nicht viel anfangen. Ich dachte – am besten wäre es wohl, wenn ich alle Schritte auf einmal verstehen würde und mein Leben danach ausrichten könnte. Ja, das war MEIN Anspruch an mich, wiedermal perfekt sein wollen. Im Laufe der Jahre ist mir die Arbeit mit unserem Programm, also auch mit den Zwölf Schritten, wichtig geworden.
Am meisten begriff ich von einzelnen Schritten, wenn es im Meeting dazu Rundgespräche gab. So manche Anregung konnte ich dann mitnehmen. So geht es mir noch heute. Es ist schon ein guter Brauch, in den Meetings immer nur über den Schritt zu sprechen, der dem Monat entspricht. Erst durch die Wiederholungen jedes Jahr konnte ich tiefer den Sinn verstehen.
Das Verstehen lief und läuft bei mir nur, wenn ich eigene Gefühle, Erlebnisse damit verbinden kann. Manches fällt mir eben nur stückchenweise dazu ein und weckt Gefühle dazu. Nicht umsonst heißt es, es werden nur so viele Erinnerungen wach, wie ich jeweils verkraften kann. In Wahrheit brauchte es lange Zeit, bis ich mich mit dem einen oder anderen Schritt mehr oder weniger identifizieren konnte. Noch heute entdecke ich so manches Mal in deren Wortlaut etwas, was mich besonders anspricht, was ich früher gar nicht wahrnehmen konnte.
Durch Sponsorschaften nahm ich auch Einiges mit, wodurch mir die Schritte (oder einige) begreiflicher wurden. In den Schritten geht es immer um das, was WIR machten (oder machen). D.h. nicht im stillen Kämmerlein erschließt sich das, was die Schritte uns zu sagen haben. Gespräche darüber sind wichtig, denn uns hat ein Problem zusammengeführt und das verbindet uns. Es gibt viele ähnliche Erlebnisse mit der Familienkrankheit Alkoholismus.

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Was ist denn das Wichtigste?

Foto vom SäulendurchgangKaum ist mein Mann zur Tür raus, rattert es in meinem Kopf. Toll, er ist das ganze Wochenende weg und ich habe mal wieder das Haus für mich. Blitzschnell schlägt dieses positive Gefühl um. Gedanken von Ruhe und meiner Ordnung in den vier Wänden verwandeln sich in hektische Aufträge: Haus putzen, Steuererklärung machen, endlich die Wäsche wegbügeln, die To-Do-Liste abarbeiten, sich mit Freundinnen treffen….. Ich bin wieder drin im alten Hamsterrad. Das ist meins, denn keiner erteilt mir diese Aufträge. Der Slogan „Das Wichtigste zuerst“ ist auf einmal nicht mehr klar. Was ist denn jetzt wirklich wichtig? Deshalb setze ich mich hin und schreibe auf, was die alten Geister der Alkoholkrankheit von einem Moment auf den anderen mit mir machen. Ich bin auf einmal nicht mehr wichtig. Spüre mich nicht mehr, obwohl die Fäden von der Operation der letzten Woche noch nicht gezogen sind. Die Erkältung, die mich schon seit zwei Monaten begleitet, gehört auch wie selbstverständlich zu mir. Alte Stimme: „Stell dich nicht so an, schau mal, was ich schon auf meinen Schultern hatte und trotzdem alles erledigt habe.“ HALT! So bin ich aufgewachsen und so habe ich viele Jahre in der alkoholkranken Umgebung gelebt, das will ich doch gar nicht mehr und kann es auch besser.
Ich nehme mir die Zeit, stoppe diese lange Liste meiner Ansprüche an mich. Mein Partner hat sie gar nicht. Er möchte, dass ich es mir gut gehen lasse. Die anderen alten Auftraggeber leben meist schon nicht mehr, also was soll dieses Kopfkino?
Mit dem Aufschreiben kommt Ruhe in mir auf. Ich steige aus, verabschiede die stimmgewaltigen Kopfbewohner und schicke sie in das heutige Grau des Tages.
Der Kopf ist frei und ich weiß wieder, was das Wichtigste ist. Nein, wer das Wichtigste ist: ICH. Die Alkoholkrankheit ist körperlich, seelisch und geistig. Sie kommt nur zum Stillstand und ich werde nicht von ihr geheilt, wie ich immer wieder erlebe. Dank Al-Anon habe ich jedoch Werkzeuge, die mich über kurz oder lang in die Lage versetzen, besser mit mir umzugehen und mich ernst zu nehmen.
Jetzt geht es mir gut, eine Al-Anon

Von der Selbstachtung

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Meine Selbstachtung steigt, wenn ich mich so liebe und akzeptiere wie ich bin. Jedes Mal, wenn ich mein Selbstwertgefühl nur auf das stütze, was ich tue, oder was andere von mir denken, blockiere ich mein eigenes Wohlbefinden. Wenn ich allen Menschen auf der Erde gefallen könnte, oder wenn ich jeden „in Ordnung bringen“ und alle Schwierigkeiten ausräumen könnte, die ihnen begegnen, wenn ich die Welt zu einem perfekten Ort machen könnte – sogar dann würde ich mich selbst wahrscheinlich nicht gut finden. In der Tat, ich müsste mein ganzes „Selbst“ aufgeben, um diese unmögliche Aufgabe zu erfüllen.

Ich kann nicht vollkommen sein. Ich kann andere nicht vollkommen machen. Doch ich bin der Liebe, der Achtung und der Freude wert. Ich will mich jeden Tag daran erinnern, dass ich ein Kind einer vollkommenen Höheren Macht bin. Das an sich fordert Achtung – meine Achtung – für das wunderbare „Selbst“, das mir gegeben wurde.Wenn ich mir dies vor Augen halte, werde ich mein „Selbst“ nicht aufgeben, was immer ich auch tue.

Überlegung für Heute

Wenn ich heute vor die Wahl gestellt werde, will ich mich für den Pfad entscheiden, auf dem ich meine Selbstachtung steigern kann.

Ich lerne ein erfülltes Leben zu leben, eines, in dem ich mich als die Person, die ich bin, mag und auf mich achte.“

Die Herausforderung

Quelle: Mut zur Veränderung – 27. April –  Seite 118

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)

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Mein Weg als Angehörige

Foto Abendhimmel mit WolkenImmer wieder kommen mir Erinnerungen hoch, wie es mir erging, als mein Mann noch trank. Ich grübelte und sann nach, was ich noch machen kann, dass mein Mann weniger Alkohol trinkt und verträglicher wird. Es war eine Endlosschleife, in die ich geraten war. Meine Gedanken kreisten in jeder freien Minute um ihn, seine Verstecke, sein Verhalten mir und den Kindern gegenüber.
Eines Nachts, im Morgengrauen eines Sommertages, wusste ich nicht, wie mir geschah. Ich rang nach Luft, war außer mir. Von dem Zeitpunkt an blieb mir oftmals die Luft weg. Ich war kräftemäßig und gesundheitlich am Ende. Nun überlegte ich, wie ich das alles mit den 4 Kindern und dem trinkenden Alkoholiker schaffen kann.
Meine Berufstätigkeit, die ich gern ausübte, fiel mir immer schwerer. Oft war ich krank und musste zur Kur. Nein, das war nicht zu schaffen. Also beschäftigte ich mich mit dem Gedanken der Trennung. Das hieße dann, dass ich mich von den 2 Kindern, die schon in meinem Herzen ihren Platz gefunden hatten, auch trennen müsste….. es war ein Prozess, der ein 3/4 Jahr dauerte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als diesen Schritt zu gehen.
Ohne Ankündigung und völlig allein beschloss ich, die Scheidung einzureichen.
Als mein Mann meinen Scheidungsantrag vom Gericht bekam und Stellung nehmen sollte, wurde er wach. Er fragte mich, ob ich mit ihm zur Eheberatung gehen würde. Davon hatte ich schon lange vorher gesprochen, doch bis dahin, wehrte er ständig lautstark ab. Aber nun wollte er. Wir gingen zur Eheberatung und ich zog den Scheidungsantrag zurück. Allerdings erwies es sich als sehr nachteilig, dass der Psychologe dort, wie ich später erfuhr, keine Ahnung von der Alkoholkrankheit hatte – ich auch nicht. Er fragte mich, ob ich damit einverstanden wäre, wenn mein Partner 1-2 Bier und nicht jeden Abend trinken würde. Ich stimmte dem zu, hatte aber im Hinterkopf, dass es doch so viele Verstecke gab und er bisher doch immer trank.
Wir hatten eine Gesprächstherapie, die uns in gewisser Weise etwas half. Das Alkoholproblem blieb in abgeschwächter Form, später dann quartalsmäßig, d.h. immer wenn ich dachte, wir könnten nun doch künftig ein gemeinsames Leben führen, dann lauerte schon der nächste Absturz.
Erst 12 Jahre später las ich in der Zeitung, dass es hier eine Al-Anon Gruppe gibt.

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