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Ich konnte es endlich laut aussprechen

Foto einer OhrmuschelMein Leben befand sich bereits im Ausnahmezustand, als ich das erste Mal von Al-Anon hörte. Ich verstand nicht, was Al-Anon war. Ich wusste nur, dass ich Hilfe brauchte.

Mein erstes Meeting flößte mir Respekt ein. Ich war sehr reserviert nach all den Jahren eines Lebens, das ich mit keinem meiner Freunde teilen konnte. Ich war jedoch so erleichtert, in einem Raum zu sitzen, wo die Leute über Dinge sprachen, die ich nie laut zu sagen gewagt hatte. Sie schienen zu wissen, was ich fühlte und was ich erlebt hatte.
Es ist so beruhigend zu wissen, dass andere Eltern die gleichen Ängste erlitten haben wie ich, so viele schlaflose Nächte überlebten und in der Lage waren, offen über die Situation zu sprechen.alignright

Patti P., Hawaii

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Al-Anon Family Group Headquaters, Inc, Virginia Beach, VA, Ausgabe July 2019

Eine Trennung kann ich mir nicht vorstellen

Foto vom Sonnenuntergang angsVor fünf Jahren trieb mich die Unzufriedenheit über den Zustand meiner Ehe zu ProFamilia. Ich spürte, dass irgend etwas mit der Partnerschaft nicht stimmte und zwar schon über einen längeren Zeitraum hinweg, aber ich wusste nicht genau, was es war.

Ich machte mir Gedanken darüber, was ich der Eheberaterin sagen wollte. Im Gespräch kam schließlich heraus: Mein Mann trank jeden Abend eine Flasche Wein und (oder) mehrere Dosen Bier. Mir fehlte es an Kommunikation, Gemeinsamkeit und Harmonie. Das Schlimmste war, dass er sagte: „Ich trinke wegen dir, du bist Schuld!“.

Die Eheberaterin meinte, dass mein Mann wohl ein Alkoholproblem haben würde und dass sie dabei nicht helfen könne. Da könnte nur A.A. helfen.

Es vergingen nochmals mehrere Monate, bis ich beim Telefondienst der A.A. anrief und in mein erstes Al-Anon Meeting ging. Das ist jetzt vier Jahre her.

Der Eheberaterin und Al-Anon bin ich dankbar, weil ich bei beiden erfuhr, dass ich nicht Schuld bin, wenn mein Mann trinkt.

Seit ich zu Al-Anon gehe, gibt mir mein Mann auch keine Schuld mehr daran, dass er trinkt. Ich werfe es ihm ja auch nicht mehr vor. So einfach war das.

Ich arbeite daran, die Beziehung einfach so zu nehmen wie sie ist. Wir sind seit 20 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Ich könnte mir eine Trennung von meinem Mann nicht vorstellen.

An mir selbst muss ich noch viel arbeiten, und das geht nur ganz langsam. Es fällt mir schwer, meine eigenen Fehler zu erkennen und einen Glauben an eine Höhere Macht zu finden. Aber nachdem ich so viele Jahrzehnte so anders gelebt habe, muss ich mir wohl auch beim Arbeiten im Programm Zeit lassen.

G., Al-Anon

Eine Karte der Gelassenheit und des Glücks

Foto mit BüchernIch bin von Alkoholismus umgeben, – sowohl aktive Alkoholiker als auch solche, die auf dem Weg der Genesung sind. Das sind Menschen, welche mir sehr nahe stehen und die ich liebe. Und doch bin ich ein glücklicher Mensch!
Wie kommt es, dass ich mich trotzdem so gut fühle? Warum bin ich zufrieden? Wie kann ich Frieden in meinem Herzen empfinden mit all dem um mich herum?
Weil ich durch Al-Anon mit einem Programm gesegnet bin, das mir eine Karte der Gelassenheit gibt. Ich habe Werkzeuge gefunden, die ich in jeder Situation einsetzen kann: die Zwölf Schritte, Zwölf Traditionen, Slogans und Dienste.
Ich habe eine fantastische Sponsorin, die mich in die Richtung führt, in die ich gehen sollte. Ich bin Teil einer Stammgruppe, die mit den erstaunlichsten Menschen besetzt ist. In der ich enorme Unterstützung erfahre und eine Verbindung zu meiner Höheren Macht empfinde.

Meine Mutter nahm mich im April 1973 mit zu meinem ersten Alateen Meeting. Dort lernte ich, dass ich nicht allein war. Das war für mich als Teenager das Wichtigste. Unser Geheimnis zu bewahren, dass mein Vater ein gewalttätiger Mensch war, wenn er trank und dass die Polizei mehrmals im Jahr bei uns zu Hause war, all das war eine unglaubliche Herausforderung und belastete mich schwer. In Alateen erfuhr ich, dass ich nicht für das Verhalten meines Vaters verantwortlich war, sondern nur für mich selbst.
Als junge Erwachsene musste ich damit zurechtkommen, dass auch meine kleine Schwester in den Griff der Krankheit Alkoholismus geriet. Selbst mit meinem Programm war das schwer zu verstehen. Wie konnte sie das tun? Sie hasste es, als unser Vater trank. Doch auch sie war von der Krankheit betroffen: ihr dritter Zusammenbruch und zum dritten Mal erwischt beim Fahren unter Alkoholeinfluss.

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Meine Scham loslassen

Foto aus einem ParkZu Al-Anon fand ich, nachdem meine zweite Scheidung abgeschlossen war. Ich hatte mich selbst verloren, indem ich versuchte, so zu sein wie ich dachte, mein Mann wolle mich haben. Ich wusste nicht, was falsch mit mir war.
Jemand empfahl mir, Al-Anon auszuprobieren. Vielleicht könnte ich dort lernen, mich selbst zu finden und den Kreislauf meines ungesunden Verhaltens beenden.
In einem Meeting konnte ich teilen, wie sehr ich mich für meine beiden Scheidungen schämte. Nach dem Meeting umarmten mich Mitglieder und versicherten mir, ich sei nicht die einzige, die eine Scheidung erlebt habe – sogar mehrmalige nicht. Vor Al-Anon hatte ich keine Ahnung davon, wie ich mein besessenes Denken vermeiden könnte oder wie es funktioniert, in Beziehungen Ich selbst zu sein.
Viele meiner Al-Anon Freunde erzählten von ihren eigenen Erfahrungen solcher Kämpfe. Davon, wie sie sie überwunden hatten und heute ein glückliches und freies Leben führten. Ich bin schon etwas gewachsen und kann nun einiges von meinem Verhalten besser verstehen. Tatsächlich habe ich begonnen, mich zu verändern. Wir alle haben gemeinsam, dass wir von dem Trinken eines anderen Menschen beeinflusst wurden. In meinem Fall zieht es sich durch die ganze Linie – von den Großeltern, über Tanten, Onkel bis zu den Cousinen. Heute bin ich genau da, wo ich sein soll – zu Hause in einer liebevollen Familie und immer weiter wachsend in unserer Al-Anon Gemeinschaft.

Melissa H., Tennessee

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Ausgabe Juni 2019, Al-Anon Family Group Headquarters Inc. , Virginia Beach, VA

Es triggert mich immer noch

Foto von einer VerkehrsampelHeute Nacht habe ich wieder erfahren müssen, dass meine Wunden aus der alkoholkranken Ehe nicht weg sind. Die alten Verhaltensmuster sind unter Verschluss aber nicht ausgemerzt. Grund für mein Unwohlsein war das Heimkommen zweier unserer Nachbarn nach einer offenbar feucht fröhlichen Nacht. Einer von ihnen war laut am diskutieren und der andere, wohl bedacht, dass nicht die ganze Nachbarschaft aufwacht, beruhigte ihn nicht sehr erfolgreich. Gleich gingen bei mir verschiedene Lampen an.

Rot: Müssen die sich denn so volllaufen lassen, dass sie die ganze Nachbarschaft aufwecken?
Gelb: Na, mal abwarten, was da morgen früh abgeht!
Grün: Gut, dass das bei uns schon so lange nicht mehr den Frieden stört.

Ich war hellwach und brauchte einige Zeit, um wieder Ruhe zu finden. Als ich es morgens aussprach, machte mich mein Partner darauf aufmerksam, dass ich doch mit dem Al-Anon Programm so wirksame Werkzeuge habe, um anderen keinen Raum in meinen Gedanken zu lassen. Ich wäre da oft ein Vorbild für ihn. Darüber kam ich ins Nachdenken.

Rot: Ja, es war zwar laut, aber musste ich wirklich aufstehen und nachsehen, ob es tatsächlich der Nachbar war, den ich vermutet hatte? Charaktereigenschaft: Kontrolle!

Gelb: Für wen ist es wichtig, dass in den Nachbarsfamilien Knatsch gibt? Charaktereigenschaft: Schadenfreude!

Diese alten Eigenschaften gehören nicht mehr in mein aktuelles Leben. Das grüne Licht sollte meine Leitlinie sein. Ich will mich um meine eigenen Belange kümmern, wie ich es in den Jahren bei Al-Anon gelernt habe.

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Die Entscheidung, wohin ich schauen will

Foto eines HochhausesNach der Arbeit kehrte ich in die Wohnung zurück, die ich mit meinem alkoholkranken Partner teilte. Das Haus steht an einer Hauptstraße unserer Stadt. Beim Aussteigen an der Bushaltestelle vor unserem Gebäude schaute ich zu den Fenstern auf, um zu sehen, was mich erwartete.

Wenn kein Licht brannte, war er entweder unterwegs oder schlief. Wenn ich eine Lampe sah, war er wahrscheinlich in der Küche und bereitete ein leckeres Essen zu. Aber wenn alle Lichter an waren, bedeutete es, dass er total betrunken war.

Diese Busfahrten waren eine Quelle der Angst, weil ich nie wusste, ob sie Einsamkeit, ein angenehmes Abendessen oder alkoholisches Chaos bringen würden.

Mit der Zeit begann das Unbehagen in meine Nachmittage zu kriechen, da ich mir Sorgen machte, lange bevor ich meinen Job beendete. Schließlich war ich besorgt ab dem Moment, als ich ins Büro ging und ein Nervenbündel beim Verlassen des Gebäudes. Sobald ich Al-Anon Meetings besuchte, lernte ich, nicht im Voraus unter Dingen zu leiden, die noch nicht geschehen sind. Ich begriff, dass die Sorge um die Zukunft mich um Tage und Wochen beraubt hat, aber nie das Ergebnis beeinflusste.

Wenn ich mich stattdessen auf „Nur für Heute“ konzentrierte und nicht auf morgen oder nächste Woche, war ich in der Lage, mich auf mein eigenes gegenwärtiges Leben zu fokussieren. Eines Tages beschloss ich, beim Aussteigen aus dem Bus überhaupt nicht nach oben zu schauen. Stattdessen würde ich über alle Einkäufe nachdenken, die ich machen musste, oder einen Spaziergang machen und reflektieren, was an diesem Tag geschehen war. Ich entschloss mich, daheim nichts zu erwarten, bis ich meinen Schlüssel in die Tür gesteckt hatte. Was immer es war, würde auch dann noch auf mich warten.

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My daily business oder: Adlerauge sei wachsam

Es gibt so viele Einfallstore für beunruhigende, verwirrende Gedanken, dass ich wahrlich immer wachsam bleiben muss, um mich nicht in die Tiefe ziehen zu lassen. Denn das ist für mich heute klar: dort will ich nicht mehr hin. In diese traurige, dunkle Opfer- und gleichzeitig Märtyrerrolle.
Manchmal kommt es noch vor, dass das Negative z. B. schon beim Aufwachen an mir nagt – wozu aufstehen? Doch ich habe heute Werkzeuge, die ich im Al-Anon Programm gelernt habe. Zügig denke ich an die vergangene ruhige, friedvolle Nacht, das Licht des Morgens und spüre Dankbarkeit.
Eine zarte Neugier auf den neuen Tag wächst empor… die Melancholie vom Aufwachen lasse ich davonziehen und schlage gleich beim Frühkaffee eines unserer Tagestextbücher auf, „Nur einen Tag nach dem anderen in Al-Anon “ S. 210 (Best.Nr. 109)….wie immer finde ich die Worte, die ich jetzt brauche. Ich brauche das Programm – mein Leben hängt tatsächlich davon ab.
Der Gelassenheitsspruch führt mich zum nächsten Schritt. Ich bitte meine Höhere Macht, für mich ist es Gott, um den Mut, die Dinge zu ändern, die ich kann…und das bin ich. Ich kann meine Gedanken wahrnehmen, dem Negativen, Selbstzerstörerischen einen Stopp setzen und üben, sie zu ändern. Ich denke jetzt oft: ich bin hier, um lebendig zu leben und ich darf mich froh und behaglich fühlen. Auch, wenn es jemand anderem nicht passt.

In Dankbarkeit für unsere Gemeinschaft.
Anni

Der Anfang der Reise in Al-Anon

LandschaftsfotoIn unserer Al-Anon Online-Gruppe Family + Friends lese ich immer wieder Beiträge von Neuen, in denen es um das Gefühls-Chaos geht, das der Reisebeginn mit Al-Anon auslösen kann. Ich kenne die zwiespältigen Gefühle ziemlich gut, die es anfangs in mir auslöste mich auf das, was mir gut tut, statt auf das Umkreisen meines Partners zu konzentrieren.

Ich hatte tatsächlich ein schlechtes Gewissen, wenn ich es mir gut gehen ließ, obwohl es meinem Partner schlecht ging. Das Ganze wurde von meinem Mann damals durch Bemerkungen angeheizt. Dass sie tatsächlich gezielt manipulativ eingesetzt wurden, möchte ich heute gar nicht mehr unterstellen. Ich glaube heute, dass mein Mann damals einfach ziemliche Probleme mit der Annahme meiner Veränderung hatte, und dass deshalb seine Gefühle mit ihm Tango tanzten.

Es fielen Bemerkungen wie: “Dir geht´s zu gut”. “So schön möchte ich es auch mal haben.” “Du ruhst dich auf meinem Rücken aus.” Das zog mich emotional ziemlich runter. Suggerierte es mir doch, dass mein Mann mich als Faulenzer und jemanden, der auf seine Kosten lebt, sah. So jemanden kann man ja nicht lieben. Ich fühlte mich also nicht geliebt und angenommen.

Auf der einen Seite fühlte ich sogar sehr klar, dass seine Sprüche Gift für mich waren. Auf der anderen Seite konnte ich mich aber nicht wirklich dagegen abgrenzen, da ja die Schuldgefühle in mir waren, wenn ich es mir gut gehen ließ, obwohl es ihm schlecht gingund ihm ging es zu der Zeit dauerschlecht…zuerst weil er trank und dann weil er nicht mehr trank. …weiterlesen …

Mich fast wieder verloren…

FotoObwohl ich schon einige Tage am Morgen immer dachte, ich bin irgendwie wieder in meinem Hamsterrad gefangen, erledigte ich doch alles wie gewohnt.

Las in der Literatur, bat meine Höhere Macht um Führung usw. Doch es hatte etwas Mechanisches, ich spürte mich kaum, war in mir selbst gefangen. Erst beim Aufschreiben konnte ich endlich erkennen, dass ich mir wirklich wieder fast verloren ging. So wie früher – alles absolvieren, funktionieren, so ist doch alles richtig, oder?

…ein lebendiges und freies Leben geht anders. Ich habe durch Al-Anon schon davon gekostet und sollte doch in der Lage sein, meine Werkzeuge nicht wie eine Maschine anzuwenden, sondern mich ehrlich zu fragen: Was brauche ich? Worum geht es?

Zuerst meinen Kontakt nach oben, herstellen. Einen, den ich auch wirklich spüren kann, – da ist der Platz am Küchentisch für mich zu starr – ich brauche die Natur, den Wald hinter meinem Haus. Ich tauchte ein in das Grün, ich atmete, ich war wieder lebendig – Dankbarkeit und Demut breiteten sich in mir aus, umschlossen und erfüllten mich.

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Ich hörte Worte, die mir halfen zuzuhören

Foto von einem BuchBei meinem ersten Al-Anon Treffen war ich wütend. Mir wurde aufgetragen, an diesen Treffen teilzunehmen und ich dachte, ich müsse da nicht hingehen.

Ich saß in meinen ersten paar Meetings mit über meiner Brust verschränkten Armen und dachte: „Was haben diese Leute mit mir gemeinsam?“ Dann lasen wir die Seiten 40 und 41 in „So wirkt Al-Anon für Angehörige und Freunde von Alkoholikern“ (Best.-Nr. 105).

Ich setzte mich aufrecht auf meinen Stuhl, ließ meine Arme locker und hörte zum ersten Mal zu. „Wir verloren die Fähigkeit – Nein – zu sagen“. Das war es. Mir wurde klar, dass die Leute im Meeting genauso waren wie ich. Sie verstanden meine Kämpfe.

Jetzt freue ich mich auf diese Treffen. Die Fremden sind jetzt Freunde, besonders die Neuankömmlinge.

Misty C. California

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Ausgabe May 2021, Al-Anon Family Group Headquarters Inc. , Virginia Beach, VA

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