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Ich lernte Selbstfürsorge, als mein Mann noch trank

Foto mit Blick in die LandschaftBei mir war es ein großer innerer Leidensdruck, der mich dazu veranlaßte, meinen Mann mit seiner Sucht zu konfrontieren. Ich hatte mir die Trinkerei lange kommentarlos angeschaut und einen schönen Tages sagte ich ihm auf den Kopf zu, dass ich glaube, dass er gerade eine halbe Kiste Bier intus hat. Er leugnete.
Ich sagte, dass ich ihn die neue Kiste habe hinstellen sehen, ging zur Kiste und schnippte die “getarnten” wieder zu gedrückten Kronkorken runter. Drehte mich kommentarlos um und ging wieder rein. Am nächsten Tag sagte ich ihm, dass ich mir nicht vorstellen kann mit einem Alkoholiker zusammen zu leben und dass ich mit ihm weitergehe, wenn er aufhört zu trinken und gehe, wenn er das nicht tut.

Heute weiß ich, dass ich nicht das Recht habe, jemandem den Stempel Alkoholiker aufzudrücken. Das Wort kommt mir nicht mehr über die Lippen. Ich hätte in dieser Situation auch nicht damit drohen sollen, ihn zu verlassen, denn zu diesem Zeitpunkt meinte ich nicht, was ich sagte.
Heute bin ich vorsichtiger in meiner Wortwahl und versuche möglichst genau das in Worte zu fassen, was ich meine. So kann ich hinter dem stehen, was ich sage und tun, was ich ankündige. …weiterlesen …

Hilfe durch die Literatur

Als meine älteste Schwester mir erzählte, dass bei ihr Nierenkrebs diagnostiziert worden sei, weinten wir beide am Telefon.
Es gab keine Hoffnung, denn die Erkrankung war in einem progressiven Zustand, in dem eine Operation nicht möglich war. Sie erzählte mir von den Medikamenten, die sie nehmen musste und es war klar, dass wir weniger als ein Jahr zusammen hatten.
Da fing ich an, in unserem wunderbaren Buch „Mit dem Öffnen unserer Herzen verwandeln wir unsere Verluste“ zu arbeiten. Ich las ein oder zwei Passagen und schrieb meine Gedanken und Gefühle auf. Danach war ich bereit, mit meiner Schwester zu telefonieren.
Ich hatte die Kraft zuzuhören und ihr zu sagen, wie ich über diese hoffnungslose Situation denke. Wir konnten die Krankheit realistisch betrachten, und das gab ihr, glaube ich, den Mut, dem Druck ihrer Familie standzuhalten. Diese wollte, dass sie kämpft, obwohl es kein Heilmittel gab.
Um gut für mich zu sorgen, las ich das Buch täglich. Auf der einen Seite konnten wir beide so der Realität besser ins Auge sehen und auf der anderen Seite konnten wir über unser Leben und die Menschen sprechen, die uns wichtig waren.

Wunden der Alkoholkrankheit

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Es wird Zeit, dass ich anfange, netter zu mir selbst zu sein. Die Stimmen in meinem Kopf, die mir einreden, ich sei nicht gut genug, sagen nicht die Wahrheit; sie spiegeln lediglich das angeschlagene Selbstwertgefühl wider, das aus einem Leben mit Alkoholismus herrührt. Wenn ich diese Tatsache erkenne, kann ich den Stimmen befehlen zu schweigen! Ich will nicht mehr auf sie hören!

Genesung in Al-Anon hat mir freundlichere und liebevollere Gedanken gegeben. Sie erinnern mich daran, dass ich liebenswert bin und lernen kann, mich selbst zu lieben. Wenn ich mich genügend öffne, um diese Botschaft zu empfangen, kann ich beginnen, all die anderen schönen Klänge des Lebens zu hören, und die beleidigenden Gedanken verschwinden.

Überlegung für Heute
Mich mit Freundlichkeit und Achtung zu behandeln hilft mir, meine Selbstkritik herauszufordern. Heute will ich besonders auf jede Stimme achten, die liebevoll spricht.

„Wir müssen lernen zu leben, uns auf etwas Gutes oder Nützliches in unserem Leben zu konzentrieren und den Rest der Welt sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern zu lassen.“

Wie kann ich meinen Kindern helfen?

Quelle: Mut zur Veränderung – 29. März – Seite 89

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
www.al-anon.de

Hoffnung – endlich!

Foto blaue BlumeDie Erfahrung, nicht mehr alleine zu sein, erlaubte mir, mich mit der Scham und der Schuld auseinanderzusetzen, die mit der Familienkrankheit Alkoholismus in Verbindung steht.

Andere Al-Anon Mitglieder waren in der gleichen Situation und kämpften damit – genau wie ich. Das erleichterte mich und half mir, von mir zu erzählen. Indem ich andere um Hilfe bat und ihrer Erfahrung, Kraft und Hoffnung zuhörte, konnte auch ich mich meinen Schmerzen stellen.

Das Loch in meinem Herzen begann zu heilen. Meine Machtlosigkeit über den Alkohol und seine Auswirkungen auf mich und meine Familie zu verstehen, gab mir die Chance, überhaupt wieder ein Gefühl von „ich kann es bewältigen“ zu erreichen. Ich fühlte mich nicht länger für alles verantwortlich oder schuldig, was in unserem Leben passierte. Ich begann, die Situation zu akzeptieren, wie sie war und fand eine gewisse geistige Gesundheit wieder.

Meinen besessenen Gedanken erlaubte ich nicht mehr, jeden wachen Moment und jede meiner schlaflosen Nächte zu beherrschen. Mit dem Verstehen meiner Machtlosigkeit konnte ich plötzlich besser schlafen und hatte mehr Zeit, andere Dinge zu tun. Ich suchte nicht mehr Schutz im Auto und hörte dabei weinend immer wieder den gleichen Song.

Schließlich konnte ich mein Leben geistig gesünder und hoffnungsvoller bewältigen.

By Manette M., California

Aus: The Forum, Februar 2020 Gedruckt/ veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Al-Anon Family Group Headquarters, Inc., Virginia Beach, VA

Struktur

Foto: Baum mit eisigen ÄstenJe länger die jetzigen Einschränkungen dauern, um so schwerer fällt es mir, nicht in alte Muster zu verfallen. Das tägliche Einerlei wird mir jeden Abend klar, wenn ich in mein Tagebuch schreibe.
Manchmal erinnere ich mich nicht mehr, ob ich denn zum Einkaufen war oder nicht. Mit wem habe ich heute telefoniert? War ich heute draußen oder war das schon gestern? Das hat nichts damit zu tun, dass mein Gehirn nicht mehr funktioniert. Nein, wie früher spult sich der Tag ab in der Hoffnung, dass es endlich wieder „normal“ wird.
Dementsprechend bin ich auch manchmal ungeduldig oder ungerecht mit meinem Partner: „Das habe ich Dir doch schon gesagt!“, „Warum ist das denn immer noch nicht erledigt!“ „Musst du morgens immer schon so früh telefonieren!“
Alles keine großen Sachen, aber die Arbeit an mir selbst, ist ohne die regelmäßigen Besuche im Meeting viel schwerer geworden. Dabei habe ich mehrmals die Woche Kontakt zu meinen Al-Anon Freunden. Ebenso habe ich meine Literatur, und die nicht nur – zum im Schrank stehen -. Daran kann es also nicht liegen.
Beim Durchforsten meiner Al-Anon Literatur stieß ich auf unsere Programmkarte, und siehe da, sie hatte die Lösung für mich. – Mach Dir einen Plan… – Genau, durch das ewige Warten auf Veränderung habe ich keinen klaren roten Faden mehr in meinem Tagesablauf.
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Mit jedem Meeting geht es mir besser

Foto„Was tue ich hier?“, dachte ich. Ich wollte gar nicht hier sein. Ich fragte mich wie Al-Anon mir helfen sollte, bei dem, womit ich daheim konfrontiert war. Diese Leute kennen mich nicht einmal, dachte ich, aber es stellte sich heraus, dass sie mich kannten.

Ins erste Meeting zu gehen, war wohl das beängstigende, traurigste und auf der anderen Seite, der für mich lebensrettende Moment, den ich jemals erlebt habe. Meine Lebenssituation brachte mich hierher, egal ob ich es wollte oder nicht. Ich fühlte mich in dem Moment, als ob ich meinen alkoholkranken Partner verraten würde. Als würde ich ihn für die ganze Welt als Alkoholiker abstempeln.

Ich dachte, wie kann ich jemand, den ich so sehr liebe, auf diese Weise bloßstellen. Aber ich setzte mich auf meinen Platz und hörte zu. Da gab es keinen Zwang zu sprechen, in Kontakt zu treten oder sich jemanden anzuvertrauen. Ich brauchte nur zuzuhören. Ich hörte viele Geschichten, die meine hätten sein können. Sie wurden erzählt von Menschen aus allen Schichten, die im selben alkoholischen Durcheinander lebten wie ich. …weiterlesen …

Abgrenzung

Foto eines Schneemanns mit Augen aus KleeNach vielen Jahren in Al-Anon habe ich das Gefühl, meine Grenzen gut zu kennen. Nur was passiert, wenn Menschen, die mir nahe stehen, über meine physischen oder mentalen Grenzen treten?

In einem unserer Tagesspruch-Bücher steht: „Stöcke und Steine verletzen meine Beine.“ Im Sinne von, ich darf die verbalen Attacken oder die permanent negativen Äußerungen an mir vorbeiziehen lassen. Ich lasse mich davon nicht verletzen oder aus dem Konzept bringen. Ich muss mich auch nicht verbiegen um andere Menschen zu bekehren oder mich hinter einer vermeintlich überzeugten Zustimmung verstecken.

Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Von Kindheit an musste ich die Reaktionen der Mitmenschen abwägen. Ist das jetzt echte Anerkennung oder schwingt da doch wieder die alte Kritik mit – du bist oder denkst nicht richtig? .
Heute nehme ich mir Zeit, indem ich versuche, nicht gleich zu reagieren. Es tut mir gut, erst einmal zu reflektieren. Kommt meine Rückmeldung überhaupt an? Muss ich vielleicht ein bisschen Zeit vergehen lassen und kann dann meine Eindrücke noch einmal anbringen? Soll ich den Kontakt jetzt mal runterfahren, weil es mir nicht gut tut mit diesen Menschen in Verbindung zu sein?

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Außenwirkung nicht ausgeschlossen

Foto eines alten MauerdurchgangsNach einiger Zeit in Al-Anon und der Arbeit an mir selbst denke ich trotzdem noch öfter: du hast nichts gelernt, jetzt könntest du doch endlich im Schlaf alles anwenden…Zum Glück kann ich diese alten Muster der Selbstabwertung heute viel früher erkennen und mit einem Stopp! oder dem Slogan Denke! bremsen…dann erstmal durchatmen und mir Raum und Zeit für eine gesündere Herangehensweise nehmen.
Gerade in der weiterhin angespannten äußeren Pandemie Lage brauche ich jetzt besonders meine ganze Aufmerksamkeit, um in der Realität zu bleiben und Verwirrungen rechtzeitig zu erkennen. Kürzlich war ich in einer Arbeitssituation kurz davor, alles nach meinem alten Muster wieder alleine zu machen („Du machst das doch so toll…“) und spürte nach wenigen Tagen sofort eine Überforderung.

Ich habe zum Glück mit Hilfes unseres Programms gelernt, meine Gefühle wahr und ernst zu nehmen und dann zu prüfen, was ist passiert, worum geht es und wo liegen meine Handlungsmöglichkeiten. Besonders darf ich mich noch in Geduld mit mir selbst üben und darin, Verantwortung für mein Tun und Lassen zu übernehmen.
In den vielen Jahren, in denen ich mit dem aktiven Alkoholismus meiner Lieben lebte und nichts von dieser Krankheit und ihren Auswirkungen auf die

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Denke ich an Weihnachten in der Nacht …

WeihnachtenHallo ich bin Bozena,

ich bin in einer alkoholkranken Familie aufgewachsen.

Weihnachten ist ein riesiges Thema für mich. Denke ich an Weihnachten, so habe ich so viele Erinnerungen, so viele Erwartungen und Vorstellungen.

Ich bin jetzt keine 20 mehr und durfte schon einige Weihnachten erleben.

Meine Weihnachten als Kind, meine Weihnachten vor meiner Zeit in Al-Anon und
meine Weihnachten seit ich bei Al-Anon dabei bin.

Ich habe mich schon oft auf Weihnachten gefreut und ich habe mich schon oft vor Weihnachten gefürchtet. Manchmal habe ich mich auch darauf gefreut und gleichzeitig davor gefürchtet.

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Wahrnehmungen

Foto, Bäume im NebelInzwischen nagen die vermummten Gesichter auch an mir. Als wir uns noch im Präsenzmeeting treffen konnten, war auch mal außerhalb der Familie jemand da, dem ich ins Gesicht schauen konnte. Klar, ich habe einen Partner und nette Nachbarn, die sich mal über einen kleinen Schnack freuen. Aber selbst in unserem Stadtteil, wo wir ohne Vermummung laufen dürfen, sind die Kontakte über Mimik kleiner geworden. Jeder versucht, sich so schnell es geht zu entfernen.

Da kommt schon mal das Gefühl von früher in mir hoch. Bloß keinem zu nahe kommen, bloß keinem Gelegenheit geben, dass er etwas sagt oder noch schlimmer mich etwas fragt. Heute wäre das ja eigentlich keine Sache. Mein Leben läuft in geordneten Bahnen. Es wird nicht mehr herumgetobt und ich muss meine verheulten Augen nicht mehr überschminken. Trotzdem sind die alten Denk- und Gefühlsbahnen immer noch vorhanden.

Ich habe bei meinen ersten Besuchen im Meeting häufig von Dankbarkeit gehört. Damit konnte ich nichts anfangen. Nach so vielen Jahren im Chaos. Wovon sprachen die Menschen dort? Dankbar sein für „verlorene“ Jahre? Arbeiten an mir selbst, obwohl doch der Partner getrunken hat? Langsam habe ich mich damals vorgetastet. Die Freude über eine Blume, deren Duft ich wahrnehmen konnte; einen Vogel, der vielleicht nur für meine Ohren sein Lied sang; die Kinder, die mir zuwinkten. Einfach nur so.

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