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Sichtbar sein

Foto vom KaktusEs ist einfach erstaunlich, auf welche Art und Weise ich gerade wieder auf den richtigen Weg für mich geführt werde. Eine Weile bin ich zwar schon in Al-Anon, weiß aber, dass meine Entwicklung zu einem bestmöglich zufriedenen und gelassenen Leben wirklich eine Lebensaufgabe bleibt. Natürlich ertappe ich mich immer wieder bei Gedanken wie „na, das musst du jetzt aber können“, oder dieses wenig förderliche „warum stecke ich wieder fest?“. Gerade beschäftigt mich ein Bereich in meinem Kopf, ein weißer Fleck, den ich offensichtlich jetzt erst oder endlich genauer betrachten soll.

Dieses Jahr habe ich mir die Arbeit in den Zwölf Traditionen mit meiner Sponsorin auf der Grundlage unserer Literatur mit dem Buch „Aufbruch zur persönlichen Freiheit“ vorgenommen. Jetzt im Dezember ist also die Zwölfte dran…und passt natürlich genau zu meinen Themen…denn wieder einmal fühle ich mich in einem Textbeitrag in so vielen Bereichen genau beschrieben!

Eine meiner Schranken im Kopf – mich selbst und andere ohne Bewertung oder Beurteilung sehen zu können ist für mich wie eine schwere Fremdsprache oder noch besser, eine andere Galaxie. Wie geht das, „Prinzipien über Personen“ zu stellen?

Ich komme aus einer alkoholkranken Familie und habe es nie gelernt, wie es sich anfühlt, einfach angenommen zu sein, ohne etwas dafür zu tun. Schön brav sein, die Bedürfnisse und Erwartungen meiner Eltern und Verwandten erspüren und sie ihnen möglichst erfüllen. Alles wurde bewertet, und das meiste abgewertet, über andere gelästert usw.

Hier im Programm und in der Gemeinschaft übe ich genau das: Jeder Mensch in den Gruppen hat seine Geschichte, sein Leid und seine Freude und ich kann von jedem etwas lernen. Unabhängig von „der Person“ – es geht um das Mensch-Sein. So erschließt sich auch für mich das Prinzip der Anonymität langsam besser. Hier werde ich, werden wir alle, respektiert, wert-geschätzt, ich bin, wir sind alle, wert-voll als ein Mensch auf dieser Erde. Zu erahnen, welch Glück ich habe, ein Teil der Menschheit sein zu dürfen. In Demut und Anonymität.

Dafür muss ich nicht perfekt sein, ich mache Fehler, lerne bestmöglich daraus, darf mich entwickeln. In den Meetings übe ich, sichtbar zu sein, bringe mich ein – niemand erteilt Ratschläge, beurteilt … das versuche ich auch außerhalb in meinen Beziehungen…ich zeige mich nun öfter, ohne mich abhängig zu machen oder zu gefallen. Genau jetzt bin ich also wieder tiefer bereit, diese Fremdsprache eines erwachsenen und verantwortungsvollen Lebens weiter zu üben, mich nicht so wichtig zu nehmen und meine frühen seelischen „Löcher“ nicht mit Überheblichkeit, Abwertung oder Abgrenzung zu stopfen.

Danke der Gemeinschaft für euer geduldiges Da-Sein…

A

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