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Vertrauen üben

FotoSchon zu Beginn meiner Zeit in Al-Anon hörte ich immer wieder: Du solltest mal Vertrauen üben. Gut und schön, aber…

Jeder hat wohl die Erfahrung machen müssen, dass Vertrauen auf ein Versprechen des Alkoholkranken nicht sehr oft von Erfolg gekrönt ist.

Im Laufe der Jahre hatte ich viele Gelegenheiten, dieses Vertrauen tatsächlich zu üben. Zuerst mein bewusster Entschluss, trotz der Erfahrungen mit dem trinkenden Alkoholiker, eine Partnerschaft mit einem trockenen Alkoholiker zu beginnen. Das Vertrauen, dass er nicht bei der kleinsten negativen Gelegenheit in die Kneipe geht.

Das Vertrauen, dass er sich angemessen um mein Kind kümmert, wenn ich es nicht kann. Das Vertrauen, dass die gefassten Vereinbarungen tatsächlich eingehalten werden und so weiter. Langsam, wirklich ganz langsam und mit viel Hilfe der Meetings und meinen Sponsoren wuchs dieses Vertrauen. Manchmal wusste ich mir nicht anders zu helfen, als dass ich gedacht habe: Was passiert, wenn du jetzt plötzlich nicht mehr da bist? Die Antwort war ganz klar, die Welt würde sich weiter drehen. Also konnte ich diese Gedanken meiner Höheren Macht abgeben, die sowieso einen besseren Überblick über das Geschehen hat.

Heute stärkt mich diese Gewissheit in vielen meiner Angelegenheiten. Manchmal bin ich erstaunt, welch krumme Gedanken an mich herangetragen werden, die ich selbst gar nicht für mich in Betracht gezogen habe. Seien es medizinische Diagnosen von Laien oder Handlungsanweisungen für die Gestaltung meines Alltags. All das macht nichts mehr mit mir. Das sind Bausteine für die Übungen eines jeden Tages, nämlich im Elften Schritt innezuhalten und auf die Stimme meiner Höheren Macht zu hören. Erstaunlicherweise höre ich manchmal nichts.

Könnte es ein Zeichen sein, dass ich Vertrauen in die Arbeit meiner Höheren Macht habe? Ich bin inzwischen überzeugt davon.

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Heike schrieb:

    So schön, danke…mit diesen Gedanken die Arbeitswoche zu beginnen ist ein Geschenk. Vertrauen, dass auch bei mir fast lebenslang gestört, missbraucht usw. wurde, durfte dank Al-Anon in mir wachsen. Ja, die Welt dreht sich auch ohne mich weiter…ich bin Teil des großen Ganzen, des Lebensrades und nicht die vermeintliche “Verantwortliche”… welch` Entlastung…Vertrauen üben, in Etwas, das größer ist als ich.

    Montag, 21. September 2020 um 10 | Permalink

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