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Mutter und Sohn

UndineMein Sohn trank.

Die ersten Male dachte ich, er wird es ausprobieren, machen doch alle.
Nach dem Abi kam er in die gehobene Laufbahn und das tägliche Trinken gehörte zum Alltag.

Nach mehreren schweren, aber glücklich überstandenen Unfällen zog er wieder zu Hause in sein altes Zimmer und ich bekam hautnah mit, wie er sich verhielt. Als Mutter dachte ich, ich habe nicht richtig für ihn gesorgt und wollte es wieder gut machen.
Ich nahm ihm alle unangenehmen Dinge ab, ordnete seine finanziellen Angelegenheiten, half oft mit Geld aus, sorgte für Kleidung und ein sauberes Zimmer.
Zwischen gutem Zureden, Vorwürfen bis hin zu Wutausbrüchen war noch Liebe, aber dann Verzweiflung bis hin zum Hass.

Meine Tochter hatte von Al-Anon gehört und erzählte mir davon, aber ich traute mich da nicht hin, sah in Gedanken heulende, traurige Menschen und ich wollte ja mich nicht bloßstellen und meinen Sohn nicht verraten.

Aber irgendwann war meine Verzweiflung so groß, dass ich Hilfe suchte.

Ich ging in ein Al-Anon Meeting.

Freundliche Menschen, eine gelassene Stimmung war zu spüren, es wurde sogar gelacht.
Jemand ermunterte mich, etwas zu sagen und ich erzählte von meinen Problemen.
Es wurde der 2. Schritt besprochen, denn es war Februar. Ich hörte von „… geistige Gesundheit wiedergeben…“ – ja, die fehlte mir!
Und mir fehlte Verständnis, für mich und meinen Sohn.

Ich lernte schnell, denn ich war so erleichtert, als ich hörte, dass niemand für das Trinkverhalten eines anderen verantwortlich ist, es nicht kontrollieren und nicht heilen kann, ich begriff:
Ich war nicht schuld.
Das gab mir eine innere Freiheit und ich konnte den anderen zuhören, aus ihren Beiträgen fand ich Möglichkeiten für mich und ich fing an, Erlerntes umzusetzen.
In verzweifelten Situationen dachte ich an die Slogans oder rief eine Al-Anon Freundin an.
Ich las die Bücher von Al-Anon und verpasste kein Meeting.

Und was tat sich zu Hause? Meine ganze Familie bemerkte bald meine Veränderung.
Ich fand einen Weg, wieder mit meinem Sohn zu reden.
Meine Freude war groß, als ich merkte, dass auch er mit mir reden wollte.
Die Wut und der Hass verschwanden, meine Verzweiflung verwandelte sich in Gelassenheit und Fröhlichkeit.

Ich gehe immer noch in die Meetings und habe durch verschiedene Dienste Al-Anon unterstützt. Ich bin dankbar, dass es Al-Anon gibt und möchte es an andere weitergeben und da sein, wenn verzweifelte Menschen Hilfe suchen.

Undine, Al-Anon