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Mit der Kraft des Mammutbaums

Foto BaumkronenMein Mann und ich sind seit zehn Jahren dankbare Mitglieder von Al-Anon. Am Anfang fühlte ich mich schwach und ängstlich, denn wir hatten gerade erfahren, dass unser Sohn Alkoholiker war.
Aufgrund seines Alkoholkonsums war er auch schon schwer krank. Die Besuche der Meetings und das Lernen über Alkoholismus halfen uns zu verstehen, was mit unserem Sohn geschah. Während dieser Zeit begann ich, mich stärker zu fühlen. Nach ein paar Jahren im Programm, in denen ich die Schritte, Traditionen und Dienstgrundsätze bearbeitete, begann ich mehr darüber nachzudenken, woher diese Energie kam.
Vor ein paar Wochen las ich einen Artikel über die Mammutbäume in Kalifornien. Sie werden riesig, hoch und groß, haben aber nur eine Wurzelbasis von 180 bis 300 Zentimetern. Wie halten sie den Winden der Zeit stand, fragte ich mich. Als ich weiter las, erfuhr ich, dass sie so dicht beieinander wachsen, dass sich ihre Wurzeln mit den Wurzeln anderer Bäume verflechten. Wenn die Stürme und Winde kommen, stützen sie sich gegenseitig und halten sich aufrecht. Was für ein schönes Bild für unser Al-Anon Programm, dachte ich. Genau das ist es, was wir als Gruppe tun.

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Gelassenheit als Priorität

Foto, aufgeschichtete FelsenVor dem Start mit der Programmarbeit waren meine Prioritäten von der Familienkrankheit Alkoholismus und dem kürzlichen Tod meines Vaters geprägt. Nachdem ich meinen Vater durch Alkoholmissbrauch verloren hatte, war mein unmittelbares Ziel, meine Mutter, die ebenfalls Alkoholikerin war, vor dem gleichen Schicksal zu bewahren.

Meine Priorität war es – vor Schlaf, der Vernunft, meiner Familie, meiner Gesundheit – meine Mutter vom Trinken und damit vom Sterben abzuhalten.

Ich kam zu Al-Anon, weil meine Mutter sich weigerte, mit dem Trinken aufzuhören, wie sehr ich kämpfte, weinte und bettelte. Sie sagte mir, sie könne und wolle nicht aufhören, und schlug mir vor, mich damit abzufinden. Ich wusste nicht, wie ich darüber hinwegkommen sollte. Ich wusste nicht, wie ich einfach akzeptieren sollte, dass dies ihre Entscheidungen waren. Also fand ich ein Al-Anon Treffen und wurde bereit, zu lernen.

Seit sechs Jahren gehe ich jetzt zu den Meetings. Am Anfang verlief meine Genesung mal zügig, mal stockend. Aber mit der Zeit, mit Geduld und der Weisheit des Programms und der Al-Anon Mitglieder, begann ich zu verstehen, dass ich die Entscheidungen meiner Mutter nicht ändern konnte.

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Das Glück ist hier und jetzt

Foto mit PusteblumeIch kam vor Jahren zu Al-Anon, weil ich Tipps wollte, wie ich meinen alkoholkranken Ehemann vom Trinken abbringen könnte. Dort erlebte ich eine große Überraschung, als ich hörte, dass ich nur mich selbst heilen könne.

Jetzt bin ich so froh, dass ich lange genug geblieben bin, um mich selbst zu heilen und mich von dieser bedrohlichen Krankheit zu erholen. Mein Mann ist zwar nie trocken geworden, aber ich habe in diesem Programm Weisheit, Unterstützung und Reife gefunden. Ich wurde bereit, um zuzugeben, dass ich mit seiner Krankheit vor einer Mauer stand. Und dass mein Leben und meine Gelassenheit in meiner Verantwortung lagen. Ich beschloss, mich scheiden zu lassen, und habe diese Entscheidung nie bereut.

Sie ist nicht für jeden die richtige Lösung, aber für mich war sie es. Danach musste ich lernen, anders zu leben, und ich stellte mich den notwendigen Veränderungen. Zwei Jahre später beging mein ältester Sohn Suizid. Dadurch wurde mein Leben wieder einmal auf den Kopf gestellt. Mit den Werkzeugen dieses Programms und der Liebe und Unterstützung der Programmfreunde habe ich Akzeptanz, Selbstliebe, Mitgefühl und eine große Lektion gelernt: „Das Leben nach den Bedingungen des Lebens zu leben“. …weiterlesen …

Runter von der Achterbahn

Die letzten sechs Jahre meines Lebens waren eine Achterbahnfahrt, sowohl körperlich als auch emotional. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich gegen den Rest der Welt kämpfe. Ich fühlte mich wütend, verwirrt und die meiste Zeit über sehr allein.

Vor etwa einem Monat beschloss ich, zu Al-Anon zu gehen. Ich ging in die Treffen und suchte nach Antworten auf all meine Probleme. Ich hoffte, dass mir jemand sagen würde, was ich tun sollte.

Was ich fand, war viel besser. Ich fand eine Gruppe von Menschen, die wussten, was ich durchmachte – ohne mich jemals zuvor getroffen zu haben. Ich redete, und sie hörten zu. Sie sagten mir nicht, was ich tun sollte, sie hörten einfach zu. Ich war nicht allein! Im Gegenzug saß ich da und hörte mir ihre Geschichten an und fand Trost und Hoffnung, von der ich dachte, dass ich sie nie wieder fühlen könnte.
Wenn ich einen Tag erlebe, an dem ich meine Gedanken oder Ängste nicht unter Kontrolle habe, suche ich mir ein Treffen, zu dem ich gehen kann. Es gibt sie überall. Und nach einer Stunde oder so fühle ich mich besser. Da ich von der Alkohol- und Drogensucht eines geliebten Menschen betroffen bin, setze ich meinen Weg bei Al-Anon fort.

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Glücksgefühle

Foto RegenbogenGestern kamen in einem Meeting Dankbarkeits- und Glücksgefühle wie eine Welle in mir zusammen. Ich lauschte Menschen, die der Generation meines Kindes angehörten und die erzählten, wie der Alkoholismus in der Familie ihr Aufwachsen massiv beeinträchtigt hat.

Meine Gedanken gingen bei den Berichten zurück an die nasse und später auch an die trockene Zeit, die so viel Unruhe und Unsicherheit in unser Leben gebracht hat. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie oft ich genervt und ungeduldig auf eine stabile positive Veränderung in unserer Familie gewartet habe. Wöchentlich haben wir versucht, mit unseren Hilfsmitteln und mit dem Programm ein gutes Leben für uns zu gestalten.

Gestern war mir mal wieder bewusst, es hat sich gelohnt. Offenheit, Klarheit und ein freundlicher Umgang miteinander sind das Ergebnis, das unsere kleine (erwachsene) Familie trägt. Die Lösungen sind nicht vom Himmel gefallen, aber sie waren sicher gesteuert von einer Höheren Macht, die uns immer wieder die Kraft zum Weitermachen geschickt hat. Das kleine Pflänzchen der Genesung ist inzwischen schon ein stabiler Busch geworden und den gilt es zu hegen und zu pflegen.

In unserem empfohlenen Abschluss fürs Meeting heißt es unter anderem: Lass die Liebe und den Frieden des Programms in dir wachsen, einen Tag nach dem anderen.

Das wünsche ich uns allen.

Margret

Den Blick in die richtige Richtung wenden

Foto Baumallee mit GraswegIch war selbstmordgefährdet als ich das erste Mal in einem Al-Anon Meeting landete. Mein „alles oder nichts Denken“ führte zu dieser einzigen Antwort auf den Schmerz, den ich erlitt. Ich sah keinen anderen Ausweg. Oft sagte ich seitdem, dass ich nicht wirklich sterben wollte, ich wünschte mir einfach voller Verzweiflung, dass der Schmerz aufhören würde.

Langsam schritt ich im Al-Anon Programm vorwärts, besuchte Meetings und fand viele Slogans, die mir halfen. Doch „Fortschritt statt Perfektion“ war wie eine Rettungsweste. Sie half mir zu schwimmen, bis ich lernte, meinen Kopf selbst über den emotionalen Wassern zu halten, in denen ich zu ertrinken drohte.
In meiner Erinnerung war es das erste Mal, dass ich eine Alternative zu den ständigen Schuldgefühlen und Selbstzweifeln hatte, weil ich nicht perfekt war und Fehler machte. Indem ich im Programm wachsen konnte, erkannte ich, dass ich mir den meisten Druck selbst machte. Die Menschen, die mich dieses Ziel der Perfektion lehrten, leben nicht mehr. Ich war die Einzige, die diesen alten Tonbändern lauschte und sich unrealistische Forderungen aufdrückte.
In Al-Anon lernte ich, dass ich mich ändern kann, doch es erforderte Mut.

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Al-Anon hat mein Leben verändert

Foto rosa MohnblüteIn meiner Kindheit und auch noch als junge Frau erlebte ich zu Hause meinen Vater unter Alkoholeinfluss sehr aggressiv. Bis etwa zu meinem 12. Lebensjahr wohnten wir sehr beengt. Nach dem Krieg war dies allerdings nichts Ungewöhnliches. Erzogen – nicht wehren – … Missbrauch.

Als ich meinen Mann näher kennenlernte, war meine Mutter gegen unsere Heirat. Sie hatte vermutlich einen richtigen „Riecher“ – sechs Wochen nach der Hochzeit hatte mein Mann das erste Mal den Führerschein wegen Alkohol weg. Acht Jahre später das zweite Mal. Ich ließ meinen Mann die Suppe jedoch nicht selbst auslöffeln, sondern fuhr ihn jeden Tag zur Arbeit und holte ihn ab!
Ich ging zu einer Beratungsstelle. Dort hieß es „Besorgen sie ihrem Mann keinen Alkohol mehr!“ Ich versuchte es, doch mein Mann machte Terror und ich ließ das Bierauto wieder, mit immer höher werdenden Stapeln, Bierkisten abladen. Ein Versuch Bier mit wenig Alkohol abladen zu lassen war natürlich auch kein Erfolg.
Eines Nachts – mein Mann hatte wegen eines sehr, sehr hohen Blutdrucks Arznei von der Urlaubsvertretung verschrieben bekommen und auf Zigaretten und Alkohol seit ein paar Tagen verzichtet – bekam mein Mann ein Delirium. Ich wusste allerdings nicht, was das ist und was es bedeutet. Morgens um 7 Uhr telefonierte ich mit dem Arzt. Eine „grüne Minna“ Zwangseinweisung lehnte ich damals ab. Der Nervenarzt gab meinem Mann als 1. eine Zigarette gegen die Entzugserscheinungen und erklärte mir, ich müsse den Arbeitskollegen meines Mannes sagen, sie dürften ihm kein Bier mehr geben …
Nach weiteren sechs Jahren besuchte ich einen Kurs über „Angst“. Dort erwähnte ich auch Alkohol als Angstmacher. Eine junge Frau erzählte von Al-Anon und noch heute bin ich dem Leiter des Kurses sehr dankbar, dass er mich mit knallharten Worten ermunterte, mit zu Al-Anon zu gehen. Welche Befreiung erlebte ich als ich hörte, Alkoholismus ist eine Krankheit und ich bin nicht schuld daran!

Mir war auch überhaupt nicht bewusst, dass ich meinen Mann, meine Umgebung bevormunde, wenn ich für alles die Verantwortung übernehme. Notgedrungen, hatte ich immer mehr Aufgaben übernommen, um irgendwie mit der Familie durchzukommen.
Dank der wöchentlichen Meetings, viel lesen in der Literatur, konnte ich einiges an meinen Verhaltensweisen ändern. Ich konnte zu meinem Mann sagen: „Ich besorge dir keinen Alkohol mehr, wenn du einen brauchst, hole ihn dir selbst!“ Ich bekam durch Al-Anon die Kraft, auch konsequent zu sein. „Loslassen – im Loslassen reich werden“. In immer mehr Bereichen schaffte ich es, die Verantwortung meinem Mann zurückzugeben und ihn nicht mehr als „Kind“ zu behandeln. …weiterlesen …

Warum mir Al-Anon wichtig ist

Foto Obwohl es lange her ist, vergesse ich nicht, wie schwierig es war, als mein Ehepartner noch getrunken hat. Mein Augenmerk war voll und ganz auf sein Verhalten gerichtet.
Ob er Dienstschluss hatte oder er zielgerichtet unterwegs war … ich erwartete ihn pünktlich zurück und war jedes Mal enttäuscht. Trotzdem gab ich meine Erwartungen nicht auf. Ich stand am Fenster zum Innenhof hin, um zu sehen, ob er auch den richtigen Eingang nimmt und schaute vorsichtshalber auch zur Straßenseite, ob er von dort kommt.
Wenn er oben an der Wohnungstür war, geriet ich in Verwirrung, denn ich konnte mir vorstellen, wie der Abend weiter verlaufen würde. Genau, er war betrunken. Je mehr er trank, um so redseliger wurde er. Alles, was mein Mann sagte, hatte negativen Inhalt. Mir war es, als würde die Atmosphäre vergiftet sein. Ich sorgte mich darum, daß unsere 4 Kinder möglichst nichts mitbekommen.
Heute weiß ich, daß alle Kinder eine feine Antenne für all dies haben. Am schlimmsten empfand ich, wenn mein Mann von mir verlangte, von den Kindern zu erzählen, was so abgelaufen war, welche Ergebnisse sie in der Schule hatten.
Ein Sohn war recht verhaltensauffällig und brachte oft Einträge mit heim. Wenn er davon erfahren hat, nahm er sich den Jungen vor, beschimpfte ihn und drohte mit Maßnahmen, die ich mir nicht vorstellen konnte, wie z.B. eine Einweisung in ein Heim. Ich ging dann schützend dazwischen, um dem Kind zu versichern, daß ich immer zu ihm stehen werde, egal, was passiert.
Es war eine kaum ertragbare Zeit, als der Alkoholismus noch so nah in unserer Familie war.
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Ich habe gefunden, was ich gebrauchen konnte

Foto verschlungene ÄsteIn meinem ersten Al-Anon Treffen unterhielten sich die Leute und lachten. Es fiel mir schwer zu verstehen, wie sie etwas zum Lachen finden konnten. Ich war unglücklich. Ich ernährte allein eine vierköpfige Familie und war wütend auf mich selbst, weil ich nicht einfach meine kleinen Kinder nahm und ging.

Mein alkoholkranker Ehemann war gut aussehend und charmant, wenn er in der Öffentlichkeit war, aber er ignorierte die Kinder und mich bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen er zu Hause war. Mit seinem Teilzeitjob in einem Schuhgeschäft konnte er zwar seinen Alkoholkonsum bezahlen, aber unser Familienleben war leer und lieblos. Es bedurfte vieler Treffen und der Lektüre von Al-Anon Literatur, bis ich begriff, dass Alkoholismus eine Krankheit ist und dass ich davon betroffen war.
Nachdem ich alle Al-Anon Bücher und Broschüren gelesen hatte, die ich finden konnte, blieb ein Wort bei mir hängen: Losgelöstheit. Ich hatte viel Zeit damit verbracht, viele verschiedene Ansätze auszuprobieren, um den Alkoholiker dazu zu bringen, zu erkennen, dass die Kinder und ich seiner Aufmerksamkeit und Liebe bedurften.

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Vergebung

Foto Bronzebild mit SegelbootNeun böse Jahre mit einer alkoholkranken Frau liegen hinter mir.

Im März 2013 bekannte sich meine Frau zu ihrer Alkoholkrankheit. Sie zeigte mir, wo sie überall Weinflaschen versteckt hatte. Unsere gemeinsame Reaktion war, eine Patientenverfügung aufzustellen, die mir (das vermeintliche) Recht gab, sie beim nächsten Absturz (Quartalstrinkerin) zur Entgiftung einweisen zu lassen.

Tatsächlich war es dann so, dass der Notarzt mir sagte: „Ich muss den Willen ihrer Frau akzeptieren wenn sie nein sagt. Auch wenn sie volltrunken ist. In Deutschland hat jeder das Recht sich tot zu saufen.“ Inzwischen ist meine Frau an ihrem durch den Alkohol befeuertem Krebsleiden verstorben.

Um ein Haar hätte sie mich mitgenommen. Zum Glück hatte ich einen Sohn, der mir eine SMS in die Psychiatrie schickte: KÜMMERE DICH UM DICH SELBST. DU KANNST IHR NICHT HELFEN!

Damit begann mein Weg des „Lebens und leben lassen“, der mich dann auch zu Al-Anon führte. Hier lernte ich auch zu vergeben. So konnte ich meine Frau zu Hause in ihrem eigenen Pflegezimmer bis zum letzten Atemzug begleiten. Ich aber lebte mein eigenes Leben in meiner Wohnung, auch als ich von „Freundinnen“ meiner Frau dafür angefeindet wurde. Und auch, wenn meine Frau unter Alkohol die Polizei rufen wollte, um den Zugang in meine Räumlichkeiten zu erzwingen. Acht Monate vor ihrem Tod wies sich meine Frau selbst zur Entgiftung ein. Nach zwei Wochen entließ sie sich dort auch wieder.

Nun begann eine ganz schwierige Zeit. Ich beantragte sogar Fremdbetreuung. Aber dann hatten wir – sicher auch unterstützt durch die Medikamente der palliativen Betreuung – noch fünf gemeinsame versöhnliche Monate ohne Alkohol und ich konnte das Trauerschreiben zu ihrem Tod so formulieren. Vergeben ist kein Gnadenakt für den Menschen, dem man verzeiht. Vielmehr hilft man damit sich selbst.

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