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Starke Wurzeln

Foto, Baum wird mit Stangen gestütztDie tief verwurzelten Erfahrungen auf meinem Weg der “kleinen Schritte” stabilisieren meinen Alltag, auch in Zeiten wo ich keine “face to face” Meetings besuchen kann. Mit einer lieben Freundin, welche im Pflegeheim ist, lesen wir morgens gemeinsam am Telefon unsere Bücher mit Gedanken zum Tag, auch “Mut zur Veränderung“. Es tut so gut, dieses Teilen im Fünften Schritt, was ganz oft auch eine fortgesetzte Inventur ist. Während dessen geschieht bei mir ganz einfach, dass ich die “bewusste” Verbindung zu Gott wie ich Ihn/Sie/Es verstehe spüren kann. Dann ist sie wieder präsent, die tiefe Dankbarkeit, in Demut, dass ich es nie alleine schaffen muss. Es ist eine gute Gelegenheit in diesen Zeiten, wo alles etwas langsamer läuft – hier in diesem Blog bei Al- Anon Freunden teilen zu dürfen (für mich eine ganz neue Erfahrung). Die Jahre, die ich mit einem ebenfalls trinkenden Mann gelebt habe, waren im letzten Jahrtausend … überlebt und vorbei!
Dankeschön fürs Teilen von Erfahrung, Kraft und Hoffnung.
Gute 24 Stunden wünscht uns allen,
eine Al- Anon Freundin und Angehörige

Ich- an der Seite meines Alkoholikers

Foto von einem ZaunIch konnte sein Trinken nicht ertragen. Er war nie bösartig oder aggressiv, aber soff sich einfach weg und schlief dann ein. Ich mochte das nicht, mochte seine Alkoholfahne nicht. Mochte ihn auch nicht mehr, wenn er in diesem Zustand war.
Immer wieder überlegte ich, ob ich ihn verlassen soll. Und sagte ihm immer wieder, dass ich seine Trinkerei nicht aushalte und ihn verlassen würde, wenn er nicht aufhörte.

In meiner Verzweiflung las ich schlaue Bücher über Alkoholismus und Angehörigenverhalten. Lernte u.a., dass man dem Alkoholiker gegenüber keine leeren Drohungen aussprechen solle, sondern nur das sagen, was man wirklich meint und auch wirklich zu tun bereit ist.
Da sagte ich nur noch selten, dass ich es nicht aushalte mit ihm als Trinker. Aber immer noch manchmal.

Dann kam ich zu Al-Anon. Lernte endlich, auf mich zu achten und nicht nur auf ihn. Ich überlegte immer noch, ob ich meinen Mann verlassen soll. Nutzte aber sehr bald den für mich zu der Zeit so wichtigen Slogan “Nur für heute”, um von Tag zu Tag neu zu entscheiden.  Es war lange Zeit kein Tag dabei, an dem meine Bereitschaft, ihn zu verlassen, groß genug gewesen wäre, sie in die Tat umzusetzen.

Dann war es aber doch soweit. Mein Mann hatte eine exzessive Trinkphase, und ich war mir 100%ig sicher, dass ich mir diesen Prozess nicht weiter aus der Nähe anschauen konnte und wollte. Das sagte ich ihm auch so, teilte ihm mit, dass ich es nicht mitansehen könne, wie er sich zugrunde richtet. Zu meinem eigenen Schutz müsse ich ihn deshalb verlassen, wenn er so weitermache.

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Mein Weg in Al-Anon

FotoAls ich zu Al-Anon kam, wollte ich – wie viele vor und nach mir – ein Rezept, wie ich meinen Mann “trocken legen” konnte.

Ich war voller Wut und Verzweiflung und kannte nur ein “Entweder – Oder” und ich war voller Verwirrung, weil ich diesen Mann doch liebte und vorm Altar geschworen hatte: “In guten wie in schlechten Zeiten!”

Bei Al-Anon hörte ich Dinge wie: “Wenn Du nicht weißt, was Du tun sollst, tue erst mal gar nichts ” und “Triff in den ersten sechs Monaten bei Al-Anon keine Entscheidung”!

Es dauerte, bis mir klar wurde, dass es hier nicht um meinen Mann, sondern um mich ging, um meine Sucht, um meine Krankheit. Und dass ich, ohne diese Sucht zu erkennen und zu gesunden, mir mit ziemlicher Sicherheit immer wieder die gleichen Partner suchen würde, dass ich vor mir selbst nicht davonlaufen konnte.

Es hat etliche Jahre gedauert, bis ich zu einer Entscheidung bereit war, ich musste das ganze Elend der Alkoholkrankheit durchleben mit allen Hoffnungen in Form von Trinkpausen und Therapien, manchmal sogar ein Jahr, Abstürzen in Form von Rückfällen und bei dieser Berg- und Talfahrt stürzte ich oft tiefer als er.

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Face to Face – Von Angesicht zu Angesicht

Bild eines LogosDonnerstagabend und mein Handy erinnert mich: Al-Anon Meeting, diese Route ist die schnellste, wenig Verkehr. Vor circa einem Jahr besuchte ich mein erstes Al-Anon Meeting. Ich war so aufgeregt und wusste einfach nicht, was auf mich zukommt. Doch dann traf ich dort Menschen, die die gleichen oder ähnlichen Erfahrungen gemacht hatten und mich liebevoll annahmen, so wie ich bin.
Es ist als hätte sich mit dem ersten Besuch dort ein schwerer Stein gelöst, diesen kann ich nach für nach abtragen und mich darunter selbst entdecken.
Dank des Programms und der Meetings kann ich langsam Stück für Stück von meinem wirren Verhalten und meinen verrückten Gedanken genesen. In den Meetings habe ich gelernt, Mut und Hoffnung zu teilen und Alkoholismus als das anzunehmen was es ist – eine Familienkrankheit. Ich darf eine Stunde meine tiefsten Gedanken teilen, egal ob es Trauer und Wut oder Hoffnung und Freude sind. Nun, durch das Coronavirus, sieht mein Donnerstagabend anders aus. Statt „Face to Face“, gibt es jetzt „Mail to Mail“. Es ist schön, dass es diese Möglichkeiten heute gibt und wir auch trotz der aktuellen Situation im Austausch bleiben können.

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Gerade in Krisenzeiten: Sei gut zu dir selbst!

Foto, BlumenbeetAuch nach einiger Zeit in Al-Anon erlebe ich gerade, wie wichtig und notwendig das Anwenden und Praktizieren von Selbstfürsorge ist! Die Welt ist momentan in einer Ausnahmesituation. Die bisherigen Tage konnte ich mit meinen „Werkzeugen“ ganz gut meistern… um z.B. nicht auf den mir aus den alkoholkranken Familienzeiten bestens bekannten und vertrauten Panik- und Drama-Schnellzug aufzuspringen. Damals hatte ich kein Hilfsprogramm.

Im Laufe der immer dramatischer werdenden Lage mit einem trinkenden Mann, zwei kleinen Kindern, einem Kleintierzoo zu Hause, ständigen Umzügen, einem extrem belastenden Job, einem wachsenden Schuldenberg usw … hatte ich es einfach vergessen, mich selbst zu versorgen. Alles „im Außen“ war wichtiger. Ich „musste“ mich ja schließlich um alles und alle anderen kümmern, „sonst macht es ja keiner“…Irgendwann hatte ich mich auch immer mehr sozial isoliert und dachte, ich müsste die „Last der Familie und der ganzen Welt“ auf meinen Schultern tragen…und landete in einer Psychosomatischen Klinik, in der ich auch Al-Anon fand.

Ich habe mühsam gelernt, die Realität wahrzunehmen und mir bestmöglich nichts mehr vorzumachen. Das funktioniert nur, wenn ich „etwas tue“, Verantwortung für mein Leben übernehme und wachsam bleibe. Heute weiß ich, auch wenn z.B. kein Meetingsbesuch möglich ist, kann ich ein Online-Meeting besuchen, in unserer Literatur, auf der Al-Anon Internetseite und im Blog lesen, oder jemanden anrufen. Heute weiß ich: Ich bleibe anfällig, gerade in Krisenzeiten, mich sofort zu „Kümmern“. Gestern habe ich mich doch wieder seelisch verausgabt, mich zu viel um andere gesorgt und war am Abend völlig erschöpft.

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Die Wirkung von Al-Anon

Foto, gestapelte Steine auf einem FelsenIch jammerte mal in einem Meeting, als ich noch nicht lange bei Al-Anon war und teilte, dass ich viel lieber eine “kältere” Person sein möchte, damit ich Seelenschmerz, Leid, Not, Trauer usw. nicht so tief empfinden muss,  so darunter leiden muss.

Jemand im Meeting teilte dann, dass man doch dann ebenso das Schöne, das Positive, das Gute, das Freudvolle tief empfindet. Ich konnte dies bejahen, weil ich sehr gerne lache, fröhlich bin, Humor habe und das Schöne genießen kann, vor allem aus vollem Herzen von innen heraus lachen kann, aber eben auch manchmal laut und herzzerreissend weinen.
Ich bin doch sehr dankbar dafür, dass ich ein Gefühlsmensch bin und Gefühle empfinden und ausleben kann und ich kein “kalter Brocken” bin oder ein Gefühlskrüppel, ein Mensch, der keine Gefühle zeigen kann.

Alles hat sich verändert, durch Al-Anon und durch meine veränderte, innere Einstellung zum Leben überhaupt und zu den Herausforderungen  und zu den verschiedenen Lebenssituationen.
Als ich noch drinnen steckte mit dem nassen Alkoholkranken im Schlamassel und im Dilemma der Alkoholsituationen und seinen Auswirkungen auf mich, da vernachlässigte ich es, mich gut zu ernähren, mich richtig zu pflegen, genug zu schlafen, mich schön und ansprechend zu kleiden, mir eine schöne Frisur zu gönnen bei einem guten Friseur.
Der Alkohol und seine verheerenden Auswirkungen hatten mir jegliche Freude an allem genommen.

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Das Programm in Zeiten wie diesen

Foto eines BaumesGerade habe ich mit meinem Sohn telefoniert. Er wusste es noch nicht, aber ab morgen dürfen wir uns für zwei Wochen nun definitiv nicht mehr treffen. Er lebt allein in seinem eigenen Haushalt einige Kilometer entfernt von uns. Aus Vorsicht hatten wir schon seit zwei Wochen keinen persönlichen Kontakt mehr, wir gehören zur Risikogruppe. Nun ist es trotzdem nochmal etwas anderes. Isolation, Einsamkeit, Abgeschiedenheit, Angst.

Die Gefühle sind nach vielen Jahren sofort wieder präsent. Die Träume sind ähnlich. Das Bauchgrimmen ist immer noch bekannt. Die Versprechungen mit Vorsicht zu genießen. Doch heute kann ich damit anders umgehen.
Ich habe für mich die Hilfen des Programms stark verinnerlicht.

Erster Schritt: ich bin machtlos, aber nicht hilflos.
Zweiter Schritt: ich vertraue darauf, dass meine Verbindung zu meiner Höheren Macht so stark ist, dass mein inzwischen gesunder Menschenverstand mich vor ungesunden Aktionen zurückhält.
Dritter Schritt: Mit meinem Willen komme ich im Moment nicht weit und ich habe begriffen, dass mein Leben in den Händen meines Gottes am Besten aufgehoben ist.

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Ich habe die Wahl

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)Als ich zu Al-Anon kam, war ich in so großer Not, dass ich sofort mein Herz öffnete für alles, was das Programm und die Freunde mir zeigten. Ich entdeckte, dass das, was in meinem Leben geschieht, nicht so wichtig ist wie das, was ich daraus mache. Mit anderen Worten: Ich kann meine Einstellung wählen.

So erwartete ich immer, dass ich durch andere glücklich würde, besonders durch meine alkoholkranken Eltern. Ich verbrachte die meiste Zeit meines Lebens damit, darauf zu warten, dass sie mir ihre Liebe und Anerkennung in einer Weise zeigten, die ich verstehen konnte. Sie taten es nicht, und daher fühlte ich mich zu kurz gekommen und nicht liebenswert.

Al-Anon hat mir geholfen, meine Situation anders zu bewerten. Durch die Arbeit in den Schritten habe ich gelernt, dass ich liebenswert bin, ungeachtet dessen, was Eltern oder irgend jemand anderes denkt. Ich kann entweder dem nachtrauern, was mir gefehlt hat, oder aber mich über die Chance freuen, mich lieben und schätzen zu lernen. Ich tue beides, aber ich weiß heute: Ich habe die Wahl.

Überlegung für Heute
Es ist Zeit, nicht mehr darauf zu warten, dass andere sich um mich kümmern. Nur ich kann mich so lieben, wie ich geliebt sein möchte.

„Allmählich akzeptiere ich die Tatsache, dass meine “Wenn-doch-nur-Wünsche” nicht dazu da sind, wahr zu werden. Aber ich habe auch gelernt, dass ich sogar glücklich sein kann, wenn sie es nicht tun.“

Die Herausforderung

Quelle: Mut zur Veränderung – 16. April – Seite 107

„Mut zur Veränderung“ ODAT II (Bestell-Nr. 109)
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
www.al-anon.de

Wie sich mein Leben veränderte, Teil 2

Foto eines BlumenbeetesFortsetzung:

Ich habe so sehr gehofft, Ratschläge zu bekommen. Statt dessen sprach da jemand von Krankheit und Machtlosigkeit. Von Selbstachtung, von Höherer Macht und Gelassenheit. „Ratschläge sind auch Schläge“, sagte jemand, den ich nicht verstand. Erst nach einigen Meetings habe ich den Sinn erkannt. Dort sagte niemand: tue dies oder lass dies ruh’n. Jeder kann sich selbst entwickeln, um dann das Richtige zu tun.

Ich hörte von Zwölf Schritten, den Slogans, den Traditionen. Kein leichter Weg, o nein, jedoch er sollte sich lohnen.
Erst unfähig, Entscheidungen zu treffen oder überhaupt weiterzuleben und meinem schwerst geschädigtem Kind Stütze und Halt zu geben, lernte ich in winzig kleinen Schritten laufen, mal vor, mal zurück.
Zu Al-Anon zu finden, das war mein und meines Sohnes Glück. „Kein Mensch darf zulassen, dass ein anderer Mensch sein Leben zerstört!“ Wieviele Schlüsselsätze habe ich immer wieder gehört. Es war unendlich schwer, ich war oft ausgelaugt, ohne Mut und Energie. Ein Meetingsabend. Endlich, plötzlich wusste ich wie……..

Dann die Erkenntnis: „Wenn ich ein Problem loslassen kann, bieten sich oft ganz andere Möglichkeiten an.“ Oder im Heute zu leben, und nicht gestern und nicht morgen. Zuerst um’s eigene Wohlbefinden sich zu sorgen. Die Einsicht, dass alles durch mein Verhalten bestimmt werden kann. Damit fängst man sehr oft wieder von vorne an.

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Wie sich mein Leben veränderte, Teil 1

Foto eines BlumenbeetesMein Leben war Chaos, Verzweiflung und Wut. Ich fühlte mich oft hilflos, ohne Kraft, ohne Mut. Der Alltag wurde beherrscht von Streit und Geschrei, von Gefühlswechselduschen genauso wie vom täglichen Einerlei.

Von Selbstmitleid, Unsicherheit und großen Sorgen. Mit dem Schrecken von gestern und der Angst vor dem Morgen, mit dem Unwissen und der ständigen Frage: Warum tut er das und verschlimmert ständig unsere Lage? Mit der verzweifelten Frage des Sohnes: „Wann hört das endlich auf ?“
Dann seine Resignation. Er nimmt alles in Kauf für einige Stunden Frieden und Ausgeglichenheit. Ein ständiges Festhalten wollen der kurzen, guten Zeit. Angepasst leiden Kinder unsäglich, ohne sich zu wehren. Sind voll dabei, wenn wir alles unter den Teppich kehren, glauben dem Versprechen des Vaters, dass er nichts mehr trinkt. Wie viele Male Drohungen von mir und Versprechen von ihm? Um dann zu erkennen, es hat keinen Sinn.

Der Alkohol beherrschte unser Fühlen, Handeln und Denken. Versuche, dies Leben in andere Bahnen zu lenken, schlugen stets fehl und kosteten unendlich viel Kraft, um resigniert zu erkennen, ich oder wir haben es wieder nicht geschafft.
„Ich trinke nie mehr!“ – und es ist dann doch gleich am nächsten Tag passiert. Dann wurde in der Schuldumkehrung perfekt agiert: „Wenn du und der und die und das nicht so, sondern anders wären, dann wäre Alkohol kein Thema mehr“!!! …weiterlesen …

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