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Mich annehmen – in allen Angelegenheiten

Foto von einem BuchGut, dass ich gerade in der momentanen Zeit das Buch „In all` unseren Angelegenheiten – aus der Krise Nutzen ziehen“ lese. Durch die Kontaktbeschränkungen werde ich wieder mehr auf mich selbst zurückgeworfen…und alte Charaktermängel versuchen, sich wieder auf meiner Lebensbühne Platz zu schaffen.
Heute z.B. schleicht sich dieser tiefen Mangel an Selbstwert, der mich fast mein ganzes Leben begleitete, wieder in`s Rampenlicht. Früher suchte ich immer Bestätigung im Außen, um mich ein wenig lebens-berechtigt zu fühlen.
Die Familienkrankheit Alkoholismus hatte mich voll im Griff. Alles setzte ich daran, um irgendwie Liebe und Anerkennung zu bekommen. Und glaubte doch nicht, dass ich wertvoll sein könnte. Ich unterstellte allen, sie könnten nicht mich meinen und war gleichzeitig von ihnen abhängig. Somit hatte ich „viele Götter“.

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Spüren…

Heute morgen unter der Dusche war der Gedanke plötzlich ganz klar da: „Ich darf einfach in Ruhe duschen. Ich muss vorher nicht zwanghaft Sport gemacht haben.“ Dabei konnte ich diesen Satz auch wirklich spüren; diese neue Wahrheit ist tatsächlich endlich auch in meinen Zellen, in meinem Körper angekommen. Welch ein Geschenk und welche Dankbarkeit!
Bei meinem Aufwachsen in einer alkoholkranken Familie musste ich immer etwas tun, bevor ich z.B. ausruhen durfte.
Natürlich musste ich angepasst, brav und pflegeleicht sein, um angenommen und geliebt zu werden. Dieses Muster nahm ich unbemerkt mit in meine eigene Familie und verhielt mich meinem trinkenden Mann, den Kindern und auch mir selbst gegenüber genauso. Das Zwanghafte, das Nicht-Spüren, war meine letzte Chance, vermeintlich überhaupt etwas unter Kontrolle zu haben.
Natürlich hat das nicht funktioniert und es folgten harte Jahre für mich. In Al-Anon fand und finde ich die Grundlage, wie ich mein Leben im Vertrauen auf (m)eine Höhere Macht, die letztlich alles in der Hand hat, bestmöglich ohne Zwang leben kann.
Ich habe gelernt, ich darf einfach glücklich sein.
Das bedeutet nicht die Abwesenheit von Schmerz und Trauer. Doch auch für den Umgang damit finde ich in unserem Arbeits-Programm die Werkzeuge…es ist eben ein Programm für das ganze „pralle“ Leben. Heute weiß ich, ich bin geliebt, bedingungslos, von einer Macht, größer als ich selbst und ich bin berechtigt, lebensfroh zu leben.
Danke an unsere lebendige Gemeinschaft!
Heike

Was erwarte ich für mich von Al-Anon?

Foto, gestapelte flache SteineIch kam als Häufchen Elend hier an. Ich kam mit meinem Leben in alkoholkranken Familienstrukturen nicht mehr zurecht. Nach außen stand eine 1a-Fassade. Ich lächelte und scherzte meine Probleme weg. Und hasste mein Tun, weil innen und außen immer mehr auseinander gingen.
Ich fühlte mich wund und leer und stellte nach außen Lebensfreude zur Schau. Keiner sollte sehen wie es mir ging. Mitleid gibts umsonst. Neid muss man sich verdienen, so meine Denke damals. Vor etwas mehr als zwei Jahren.

Damals heulte ich fast jeden Abend. Rückblickend aber nicht um mich, sondern um meinen Mann, der sich damals sehr in Alkohol flüchtete und jeden Abend betrunken schlafen ging. Ich heulte um meine Partnerschaft. Nicht um mich. Ich sah das Problem nur bei meinem Mann, fühlte mich fremdbestimmt, als Opfer seiner Taten. Mir war überhaupt nicht bewusst, dass ich mich verloren hatte und an die Stelle einer Höheren Macht, auf die ich mich verlassen kann, einen alkoholkranken Menschen gestellt hatte, um den ich kreiste.

In diesem Zustand suchte ich auf den Internetseiten von A.A. nach Hilfe für meinen Mann… und fand einen Hinweis auf das Al-Anon Online-Meeting. Ich las den Hinweis und nutzte ihn volle 2 Monate nicht, stattdessen versuchte ich meinen Mann dazu zu bewegen sich Hilfe zu suchen.

Erst als ich dieses Ansinnen als gescheitert betrachten konnte, fiel ich ins Bodenlose und meldete mich in purer Verzweiflung und nackter Angst hier an. Ich hatte emotional nichts mehr zu verlieren. Ich hatte den Zugang zu meinen positiven Gefühlen fast völlig abgeschnitten, ich spielte sie nur noch und empfand stattdessen Angst, Schmerz und Wut. Wie die meisten erwartete ich von Al Anon das Rezept zur Trockenlegung meines Partners.

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10 Jahre Al-Anon – was mir geholfen hat

Vor 10 Jahren hielt ich dem Druck nicht mehr stand und wandte mich erneut an den Suchtbeauftragten. Dieser erkannte meine Situation. Ich „musste“ zur Kur. Erst in dieser Zeit vertraute ich mich meiner Schwester und meiner Mutter an. Ich hatte keine Kraft mehr weiter zu lügen.
Dass ICH zur Kur kam fand ich ungerecht, weil ja nicht ICH das Problem war. Ich kam dort an und ICH fühlte mich rausgeschmissen. Gleichzeitig war es mir völlig unheimlich, wie es jetzt zu Hause weitergehen soll, wenn ich nicht da bin. Und was die Therapeuten von mir wollten, verstand ich überhaupt nicht. Aber der Abstand von zu Hause tat mir sehr gut.
Ich hatte mir inzwischen einen festen Rückenpanzer zugelegt, ein dickes Fettpolster und trug vorwiegend schwarze Kleidung.
Hier in der Kur, konnte ich mal frei und unbeschwert sein und mit anderen lachen. Lachen hatte ich verlernt. Und Sport machen, meinen Körper mal wieder spüren. Und ich wurde zu einer nahe gelegenen Selbsthilfegruppe verwiesen, zu Al-Anon.

Am ersten möglichen Abend, schlich ich nur um das Haus herum und traute mich nicht, hatte Angst davor. Aber das Plakat im Aushang sprach mich sehr an: eine einsame Blume mit abgeknicktem Kopf – ja, genauso fühlte ich mich.
Am nächsten möglichen Abend kannte ich bereits zwei weitere Frauen mit Alkoholproblemen in der Familie, jetzt trauten wir uns zusammen hinein.
Die erste Begegnung mit der Gruppe war unglaublich. Wir wurden von Herzen begrüßt und aufgenommen. Ich hörte, dass Alkoholismus eine Krankheit ist und ich KEINE SCHULD an dem Zustand meines Mannes habe. Es fielen riesengroße Hinkelsteine von mir ab. Und ich wurde verstanden, erhielt NICHT die üblichen Ratschläge zur sofortigen Trennung, sondern Verständnis für meine zwiespältigen Gefühle.
Ich suchte mir zu Hause eine Al-Anon-Gruppe und besuche diese seitdem regelmäßig. Inzwischen habe ich viel gelernt. Es ist ein ständiger Lernprozess, in dem ich meinen Charakter erkenne und auffüllen darf. Mir helfen die Aussagen und Meinungen der anderen, die mir neue Einblicke in mein Verhalten gewähren.

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10 Jahre Al-Anon – wir veränderten uns


Teil 2
Bei passenden Gelegenheiten fragte ich hier und da andere Frauen in unserem Bekanntenkreis, deren Männer auch sichtbar viel tranken, wie sie denn mit der Situation umgehen würden. Ich erhielt keine befriedigenden Antworten und es ergab sich auch kein Gespräch, denn bei denen war alles in Ordnung. Dort gab es keine Probleme.
Wir veränderten uns Stück für Stück. Wir schimpften uns an, schoben uns gegenseitig Schuld zu und beleidigten uns. Jeder wusste genau, wie er den anderen kriegen kann. Ich fühlte mich durch sein komisches Verhalten bedroht und hatte Angst davor, dass er aggressiv werden würde, wie ich es aus der Kindheit von meinem Stiefvater kannte. Ich lernte Selbstverteidigung in einem Verein.
Schließlich zog ich aus dem gemeinsamen Schlafzimmer aus und richtete mir eine kleine Ecke in dem allerweitesten entfernten Zimmer ein. Selbst dorthin kam er mir hinterher, baute sich vor mir auf und fragte, was das jetzt soll.
Ich hatte meinen Mann verloren, meine Liebe verloren, meinen Sexualpartner verloren. Es ging einfach alles nicht mehr mit dem Alkohol als ständigen Begleiter. Inzwischen wohnte sein Sohn wegen Schwierigkeiten in seiner bisherigen Familie bei uns. Ich bemühte mich, diesem zu bestätigten, dass das Verhalten seines Papas nicht normal ist und dies durch den Alkohol kommt. Ich wollte ihn wenigstens in seiner Wahrnehmung nicht allein lassen, konnte aber das Verhalten seines Papas nicht ändern. Wenn ich als abendlicher Gesprächspartner nicht zur Verfügung stehen wollte, nahm er sich seinen Sohn.

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10 Jahre Al-Anon – wie es begann…

Hallo, ich bin Anne und gehöre zu Al-Anon. Das ist die Selbsthilfegemeinschaft für Angehörige und Freunde von Alkoholikern.
Ich bin mit einer alleinerziehenden Mutter und 4 jüngeren Geschwistern aufgewachsen und habe meinen Vater sehr vermisst, denn ich hatte ihn ja nur 4 Jahre lang erlebt, dann war er weg und hatte eine neue Familie.
Ich habe gelernt, dass Männer ihre Frauen verlassen und diese dann zusehen müssen, wie sie mit ihren Kindern klarkommen. Auch die Schuldzuweisungen an der schlecht funktionierenden Familienstruktur durch den eigentlich ursächlichen Alkoholiker, der über einige Jahre unser Leben durcheinander brachte, haben offenbar tiefe Spuren hinterlassen und mein Verhalten geprägt.
So bin ich mit diesen Startbedingungen in mein weiteres Leben gezogen, die so einige meiner Lebensentscheidungen beeinflusst haben. Ich bin jetzt 64 Jahre alt. Vor 26 Jahren lernte ich meinen Mann kennen. Zu diesem Zeitpunkt war ich seit knapp 4 Jahren allein.
Mein erster Mann hatte sich von mir wegen einer anderen Frau getrennt und ich war schwer verletzt. Das Schicksal schickte mich zu einer schönen Wohnung aufs Dorf. Ich hatte mich in meine neue Situation eingelebt, machte diverse interessante VHS-Kurse mit und hatte neue Freunde gewonnen. Auch spirituell fand ich eine Orientierung, der ich in einer Beziehung nie nachgegangen wäre.
Ein Dorffest brachte die Wende. Da stand er, frisch geschieden, ein Bier in der Hand, ein guter Tänzer, 8 Jahre jünger als ich. Ich verliebte mich Hals über Kopf, obwohl ich das eigentlich nie wieder wollte und schon gar nicht ein jüngerer Mann und Bauer für ein Mädchen aus der Stadt, wie ich es war.

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Starke Wurzeln

Foto, Baum wird mit Stangen gestütztDie tief verwurzelten Erfahrungen auf meinem Weg der “kleinen Schritte” stabilisieren meinen Alltag, auch in Zeiten wo ich keine “face to face” Meetings besuchen kann. Mit einer lieben Freundin, welche im Pflegeheim ist, lesen wir morgens gemeinsam am Telefon unsere Bücher mit Gedanken zum Tag, auch “Mut zur Veränderung“. Es tut so gut, dieses Teilen im Fünften Schritt, was ganz oft auch eine fortgesetzte Inventur ist. Während dessen geschieht bei mir ganz einfach, dass ich die “bewusste” Verbindung zu Gott wie ich Ihn/Sie/Es verstehe spüren kann. Dann ist sie wieder präsent, die tiefe Dankbarkeit, in Demut, dass ich es nie alleine schaffen muss. Es ist eine gute Gelegenheit in diesen Zeiten, wo alles etwas langsamer läuft – hier in diesem Blog bei Al- Anon Freunden teilen zu dürfen (für mich eine ganz neue Erfahrung). Die Jahre, die ich mit einem ebenfalls trinkenden Mann gelebt habe, waren im letzten Jahrtausend … überlebt und vorbei!
Dankeschön fürs Teilen von Erfahrung, Kraft und Hoffnung.
Gute 24 Stunden wünscht uns allen,
eine Al- Anon Freundin und Angehörige

Ich- an der Seite meines Alkoholikers

Foto von einem ZaunIch konnte sein Trinken nicht ertragen. Er war nie bösartig oder aggressiv, aber soff sich einfach weg und schlief dann ein. Ich mochte das nicht, mochte seine Alkoholfahne nicht. Mochte ihn auch nicht mehr, wenn er in diesem Zustand war.
Immer wieder überlegte ich, ob ich ihn verlassen soll. Und sagte ihm immer wieder, dass ich seine Trinkerei nicht aushalte und ihn verlassen würde, wenn er nicht aufhörte.

In meiner Verzweiflung las ich schlaue Bücher über Alkoholismus und Angehörigenverhalten. Lernte u.a., dass man dem Alkoholiker gegenüber keine leeren Drohungen aussprechen solle, sondern nur das sagen, was man wirklich meint und auch wirklich zu tun bereit ist.
Da sagte ich nur noch selten, dass ich es nicht aushalte mit ihm als Trinker. Aber immer noch manchmal.

Dann kam ich zu Al-Anon. Lernte endlich, auf mich zu achten und nicht nur auf ihn. Ich überlegte immer noch, ob ich meinen Mann verlassen soll. Nutzte aber sehr bald den für mich zu der Zeit so wichtigen Slogan “Nur für heute”, um von Tag zu Tag neu zu entscheiden.  Es war lange Zeit kein Tag dabei, an dem meine Bereitschaft, ihn zu verlassen, groß genug gewesen wäre, sie in die Tat umzusetzen.

Dann war es aber doch soweit. Mein Mann hatte eine exzessive Trinkphase, und ich war mir 100%ig sicher, dass ich mir diesen Prozess nicht weiter aus der Nähe anschauen konnte und wollte. Das sagte ich ihm auch so, teilte ihm mit, dass ich es nicht mitansehen könne, wie er sich zugrunde richtet. Zu meinem eigenen Schutz müsse ich ihn deshalb verlassen, wenn er so weitermache.

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Mein Weg in Al-Anon

FotoAls ich zu Al-Anon kam, wollte ich – wie viele vor und nach mir – ein Rezept, wie ich meinen Mann “trocken legen” konnte.

Ich war voller Wut und Verzweiflung und kannte nur ein “Entweder – Oder” und ich war voller Verwirrung, weil ich diesen Mann doch liebte und vorm Altar geschworen hatte: “In guten wie in schlechten Zeiten!”

Bei Al-Anon hörte ich Dinge wie: “Wenn Du nicht weißt, was Du tun sollst, tue erst mal gar nichts ” und “Triff in den ersten sechs Monaten bei Al-Anon keine Entscheidung”!

Es dauerte, bis mir klar wurde, dass es hier nicht um meinen Mann, sondern um mich ging, um meine Sucht, um meine Krankheit. Und dass ich, ohne diese Sucht zu erkennen und zu gesunden, mir mit ziemlicher Sicherheit immer wieder die gleichen Partner suchen würde, dass ich vor mir selbst nicht davonlaufen konnte.

Es hat etliche Jahre gedauert, bis ich zu einer Entscheidung bereit war, ich musste das ganze Elend der Alkoholkrankheit durchleben mit allen Hoffnungen in Form von Trinkpausen und Therapien, manchmal sogar ein Jahr, Abstürzen in Form von Rückfällen und bei dieser Berg- und Talfahrt stürzte ich oft tiefer als er.

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Face to Face – Von Angesicht zu Angesicht

Bild eines LogosDonnerstagabend und mein Handy erinnert mich: Al-Anon Meeting, diese Route ist die schnellste, wenig Verkehr. Vor circa einem Jahr besuchte ich mein erstes Al-Anon Meeting. Ich war so aufgeregt und wusste einfach nicht, was auf mich zukommt. Doch dann traf ich dort Menschen, die die gleichen oder ähnlichen Erfahrungen gemacht hatten und mich liebevoll annahmen, so wie ich bin.
Es ist als hätte sich mit dem ersten Besuch dort ein schwerer Stein gelöst, diesen kann ich nach für nach abtragen und mich darunter selbst entdecken.
Dank des Programms und der Meetings kann ich langsam Stück für Stück von meinem wirren Verhalten und meinen verrückten Gedanken genesen. In den Meetings habe ich gelernt, Mut und Hoffnung zu teilen und Alkoholismus als das anzunehmen was es ist – eine Familienkrankheit. Ich darf eine Stunde meine tiefsten Gedanken teilen, egal ob es Trauer und Wut oder Hoffnung und Freude sind. Nun, durch das Coronavirus, sieht mein Donnerstagabend anders aus. Statt „Face to Face“, gibt es jetzt „Mail to Mail“. Es ist schön, dass es diese Möglichkeiten heute gibt und wir auch trotz der aktuellen Situation im Austausch bleiben können.

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