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Ich hörte Worte, die mir halfen zuzuhören

Foto von einem BuchBei meinem ersten Al-Anon Treffen war ich wütend. Mir wurde aufgetragen, an diesen Treffen teilzunehmen und ich dachte, ich müsse da nicht hingehen.

Ich saß in meinen ersten paar Meetings mit über meiner Brust verschränkten Armen und dachte: „Was haben diese Leute mit mir gemeinsam?“ Dann lasen wir die Seiten 40 und 41 in „So wirkt Al-Anon für Angehörige und Freunde von Alkoholikern“ (Best.-Nr. 105).

Ich setzte mich aufrecht auf meinen Stuhl, ließ meine Arme locker und hörte zum ersten Mal zu. „Wir verloren die Fähigkeit – Nein – zu sagen“. Das war es. Mir wurde klar, dass die Leute im Meeting genauso waren wie ich. Sie verstanden meine Kämpfe.

Jetzt freue ich mich auf diese Treffen. Die Fremden sind jetzt Freunde, besonders die Neuankömmlinge.

Misty C. California

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Ausgabe May 2021, Al-Anon Family Group Headquarters Inc. , Virginia Beach, VA

Mein Herz ist froh

Foto BlumenbeetSobald früher jemand im Meeting von Dankbarkeit sprach, sträubten sich mir die Haare und alles verkrampfte sich in mir.
Wofür sollte ich dankbar sein, nach dieser langen Zeit in ungeordneten Verhältnissen? Nach einer Ehe, in der sehr schnell kein Platz mehr war für Frohsinn aus dem Herzen heraus.
Die Stimmung war nur im Urlaub gut, denn dort war ja alles anders. DerAlkohol durfte fließen, weil am nächsten Tag kein Arbeitgeber wartete. Außerdem macht „man“ das im Urlaub so. Ich habe lange gebraucht, selbst mit der Hilfe von Al-Anon, um guten Gefühlen oder Ereignissen zu trauen.
„Freu‘ dich nicht zu früh! Das dicke Ende kommt auf jeden Fall.“ Meistens traf diese negative Prophezeiung auch ein. Offenbar hatte ich die innere Freude aus meinem Leben verbannt, denn die Ernüchterung über gebrochene Versprechen und das Aufdecken von immer neuen Schwierigkeiten, machte mein Herz hart und webte um meine Seele ein dichtes Netz aus Abwehr.
So sehe ich heute meinen damaligen Zustand, der auch anderen nahestehenden Freunden auffiel. Ich erinnere mich an eine Aussage einer Freundin aus der Al-Anon Gemeinschaft, die mich fragte: „Ist was passiert in Deiner Familie? Du schaust so ernst und traurig.“ Ich war zu der Zeit schon eine ganze Weile in Al-Anon und offenbar immer noch nicht in der Lage, das Heute tatsächlich ohne Vorbehalte anzunehmen. Zu der Zeit gab es keinen Anlass mehr, sich Sorgen zu machen. Alles, was es zu bewältigen gab, waren aus der heutigen Sicht Lebensaufgaben und keine Dramen.

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Al-Anon hat mir mein Leben gerettet

selbst gestaltete SmilesVor Al-Anon lebte ich in großer Angst. Ich schottete mich ab, wenn mir eine Situation unangenehm war, oder ich schlug um mich, als ob ich um mein Leben kämpfte.

Mir war es wichtig, dass andere wussten, dass ich stark bin und dass sie keine Macht über mich hatten. Ich war voller Wut und Traurigkeit, hatte große Angst und Hoffnungslosigkeit. Und wem soll ich das alles erzählen? Mit wem durfte ich über meine Gefühle reden? War ich verrückt? Was war los mit mir? Ich fühlte mich nur noch als Opfer.

In den letzten 27 Jahren waren so viele Dinge passiert und ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Jeder in Al-Anon wusste es. Die Mitglieder erlebten oder hatten erfahren, was ich fühlte. Sie kannten meine Geschichte, egal wie alt sie waren, egal wer der Alkoholiker in ihrem Leben war, egal, welcher Herkunft sie waren.

Ich bin nicht verrückt. Ich bin gut genug. Ich muss auf mich selbst aufpassen. Ich muss Grenzen setzen. Ich kann die Alkoholiker in meinem Leben lieben. Ich bin nicht das Spiegelbild der Alkoholiker um mich herum oder von sonst jemand. Ich liebe die Menschen um mich herum, sonst wären sie nicht in meinem Leben.

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Ich habe ein fantastisches Leben

FotoUnlängst habe ich mich von meinem Ehemann getrennt. Er hatte ein Trinkproblem, das ich zu ignorieren versucht hatte. Ein Paar aus meinem nahen Freundeskreis wusste einiges von dem, was bei uns zu Hause los gewesen war. Einige Monate vor unserer Trennung redeten sie mir sehr intensiv gut zu, zu Al-Anon zu gehen.

In meinem Zustand kompletter Ablehnung wollte ich nicht noch etwas zusätzlich anfangen, das mein ohnehin verrücktes Leben weiter erschweren würde.
Einige Monate nach unserer Trennung ging ich dann zu meinem ersten Meeting. Der Grund war meine Angst um die Sicherheit unserer Kinder, wenn sie bei ihrem Vater waren und das war für mich eine zu schwere Last. Meine Angst um ihre Sicherheit war nun größer als meine Scham und Angst, die mit dem Eingeständnis verbunden war, dass mein Mann ein Trinkproblem hatte. Ich erinnere mich, wie ich zitternd zu meinem ersten, zweiten und auch dritten Meeting ging.

Ich konnte gerade so die Zwölf Schritte lesen. Zudem hatte ich immer noch Angst davor, der Realität ins Auge zu sehen, in der ich jahrelang gelebt hatte und auch davor, wie ich in der neuen Situation sicherstellen könnte, dass mit den Kindern während sie in der Obhut ihres Vaters waren, alles in Ordnung war.

Was war also der tatsächliche Grund meines Kommens? Es war ein sehr schwerer Schritt gewesen, aber ich hatte alles andere ausprobiert. Ich wollte die Gelassenheit finden, die ich bei den Menschen in den Meetings wahrnahm. Ich lernte, dass ich für mich da hinging, dass ich nicht die Ursache für das Trinken meines Mannes war und dass ich auch nicht verantwortlich für sein Handeln war. Es fiel häufig das Wort „Liebe“, und ich wollte sowohl das, als auch Frieden.

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Geduld und was steckt vielleicht dahinter

Foto LavendelblühteEine meiner herausragenden Charaktereigenschaften war und ist auch heute noch manchmal die Ungeduld. Viele Slogans und Beiträge in unserer Al-Anon Literatur zeigen mir, dass ich damit nicht alleine bin.

Nur das ändert bei mir nichts. Ich merke, dieser Charakterzug bringt mich nicht weiter. Er macht mich mürbe, stört meinen alltäglichen Ablauf und… die Ergebnisse sind nicht so, wie ICH sie mir vorgestellt habe. Also habe ich mich mal wieder gründlicher mit dieser Eigenschaft auseinandergesetzt und kam zu der Erkenntnis, mein Wille gehört nach dem Verständnis des Dritten Schrittes mehr der Sorge meiner Höheren Macht anvertraut. Sie weiß viel besser als ich, wie und vor allen Dingen, wann was dran ist, gelöst zu werden.

Mir kam noch ein anderer Gedanke. Ich möchte schon im Voraus eine Garantie, dass alles so wird, wie ich mir das vorstelle – Perfektionismus/Ichbezogenheit -. Das hielt mich früher davon ab, etwas Neues auszuprobieren. Das Zeigen von Ungeduld in meinem Fall mit Wutausbrüchen wurde in meiner Herkunftsfamilie immer mit Missbilligung belegt. Es gab keine Unterstützung bei der nervenden Herausforderung, sondern stets den Hinweis, man solle nicht so ungeduldig sein, irgendwann werde es schon klappen. Als Kind war dieses „Irgendwann“ einfach zu groß und nicht hilfreich.

In der Ehe mit dem Alkoholiker war ich sehr ungeduldig, denn er hatte mir ja versprochen, mit mir würde er endlich aufhören können zu trinken. Auch hier gab es niemand, der mich in die Realität begleitete, dass nicht ICH die Lösung des Problems sein kann, sosehr ich mich auch aufrege oder anstrenge.

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Es ist etwas Wesentliches

Foto aus dem AllgäuÜber 35 Jahre lang gab es keinen aktiven Alkoholiker in meinem Leben. Dann kam ich in eine Situation, in der ich Verlust und Treuebruch erlebte, die nichts mit Alkohol zu tun hatten.

Das führte dazu, das alles, was ich je an Entscheidungen, Verlusten und Verletzungen erlebt hatte, plötzlich wie Korken auf dem Wasser schwammen.  Ich wurde von Selbstzweifeln und Abscheu über mich selbst überflutet und ich verurteilte mich selbst für Dinge, die ich niemals hatte kontrollieren können.
Eine Freundin meinte, dass ich vielleicht von Al-Anon profitieren könnte. Obwohl ich den Zusammenhang nicht verstand, war es doch möglich, das mein Aufwachsen in alkoholkranker Umgebung mit dafür verantwortlich war, wie ich alles und jeden sah und einordnete. Ich sagte also zu, einen Versuch zu wagen.
Bereits bei meinem allerersten Meetingsbesuch stellte ich einen wesentlichen Unterschied fest. Da gab es kein Verurteilen und keine Kritik, sondern nur Annahme. Da waren Menschen, die über sich selbst sprachen. Und es war gerade so, als würden sie meine eigene Geschichte kennen. Ich wusste,
hier war ich richtig. Ich fing an, eine weitere Gruppe zu besuchen und fand auch hier dasselbe Maß an Annahme, und ich begann, innerlich heile zu werden.
Wenn ich nach meiner Erfahrung als Neuling gefragt werde, sage ich, dass es so ist wie der Einstieg in ein Wasserbecken, das immer die ideale Temperatur hat: Kühl und erfrischend, wenn ich aufgeregt oder zornig bin, warm und besänftigend, wenn mir innerlich kalt ist und ich mich einsam
fühle.
Al-Anon Meetings und die Literatur sind wie Luft und Wasser für mich. Ich komme nicht mehr ohne sie aus. Es ist ein großer Trost für mich zu wissen, dass für den Rest meines Lebens Al Anon für mich da sein wird, wohin auch immer ich gehen werde.

Anonymous

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Ausgabe Dezember 2020, Al Anon Family Group Headquarters Inc. Virginia Beach, VA

Manchmal dauert´s auch heute noch eine Weile

Foto Schnecke auf großem SteinIn den letzten Tagen haben sich doch wieder alte ungesunde Denkmuster bemerkbar gemacht, mich verwirrt… und ich durfte wieder erkennen, dass das Leben mit seinen Herausforderungen – verstärkt auch durch die Belastungen in der andauernden Pandemiesituation – eben ist, wie es ist, mir aber heute Al-Anon mit seinen Werkzeugen zur Verfügung steht.

Über Ostern beschäftigte mich das Thema der Trauer über das Scheitern meiner Träume von heiler Ehe und Familie nochmal tief. Ein Blogartikel und die Arbeit mit dem Buch „Mit dem Öffnen unserer Herzen verwandeln wir unsere Verluste“ halfen mir ein Stück weiter. Ich spürte, dass ich erstmals fähig war, nochmal auf einer tieferen Ebene meine Verluste und geplatzten Träume wahrhaftig zu betrauern. Nicht über den Kopf, sondern die Gefühle zuzulassen. Soweit empfand ich es als heilsam.

Der Vierte Schritt war dann das Thema unseres temporären Telefonmeetings und berührte mich im Nachgang in meinem Inneren nochmal tief. Ich war seit den Feiertagen etwas dünnhäutig und ließ auch ungesunde Gedanken zu… wieder dieses „hätte ich doch damals“ usw. Was war da los? Ich dachte, ich hätte das doch nun alles längst bearbeitet, dazu meine gründliche furchtlose Inventur gemacht, Wiedergutmachung geleistet usw. und war verwirrt, dass ich plötzlich panisch dachte, ich müsse nochmal „richtig“ Wiedergutmachung an meinem Exmann leisten usw.

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Wer gehört dazu?

Foto eines WasserfallsManchmal kommt im Meeting die Frage auf: „Ich weiß nicht, ob ich dazugehöre?“
Oder auch in meiner Situation: „Musst du da noch hingehen? Bei Euch gibt es doch kein Trinkproblem mehr”.

In unserer Zweiten Tradition heißt es: – … Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist, dass bei einem Angehörigen oder Freund ein Alkoholproblem besteht -.
Letzte Nacht war mir wieder bewusst, warum ich immer noch an den Meetings teilnehme und mich zu Al-Anon zugehörig fühle.

Durch das mildere Wetter schlafe ich inzwischen wieder bei geöffnetem Fenstern und wurde zum zweiten Mal unsanft geweckt. Unser junger Nachbar hat seit Jahren ein massives Trinkproblem. Mich tangiert das (eigentlich) nicht. Er ist freundlich und hat sich noch nie irgendwie negativ mir gegenüber verhalten.

Aber:
Sobald er nachts angetrunken, betrunken oder mit anderen Substanzen abgefüllt nach Hause kommt, werde ich, nur allein von der Art wie er läuft, wankt oder auch stolpert, wach.

Was ist das?
Alte Mechanismen sind nicht weg. Die Gefahr von früher hat sich bei mir eingenistet und wird durch solche Ereignisse reaktiviert. Dafür brauche ich die Erinnerung an den Ersten Schritt: “Ich bin dem Alkohol gegenüber machtlos…”

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Ich lernte Selbstfürsorge, als mein Mann noch trank

Foto mit Blick in die LandschaftBei mir war es ein großer innerer Leidensdruck, der mich dazu veranlaßte, meinen Mann mit seiner Sucht zu konfrontieren. Ich hatte mir die Trinkerei lange kommentarlos angeschaut und einen schönen Tages sagte ich ihm auf den Kopf zu, dass ich glaube, dass er gerade eine halbe Kiste Bier intus hat. Er leugnete.
Ich sagte, dass ich ihn die neue Kiste habe hinstellen sehen, ging zur Kiste und schnippte die “getarnten” wieder zu gedrückten Kronkorken runter. Drehte mich kommentarlos um und ging wieder rein. Am nächsten Tag sagte ich ihm, dass ich mir nicht vorstellen kann mit einem Alkoholiker zusammen zu leben und dass ich mit ihm weitergehe, wenn er aufhört zu trinken und gehe, wenn er das nicht tut.

Heute weiß ich, dass ich nicht das Recht habe, jemandem den Stempel Alkoholiker aufzudrücken. Das Wort kommt mir nicht mehr über die Lippen. Ich hätte in dieser Situation auch nicht damit drohen sollen, ihn zu verlassen, denn zu diesem Zeitpunkt meinte ich nicht, was ich sagte.
Heute bin ich vorsichtiger in meiner Wortwahl und versuche möglichst genau das in Worte zu fassen, was ich meine. So kann ich hinter dem stehen, was ich sage und tun, was ich ankündige. …weiterlesen …

Hilfe durch die Literatur

Als meine älteste Schwester mir erzählte, dass bei ihr Nierenkrebs diagnostiziert worden sei, weinten wir beide am Telefon.
Es gab keine Hoffnung, denn die Erkrankung war in einem progressiven Zustand, in dem eine Operation nicht möglich war. Sie erzählte mir von den Medikamenten, die sie nehmen musste und es war klar, dass wir weniger als ein Jahr zusammen hatten.
Da fing ich an, in unserem wunderbaren Buch „Mit dem Öffnen unserer Herzen verwandeln wir unsere Verluste“ zu arbeiten. Ich las ein oder zwei Passagen und schrieb meine Gedanken und Gefühle auf. Danach war ich bereit, mit meiner Schwester zu telefonieren.
Ich hatte die Kraft zuzuhören und ihr zu sagen, wie ich über diese hoffnungslose Situation denke. Wir konnten die Krankheit realistisch betrachten, und das gab ihr, glaube ich, den Mut, dem Druck ihrer Familie standzuhalten. Diese wollte, dass sie kämpft, obwohl es kein Heilmittel gab.
Um gut für mich zu sorgen, las ich das Buch täglich. Auf der einen Seite konnten wir beide so der Realität besser ins Auge sehen und auf der anderen Seite konnten wir über unser Leben und die Menschen sprechen, die uns wichtig waren.
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