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Die Kraft des Programms

Foto SonnenaufgangMein Leben lang war ich ungeduldig. Schon als Kind konnte ich nicht still sitzen. Wurde mit „Wundermitteln“ wie Baldrian behandelt. Später fehlte mir oft die Einsicht, dass ich einfach mal innehalten sollte, um Entscheidungen mit Bedacht zu fällen.

Viele Entscheidungen entsprangen meinem Drang nach spontaner Selbstbestimmung und waren nicht gesund. Dieses Verhalten wurde in der Ehe mit dem Alkoholiker immer zwanghafter. Kontrollieren, beherrschen, alles besser wissen und alles besser und schneller machen.

Lange lebte ich auf dieser Überholspur. Meine Umwelt hatte unter meinem Tempo zu leiden und mein Körper, mein Geist und meine Seele auch. Entscheidungen mussten sofort und von mir getroffen werden. Tief in meinem Inneren wünschte ich mir eine Bremse, die mir erlaubte, endlich mal stillzuhalten. Nicht fünf Dinge auf einmal zu erledigen, sondern alle Fünfe gerade sein zu lassen.

Der Arbeit im Al-Anon Programm erschien mir anstrengend. Keine Sofortlösung, keine Rezepte, sondern eine notwendige Arbeit an mir selbst wurde immer wieder betont.

Oft kam ich im Meeting an und sprach es aus: „Ich möchte weg von der Überholspur und von dem Zwang, alles selbst erledigen zu müssen.“ Die dafür erforderliche Arbeit war immer wieder überlagert von meiner Ungeduld. …weiterlesen …

Meinen Weg wieder finden

Foto eines BaumstammsUnd „zack“, da ist es mir doch wieder passiert…ich habe mich durch eine Erkrankung im nahen Familienbereich ein Stück weit von meinem Genesungsweg abbringen lassen. Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich es wirklich realisierte.

Bis dahin dachte ich, ich würde gut auf mich achten und meine Al-Anon Werkzeuge anwenden. Und doch haben sich alte, ungesunde Verhaltensweisen fast unbemerkt wieder ausgebreitet…das nächtliche Gedankenkarussell drehte sich schneller: Ich muss doch nochmal anrufen, wie es ihm geht; und ob ich nicht noch etwas für ihn tun kann, Fahrten übernehmen…oder sollte ich nicht doch „Ratschläge“ erteilen wie „das Leben geht“ …oh je!

Zum Glück hatten wir gerade im Meeting den passenden Blogtext als Thema und ich konnte wahrnehmen, dass ich tatsächlich mehr an „meinen Problemen arbeitete“ und im Leben der anderen unterwegs war anstatt in meinem.

Am Morgen deutlich meine Machtlosigkeit spüren, und ja, das ist das reale Leben mit seinen Herausforderungen.

Dank Al-Anon bin ich nicht mehr hilflos, wie früher. Heute habe ich meine Höhere Macht und bitte um Führung. Plötzlich ist mir klar: um meinen eigenen gesunden Weg wieder deutlich zu sehen und zu gehen, muss ich erneut verstärkt im Ersten Schritt arbeiten.

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Liebst Du einen Alkoholiker?

Foto Dieser Flyer befand sich in meinem „Willkommen-Paket“ als ich zu Al-Anon kam.

„Mich um mich selbst zu kümmern“ habe ich zuerst gar nicht verstanden, doch halfen mir diese Worte, mich erstmal mit der Krankheit Alkoholismus zu befassen, die meiner damaligen Meinung nach nur meinen Mann betraf. Ich war auf der Suche nach Anleitung, nach „was soll ich bloß tun“ Antworten.

Und fand darin eine Beschreibung, „was ich nicht tun sollte“ und da stand dann genau das, was ich bisher getan hatte.

„Anfangen mit Aufhören“, sagte mir meine Sponsorin, die mich begleitete, als mein Mann noch trank und mich auf die „Warnungen“ in diesem Text hinwies. Der Flyer half mir bei diesem „Anfangen mit Aufhören“, was tatsächlich Veränderungen nach sich zog. Zuerst hörte das allabendliche Gebrüll auf, als ich nicht mehr fragte, „hast du getrunken?“

Es war unheimlich schwierig, nur allein diese einzige Frage nicht mehr zu stellen, aber es war ein Anfang.

In dem Abschnitt „Hilf Dir selbst“ stand das, was ich von meinem ersten Al-Anon Meeting an erfahren durfte: Verständnis, Liebe, Frieden, Ruhe und Zugehörigkeit.

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Bearbeite ich meine Probleme oder arbeite ich im Programm?

Foto Distel mit HummelIch habe an einem Al-Anon Treffen teilgenommen, bei dem die Gruppe mit dem Buch „So wirkt Al-Anon“ gearbeitet hat.

Die Person, die den Text vorlas, las versehentlich den Satz – Ich fuhr fort, an meinem Problem zu arbeiten – statt – Ich fuhr fort, im Programm zu arbeiten –.

In dem Moment war ich froh, dass wir uns online trafen und mein Mikrofon stumm geschaltet war, damit ich das Meeting nicht störte, als ich laut lachte.

Als ich später über den Unterschied zwischen: im Al-Anon Programm arbeiten und „an meinem Problem arbeiten“ nachdachte, erinnerte ich mich an die Zeit, als ich zum ersten Mal am Al-Anon Meeting teilnahm und nicht verstand, wie mir das Programm helfen konnte.

In jenen frühen Tagen arbeitete ich an meinem Problem, indem ich mich mit der Abhängigkeit und den destruktiven Verhaltensweisen des Alkoholikers beschäftigte; mitten in der Nacht mit rasenden Gedanken aufwachte; auf die fürchterlichen Telefonanrufe wartete; mich ärgerte und versuchte, ihn zu zwingen, pünktlich zur Schule oder zur Arbeit zu gehen; und jedes Mal, wenn es Zeit war, etwas mit ihm zu besprechen, einen Knoten in meinem Magen spürte.

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Wie tief ist der Tiefpunkt und wie kann ich loslassen?

Foto Während der Ehe mit dem trinkenden Alkoholiker hatte ich oft das Gefühl, jetzt geht nichts mehr. Ausgelaugt, verärgert, enttäuscht, verletzt und am Rand des Zusammenbruchs waren „eigentlich“ die normalen Zustände.

Ich flehte in meinen Gebeten um Änderung der Situationen, der Menschen, der Gegebenheiten und nichts veränderte sich. Irgendwann war es soweit, dass ich das als normal empfand. Es gab keine Hilfe von einem Gott meiner Kindertage, der Familie oder den Freunden. Keiner wusste wovon ich sprach. Mein Tiefpunkt zeigte sich in schweren körperlichen Ausfällen, doch auch das brachte mich noch nicht in die Al-Anon Gemeinschaft. Die Erkenntnis, dass nicht nur mein Körper streikte, sondern auch der Geist und die Seele verwundet waren, ließen mich dort ankommen, was der Tief- oder der Wendepunkt sein sollte.

Inzwischen bin ich Teil der Al-Anon Gemeinschaft und es steckt viel Arbeit in meinem neuen Sein, Erleben und Verarbeiten. Ich kann von Glück sagen, dass ich mich aus diesem tiefen dunklen Loch herausgearbeitet habe. Wichtig war ein neues Verständnis von einer Höheren Macht, einer Kraft größer als ich selbst. Die ist nicht dafür da, dass ich sie um Änderung meines Lebens anflehe, das habe ich inzwischen erfahren dürfen. Sie gibt mir Halt in Situationen, wie ich sie in den letzten Wochen wieder erleben musste. Neben all den Herausforderungen des normalen Alltags wurde ich mit der schweren Krankheit eines Familienmitgliedes konfrontiert.

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Hoffnung finden durch die Anwendung der Zwölf Schritte

Foto, Weg im ParkZu Beginn meiner Ehe lebte ich im Nahen Osten. Alkohol war dort verboten, aber überall vorhanden. Das Trinken hatte daher eine besondere Qualität, die ich zunehmend bei meinem Ehepartner sah. Das machte mir Angst und ich fühlte mich noch mehr isoliert und nicht unterstützt. Ich war so unglücklich. Durch eine andere Angehörige fand ich zu Al-Anon und wir besuchten gemeinsam ein Treffen im Diplomatenviertel. Das hat geholfen, aber nicht genug.

Zwanzig Jahre später begann mein Sohn zu trinken und Drogen zu nehmen, und die Slogans und die Beschäftigung mit der Literatur reichten wieder nicht aus, um mir zu helfen, mit meiner Wut und meinen Ängsten fertig zu werden. Was fehlte, waren die Zwölf Schritte. Ich hatte ihren wertvollen Zweck nicht verstanden. Es waren die Schritte, die mich veränderten – ich fühlte mich nicht mehr als passives Opfer und war voller Angst, sondern fand einen Sinn in meinem Leben und fühlte Hoffnung. Die Schritte waren meine ABC-Fibel, die mir zeigte, wie ich anfangen konnte, das Leben zu leben, wie es gut für mich war.

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Hilfe ist immer erreichbar – unser Bücherschrank mit Blogtexten

Foto WebseiteManchmal fühle ich mich schon so weit genesen, dass ich mich doch wieder selbst überfordere. Aktuell war ich innerhalb von drei Tagen länger mit meiner Mutter zusammen und danach erschöpft und gereizt.

In meinen Jahren in Al-Anon habe ich gelernt, gut für mich zu sorgen, bevor ich in herausfordernde Begegnungen gehe. Zeit mit meiner Mutter zu verbringen bleibt eine solch extreme Herausforderung für mich. Sie hat sich nicht verändert. Ist weiterhin hart und abwertend sich selbst und anderen gegenüber. Aktuell noch verstärkter, da sie unter der Belastung und Pflege ihres kranken Mannes sorgenvoll leidet.

Doch wie in all den Jahren meines Aufwachsens in dieser alkoholkranken Familie – funktioniert meine Mutter einfach.

Wieder zu Hause fand ich spät abends im Blog auf unserer Webseite den Text zum Thema „Vergebung“. Meine Mutter ist die Angehörige, nicht die Alkoholikerin in meiner Familie, doch habe ich sehr unter ihrer gnadenlosen Lebenseinstellung gelitten. Habe nie etwas „recht oder richtig machen können“ usw.

Mühevoll bin ich die Schritte unseres Programms gegangen und übe mich weiter darin. Auch in Wiedergutmachung, Vergebung und Mitgefühl für mich und andere.
Welch Wohltat, die Zeilen zu lesen. Es war genau das, was ich gerade brauchte, um nicht zu lange im alten Selbstmitleid zu versinken. In bester Selbstfürsorge vergebe ich mir selbst, doch wieder etwas über meine Grenzen gegangen zu sein, und meiner Mutter,- auch sie gibt ihr Bestes und ich liebe sie dafür.

Ich danke meiner Höheren Macht – sie sorgt für uns beide und kann noch einen gemütlichen Abend genießen.
Für heute im Frieden mit mir,

eine Tochter

Ehrlichkeit und Verständnis

Foto Blumen am WegWill ich erzählen warum ich wiederkam, muss ich zuerst berichten, wie ich zu Al-Anon kam:
Ich ging das erste Mal zu Al-Anon weil ich Ratschläge und Hilfestellung haben wollte als Angehörige eines Alkoholikers. Mein Mann trank schon seit seiner Jugend. Ich hatte geglaubt, dass eine glückliche Ehe ihn sicherlich heilen würde.
Im Rheinland, wo wir aufgewachsen waren, gibt es eine starke Bier- und Kneipenkultur. Viel trinken ist normal. Mein Mann war ein Trinker, der in fröhlicher Jägerrunde trank, jedoch in späteren Jahren zunehmend zuhause und das jeden Abend. Er ist nie aggressiv oder gewalttätig gewesen, aber doch desinteressiert am Familienleben und sehr in sich verschlossen. Er machte beruflich Karriere, und wenn ich mich wegen des Alkoholkonsums im Familien- oder Freundeskreis beklagte, stieß ich auf wenig Verständnis, sondern erhielt als Antwort: „Jetzt gönne ihm doch die paar Bierchen am Abend zum Entspannen …“
Ich aber fühlte mich gefangen in dieser unbefriedigenden Ehe, hatte mir unter Familienleben etwas anderes vorgestellt und wollte ihn ändern . So kam ich zu Al-Anon.

Warum ich wiederkam: Ehrlichkeit und Verständnis
Zuerst stieß ich hier das erste Mal auf Menschen, denen ich die volle Misere unserer Situation erzählen konnte, die zuhörten und es verstanden. Da wurde das Problem weder abgeschwächt noch mir geraten, mich zu trennen.
Ich hörte dort zum ersten Mal, dass Alkoholismus eine Familienkrankheit ist und ich sehr wohl in deren Gesamtzusammenhang auch eine Rolle spiele – außer der des Anklägers. Es gab keine Schuldzuweisung, sondern mir wurde aus den persönlichen Erfahrungsberichten klar, wie hoch mein eigener Anteil an der Situation war. Also konnte ich auch etwas ändern, nämlich mich!!
Diese Ehrlichkeit und das Verständnis der anderen Al-Anon Freunde hat mich zutiefst berührt. Wo traf ich sonst in meinem Leben Menschen, die so offen über ihre Probleme sprachen. Die nicht alle Energie darauf verwandten, eine Fassade hochzuhalten, sondern ihre Energie dazu benutzten, die Mauern ihrer Zwänge einzureißen, dunkle Ecken ihrer Seele auszuleuchten, – kurz, sich um Wahrhaftigkeit bemühten.
Diese schonungslose Selbstanalyse beeindruckte mich sehr. Jeder erzählte die Geschichte seines Lebens, wie sie war. Diese Lebensgeschichten waren mir Schock und Trost zugleich – da war von Gewalt und tiefster Verzweiflung bis Selbstmord die Rede, vom Partner, vom Arbeitsplatz. Dinge, die ich nie so heftig erlebt hatte. Aber diese Menschen hatten sich aus diesen extremen Situationen mithilfe von Al-Anon und den Zwölf Schritten wieder hochgerappelt und saßen als absolut sympathische und beneidenswerte Menschen vor mir.

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Inneres Wachstum oder den Schuldrucksack stehen lassen

Foto mit Rucksack auf einer HolzbankErst nachdem ich es geschrieben und losgeschickt hatte, konnte ich wahrnehmen – begreifen – spüren: es war das erste Mal, dass ich Liebe, wie sie gemeint ist, so tief erlebte.

Meine schon lange erwachsene Tochter hatte mir eine Nachricht gesendet, in der sie mir dankbar von einem Telefonat mit ihrem Bruder berichtete. Wie glücklich sie sich schätzt, solch eine wertvolle geschwisterliche Beziehung zu haben. Sie bedankte sich bei mir und meinem geschiedenen Mann dafür, dass wir ihnen wohl etwas Wertvolles mitgegeben hätten…

Meine Kinder sind aufgewachsen im Chaos einer alkoholkranken Familie mit Vernachlässigung, Traurigkeit, Einsamkeit und letztlich der Scheidung ihrer Eltern. Es sind viele Jahre vergangen, in denen ich mich als Mutter sehr schuldig fühlte.

Mit dem Al-Anon Programm und meiner Sponsorin lernte ich mühsam, den Schuldrucksack nicht immer wieder aufzusetzen, sondern an einer
Weiterentwicklung meines Lebens zu arbeiten. Ich machte meine Inventur und erkannte meine Anteile am Scheitern dieses Familienmodells. Konnte es irgendwann annehmen und mit Hilfe meiner Höheren Macht Wiedergutmachung an meinen Kindern leisten, indem ich übte, z.B. weniger kontrollierend und übergriffig zu sein.

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Ein Hoffnungsschimmer

Als ich an diesem warmen, dunstigen Abend zur Kirche fuhr, hoffte ich inständig, dass das Meeting ausfallen würde oder niemand vorbeikäme. Der Knoten in meinem Bauch wurde immer größer, als ich auf den Parkplatz einbog und die vielen Autos sah.

Die Angst schien meinen Körper wie ein Heliumballon aufzublasen. Ich saß also zehn Minuten vor Meetingsbeginn in meinem Auto und beobachtete die Menschen, wie sie in den Meetingsraum gingen und betete, dass kein bekanntes Gesicht darunter wäre. Was würden die denken, wenn sie mich hier sähen? Sie würden es wissen, sie würden ablästern. Dann dachte ich an das verzweifelte Versprechen, das ich mir selbst in der Nacht zuvor auf dem Boden des Badezimmers liegend gegeben hatte: Hier hinzugehen und dem Ganzen eine Chance zu geben.

Ich verließ also das Auto und ging in mein erstes Al-Anon Meeting und fühlte mich dabei wie ein Kindergartenkind am Betreuungstag. Ich hielt meinen Kopf gesenkt, um Blickkontakte zu vermeiden. Da unterhielten sich Menschen jeden Alters angeregt miteinander und tranken dabei Kaffee oder Kakao. Ich setzte mich leise auf einen Stuhl, versuchte dabei, mich unsichtbar zu machen, aber die Gruppenmitglieder hießen mich willkommen.

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