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Trauer zulassen

Herz gelegt aus SteinenEs war eine Begebenheit, die mich sehr berührte, die ich aber erst zu Hause richtig wahrnehmen konnte. Ich beobachtete eine Mutter, die den Bauch ihrer ca. 7-jährigen Tochter behutsam und zärtlich streichelte. Etwas von Liebe, Wärme und mir Unbekanntem durchströmte mich.

Später in meiner Wohnung wurde ich plötzlich von einer tiefen Trauer überwältigt und weinte seit langem wieder. Da war nur Mangel und auch Schuld in mir. Ich hatte solche Nähe zu meiner Mutter nicht erlebt und konnte sie auch nicht an meine Kinder weitergeben. Es fiel mir schwer, den Kontakt zu meiner Höheren Macht zu spüren und nicht zu tief in Selbstmitleid zu fallen.

In Al-Anon lerne ich mühsam, überhaupt Gefühle zuzulassen. Sie gehören zu mir und sie gehen vorbei. Das alles macht mich lebendig, menschlich. In all den Jahren meines Lebens in alkoholkranker Familie war ich Gefühlen immer hilflos ausgeliefert; sollte mich um die Gefühle aller kümmern und war nicht in der Lage, meine eigenen wahrzunehmen oder von anderen zu unterscheiden. Am besten nichts spüren und alles verleugnen wurde zu einer meiner Überlebensstrategien.

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Die Farbe der Hoffnung

Foto, MorgensonneAls ich an einem kalten Februartag aus dem Fenster schaute, sah ich eine trübe und farblose Landschaft vor mir. Der Schnee flog, der Boden war weiß oder grau, kahle Bäume schaukelten schlaff im Wind.

Ich hatte gerade ein Telefongespräch mit meinem alkoholkranken Sohn beendet, da ihn ein Kommentar von mir in Rage versetzt hatte. Ich war verwirrt und entschied mit Hilfe meiner Al-Anon Hilfsmittel, dass es das Beste war, sich nicht einzumischen. Natürlich weiß ich, dass ich mich nicht an schädlichem Verhalten beteiligen muss. Doch nachdem wir aufgelegt hatten, erhielt ich Dutzende von SMS und Telefonanrufen von ihm, und ich entschied mich schließlich, mein Telefon stumm zu schalten.

Als ich wieder aus dem Fenster schaute, wurde ich von meiner Höheren Macht daran erinnert, dass ein Gebet, ein Al-Anon Meeting und Literatur mich daran erinnern können, dass unter dem Schnee und dem Dreck Blumenknospen sind, die bald mit leuchtenden Farben durchbrechen werden.

„Auch das wird vorbeigehen.“

Ich kann darauf vertrauen, dass grünes Gras, Blätter und bunte Blüten kommen werden.

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Alte Gedanken und wunderbare Werkzeuge

Foto Ich hatte mich so gefreut. Mal wieder drei Wochen Auszeit mit vollem Verwöhnprogramm genießen, wobei andere Menschen sich rund um die Uhr um meine Belange kümmern.

Meine Höhere Macht entschied sich für eine zusätzliche Ruhigstellung. Zur Halbzeit hatte ich einen Sturz, der all meine Pläne durcheinander wirbelte. Nichts mehr mit Wanderungen, Schwimmbad, Sauna und Fit werden.

Gleich kamen die alten Gedanken: Du hast nicht richtig aufgepasst, du hast dies, du hast das … Das hast du jetzt davon. Der nächste Gedanke war der Spruch über die Pläne unserer Höheren Macht: Geh‘ mir aus dem Weg, ich arbeite an deinem Leben. Zum Trost und zur Orientierung las ich in unserem Al-Anon Blog. Loslassen, Annehmen, sich selbst verzeihen und Hilfe und Trost annehmen.

Dann noch ein Blick in unsere Programmfaltkarte. Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Ja, ich nehme meine derzeitigen Einschränkungen an und gleich wird es leichter. In diesem Kärtchen steht auch: Heute will ich glücklich sein. Alte negative Gedanken sind nicht geeignet, die Wunden heilen zu lassen. Also habe ich mir vorgenommen, die kleinen Glücksmomente anzunehmen und wenn es nur der Blick auf die wunderbare Landschaft ist, die ich nun mal nicht, wie geplant, erwandern kann. Die dunklen Gedanken haben sich verzogen.

Einen Tag nach dem anderen kann ich mich leichter orientieren, kann wahrnehmen, was wieder möglich ist und wo ich meiner Höheren Macht aus dem Weg gehe, damit sie Ihre Pläne für mich verwirklichen kann. Vielleicht war heute der Plan, dass ich mich hinsetze und einfach mal einhändig einen Beitrag für unseren Blog schreibe.

Danke für die heilsamen Werkzeuge

Anonym

Liebst du mich heute?

Foto AdvebtsgesteckDas Aufwachsen in einer alkoholkranken Umgebung bedeutete für mich täglich Instabilität und Unsicherheit. Bei mir war es nicht wie bei anderen Kindern, die beim Aufwachsen Worte hörten wie „ich liebe dich bis zum Mond und zurück“ oder die mit „ich liebe dich so sehr“ und weit geöffneten Armen empfangen wurden. Wenn ich meine Mutter fragte, ob sie mich heute liebte, zuckte sie ihre Schultern und sagte „nun, wie üblich“. Sie starb als ich fünfzehn war und ich erhielt nie eine andere Antwort.
Als das Trinken meines Sohnes außer Kontrolle geriet, konterte ich mit all der Wut, die ich in meiner Kindheit angestaut hatte. Ich hielt Gott Strafpredigten, wollte ihn büßen lassen und mit ihm verhandeln. Ich durchsuchte das Zimmer meines Sohnes; schnüffelte in seinen Schubladen, seinem Wandschrank und seinem Auto; durchwühlte seine Taschen und überprüfte ihn. Wenn er mir näher kam, roch ich an seinem Atem. Ich redete ihm gut zu, setzte ihn herab und drohte ihm. Er log mich an, stahl und zog sich in sein Zimmer zurück. Er war wütend und schloss mich vollkommen aus. Anscheinend hatte ich ihn verloren. Erst als ich wahrnahm, dass ich mich selbst verlor, begannen die Dinge sich zu ändern.

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Auftauchen aus dem Abwärtssog

Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, die mich zu Al-Anon brachte, fällt mir immer ein Bild ein. Ich hatte das Gefühl, mich in einem Strudel zu befinden, der mich mitgerissen hatte. Mein Leben war außer Kontrolle geraten.

Ich hatte einen neuen Partner kennengelernt, einen außergewöhnlichen, interessanten und sehr sensiblen Menschen. Trotz aller Schmetterlinge im Bauch und aller Verliebtheit hatte ich schnell das Gefühl irgendetwas stimmt nicht. Recht bald bemerkte ich, dass mein Partner ein Alkoholproblem hatte und Alkohol als „Therapie“ einsetzte. Hatte er sich zu Beginn unserer Beziehung noch sehr zusammengerissen, seinen Alkoholkonsum zu kontrollieren und zu verheimlichen, wurde er mit der Zeit immer offensichtlicher.

Mir war klar, dass ich nicht die Macht hatte gegen sein Trinken etwas zu tun und dass er selbst bereit sein muss, Hilfe zu akzeptieren. Aber ich konnte und wollte diesen verzweifelten und offensichtlich kranken Menschen doch nicht „fallen lassen“ und weiter abstürzen lassen, indem ich ihn verließ. Diese Verantwortung wollte ich nicht tragen. Irgendwann war ich völlig verwirrt. Was war das eigentlich für eine Beziehung? War das überhaupt Liebe oder war das Mitleid? Ich verausgabte mich dabei, zu versuchen ihn zu verstehen, zu unterstützen und seine Bereitschaft zu wecken, sich professionelle Hilfe zu holen. Vergeblich. Nun befanden wir uns gemeinsam in diesem Strudel, der sich immer schneller abwärts zu drehen schien.

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Hallo!

FotoDurch das Trinken meines Mannes war ich eines Tages so verzweifelt und hoffnungslos, dass ich mich auf den Weg zu Al-Anon begab.

Die Beiträge der Freundinnen in Al-Anon höre ich mir gern an, denn in manchen Beiträgen finde ich mich wieder, wie ich bin und welche Verhaltensweisen ich habe. Manchmal betrachte ich mich dann wie in einem Spiegel. Mir ist Al-Anon eine echte Hilfe.

Ich erlebe durch meine Meetingsbesuche immer wieder, dass ich Anregung bekomme zu einem selbstbestimmten Leben. Durch Al-Anon lernte ich, auf mich zu achten.

Ja, ich reagiere jetzt nicht mehr so sehr auf andere. Früher war das für mich wichtig. Heute bin ich bestrebt, mein eigenes Leben sinnvoll zu gestalten, auf mein Wohl zu achten. Um mir jeden Tag so inhaltsreich wie möglich zu gestalten, achte ich jetzt darauf, was ich für mich selber Gutes tun kann. Durch meine regelmäßige Teilnahme in Al-Anon weiß ich die Gemeinschaft sehr zu schätzen. Jedesmal nehme ich für mich etwas mit, was mir mein Leben erleichtert.

Die Al-Anon Literatur ist für mich eine wahre Schatzgrube. Darin finde ich viele Lösungsansätze für Probleme, die nicht nur den Umgang mit dem noch trinkenden Partner betreffen, sondern auch das Leben ohne Alkohol.

Sabine

Leben und leben lassen

Foto Blatt mit SchmetterlingDie Schritte Vier bis Sechs unseres Al-Anon Programms sind „meine Inventurschritte“, in denen es für mich immer wieder darum geht, mich selbst zu entdecken. Ich habe Vorzüge und Mängel. Ich bin nicht perfekt und mache Fehler.

Diesen Bestand turnusmäßig aufzunehmen und zu bearbeiten, lässt mich immer wieder demütig werden und erkennen, dass es einfach menschlich ist unperfekt zu leben. Ich bin eben so fehleranfällig und Fehler behaftet wie alle anderen Menschen in meiner Umgebung und ich bin wie sie mit all meinen Eigenheiten liebenswert.

Wie schön, dass ich mithilfe unseres Al-Anon-Programms eine Wahlmöglichkeit entdeckt habe, die mir eine bessere Alternative zum Umgang mit meinen eigenen Fehlern und den Fehlern anderer bietet, als in den ewigen Kreislauf einsteigen zu müssen aus unangemessenem Umgang mit Schuldgefühlen, Kampf um die Schuldverteilung und dem Groll, um den eigenen Anteil nicht spüren und annehmen zu müssen.

Wenn ich meinen Blick auf mich durch Selbstannahme nachsichtiger und weicher werden lassen kann, veränderte sich auch der Blick auf andere Menschen. Ich sehe vieles was ich in mir sehe auch bei ihnen. Auch sie haben Vorzüge und Mängel. Sie sind ebenso unperfekt und machen Fehler. Ich darf heute auch ihnen gegenüber milder sein. Auch sie dürfen so sein, wie sie sein möchten.

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Befreit von der Scham über den Alkoholkonsum meines Sohnes

Foto vom gedeckten TischEs war der Tag meines monatlichen Frühstücks mit einer kleinen Gruppe von Müttern, deren Kinder mit meinen zur Schule gingen, als ich mit einem Gefühl der Angst aufwachte. Meine größte Sorge war, dass mich jemand nach meinem ältesten Kind fragen würde, das drei Jahre zuvor seinen Abschluss gemacht hatte.

An diesem Freitagmorgen war er über 3.000 km weit weg, ohne bekannte Adresse. Ich wusste nicht, ob er lebte oder tot war. Der Schmerz der letzten Jahre verzehrte mich. Wenn ich mich doch nur sicher fühlen könnte, um meine Geschichte zu erzählen. Aber ich wusste, dass die Weitergabe meines Geheimnisses an diese Gruppe von Müttern meine Familie und mich auf inakzeptable Weise stigmatisieren würde.

Kurze Zeit nach diesem Frühstück ging ich in mein erstes Al-Anon Meeting. Ich wurde von mehreren freundlichen Gesichtern begrüßt und eingeladen, Platz zu nehmen. Als ich mich auf meinem Stuhl gesetzt hatte, sah ich eine Faltkarte auf dem Tisch vor mir, auf der stand: „Ich habe es nicht verursacht, ich kann es nicht kontrollieren und ich kann es nicht heilen.“

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Die Kraft des Programms

Foto SonnenaufgangMein Leben lang war ich ungeduldig. Schon als Kind konnte ich nicht still sitzen. Wurde mit „Wundermitteln“ wie Baldrian behandelt. Später fehlte mir oft die Einsicht, dass ich einfach mal innehalten sollte, um Entscheidungen mit Bedacht zu fällen.

Viele Entscheidungen entsprangen meinem Drang nach spontaner Selbstbestimmung und waren nicht gesund. Dieses Verhalten wurde in der Ehe mit dem Alkoholiker immer zwanghafter. Kontrollieren, beherrschen, alles besser wissen und alles besser und schneller machen.

Lange lebte ich auf dieser Überholspur. Meine Umwelt hatte unter meinem Tempo zu leiden und mein Körper, mein Geist und meine Seele auch. Entscheidungen mussten sofort und von mir getroffen werden. Tief in meinem Inneren wünschte ich mir eine Bremse, die mir erlaubte, endlich mal stillzuhalten. Nicht fünf Dinge auf einmal zu erledigen, sondern alle Fünfe gerade sein zu lassen.

Der Arbeit im Al-Anon Programm erschien mir anstrengend. Keine Sofortlösung, keine Rezepte, sondern eine notwendige Arbeit an mir selbst wurde immer wieder betont.

Oft kam ich im Meeting an und sprach es aus: „Ich möchte weg von der Überholspur und von dem Zwang, alles selbst erledigen zu müssen.“ Die dafür erforderliche Arbeit war immer wieder überlagert von meiner Ungeduld. …weiterlesen …

Meinen Weg wieder finden

Foto eines BaumstammsUnd „zack“, da ist es mir doch wieder passiert…ich habe mich durch eine Erkrankung im nahen Familienbereich ein Stück weit von meinem Genesungsweg abbringen lassen. Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich es wirklich realisierte.

Bis dahin dachte ich, ich würde gut auf mich achten und meine Al-Anon Werkzeuge anwenden. Und doch haben sich alte, ungesunde Verhaltensweisen fast unbemerkt wieder ausgebreitet…das nächtliche Gedankenkarussell drehte sich schneller: Ich muss doch nochmal anrufen, wie es ihm geht; und ob ich nicht noch etwas für ihn tun kann, Fahrten übernehmen…oder sollte ich nicht doch „Ratschläge“ erteilen wie „das Leben geht“ …oh je!

Zum Glück hatten wir gerade im Meeting den passenden Blogtext als Thema und ich konnte wahrnehmen, dass ich tatsächlich mehr an „meinen Problemen arbeitete“ und im Leben der anderen unterwegs war anstatt in meinem.

Am Morgen deutlich meine Machtlosigkeit spüren, und ja, das ist das reale Leben mit seinen Herausforderungen.

Dank Al-Anon bin ich nicht mehr hilflos, wie früher. Heute habe ich meine Höhere Macht und bitte um Führung. Plötzlich ist mir klar: um meinen eigenen gesunden Weg wieder deutlich zu sehen und zu gehen, muss ich erneut verstärkt im Ersten Schritt arbeiten.

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