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Ich habe gefunden, was ich gebrauchen konnte

Foto verschlungene ÄsteIn meinem ersten Al-Anon Treffen unterhielten sich die Leute und lachten. Es fiel mir schwer zu verstehen, wie sie etwas zum Lachen finden konnten. Ich war unglücklich. Ich ernährte allein eine vierköpfige Familie und war wütend auf mich selbst, weil ich nicht einfach meine kleinen Kinder nahm und ging.

Mein alkoholkranker Ehemann war gut aussehend und charmant, wenn er in der Öffentlichkeit war, aber er ignorierte die Kinder und mich bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen er zu Hause war. Mit seinem Teilzeitjob in einem Schuhgeschäft konnte er zwar seinen Alkoholkonsum bezahlen, aber unser Familienleben war leer und lieblos. Es bedurfte vieler Treffen und der Lektüre von Al-Anon Literatur, bis ich begriff, dass Alkoholismus eine Krankheit ist und dass ich davon betroffen war.
Nachdem ich alle Al-Anon Bücher und Broschüren gelesen hatte, die ich finden konnte, blieb ein Wort bei mir hängen: Losgelöstheit. Ich hatte viel Zeit damit verbracht, viele verschiedene Ansätze auszuprobieren, um den Alkoholiker dazu zu bringen, zu erkennen, dass die Kinder und ich seiner Aufmerksamkeit und Liebe bedurften.

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Vergebung

Foto Bronzebild mit SegelbootNeun böse Jahre mit einer alkoholkranken Frau liegen hinter mir.

Im März 2013 bekannte sich meine Frau zu ihrer Alkoholkrankheit. Sie zeigte mir, wo sie überall Weinflaschen versteckt hatte. Unsere gemeinsame Reaktion war, eine Patientenverfügung aufzustellen, die mir (das vermeintliche) Recht gab, sie beim nächsten Absturz (Quartalstrinkerin) zur Entgiftung einweisen zu lassen.

Tatsächlich war es dann so, dass der Notarzt mir sagte: „Ich muss den Willen ihrer Frau akzeptieren wenn sie nein sagt. Auch wenn sie volltrunken ist. In Deutschland hat jeder das Recht sich tot zu saufen.“ Inzwischen ist meine Frau an ihrem durch den Alkohol befeuertem Krebsleiden verstorben.

Um ein Haar hätte sie mich mitgenommen. Zum Glück hatte ich einen Sohn, der mir eine SMS in die Psychiatrie schickte: KÜMMERE DICH UM DICH SELBST. DU KANNST IHR NICHT HELFEN!

Damit begann mein Weg des „Lebens und leben lassen“, der mich dann auch zu Al-Anon führte. Hier lernte ich auch zu vergeben. So konnte ich meine Frau zu Hause in ihrem eigenen Pflegezimmer bis zum letzten Atemzug begleiten. Ich aber lebte mein eigenes Leben in meiner Wohnung, auch als ich von „Freundinnen“ meiner Frau dafür angefeindet wurde. Und auch, wenn meine Frau unter Alkohol die Polizei rufen wollte, um den Zugang in meine Räumlichkeiten zu erzwingen. Acht Monate vor ihrem Tod wies sich meine Frau selbst zur Entgiftung ein. Nach zwei Wochen entließ sie sich dort auch wieder.

Nun begann eine ganz schwierige Zeit. Ich beantragte sogar Fremdbetreuung. Aber dann hatten wir – sicher auch unterstützt durch die Medikamente der palliativen Betreuung – noch fünf gemeinsame versöhnliche Monate ohne Alkohol und ich konnte das Trauerschreiben zu ihrem Tod so formulieren. Vergeben ist kein Gnadenakt für den Menschen, dem man verzeiht. Vielmehr hilft man damit sich selbst.

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Die Kraft zum Loslassen

Foto von einer BrückeDas Schwierigste, was von den Angehörigen eines Alkoholikers verlangt wird, ist das Loslassen. Für Perfektionisten und Kontrollfreaks wie mich ist das fast unmöglich. Keine Mutter möchte ihr Kind im Stich lassen, wenn sie das Gefühl hat, dass ihr Kind sie am meisten braucht. Doch nichts weniger als das Loslassen würde es mir ermöglichen, ein Leben zu führen, das dem „normalen“ so nahe wie möglich kommt.

Mein Weg war herzzerreißend, weil ich fälschlicherweise glaubte, dass es meinem geliebten Kind bald besser gehen würde, wenn es nur auf meinen Rat hörte und ihn befolgte. Nach wiederholten Versuchen, meinen geliebten Menschen auf diese Weise zu „heilen“, erreichte ich schließlich das Stadium, in dem ich erkannte, dass ich tatsächlich machtlos war. Das ist eine Lektion, die ich immer wieder lerne und an die ich mich jeden Tag aufs Neue erinnern muss.

Die Geschichten, die ich in den Al-Anon Meetings höre und in der Al-Anon Literatur lese, in denen andere gelernt haben, loszulassen, geben mir die Kraft, es weiter zu versuchen. Ich muss das tun, um meines geliebten Menschen willen und um meiner selbst willen. Durch ihre Literatur und ihre Treffen ist die Al-Anon Gemeinschaft ein Rettungsanker und eine Quelle der Ermutigung für Menschen wie mich. Bestimmte Gefühle und Ängste kann man weder mit der Familie noch mit Freunden teilen, aber in den Meetings kann man darüber reden.
Danke, Al-Anon, dass du mich leitest und mir Kraft gibst, wenn ich sie am meisten brauche.

Von Alishiya

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Ausgabe September 2022, Al-Anon Family Group Headquarters Inc. , Virginia Beach, VA

Lernen zu „Leben und leben zu lassen“

Foto einer HaustürBevor ich das erste Mal zu einem Meeting fand, war ich extrem auf das Verhalten meiner alkoholkranken Frau fixiert und nicht mal ansatzweise auf mein eigenes. Ehrlich gesagt, war ich eigentlich nur auf das Verhalten aller anderen fokussiert und nicht auf meins.

Ich versuchte alle dazu zu bringen, ihr Leben so zu leben, wie ich es wollte, und dachte, ich könnte sie ändern. Trotz meiner wiederholten Versuche, mit subtiler Manipulation das Verhalten meiner Frau zu bremsen, fielen meine Worte immer ins Leere und das Verhalten wurde schlimmer – ihres und meines.

Als ich dann den Slogan „Leben und leben lassen“ hörte, war mir klar, das musste ich sofort lernen. Bald konnte ich schon einen gewissen Fortschritt an mir sehen. Es lag ohne Zweifel noch viel Arbeit vor mir, doch das ständige Beobachten und Kontrollieren wurde weniger.

Ich lernte, dass ich niemanden kontrollieren konnte, und nach einigen Meetings hörte sich allein schon der Gedanke daran lächerlich an. Es hatte bisher nie funktioniert. Also was machte mich glauben, es würde jetzt doch funktionieren? Ich arbeite dauerhaft daran, in diesem Bereich besser zu werden – in der Spur meines eigenen Lebens zu bleiben und es den anderen zu überlassen, sich um ihr eigenes zu kümmern.

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Ich möchte dahin, wo du auch bist

Foto, Schmetterling auf roten RosenMir hallen noch die Worte meines Mannes in den Ohren, dass er gerne in Ruhe mit mir sprechen würde und schlug vor, dies auf einem Spaziergang zu tun. Wir waren also eine gute Stunde zusammen laufen und da fiel ein Satz, den ich hier im Beitrag von Freunden schon oft gehört habe, den mir aber noch nie jemand gesagt hat: „Ich möchte dahin, wo du auch bist.“

Ich dachte sofort an unser Prinzip der Anziehung statt Werbung, war aber erst mal still und ließ ihn reden. Er sagte sinngemäß:
„Wie hast du deine Wutausbrüche in den Griff bekommen?

Wie hast du es geschafft zu sagen, was du zu sagen hast?

Wie spürst du, was du brauchst?

Ich merke, dass das, was ich von meinem Elternhaus kenne, nicht das ist, was ich heute in unserer Beziehung leben möchte – auch mit den Kindern, im Familien- und Paarleben. Ich weiß aber nicht, wie ich mein Verhalten ändern soll.“

Ich holte tief Luft und erzählte von mir, so wie ich es im Meeting auch mache. Ich erzählte ihm, dass ich es anders probiere, wenn mich selbst etwas an meinem Verhalten stört, und dass ich dabei Fehler mache und manchmal falle.

Irgendwann finde ich dann einen Weg für mich und manchmal findet der Weg mich, so wie heute. Ich erzählte weiter, dass ich nach wie vor in Al-Anon bin, und dass ich heute für viele Situationen, Slogans und Sätze aus unserer Literatur verinnerlicht habe, die mir dabei helfen auf meinem selbst gewählten Weg zu bleiben und mich nicht mehr so oft in den Fäden der Vergangenheit zu verheddern.

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Mit Freundlichkeit kann ich meine Tochter noch erreichen

Foto 2 SchneemännerAls mich das Leben durch die Schwangerschaft meiner alkoholkranken Tochter aus einer weiteren Kurve schleuderte, war ich besessen davon, ihr Leben in Ordnung zu bringen, bevor das Baby zur Welt kommen würde.

Um aus diesen Denkmustern auszusteigen besuche ich Al-Anon Meetings, lese konferenzgeprüfte Literatur, rede mit meinem Sponsor und bete. Zum Schluss übe ich das Loslassen in Liebe und organisiere vor der Geburt eine Babyparty für sie, die Familie und ihre Freundinnen.

Nur mit Hilfe meiner Höheren Macht und dem Al-Anon Programm kann ich meiner Tochter mit Freundlichkeit begegnen. Ihre Alkoholkrankheit hat sie so viele Jahre von der Familie getrennt.

Mittlerweile ist meine Enkelin geboren und meine Tochter trinkt weiter. Täglich bete ich für sie und ihr Kind. Dem Alkoholismus meiner Tochter und der Art ihres Mutterseins gegenüber bin ich machtlos. Mitgefühl erfüllt mein Herz wenn ich erneut sehe, wie machtlos ich bin. Meine Tochter hat so viel Wertvolles und ich versuche, mich darauf zu konzentrieren.

Ein Enkelkind zu haben bedeutet beides: Freude und die Chance, Annahme zu praktizieren.

Anonym

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Ausgabe Dezember 2022, Al-Anon Family Group Headquarters Inc. , Virginia Beach, VA

Trauer zulassen

Herz gelegt aus SteinenEs war eine Begebenheit, die mich sehr berührte, die ich aber erst zu Hause richtig wahrnehmen konnte. Ich beobachtete eine Mutter, die den Bauch ihrer ca. 7-jährigen Tochter behutsam und zärtlich streichelte. Etwas von Liebe, Wärme und mir Unbekanntem durchströmte mich.

Später in meiner Wohnung wurde ich plötzlich von einer tiefen Trauer überwältigt und weinte seit langem wieder. Da war nur Mangel und auch Schuld in mir. Ich hatte solche Nähe zu meiner Mutter nicht erlebt und konnte sie auch nicht an meine Kinder weitergeben. Es fiel mir schwer, den Kontakt zu meiner Höheren Macht zu spüren und nicht zu tief in Selbstmitleid zu fallen.

In Al-Anon lerne ich mühsam, überhaupt Gefühle zuzulassen. Sie gehören zu mir und sie gehen vorbei. Das alles macht mich lebendig, menschlich. In all den Jahren meines Lebens in alkoholkranker Familie war ich Gefühlen immer hilflos ausgeliefert; sollte mich um die Gefühle aller kümmern und war nicht in der Lage, meine eigenen wahrzunehmen oder von anderen zu unterscheiden. Am besten nichts spüren und alles verleugnen wurde zu einer meiner Überlebensstrategien.

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Die Farbe der Hoffnung

Foto, MorgensonneAls ich an einem kalten Februartag aus dem Fenster schaute, sah ich eine trübe und farblose Landschaft vor mir. Der Schnee flog, der Boden war weiß oder grau, kahle Bäume schaukelten schlaff im Wind.

Ich hatte gerade ein Telefongespräch mit meinem alkoholkranken Sohn beendet, da ihn ein Kommentar von mir in Rage versetzt hatte. Ich war verwirrt und entschied mit Hilfe meiner Al-Anon Hilfsmittel, dass es das Beste war, sich nicht einzumischen. Natürlich weiß ich, dass ich mich nicht an schädlichem Verhalten beteiligen muss. Doch nachdem wir aufgelegt hatten, erhielt ich Dutzende von SMS und Telefonanrufen von ihm, und ich entschied mich schließlich, mein Telefon stumm zu schalten.

Als ich wieder aus dem Fenster schaute, wurde ich von meiner Höheren Macht daran erinnert, dass ein Gebet, ein Al-Anon Meeting und Literatur mich daran erinnern können, dass unter dem Schnee und dem Dreck Blumenknospen sind, die bald mit leuchtenden Farben durchbrechen werden.

„Auch das wird vorbeigehen.“

Ich kann darauf vertrauen, dass grünes Gras, Blätter und bunte Blüten kommen werden.

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Alte Gedanken und wunderbare Werkzeuge

Foto Ich hatte mich so gefreut. Mal wieder drei Wochen Auszeit mit vollem Verwöhnprogramm genießen, wobei andere Menschen sich rund um die Uhr um meine Belange kümmern.

Meine Höhere Macht entschied sich für eine zusätzliche Ruhigstellung. Zur Halbzeit hatte ich einen Sturz, der all meine Pläne durcheinander wirbelte. Nichts mehr mit Wanderungen, Schwimmbad, Sauna und Fit werden.

Gleich kamen die alten Gedanken: Du hast nicht richtig aufgepasst, du hast dies, du hast das … Das hast du jetzt davon. Der nächste Gedanke war der Spruch über die Pläne unserer Höheren Macht: Geh‘ mir aus dem Weg, ich arbeite an deinem Leben. Zum Trost und zur Orientierung las ich in unserem Al-Anon Blog. Loslassen, Annehmen, sich selbst verzeihen und Hilfe und Trost annehmen.

Dann noch ein Blick in unsere Programmfaltkarte. Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Ja, ich nehme meine derzeitigen Einschränkungen an und gleich wird es leichter. In diesem Kärtchen steht auch: Heute will ich glücklich sein. Alte negative Gedanken sind nicht geeignet, die Wunden heilen zu lassen. Also habe ich mir vorgenommen, die kleinen Glücksmomente anzunehmen und wenn es nur der Blick auf die wunderbare Landschaft ist, die ich nun mal nicht, wie geplant, erwandern kann. Die dunklen Gedanken haben sich verzogen.

Einen Tag nach dem anderen kann ich mich leichter orientieren, kann wahrnehmen, was wieder möglich ist und wo ich meiner Höheren Macht aus dem Weg gehe, damit sie Ihre Pläne für mich verwirklichen kann. Vielleicht war heute der Plan, dass ich mich hinsetze und einfach mal einhändig einen Beitrag für unseren Blog schreibe.

Danke für die heilsamen Werkzeuge

Anonym

Liebst du mich heute?

Foto AdvebtsgesteckDas Aufwachsen in einer alkoholkranken Umgebung bedeutete für mich täglich Instabilität und Unsicherheit. Bei mir war es nicht wie bei anderen Kindern, die beim Aufwachsen Worte hörten wie „ich liebe dich bis zum Mond und zurück“ oder die mit „ich liebe dich so sehr“ und weit geöffneten Armen empfangen wurden. Wenn ich meine Mutter fragte, ob sie mich heute liebte, zuckte sie ihre Schultern und sagte „nun, wie üblich“. Sie starb als ich fünfzehn war und ich erhielt nie eine andere Antwort.
Als das Trinken meines Sohnes außer Kontrolle geriet, konterte ich mit all der Wut, die ich in meiner Kindheit angestaut hatte. Ich hielt Gott Strafpredigten, wollte ihn büßen lassen und mit ihm verhandeln. Ich durchsuchte das Zimmer meines Sohnes; schnüffelte in seinen Schubladen, seinem Wandschrank und seinem Auto; durchwühlte seine Taschen und überprüfte ihn. Wenn er mir näher kam, roch ich an seinem Atem. Ich redete ihm gut zu, setzte ihn herab und drohte ihm. Er log mich an, stahl und zog sich in sein Zimmer zurück. Er war wütend und schloss mich vollkommen aus. Anscheinend hatte ich ihn verloren. Erst als ich wahrnahm, dass ich mich selbst verlor, begannen die Dinge sich zu ändern.

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