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Einen Tag nach dem anderen

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Leben mit Alkoholismus lehrte mich, dass Pläne jederzeit umgeworfen werden konnten, ebenso wie Spielregeln. Ich entwickelte ein tiefes Misstrauen gegenüber allem und jedem, weil ich mich auf nichts verlassen konnte.

Als Folge davon ergriff ich oft jedwede Gelegenheit beim Schopf, ohne groß darüber nachzudenken. Hinter meinen Handlungen steckte oft Verzweiflung: „Ich greife besser jetzt zu – vielleicht ist es die einzige Chance.“ Al-Anon lehrte mich eine andere Betrachtungsweise: Ich kann „einen Tag nach dem anderen“ leben. Ich kann meine Entscheidungen danach treffen, was heute für mich richtig ist, und nicht danach, was ich fürchte, in der Zukunft vielleicht zu verlieren. Ich kann „denken“, bevor ich auf meine Ängste reagiere und mich an „Eile mit Weile“ erinnern.

Wenn ich mich nicht in der Lage fühle, heute etwas zu tun, vertraue ich darauf, dass es noch eine andere Gelegenheit geben wird, wenn es etwas ist, das ich wirklich tun soll. Es muss nicht jetzt oder nie sein, alles oder nichts.

Überlegung für Heute
Heute muss ich mich nicht von meinen alten Ängsten einengen lassen. Stattdessen kann ich tun, was richtig erscheint. Ich muss nicht jedem Vorschlag folgen, oder jedes Angebot annehmen, das mir gemacht wird. Ich kann meine Möglichkeiten abschätzen und um Führung bitten, damit ich das wähle, was für mich am besten ist.

„Es gibt eine Führung für jeden von uns, und wenn wir demütig zuhören, werden wir das richtige Wort hören… Stelle dich mitten in den Strom von Kraft und Weisheit, der durch dein Leben fließt. Dann bist du ohne Anstrengung auf dem Weg zu Wahrheit und vollkommener Zufriedenheit.“

Ralph Waldo Emerson

Quelle: Mut zur Veränderung – 30. Januar – Seite 30

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
www.al-anon.de

Außenwirkung nicht ausgeschlossen

Foto eines alten MauerdurchgangsNach einiger Zeit in Al-Anon und der Arbeit an mir selbst denke ich trotzdem noch öfter: du hast nichts gelernt, jetzt könntest du doch endlich im Schlaf alles anwenden…Zum Glück kann ich diese alten Muster der Selbstabwertung heute viel früher erkennen und mit einem Stopp! oder dem Slogan Denke! bremsen…dann erstmal durchatmen und mir Raum und Zeit für eine gesündere Herangehensweise nehmen.
Gerade in der weiterhin angespannten äußeren Pandemie Lage brauche ich jetzt besonders meine ganze Aufmerksamkeit, um in der Realität zu bleiben und Verwirrungen rechtzeitig zu erkennen. Kürzlich war ich in einer Arbeitssituation kurz davor, alles nach meinem alten Muster wieder alleine zu machen („Du machst das doch so toll…“) und spürte nach wenigen Tagen sofort eine Überforderung.

Ich habe zum Glück mit Hilfes unseres Programms gelernt, meine Gefühle wahr und ernst zu nehmen und dann zu prüfen, was ist passiert, worum geht es und wo liegen meine Handlungsmöglichkeiten. Besonders darf ich mich noch in Geduld mit mir selbst üben und darin, Verantwortung für mein Tun und Lassen zu übernehmen.
In den vielen Jahren, in denen ich mit dem aktiven Alkoholismus meiner Lieben lebte und nichts von dieser Krankheit und ihren Auswirkungen auf die

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Selbsterkenntnis

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Ehe ich zu Al-Anon fand, benutzte ich oft die Probleme anderer Leute als Entschuldigung, um mich nicht um meine eigenen Verpflichtungen kümmern zu müssen. Ich genoss die dramatischen Krisen anderer und ließ keine Gelegenheit aus, darüber zu sprechen. Mein eigenes Leben kam mir immer bedeutungsloser vor, und meine Probleme hielt ich für belanglos.

Daher hatte ich große Schwierigkeiten, mich auf mich selbst zu konzentrieren, als ich zu Al-Anon kam. In den Meetings wollte ich über den Alkoholiker sprechen, aber es schien niemanden zu interessieren. Alle fragten immer nur nach mir – wie ich mich fühlte, was ich tat, was ich wollte.

Ich fand heraus, dass ich übertrieben an anderen interessiert war, weil ich eine so geringe Meinung von mir selbst hatte. Dank meines Sponsors konnte ich erkennen, dass ich mir selbst schadete, wenn ich mich so verhielt, als sei das Leben anderer wichtiger als mein eigenes. Damit musste Schluss sein, wenn ich lernen wollte, meine eigenen Erfahrungen richtig zu bewerten. Mich auf mich selbst zu konzentrieren, war der erste Schritt zur Selbstachtung. Das musste ich üben, aber mit der Unterstützung in den Meetings gelang es mir immer besser. Ich lernte, über mich selbst zu sprechen, und meine Gefühle, meine Erfolge und meine Belange als wertvoll und wichtig anzusehen.

Überlegung für Heute
Wenn ich heute versucht bin, zu klatschen oder aus dem Leben eines anderen ein Drama zu machen, will ich mich selbst fragen: „Was ist los mit mir?“

„Wir sprechen über unseren Anteil an unseren Problemen und wie wir unsere Einstellung und unser Tun dadurch ändern, dass wir das Al-Anon Programm in unserem Leben anwenden.“

Hier spricht Al-Anon

Quelle: Mut zur Veränderung – 25. Januar – Seite 25

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
www.al-anon.de

Denke ich an Weihnachten in der Nacht …

WeihnachtenHallo ich bin Bozena,

ich bin in einer alkoholkranken Familie aufgewachsen.

Weihnachten ist ein riesiges Thema für mich. Denke ich an Weihnachten, so habe ich so viele Erinnerungen, so viele Erwartungen und Vorstellungen.

Ich bin jetzt keine 20 mehr und durfte schon einige Weihnachten erleben.

Meine Weihnachten als Kind, meine Weihnachten vor meiner Zeit in Al-Anon und
meine Weihnachten seit ich bei Al-Anon dabei bin.

Ich habe mich schon oft auf Weihnachten gefreut und ich habe mich schon oft vor Weihnachten gefürchtet. Manchmal habe ich mich auch darauf gefreut und gleichzeitig davor gefürchtet.

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Wahrnehmungen

Foto, Bäume im NebelInzwischen nagen die vermummten Gesichter auch an mir. Als wir uns noch im Präsenzmeeting treffen konnten, war auch mal außerhalb der Familie jemand da, dem ich ins Gesicht schauen konnte. Klar, ich habe einen Partner und nette Nachbarn, die sich mal über einen kleinen Schnack freuen. Aber selbst in unserem Stadtteil, wo wir ohne Vermummung laufen dürfen, sind die Kontakte über Mimik kleiner geworden. Jeder versucht, sich so schnell es geht zu entfernen.

Da kommt schon mal das Gefühl von früher in mir hoch. Bloß keinem zu nahe kommen, bloß keinem Gelegenheit geben, dass er etwas sagt oder noch schlimmer mich etwas fragt. Heute wäre das ja eigentlich keine Sache. Mein Leben läuft in geordneten Bahnen. Es wird nicht mehr herumgetobt und ich muss meine verheulten Augen nicht mehr überschminken. Trotzdem sind die alten Denk- und Gefühlsbahnen immer noch vorhanden.

Ich habe bei meinen ersten Besuchen im Meeting häufig von Dankbarkeit gehört. Damit konnte ich nichts anfangen. Nach so vielen Jahren im Chaos. Wovon sprachen die Menschen dort? Dankbar sein für „verlorene“ Jahre? Arbeiten an mir selbst, obwohl doch der Partner getrunken hat? Langsam habe ich mich damals vorgetastet. Die Freude über eine Blume, deren Duft ich wahrnehmen konnte; einen Vogel, der vielleicht nur für meine Ohren sein Lied sang; die Kinder, die mir zuwinkten. Einfach nur so.

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Die Leichtigkeit lernen

Foto Die persönlichen Aussagen in unseren Meetings gleichen sich häufig. Manchmal fühle ich mich an Zeiten erinnert, in denen ich abends vor Sorge und Ärger nicht einschlafen konnte. Meist war es Ärger über mich, weil ich nicht aus der alkoholkranken Umgebung gehen konnte oder über die Anderen, die ihre Versprechungen nicht einhielten.

Auch heute höre ich immer wieder Beiträge über die Unzulänglichkeiten der Partner, bei denen das liebevolle Loslassen auch nach langer Zeit einfach nicht glücken will. Oft geht es nicht vordergründig um den Alkohol.
Die alltäglichen Gegebenheiten bieten immer wieder Stoff für Herausforderungen im Zusammenleben. So ist es auch in unserem Buch „Mut zur Veränderung“ beschrieben. Darin steht sinngemäß, dass es mir Erleichterung bringen kann, wenn ich eine Höhere Macht gefunden habe. Ich kann lernen zu ihr zu sagen: „Nicht mein Wille, sondern Dein Wille“, also der einer Höheren Macht soll geschehen. Sie kann die Dinge auf eine Weise ordnen, die ich mir nicht vorstellen kann.
Mich daran zu erinnern, hilft mir immer wieder. Ich bin machtlos, egal welcher Situation gegenüber, wenn diese von einem anderen Menschen verursacht wird. Mein Umgang mit diesen Situationen hat sich jedoch verändert und das bringt mir Leichtigkeit und inneren Frieden.

Muss ich mich wirklich über den Radfahrer auf dem Fußweg ärgern, ihn anmotzen oder vielleicht sogar in den Weg stellen?
Soll ich den Falschparker fotografieren, anzeigen oder schlimmstenfalls sein Auto demolieren?
Soll ich meinem Partner die Socken um die Ohren hauen, die Teller, die auf der Spülmaschine stehen, vor die Füße werfen?

Ich könnte endlos weiter aufzählen, was so alles den Alltag unerträglich machen kann. Ich merke beim Schreiben, dass allein dieses Denken mein Inneres zum Brodeln bringt. …weiterlesen …

Es kommt wieder…

Foto Füße auf der HerbstwieseNovember. Teil-Lockdown.
Ich spüre, ich muss wieder präsenter, wachsamer sein. Sowohl, was mein Umfeld betrifft, als auch meinem inneren System gegenüber.
Es kommt wieder… das Sorgenpaket versucht, sich Raum zu verschaffen. Besonders in den dramatischen Krisenzeiten der letzten Jahre meiner Ehe war dieses „es hat doch alles keinen Sinn“ mein ständiger Begleiter.
Damals wusste ich nichts von Selbsthilfegruppen oder gar von Al-Anon. Es ging mir immer schlechter und ich wartete darauf, dass mein Mann aufhören würde, zu trinken, dann wäre alles gut. Natürlich war das nicht der Fall. Ich schaffte es irgendwann, das erste Mal in ein Meeting zu gehen.
Dieses Gefühl, endlich angekommen zu sein und einfach verstanden zu werden werde ich nie vergessen. Seitdem komme ich immer wieder und lerne. Und jetzt, wenn mein altes krankes Denken durch die weltweite Krisensituation „wiederkommt“, kann ich es relativ schnell entlarven.
Ich habe gelernt, die Realität wahrzunehmen. Unser Präsenzmeeting kann zwar wieder für eine gewisse Zeit nicht stattfinden, doch können wir über das Telefon und Email in Kontakt bleiben.

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Ich fand Unterstützung in diesem Raum

Abbildung MorgenröteIch lernte den Alkoholiker in meinem Leben durch das Online-Dating kennen. Ich dachte bis dahin, dass ich mit normalem Trinken gut zurecht komme. Schnell musste ich aber lernen, dass es für Alkoholiker kein normales Trinken gibt. Mein Partner war in A.A., aber er war ein Komasäufer.

Wenn er nicht trank, war er nett, liebevoll und respektvoll. Alles Dinge, die ich von einem Partner erwartete. Ich dachte, er würde trinken, um böse zu mir zu sein und um unsere Beziehung zu sabotieren. Ich konnte vor lauter Sorgen nicht mehr schlafen. Ich ging mit ihm zwei Jahre zu A.A.-Meetings, um herauszubekommen, was ihm fehlte und in der Hoffnung ihn retten zu können. Aber andere A.A.-Mitglieder empfahlen mir, dass ich zu Al-Anon gehen sollte. Ich verstand das nicht, denn er hatte doch das Problem.
Der erste Punkt im Programm, der für mich in Frage kam war, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Das machte Sinn, denn nun konnte ich es als eine Art Geisteskrankheit sehen. …weiterlesen …

Was immer die Höhere Macht ist, ich bin es nicht!

Foto einer BlüteDieses Jahr hatten wir ganz anders geplant, als es nun schon den achten Monat zu bewältigen ist.
Rente ab Jahresbeginn; eine große Reise ohne Zeitdruck an Orte, die wir schon einmal kurz besucht hatten; Träume, die endlich Wirklichkeit werden sollten – sorgenfrei – . So hatten wir uns das vorgestellt und unsere Höhere Macht hat auf uns geschaut und wohl gemeint: Schauen wir mal, was Ihr schon gelernt habt!
Die Reise fiel bedingt durch die Pandemie ins Wasser. Wir hatten jeder einen großen chirurgischen Eingriff, dann noch ein kleinerer bei meinem Partner. Nicht wie angekündigt ein kleiner Routinefall, sondern die Notwendigkeit einer Nachoperation.
Dann Hiobsbotschaften aus der Firma eines nahen Angehörigen, die auch nicht vom Tisch zu wischen sind. Eigentlich reicht das schon, doch dazu kommen auch noch die derzeitigen Einschränkungen, die das Leben von uns allen nicht unbedingt locker und leicht machen. All das hat mich vor ein paar Tagen mal wieder daran erinnert, dass nicht mein Wille geschehe, sondern ich beschlossen habe, meinen Willen und meine Sorge einer Höheren Macht zu übergeben.
Mit dem Einstieg in die Programmarbeit habe ich einen Weg gefunden, nicht wieder in die alten Muster des Selbstmitleids und der Zweifel einzusteigen. Mein Tagebuch.

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Mein Selbstheilungsprogramm

FOTO Sitzkissen mit Tagebuch und Stiftoder: Raus aus dem Jammertal!

Ja, es gibt sie noch, die Momente am frühen Morgen, trotz Sonnenschein, in denen die alten Themen Selbstmitleid, Sorgen über alles und jeden usw. versuchen, sich wieder in mir festzusetzen. Ich weiß, damit könnte ich alle alten Drama -Türen sofort wieder öffnen und mich als armes Opfer in den See des Jammerns stürzen…
welch Geschenk, diese Momente wahrzunehmen, sie anzunehmen und mich mit einer Hilfe, die größer ist als ich, wieder auf den Weg in das reale Heute zu machen.
In unserem Gelassenheitsspruch sind z.B. für mich wesentliche „Handlungsanleitungen“ in Kurzform enthalten. Und immer wieder der Erste Schritt, ich bin den meisten Dingen, auch alten Gefühlen und Gedanken gegenüber, machtlos.
Doch ich habe mit unserem Al-Anon Programm und seinen Menschen gelernt, meinen Blick und meine Handlungen auf das zu richten, was ich ändern kann. Und das ist mehr als ich mir jemals in den vielen alkoholkranken Jahren hätte vorstellen können. Also: Raus aus dem Jammertal– Carpe Diem – Nutze den Tag!
Meinen Zustand ernst- und annehmen: Es in mein Tagebuch schreiben und nochmal laut vorlesen.

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