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Was ein schöner Sonntag

Foto mit drei TeddysHeute hatten wir Besuch von meinem Sohn, der meinem Mann bei technischen Problemen mit dem Computer hilfreich zur Seite stehen wollte.
Was ein Unterschied zu den Jahren, als wir uns als Patchwork-Familie zusammenfinden mussten. Drei durch die Familienkrankheit Alkoholismus verletzte Seelen auf dem Weg der Genesung mit Al-Anon und A.A., später dann auch noch Alateen.
Lange ist es her, dass wir Samstag für Samstag in der Küche zusammenhocken mussten, um die vergangene Woche zu reflektieren und eine Strategie für eine bessere kommende Woche gemeinsam ausarbeiteten. Wie oft habe ich neidisch aus dem Fenster auf die Leute geschaut, die in meinen Augen unbefangen auf dem Wochenmarkt als Familie einkaufen konnten. Für uns war mancher Außenkontakt eine Herausforderung, da jeder das Verhalten des anderen beäugte und natürlich unser Heranwachsender genau wusste, welche Knöpfe zu drücken waren, damit es nach seinem Willen läuft. Wir waren für einige Freunde sicher anstrengende Gäste. Der Weg zur Lösung unserer Probleme war für manchen nicht gut aushaltbar, denn wir haben miteinander danach gesucht. Wir haben nichts unter den Teppich gekehrt, sondern manchmal auch recht temperamentvoll die Unstimmigkeiten ausgefochten.
Da gab es Zeiten in denen ich mir die Frage stellte, ist dieser Aufwand die Partnerschaft wert? Meinem Partner ging es ähnlich, da er in manchen Situationen ratlos kurz vor dem Kofferpacken stand, um sein trockenes Leben nicht zu gefährden. Mein Sohn wollte auch von Zeit zu Zeit eine Trennung von uns oder mir oder meinem Partner, den er jedem als seinen Vater vorstellte. Sein leiblicher Vater war kurz vor seiner Einschulung am Alkoholismus verstorben. Wie auch immer, wir haben es geschafft bis zum Abschluss seines Studiums zusammenzuleben und haben dabei die Werkzeuge unserer Programme sehr häufig als Heil- und Hilfsmittel angewendet.

Heute sehen wir uns unregelmäßig, aber mit immer größerer Liebe zueinander. Die Männer haben heute viel gelacht. Es hat nicht so funktioniert, wie sie es sich vorgestellt hatten. Das ist kein Problem mehr. Früher waren Frustbekundungen, gegenseitige Wertungen oder Auseinandersetzungen häufig das Ende solcher gemeinsamen Aktionen. Die Saat der Arbeit von damals ist aufgegangen. Ich muss nicht mehr neidisch sein auf die „heilen“ Familien um uns herum. Wir tun alle drei unseren Teil dazu, dass wir den Slogan „Leben und Leben lassen“ so gut es geht im Umgang miteinander praktizieren.

Darüber bin ich sehr glücklich,
eine Al-Anon

 

 

Ein Kommentar

  1. Heike schrieb:

    Danke für diesen wunderbaren Text, der mir wieder einmal zeigt: leicht ist es nicht, doch es lohnt sich ! Unser Programm ist kein Zauberwerk und es funktioniert nicht über Nacht. Doch mit heilsamen Geschichten, so wie dieser, von Freundinnen und Freuden, die es erlebt haben und danach leben, erfahre ich: es funktioniert…wenn ich etwas dafür tue.

    Donnerstag, 5. Juli 2018 um 13 | Permalink

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