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Mein Weg in mein Leben

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109) Bevor ich zu Al-Anon kam, hatte ich im Beisein anderer Menschen nie das Gefühl, ich selber sein zu können. Ich war zu eifrig damit beschäftigt so zu sein, wie ich meinte, dass mich andere sehen wollten, und ich hatte Angst, die Menschen würden mich – so wie ich bin – nicht annehmen.

Aber in meinem ersten Al-Anon Meeting fühlte ich mich wohl. Al-Anon Freunde sprachen über allgemeine Charaktereigenschaften, die ich an mir selbst feststellte. „Sie sprechen über sich selbst, aber sie beschreiben mich“, dachte ich. „Jedenfalls bin ich nicht verrückt“. Meetings halfen mir zu erkennen, dass es auf der Welt viele Menschen gibt wie mich – Menschen, die durch den Alkoholismus eines anderen in Mitleidenschaft gezogen worden sind. In diesen Meetings hatte ich es nicht nötig, Menschen anzulügen und allmählich lernte ich, dass ich es nirgendwo nötig hatte, irgend jemanden anzulügen. Ich erkannte, dass ich mein Leben um des inneren Friedens willen leben kann und nicht der äußeren Erscheinung wegen.

Überlegung für Heute

Ein Leben, das voller Freude, aber auch voller Probleme ist, beweist mein Menschsein. Was mich hervorhebt, ist der Weg, auf den ich gestellt wurde, um darauf zu gehen. Meinen Weg kann kein anderer für mich gehen. Auch ich kann keinen anderen Weg gehen, um irgend jemandem einen Gefallen zu tun.

 „Mein Leben, das mich daran gehindert hat, lebendig und liebevoll zu sein, war in einer Schale verborgen. Jetzt ist die Schale aufgebrochen und die Kraft des Al-Anon Programms füllt die Leere, die mich jahrelang vom Leben fern hielt.“

Wie wir es verstanden

Quelle: Mut zur Veränderung – 9. August – Seite 222

“Mut zur Veränderung” ODAT II (Bestell-Nr. 109)
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
Emilienstraße 4 – D – 45128 Essen
Tel. : 0201 / 77 30 07 – www.al-anon.de

Ich lerne mich kennen

Foto einer Plastik, Mann mit FernglasAls ich vor nun 20 Jahren zu Al-Anon kam – das war zunächst reiner Zufall: ich kam an einem Haus vorbei, an dem hinter Glas ein Plakat über Al-Anon hing – war es bereits im Bewusstsein, dass in meinem Inneren eine Menge nicht stimmte. Das Gefühl, neben den eigenen Schuhen zu treten, war mir damals ein ständiger Begleiter.
Diese Konstellation brachte mir einige „Vorteile“, wenn man das so sagen kann: Es fiel mir in der Gruppe dann nicht schwer zu begreifen, dass ich für mich komme und dass ich kein Rezept zu erhoffen brauchte, wie ich meine Partnerin von ihrer Sucht kurieren kann. Und dass ich machtlos bin, leuchtete mir sofort ein. Das mit Gott kratzte mich als Agnostiker ein bisschen, zumal gerade der Dritte Schritt an der Reihe war, als ich meinem ersten Meeting beiwohnte. Aber mit der Hilfe der Gruppe überwand ich die Schwierigkeit, setzte die Natur und die Evolution an Stelle des freundlichen alten Herrn, und hatte somit etwas, an das ich glauben konnte, ohne mich dazu künstlich zwingen zu müssen, einen „Gott“, der mir freilich keinen 6er im Lotto, wohl aber Gelassenheit, Mut und Weisheit schenken könnte.
Und so ging es weiter. Von Schritt zu Schritt kam ich zu immer mehr Erkenntnissen, die mein Leben reicher machten, und in meinem Inneren – mit einer gewissen Verzögerung – setzte eine tiefgreifende Änderung ein, bei der ich nach und nach ruhiger, besonnener und selbstbewusster wurde. Ich lernte mich kennen, erkannte, dass ich ein recht liebenswürdiger Mensch bin, dass ich einiges an Qualitäten habe und dass diese nicht allein den
Anderen zugute kommen. Schließlich auch, dass ich keineswegs immer pflegeleicht und immer das Opfer bin. Langsam leuchtete mir ein, dass sich die Welt (wahrscheinlich?) doch nicht gegen mich verschworen hatte und dass ich keinen Grund hatte, ständig ängstlich auf der Hut zu sein.
Viele kleine einfache Weisheiten habe ich so im Laufe der Zeit gesammelt: Ich bin für andere reichlich unwichtig: Die Welt hat Besseres zu tun, als ständig auf meine Fehltritte zu achten. Ich weiß, was für mich gut ist, aber manchmal glaube ich es nicht. Ich bin nicht der einzige Mensch auf der

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Geduld

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109) Ein Steinmetz schlägt vielleicht 99-mal ohne sichtbaren Erfolg auf einen Steinblock. Es ist nicht einmal ein Kratzer an der Oberfläche. Doch beim hundertsten Schlag bricht der Stein auseinander. Ausschlaggebend war nicht der letzte Schlag, sondern alles, was vorher geschehen ist.

Dasselbe gilt für die Genesung in Al-Anon. Vielleicht arbeite ich gerade daran, Alkoholismus als Krankheit anzuerkennen, oder ich lerne loszulassen oder kämpfe gegen Selbstmitleid an. Es kann sein, dass ich monatelang ein Ziel verfolge, ohne sichtbare Ergebnisse, und allmählich davon überzeugt bin, meine Zeit zu vergeuden. Aber wenn ich weiter ins Meeting gehe und mit anderen über meinen Kampf spreche, wenn ich immer nur einen Tag lebe und Geduld mit mir habe, wache ich vielleicht eines Tages auf und finde heraus, dass ich mich verändert habe – scheinbar über Nacht. Plötzlich habe ich, wonach ich gesucht habe: Die Fähigkeit anzunehmen, loszulassen oder gelassen zu sein. Der Erfolg ist vielleicht schlagartig eingetreten, aber ich weiß, dass all diese Monate voller Glauben und harter Arbeit die Veränderung ermöglicht haben.

Überlegung für Heute

Wir werden oft daran erinnert: „Kommt wieder!“ Heute will ich daran denken, dass das nicht nur für Meetings gilt, sondern auch für das Erlernen neuer Einstellungen und Verhaltensweisen. Das macht auf Dauer den Gewinn der Genesung in Al-Anon aus. Vielleicht sehe ich heute keinen Erfolg, aber ich kann darauf vertrauen, dass ich Fortschritte mache.

„Versuche, mit dir und deiner Familie Geduld zu haben. Es hat lange gedauert, bis die Krankheit Alkoholismus jeden einzelnen erfasst hat, und es wird wahrscheinlich lange dauern, bis alle genesen sind.“

Für Jugendliche, die ein Alkoholproblem in der Familie haben

Quelle: Mut zur Veränderung – 28. Juli – Seite 210

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)

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Fortschritt statt Perfektion

Foto einer Blüte mit BieneDer Spruch “Fortschritt statt Perfektion” hilft mir, mich ein bisschen mehr zu entspannen. Es ist okay, kleine Schritt zu gehen. Für mich ist es schon ein Fortschritt, dass ich erkannt habe, dass mein Selbstbewusstsein ziemlich im Keller ist und auch, dass es mir nun gelingt, mir das einzugestehen.
Ich dachte immer mein Wert sei davon abhängig, was ich leiste oder davon, wie gut ich helfe. Ich merke, dass ich Lob manchmal ganz schlecht annehmen kann, weil es gar nicht mit dem Bild, was ich selbst von mir habe übereinstimmt. Ich bin manchmal sehr kritisch zu mir und sage mir immer eher “Das hast du jetzt aber nicht so gut gemacht“, “Das war jetzt aber schlecht von dir“. Es tut mir weh, diese innere Stimme zu hören, aber dennoch bin ich froh, dass ich diese Stimme jetzt wahrnehmen kann. Denn Probleme können ja erst gelöst werden, wenn ich sie wahrnehme. Ich möchte nicht mehr verleugnen.
Ich dachte lange Zeit, mein Selbstwertgefühl ist von der Anerkennung der anderen abhängig, aber jetzt sehe ich, dass es auf diesem Weg nicht funktioniert. Ich werde nicht glücklich, wenn ich auf die Bestätigung und das „okay“ von außen warte. Ich darf mir selbst erlauben glücklich zu sein, und das auch unabhängig davon, wie es meinen Mitmenschen geht.
Eigentlich habe ich immer gedacht: wenn die anderen sich endlich mal ändern würden und Verantwortung für ihre Sucht übernehmen würden, dann hätte ich diese Verantwortung ja nicht mehr und dann wäre vieles viel leichter. Jetzt sehe ich, dass nicht die anderen sich ändern müssen, sondern ich selbst. Ich möchte aufhören, diese Verantwortung tragen zu wollen. Sie machte mich kaputt und führte dazu, dass ich mein Leben nicht mehr meistern konnte.
Ich habe gesehen, dass das Streben nach Perfektion in meinem Leben oft Stillstand bedeutete: Bevor ich etwas verkehrt mache, mache ich lieber gar nichts. Bevor ich etwas Falsches sage, sage ich lieber gar nichts. Al-Anon zeigt mir, dass es darum geht, die kleinen Schritte zu feiern. Ich erlaube mir selbst, den Tag zu genießen und zufrieden mit mir zu sein. Heute bin ich gut genug: wertvoll, einzigartig und unperfekt.
Sophia, eine Al-Anon

Was ein schöner Sonntag

Foto mit drei TeddysHeute hatten wir Besuch von meinem Sohn, der meinem Mann bei technischen Problemen mit dem Computer hilfreich zur Seite stehen wollte.
Was ein Unterschied zu den Jahren, als wir uns als Patchwork-Familie zusammenfinden mussten. Drei durch die Familienkrankheit Alkoholismus verletzte Seelen auf dem Weg der Genesung mit Al-Anon und A.A., später dann auch noch Alateen.
Lange ist es her, dass wir Samstag für Samstag in der Küche zusammenhocken mussten, um die vergangene Woche zu reflektieren und eine Strategie für eine bessere kommende Woche gemeinsam ausarbeiteten. Wie oft habe ich neidisch aus dem Fenster auf die Leute geschaut, die in meinen Augen unbefangen auf dem Wochenmarkt als Familie einkaufen konnten. Für uns war mancher Außenkontakt eine Herausforderung, da jeder das Verhalten des anderen beäugte und natürlich unser Heranwachsender genau wusste, welche Knöpfe zu drücken waren, damit es nach seinem Willen läuft. Wir waren für einige Freunde sicher anstrengende Gäste. Der Weg zur Lösung unserer Probleme war für manchen nicht gut aushaltbar, denn wir haben miteinander danach gesucht. Wir haben nichts unter den Teppich gekehrt, sondern manchmal auch recht temperamentvoll die Unstimmigkeiten ausgefochten.
Da gab es Zeiten in denen ich mir die Frage stellte, ist dieser Aufwand die Partnerschaft wert? Meinem Partner ging es ähnlich, da er in manchen Situationen ratlos kurz vor dem Kofferpacken stand, um sein trockenes Leben nicht zu gefährden. Mein Sohn wollte auch von Zeit zu Zeit eine Trennung von uns oder mir oder meinem Partner, den er jedem als seinen Vater vorstellte. Sein leiblicher Vater war kurz vor seiner Einschulung am Alkoholismus verstorben. Wie auch immer, wir haben es geschafft bis zum Abschluss seines Studiums zusammenzuleben und haben dabei die Werkzeuge unserer Programme sehr häufig als Heil- und Hilfsmittel angewendet.

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Erster Schritt

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109) Der Alkoholiker benutzt manchmal Ablenkungsmanöver, um die Familie oder Freunde daran zu hindern, ihn vom Trinken abzuhalten, indem er die anderen beschuldigt oder sie provoziert. In einem solchen Moment haben wir, die wir durch das Trinken eines anderen beeinträchtigt sind, die Angewohnheit, zu reagieren, zu argumentieren und uns zu rechtfertigen. Das Ergebnis ist, dass niemand das Alkoholproblem ansehen muss, denn wir sind zu sehr damit beschäftigt, uns auf den Punkt zu konzentrieren, über den wir diskutieren – ganz gleich, worum es auch geht. Und unglücklicherweise machen wir das zur Wirklichkeit, wogegen wir uns wehren.

Im Ersten Schritt geben wir zu, dass wir keine Macht über diese Krankheit haben. Wir besitzen nicht die Kraft, die nötig wäre, um dagegen anzugehen. Uns zu verteidigen, indem wir uns auf Diskussionen mit trinkenden oder anderweitig unvernünftig handelnden Menschen einlassen, ist so zwecklos wie eine Rüstung anzulegen, um uns vor einer Atomexplosion zu schützen. Nur eine Macht – größer als wir selbst – kann uns unsere geistige Gesundheit zurückgeben.

Überlegung für Heute

Ich bin dafür verantwortlich, das Nötige zu tun, um mich in Sicherheit zu bringen. Aber wenn meine Sicherheit nicht gefährdet ist, kann ich mir die Zeit nehmen, zu überlegen, wie ich reagiere. Ich brauche nicht sofort auf herausforderndes Benehmen einzugehen, und ich bin keinem Menschen Rechenschaft schuldig. Indem ich mich um Schutz an meine Höhere Macht wende, statt mich auf meine eigene Klugheit oder meinen Willen zu verlassen, sichere ich mir den bestmöglichen Schutz.

„Sobald wir unsere Situation so sehen konnten, wie sie wirklich war, begriffen wir, warum wir uns an eine Macht, größer als wir selbst, wenden mussten.“

Al-Anon Zwölf Schritte und Zwölf Traditionen

Quelle: Mut zur Veränderung – 3. Juni – Seite 155

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Versöhnung ist möglich

Foto eines gelegten Herzens aus Blumen ausIch bin noch immer etwas erstaunt, dass eine Begegnung mit meinen Eltern in dieser Form überhaupt noch möglich wurde. Seit ca. 1,5 Jahren lebte ich in einer Kontaktpause zu ihnen. Das war für mich eine Entscheidung, die „lebens-not-wendig“ war, genau in diesem Wortsinn. Für mein Leben musste ich damals die Not wenden.
Zum Glück hatte ich Al-Anon schon vor einer Weile gefunden. Ich gehe regelmäßig in Meetings, arbeite in den Schritten und mit meiner Sponsorin. Somit konnte ich in dieser schwierigen Zeit weiter an der Entwicklung meiner Persönlichkeit arbeiten. Ich befreite mich Schritt für Schritt von meiner inneren Verhaftung an ein kindliches Sein, von dem früheren Hoffen auf „meine Eltern sind endlich so, wie ich es brauche und alles wird gut“.
„Wenn ich etwas tue, tut sich was für mich“ – wie wahr! Ich lernte, Verantwortung für mich zu übernehmen und Entscheidungen für mein Leben zu treffen. Nicht mehr zu hoffen und zu warten, jemand anderes würde das für mich machen…oder der andere ändert sich endlich…oder ich mache einfach die Augen zu und das Problem ist weg. Ich beendete das Zusammenleben mit meinem 20-jährigen PC-süchtigen Sohn, nahm meine Essstörung ernst und konnte auch endlich akzeptieren, dass ich nicht mehr in meinem helfenden Beruf arbeiten kann, ohne mich selbst aufzulösen.
Mit diesem späten Wachstumsweg (ich bin Mitte 50) konnte ich auch Gefühle von Zuneigung zu meinen Eltern wahrnehmen. Ich spürte meine Bereitschaft und Kompetenz, ihnen jetzt erwachsen und autonom gegenüber treten zu können; nicht mehr ihrem alkoholkranken Verhalten ausgeliefert zu sein. Ich habe meine Grenzen und trage Verantwortung dafür, sie zu schützen.

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Al-Anon in Barcelona, Spanien

Foto eines MeetingsschildIch möchte mit Euch etwas ganz Besonderes teilen.
Vor noch nicht allzu vielen 24 Stunden fand ich den Weg zu Al-Anon. Es hat mein Leben verändert. An alle neuen Interessierten dort draußen, die diesen Blog lesen und verfolgen, möchte ich insbesondere mitgeben, dass dies keine Übertreibung ist. Ich bin super skeptisch in fast allen Lebenslagen, auch wenn es sich mittlerweile schon gebessert hat. Können fremde Menschen mir helfen? Wie soll das funktionieren? Ist das Leben überhaupt lebenswert? Finde es heraus und gehen zu einem Meeting in Deiner Nähe. Ich konnte mich endlich Menschen so zeigen wie ich bin. Und das Beste daran, sie verstanden mich.
Meetings sind für mich ein wesentlicher Bestandteil meiner Routine geworden. Sie helfen mir immer wieder von neuem mit meinen vielen Fragen, indem ich die Erfahrungen der anderen Gruppenmitglieder aufnehme und für mich mitnehme, was ich gebrauchen kann. Dadurch, dass ich anfing von mir zu erzählen und meine Geschichte zu teilen, fühlte ich mich mit der Zeit stärker und selbstbewusster. Ich meine damit nicht die vermeintliche Stärke meines bisherigen Alltags, meinen Schutzwall gegenüber anderen, mein Drang Dinge zu tun und zu erledigen, der Kümmerer schlechthin – nur nicht um mich selbst. Ich meine die Stärke in meinem Inneren. Mein wahres Ich. Meine Gruppe hat mich von Anfang an bestärkt auch andere Gruppen zu besuchen. Durch meinen Beruf reise ich in regelmäßigen Abständen durch Deutschland. Aktuell verschlägt es mich eher in die Berliner Region. Immer wenn ich unterwegs bin, besuche ich ein Meeting. Einmal schlitterte ich in eine A.A.-Gruppe (Anonyme Alkoholiker) und merkte es erst Minuten nachdem ich mich setzte. Von der parallel stattfindenden Al-Anon-Gruppe war an diesem Tag keiner da. Also blieb ich, und durfte es. Als “Erwachsenes Kind” (aufgewachsen in einer alkoholkranken Familie) sprach ich danach die einzige Frau an, ein langjähriges trockenes A.A.-Mitglied. Wir sprachen eine Weile über meine Mutter. Unendlich dankbar bin ich auch über diese Erfahrung. …weiterlesen …

Wie gehe ich mit unserem Al-Anon Programm um?

Foto von einem BaumstammAl-Anon hat das Zwölf Schritte Programm von A.A. mit nur kleinen Veränderungen übernommen.
Anfangs konnte ich mit den Schritten nicht viel anfangen. Ich dachte – am besten wäre es wohl, wenn ich alle Schritte auf einmal verstehen würde und mein Leben danach ausrichten könnte. Ja, das war MEIN Anspruch an mich, wiedermal perfekt sein wollen. Im Laufe der Jahre ist mir die Arbeit mit unserem Programm, also auch mit den Zwölf Schritten, wichtig geworden.
Am meisten begriff ich von einzelnen Schritten, wenn es im Meeting dazu Rundgespräche gab. So manche Anregung konnte ich dann mitnehmen. So geht es mir noch heute. Es ist schon ein guter Brauch, in den Meetings immer nur über den Schritt zu sprechen, der dem Monat entspricht. Erst durch die Wiederholungen jedes Jahr konnte ich tiefer den Sinn verstehen.
Das Verstehen lief und läuft bei mir nur, wenn ich eigene Gefühle, Erlebnisse damit verbinden kann. Manches fällt mir eben nur stückchenweise dazu ein und weckt Gefühle dazu. Nicht umsonst heißt es, es werden nur so viele Erinnerungen wach, wie ich jeweils verkraften kann. In Wahrheit brauchte es lange Zeit, bis ich mich mit dem einen oder anderen Schritt mehr oder weniger identifizieren konnte. Noch heute entdecke ich so manches Mal in deren Wortlaut etwas, was mich besonders anspricht, was ich früher gar nicht wahrnehmen konnte.
Durch Sponsorschaften nahm ich auch Einiges mit, wodurch mir die Schritte (oder einige) begreiflicher wurden. In den Schritten geht es immer um das, was WIR machten (oder machen). D.h. nicht im stillen Kämmerlein erschließt sich das, was die Schritte uns zu sagen haben. Gespräche darüber sind wichtig, denn uns hat ein Problem zusammengeführt und das verbindet uns. Es gibt viele ähnliche Erlebnisse mit der Familienkrankheit Alkoholismus.

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Was ist denn das Wichtigste?

Foto vom SäulendurchgangKaum ist mein Mann zur Tür raus, rattert es in meinem Kopf. Toll, er ist das ganze Wochenende weg und ich habe mal wieder das Haus für mich. Blitzschnell schlägt dieses positive Gefühl um. Gedanken von Ruhe und meiner Ordnung in den vier Wänden verwandeln sich in hektische Aufträge: Haus putzen, Steuererklärung machen, endlich die Wäsche wegbügeln, die To-Do-Liste abarbeiten, sich mit Freundinnen treffen….. Ich bin wieder drin im alten Hamsterrad. Das ist meins, denn keiner erteilt mir diese Aufträge. Der Slogan „Das Wichtigste zuerst“ ist auf einmal nicht mehr klar. Was ist denn jetzt wirklich wichtig? Deshalb setze ich mich hin und schreibe auf, was die alten Geister der Alkoholkrankheit von einem Moment auf den anderen mit mir machen. Ich bin auf einmal nicht mehr wichtig. Spüre mich nicht mehr, obwohl die Fäden von der Operation der letzten Woche noch nicht gezogen sind. Die Erkältung, die mich schon seit zwei Monaten begleitet, gehört auch wie selbstverständlich zu mir. Alte Stimme: „Stell dich nicht so an, schau mal, was ich schon auf meinen Schultern hatte und trotzdem alles erledigt habe.“ HALT! So bin ich aufgewachsen und so habe ich viele Jahre in der alkoholkranken Umgebung gelebt, das will ich doch gar nicht mehr und kann es auch besser.
Ich nehme mir die Zeit, stoppe diese lange Liste meiner Ansprüche an mich. Mein Partner hat sie gar nicht. Er möchte, dass ich es mir gut gehen lasse. Die anderen alten Auftraggeber leben meist schon nicht mehr, also was soll dieses Kopfkino?
Mit dem Aufschreiben kommt Ruhe in mir auf. Ich steige aus, verabschiede die stimmgewaltigen Kopfbewohner und schicke sie in das heutige Grau des Tages.
Der Kopf ist frei und ich weiß wieder, was das Wichtigste ist. Nein, wer das Wichtigste ist: ICH. Die Alkoholkrankheit ist körperlich, seelisch und geistig. Sie kommt nur zum Stillstand und ich werde nicht von ihr geheilt, wie ich immer wieder erlebe. Dank Al-Anon habe ich jedoch Werkzeuge, die mich über kurz oder lang in die Lage versetzen, besser mit mir umzugehen und mich ernst zu nehmen.
Jetzt geht es mir gut, eine Al-Anon
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