Zurüruck zum Inhalt

Dem Alkoholiker Verständnis entgegenbringen und ihn ermutigen

Foto zweier blauer BlütenFrüher wurde ich manchmal wütend, wenn ich den obigen Satz aus unserer Präambel hörte oder las. Wie konnte ich jemandem Verständnis entgegenbringen, der mir abends versprach, dass er morgen bestimmt nicht mehr trinken würde und am nächsten Nachmittag volltrunken auf dem Sofa vor sich hinschnarchte? Der mich nicht von der Arbeit abgeholt hatte. Obwohl er es mir doch fest versprochen hatte. Der mich auch heute sicher wieder enttäuschen würde und und und.
Sehr langsam verstand ich, dass es kein böser Wille oder noch schlimmer, Vorsatz war, was mich bei diesen gebrochenen Versprechen auf die Palme brachte. Es war das Ergebnis der Alkoholkrankheit, die ich weder verursacht hatte, noch kontrollieren konnte und schon gar nicht zu heilen vermochte.
Heute habe ich durch die Erklärungen in unseren Büchern verstanden, worum es unseren Vorgängern ging. …weiterlesen …

“Einen Tag nach dem anderen”

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109) „Wenn wir von morgen sprechen“, sagt ein chinesisches Sprichwort, „lachen die Götter“. Ich glaube, sie lachen nicht, weil sie uns lächerlich finden, sondern weil sie wissen, dass die Zukunft nicht vorhersehbar ist. So haben wir keine andere Wahl als “Einen Tag nach dem andern” zu leben.

Ich kann Pläne machen, die Ergebnisse aber nicht festlegen. Kein noch so großes Pläneschmieden für die nächste Woche kann das steuern, was passieren wird. Sowohl die Umstände als auch ich selbst werden dann anders sein.

Zusätzlich kann ich die Aussage dieses Slogans auf kleinere Zeiträume anwenden: eine Stunde nach der anderen, oder sogar eine Minute nach der anderen. In solch kleinen Einheiten wird das Leben allmählich nicht nur erträglich, sondern kostbar. Wenn ich mich auf das Hier und Jetzt konzentriere, weiß ich in jedem Augenblick, ungeachtet dessen, was gerade geschieht, daß es mir gut geht.

Überlegung für Heute

Meine schlimmsten Befürchtungen für morgen brauchen nicht diesen Tag zu beeinträchtigen. Wenn ich sie loslasse, bin ich frei zu reifen. Welche schlechte Gewohnheit kann ich heute ändern? Welchen Ängsten kann ich ins Auge sehen? Welche Freude kann ich genießen? Welches Glück, sei es auch noch so bescheiden, kann ich feiern? Alles was ich habe, ist das Heute. Lass mich heute zu dem erfülltesten Tag meines Lebens machen, den ich je erlebt habe.

„Sorgt Euch nicht um das Morgen, das Morgen wird für das seine sorgen“
Die Bibel

Quelle: Mut zur Veränderung – 17. Mai – Seite 138

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
www.al-anon.de

Gut für mich sorgen

Foto von einem gedeckten TischEndlich hatte ich das Seminar entdeckt, nach dem ich schon lange auf der Suche war und meldete mich telefonisch an. Die nette Sekretärin konnte mir zwar leider nur noch ein Einzelzimmer ohne Dusche/WC anbieten, doch ich reservierte. In solchen, für mich früher schwierigen Situationen und für andere sicher unproblematischen Entscheidungen, hilft mir heute unser Programm.

Ich denke daran, dass ich in der früheren Zeit mit einem trinkenden Partner überhaupt nicht auf die Idee gekommen wäre, vielleicht etwas für mich zu tun oder gar ein Wochenende zu einem Seminar zu fahren…ich konnte ja nicht wegfahren, dann würde er sicher noch mehr trinken, die Kinder und Haustiere nicht versorgen, das Haus würde im Chaos versinken usw. Kurz: ohne mich lief gar nichts.

Davon war ich damals überzeugt. Natürlich änderte sich an der schwierigen Situation dadurch nichts, er trank weiter, ich meckerte, kontrollierte, kümmerte mich ungefragt um alle und alles und wusste „alles besser“. Al-Anon fand ich erst einige Zeit nach unserer Trennung und kann jetzt die damaligen Ereignisse besser verstehen. Dank meiner Arbeit im Programm

…weiterlesen …

Es ist wunderbar, ausreden zu dürfen

Foto von einer ParkanlageIch möchte sehr gerne erzählen, warum ich in diese faszinierende Einrichtung Al-Anon immer wieder komme.

Zunächst: Ich wusste gar nicht, dass es eine solche Gruppe für Angehörige von Alkoholikern gab. Dies erfuhr ich zufällig. Ich hätte früher auch Angst gehabt, überhaupt in eine solche Gruppe zu gehen. Es hätte doch sein können, dass mich dort jemand kennt oder dass mein Mann auf mich sauer wäre. Und noch mehr: viele Jahre wollte ich unser Familienproblem Alkoholismus überhaupt nicht sehen und habe es „ganz einfach“ verleugnet!

Nach außen hin waren wir eine tolle Familie. Aber dann war eines Tages meine innere Not, Verzweiflung und Unzufriedenheit größer als alles andere. Ich spürte, dass ich wie bisher nicht mehr weitermachen konnte. Ich spürte nur soviel, dass ich mir von außen irgendeine neutrale Hilfe suchen musste, – sonst würde ich untergehen in meiner eigenen Verwirrung. Es war schlimm. So kam ich Gott sei Dank zu meinem ersten Al-Anon Meeting. Als ich damals, vor zweieinhalb Jahren, den Meetingraum betrat, wurde ich derart warmherzig und liebevoll aufgenommen, dass ich mir dachte, diese Menschen können doch gar nicht mich meinen mit ihrer Zuneigung! Doch, sie meinten aber mich. Ich wurde dort vom ersten Augenblick so angenommen wie ich war – in meinem Tiefpunkt. Ich spürte, dass im Kreis dieser Menschen und an diesem Ort keine Verstellung notwendig war. Jeder durfte sein und zeigen, wie er sich fühlte! Auch ich! Wie beeindruckend.

Als ich kam, wusste ich ja gar nicht, ob ich in dieser Runde mit meinem Problem überhaupt richtig war: mein Mann trank halt einfach oft zuviel. Als ich dann aber die anderen reden hörte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: dasselbe Problem hatte ich auch. Da war soviel Ähnlichkeit zwischen uns wildfremden Menschen und Situationen, und ich bewunderte, wie offen die anderen bereits über sich sprechen konnten.

…weiterlesen …

Ich weiß, was für die Anderen gut ist

Foto einer Katze im KartonIn meiner Zeit vor Al-Anon habe ich immer gewusst, was andere tun und lassen müssen, damit es ihnen gut geht. Ich war der Kummerkasten oder vielleicht sogar der Mülleimer für viele Seelennöte. Nur meine eigenen Probleme hatte ich nicht auf dem Schirm. War ja auch viel einfacher, die Mitmenschen zu beraten, zu trösten, ihnen die Verantwortung abzunehmen, als mich auf mich zu konzentrieren.
Heute nach vielen Jahren in Al-Anon hat sich das geändert. Ich habe gründlich bei mir aufgeräumt und bekomme die Frage: Wem gehört das Problem, sehr schnell beantwortet. Nur ist es mit der Familienkrankheit Alkoholismus ähnlich wie mit dem Alkoholismus selbst. Diese Krankheit kommt nur zum Stillstand, sie ist nicht heilbar. Jedenfalls nicht bei mir.

…weiterlesen …

Unser Al-Anon Programm

Foto von einem SonnenuntergangAnfangs konnte ich mit den Zwölf Schritten nichts anfangen. Ich dachte – am besten wäre es wohl, wenn ich alle Schritte schnell verstehen würde und mein Leben danach ausrichten könnte. Ja, das war der Anspruch an mich, wiedermal perfekt sein zu wollen.
Es brauchte lange Zeit, bis ich mich mit dem einen oder anderen Schritt mehr oder weniger identifizieren konnte. Am meisten begriff ich einzelne Schritte, wenn es im Meeting dazu Rundgespräche gab. So manche Anregung konnte ich dann mitnehmen. So geht es mir noch heute. So manches Mal entdecke ich im Wortlaut eines Schrittes o.a. Textes etwas, das mich besonders anspricht, was ich früher gar nicht wahrnehmen konnte. Im Laufe der Jahre ist mir die Arbeit mit unserem Programm, also auch mit den Zwölf Schritten, wichtig geworden.
Ich nahm aus Sponsorschaften Einiges mit, was mir die Schritte begreiflicher machte. In den Schritten geht es immer um das WIR. Nicht im stillen Kämmerlein erschließt sich das, was die Schritte uns zu sagen haben. Gespräche darüber sind wichtig. Uns hat nämlich ein Problem zusammengeführt, das uns verbindet. Es sind die vielen ähnlichen Erlebnisse mit der Familienkrankheit Alkoholismus.Ein guter Brauch ist es, dass in den Meetings immer nur über den Schritt, der dem Monat entspricht, intensiv gesprochen wird. Erst durch die Wiederholungen in jedem Jahr ist der Sinn tiefer zu verstehen. Wenn ich eigene Gefühle oder Erlebnisse damit verbinden kann, dann ist es mir, als wenn es „klick“ macht. Der Gelassenheitsspruch ist für mich ein wertvolles Werkzeug, um mir immer wieder klarzumachen – ich schaffe es nicht allein, schon gar nicht durch Leistung und eigenen Druck.
Mit dem Annehmen einer jeden Situation habe ich eine feststehende Ausgangsposition. Damit ist es leichter, mutig einen Ausweg zu finden.
Wenn ich erkenne, was ich ändern kann und was nicht, also “das eine vom anderen zu unterscheiden”, dann kann ich mithilfe der HM (Höhere Macht, wie ich sie für mich verstehe) meine Lösung finden.
Die Höhere Macht lernte ich in Al-Anon so kennen, dass ich eine enge Verbindung finden konnte. Sie erleichtert mir mein Leben, lässt mich freier sein. Beispielsweise fallen mir dadurch Entscheidungen leichter und ich komme jetzt ohne Kopfkino zu Lösungen. Unser spirituelles Programm ist mit keiner Hauruck-Aktion umzusetzen. Es bedarf verschiedener Grundvoraussetzungen.
Dazu zählen z.B. das Dranbleiben, regelmäßige Meetingsbesuche und das Befassen mit der Literatur. Geduld ist gefragt. Sich immer nur einen ganz kleinen Teil genauer anzuschauen und aufzunehmen führt allmählich zum Ziel. Wenn ich bestimmte Dinge neu ausprobiere und übe, dann erfahre ich eine Bereicherung in meinem persönlichen Leben. …weiterlesen …

Wenn das “Hätte ich doch” wieder kommt…

Foto von einem LastenelefantenMomentan lese ich jeden Morgen wieder in unseren Tagestexten „Mut zur Veränderung“. Sie sprechen mich immer wieder neu an und manchmal denke ich, das habe ich so noch nie gelesen! Bei den Gedanken zum 27. Januar stelle ich heute fest, dass ich lange Zeit immer noch ein schlechtes Gewissen und großes Schuldbewusstsein gegenüber meinem damaligen Mann verspürte. Hätte ich doch noch länger warten sollen? Oh ja, ich habe aus vielen „Mücken Elefanten gemacht“! Natürlich war auch ich damals über mehr als nur schmutziges Geschirr, die Dauerbaustelle im Garten, die dreckigen Wäscheberge usw. wütend und meckerte ständig. Doch kann ich erst heute besser auf unsere damalige Situation zurückschauen. Unser familiäres Desaster zog sich schon über einige Jahre hin; Al-Anon hatte ich noch nicht gefunden und mein Therapeut empfahl mir damals, den realen, stetig wachsenden Schuldenberg durch den Konsum meines Mannes endlich wahrzunehmen und an das Wohl unserer beiden Kinder zu denken. Mein Mann war zu keiner Beratung oder Änderung bereit und mit dem Ablauf des Mietvertrages unseres Reihenhauses trennte ich mich.
Klar, manchmal kommt es noch – das „Hätte“ ich damals gewusst, wie ich Streit-Situationen auf ein handlicheres Format schrumpfen lassen kann, wie ich Verantwortung für mich übernehme, wie ich dem trinkenden Partner seine Verantwortung für sein Leben überlasse usw…und die „Hätte-Kette“ könnte endlos werden…Ich habe gelernt, diesen Gedanken ein „Stopp“ zu setzen. „Hätte“ und gestern sind vorbei.

…weiterlesen …

Hilfe annehmen

Foto eines NotizbuchsEiner meiner hartnäckigsten Charaktermängel ist, dass ich schlecht Hilfe annehmen kann. „Du schaffst das schon allein und stell dich nicht so an.“ Das waren Sätze, die mich schon in der Kindheit eher dazu gebracht haben, alles selbst in die Hand zu nehmen. In der Ehe mit dem Alkoholiker war vermeintlich sowieso alles meine Aufgabe. „Wer, wenn nicht ich und wann, wenn nicht jetzt sofort.“
Diese innere Einstellung hat mich in viele schwierige Situation gebracht. Eigentlich bräuchte ich ja Hilfe, aber……. Lieber nicht fragen, denn der andere hat ja……. Langsam konnte ich lernen, dass diese Art zu denken, nicht gesund ist und vielleicht mein Gegenüber sogar verletzt. Ich bin im Kopf der anderen, wenn ich überlege, wann denn der richtige Zeitpunkt für eine Anfrage auf Hilfe angebracht ist. Ich nehme dem Gegenüber die Entscheidung ab, was ihm wichtiger ist.  Mir zu helfen oder seinen Plan zu erfüllen.
Durch diverse gesundheitliche Einschränkungen war ich immer mal wieder in der Position um Hilfe bitten zu müssen. Fragen ging immer besser, nur auch aushalten, dass meine Bitte oder meine Anweisung nicht gleich auf der Stelle oder auf meine Art erledigt wurde, war immer eine Anstrengung für beide Seiten.
Vor einiger Zeit kam ich von einer Minute auf die andere durch einen Unfall wieder in die Situation massiv Unterstützung zu brauchen. Nicht ohne Gehhilfe laufen zu können, und festzustellen, dass auf diese Weise nichts zu transportieren ist, nicht sauber gemacht werden kann oder die Wäsche im Keller weder gewaschen noch auf- oder abgehängt werden kann. Kein Ausgang, kein Einkauf, keine Autofahrt, kein Meetingsbesuch….. Der erste Tag nach der Diagnose zeigte mir, wie sehr ich doch in meiner Eigenständigkeit beeinträchtigt war.
Nörgeln oder Jammern ist nicht mehr drin, also mussten Lösungen her. Von meiner Sponsorin bekam ich den Hinweis, dass die Kapitulation im Ersten Schritt auch für andere Situationen anwendbar ist und ebenso wäre es mit dem Gelassenheitsspruch. Was blieb mir schon übrig, als es einfach mal wieder auszuprobieren.

…weiterlesen …

Alle Jahre wieder

Advent und Weihnachten, der Jahresabschluss sind alles diese besonderen Gelegenheiten oder auch die besonderen Anlässe für keine Besinnung, keinen Frieden, keine guten Aussichten auf das kommende Jahr.
Dieses Jahr erleichterte mir eine Liste mit Namen derer, die unsere persönlich ausgesuchten Karten bekommen sollten, die Arbeit. Für jeden der passende Text gefunden und schon am zweiten Advent war jedem geschrieben, der uns am Herzen lag.
Dann bekam ich zwei elektronische „Weihnachtsgrüße“ und las auf einmal mit anderem Verständnis. Gute Wünsche gemixt mit der Nachfrage, ob man unten durch sei, weil der Kontakt unsererseits eingeschlafen ist oder ob in kürzerer Zukunft mal eine Besuchsreise nach Übersee geplant sei oder der Sohn nun endlich auch mal geheiratet hätte, weil die entsprechende Generation dort inzwischen schon regen Nachwuchs präsentieren kann. Ich weiß, dass die Person, die diese Zeilen verfasst hat, suchtkrank ist. Trotzdem habe ich gemerkt, was es mit mir macht. Auf diese riesige Entfernung bringt es mich von meinem Weg ab. Lässt mich nach alter Manier nach Ausreden suchen und in der Schuldkiste kramen. Ich bin dieser Person gegenüber machtlos und darf für sie beten, das ist es auch schon. Leichter gesagt, als getan.
Denn ein paar Stunden später kam auf diesem Wege der zweite Gruß. Der meiner Nichte, die in der alkohol- und tablettenbelasteter Umgebung meiner Schwester aufgewachsen ist. Ich hatte vor fast drei Jahren beschlossen, die “Hintenrumspiele” der Familie nicht mehr mitzumachen und den Kontakt abgebrochen. Erst mit schlechtem Gewissen, dann mit einer riesigen Erleichterung. Ich kann und werde niemand retten. Jetzt diese paar Zeilen, die das Leid am anderen Ende der Strippe oder besser der elektronischen Verbindung zu mir rüberbringen. Ich musste nicht reagieren. Sie war nicht Teil meiner Kartenaktion und doch bin ich immer noch am Zweifeln ob ich

…weiterlesen …

Neuer Bestellschein

Ab sofort ist er auch online verfügbar: der Bestellschein für Literaturbestellungen mit allen aktuellen Kontaktdaten.

Bitte künftig nur noch diesen Bestellschein verwenden – vielen Dank.

Wir benutzen Cookies, um die Benutzungsfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.