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Meine Reaktion auf den Rückfall meines Sohnes

FotoMein Sohn hatte einen Rückfall und ich auch. Ich habe reagiert, so wie ich es vor Al-Anon getan habe. Ich hatte Mitleid mit mir und wünschte, mein Sohn wäre anders.

Ich dachte besessen darüber nach, was ich ihm sagen oder was ich tun könnte, was ihm das Leben leichter und die Dinge besser oder einfacher machen würde. Ich wollte die Uhr zurückdrehen. Ich wollte ganz alleine herausfinden, wie ich ihn wieder in Ordnung bringen könnte.
Diese alten Verhaltensweisen hielten nicht lange an, und dafür bin ich dankbar. Dank Al-Anon bat ich meine Höhere Macht um Hilfe, die mir durch das tägliche Lesen in der Literatur antwortete. Meine Sponsorin akzeptierte mein Bedürfnis, meine Gefühle zu mailen. Später telefonierten wir und mussten nicht mehr alles in das Gespräch packen. …weiterlesen …

Die Erlaubnis zu Erblühen

Foto DalienblüteZu meiner Anfangszeit in Al-Anon dachte ich noch, mein Hauptthema sei die damals gerade geschiedene Ehe mit einem Mann mit Alkoholproblemen. Mit Hilfe des Programms und den Meetings kam ich tatsächlich mit meiner Entwicklung zu einem besseren Leben ein Stück weiter.

Ich wusste, dass mein Vater auch ganz gerne trank, doch das Ausmaß und die Auswirkungen auf mein Leben entdeckte ich erst langsam. Ja, ich bin in einer Familie mit Alkoholproblemen aufgewachsen und meine Eltern ebenso. Auch die Generationen davor sind betroffen. Dies vom Kopf her zu „wissen“ ist eine Sache. Doch es für mich in der Tiefe anzunehmen, meine Geschichte zu betrachten, persönliche Inventur zu machen, die Vergangenheit loszulassen und heute ein glückliches Leben führen zu dürfen ist für mich harte tägliche Arbeit.

Meine Eltern sind nun alt und Themen wie Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit stehen an. Als einziges Kind ist es für mich extrem herausfordernd, erwachsen und in bester Selbstfürsorge immer wieder zu prüfen, ob und wie ich Unterstützung geben kann, ohne in meine alten selbstschädigenden Verhaltensweisen zurückzufallen. …weiterlesen …

Beeinträchtigt vom Alkoholismus, Genesung in Al-Anon

FotoAls Kind, das mit einem Alkoholiker aufwuchs, verkroch ich mich oft in die Ecke meines Bettes, verstopfte meine Ohren und machte mich „unsichtbar“, womit ich die Gewalt in unserem Haus abschaltete.
Ab meiner Teenagerzeit musste ich mich nicht mehr verstecken und meine Ohren verstopfen. Ich war inzwischen ein Experte darin, Dinge auszuschalten und unsichtbar zu sein.
Mit meiner Mutter, meinen Brüdern und meiner Schwester habe ich nie darüber gesprochen, was passiert ist. Wir haben eigentlich über gar nichts gesprochen. Wir schauten fern und flohen zu unseren Freunden, wo wir auch nicht über die heimische Situation sprachen.
Irgendwann engagierte ich mich in  Jugendgruppen und hatte „gesunde“ Kinder in meinem Leben. Ich wollte auch gesund sein, also nahm ich ihren Glauben und ihre Lebensweise an. Ich versteckte die Verunsicherung tief in meinem Inneren. Ich heiratete, hatte zwei Kinder, wurde geschieden, und ich heiratete wieder. Mein Mann war mein bester Freund, mein Seelenverwandter. Er machte mich  wertvoll und sicher. Dann beherrschte ihn wieder die Krankheit Alkoholismus. Er veränderte sich, und ich zitterte in mir, wie in den Tagen meiner Kindheit.
Mein Arzt und mein Anwalt empfahlen mir Al-Anon.
Es erforderte viel Mut, zu meinem ersten Treffen zu gehen, aber schließlich lernte ich, meine Geschichte mit diesen Leuten zu teilen, da sie mich verstanden. Ich lernte den Gott meines Verständnisses kennen, der mir die Kraft gab, für mich einzustehen. Ich wurde erwachsen.

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Sichtbar sein

Foto vom KaktusEs ist einfach erstaunlich, auf welche Art und Weise ich gerade wieder auf den richtigen Weg für mich geführt werde. Eine Weile bin ich zwar schon in Al-Anon, weiß aber, dass meine Entwicklung zu einem bestmöglich zufriedenen und gelassenen Leben wirklich eine Lebensaufgabe bleibt. Natürlich ertappe ich mich immer wieder bei Gedanken wie „na, das musst du jetzt aber können“, oder dieses wenig förderliche „warum stecke ich wieder fest?“. Gerade beschäftigt mich ein Bereich in meinem Kopf, ein weißer Fleck, den ich offensichtlich jetzt erst oder endlich genauer betrachten soll.

Dieses Jahr habe ich mir die Arbeit in den Zwölf Traditionen mit meiner Sponsorin auf der Grundlage unserer Literatur mit dem Buch „Aufbruch zur persönlichen Freiheit“ vorgenommen. Jetzt im Dezember ist also die Zwölfte dran…und passt natürlich genau zu meinen Themen…denn wieder einmal fühle ich mich in einem Textbeitrag in so vielen Bereichen genau beschrieben!

Eine meiner Schranken im Kopf – mich selbst und andere ohne Bewertung oder Beurteilung sehen zu können ist für mich wie eine schwere Fremdsprache oder noch besser, eine andere Galaxie. Wie geht das, „Prinzipien über Personen“ zu stellen?

Ich komme aus einer alkoholkranken Familie und habe es nie gelernt, wie es sich anfühlt, einfach angenommen zu sein, ohne etwas dafür zu tun. Schön brav sein, die Bedürfnisse und Erwartungen meiner Eltern und Verwandten erspüren und sie ihnen möglichst erfüllen. Alles wurde bewertet, und das meiste abgewertet, über andere gelästert usw.

Hier im Programm und in der Gemeinschaft übe ich genau das: Jeder Mensch in den Gruppen hat seine Geschichte, sein Leid und seine Freude und ich kann von jedem etwas lernen. Unabhängig von „der Person“ – es geht um das Mensch-Sein. So erschließt sich auch für mich das Prinzip der Anonymität langsam besser. Hier werde ich, werden wir alle, respektiert, wert-geschätzt, ich bin, wir sind alle, wert-voll als ein Mensch auf dieser Erde. Zu erahnen, welch Glück ich habe, ein Teil der Menschheit sein zu dürfen. In Demut und Anonymität.

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Klarheit im Kopf

Ich erinnerte mich kürzlich im Meeting an die Worte eines erfahrenen Mitglieds unserer Gemeinschaft: „ Ich habe einige Worte aus meinem bisherigen Wortschatz beerdigen müssen.“
Es ging um die Redewendungen – ja, aber – und – wenn, dann –. Während des Meetings kamen noch andere Wörter oder Redewendungen auf den Tisch, die auf dem Weg der Genesung eher hinderlich sind. In Ruhe darüber nachgedacht und dazu die eigenen Erfahrungen geteilt, war es nur logisch, dass ich mit diesen alten Aussagen der Klarheit und der Umsetzung der Programmempfehlungen im Wege stehe.

Wie oft habe ich im Bett gebetet: Wenn Du (mein damaliges Verständnis einer Höheren Macht) ihn vom Trinken abbringst, dann wird das Leben für uns wieder lebenswert.
Es hat sich nichts getan. Heute weiß ich, ich wollte mich nicht bewegen, trotz aller Schwierigkeiten und Schmerzen. Ich wartete auf ein Wunder, von wo auch immer. Es traf nicht ein. Erst als ich bereit war, diese Forderung loszulassen und selbst aktiv wurde, konnte ich in der Realität ankommen.

Noch klarer ist mir heute die unsinnige Verwendung von wenn, dann als Drohung oder leere Vorhersage. – Wenn Du nicht aufhörst zu trinken, dann gehe ich! –

Diese Drohung habe ich im Meeting auch von anderen Mitgliedern gehört. An Erfolgsmeldungen, durch diese Aussage die Alkoholkrankheit zu bezwingen, kann ich mich nicht erinnern.
Die Einwürfe von außen, dass ich doch eine Wahl hätte, mit dem Alkoholiker im Chaos zu leben oder nicht, wurden von mir sehr ausführlich mit – ja, aber – Sätzen beantwortet.

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Ich konnte es endlich laut aussprechen

Foto einer OhrmuschelMein Leben befand sich bereits im Ausnahmezustand, als ich das erste Mal von Al-Anon hörte. Ich verstand nicht, was Al-Anon war. Ich wusste nur, dass ich Hilfe brauchte.

Mein erstes Meeting flößte mir Respekt ein. Ich war sehr reserviert nach all den Jahren eines Lebens, das ich mit keinem meiner Freunde teilen konnte. Ich war jedoch so erleichtert, in einem Raum zu sitzen, wo die Leute über Dinge sprachen, die ich nie laut zu sagen gewagt hatte. Sie schienen zu wissen, was ich fühlte und was ich erlebt hatte.
Es ist so beruhigend zu wissen, dass andere Eltern die gleichen Ängste erlitten haben wie ich, so viele schlaflose Nächte überlebten und in der Lage waren, offen über die Situation zu sprechen.alignright

Patti P., Hawaii

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Al-Anon Family Group Headquaters, Inc, Virginia Beach, VA, Ausgabe July 2019

Eine Trennung kann ich mir nicht vorstellen

Foto vom Sonnenuntergang angsVor fünf Jahren trieb mich die Unzufriedenheit über den Zustand meiner Ehe zu ProFamilia. Ich spürte, dass irgend etwas mit der Partnerschaft nicht stimmte und zwar schon über einen längeren Zeitraum hinweg, aber ich wusste nicht genau, was es war.

Ich machte mir Gedanken darüber, was ich der Eheberaterin sagen wollte. Im Gespräch kam schließlich heraus: Mein Mann trank jeden Abend eine Flasche Wein und (oder) mehrere Dosen Bier. Mir fehlte es an Kommunikation, Gemeinsamkeit und Harmonie. Das Schlimmste war, dass er sagte: „Ich trinke wegen dir, du bist Schuld!“.

Die Eheberaterin meinte, dass mein Mann wohl ein Alkoholproblem haben würde und dass sie dabei nicht helfen könne. Da könnte nur A.A. helfen.

Es vergingen nochmals mehrere Monate, bis ich beim Telefondienst der A.A. anrief und in mein erstes Al-Anon Meeting ging. Das ist jetzt vier Jahre her.

Der Eheberaterin und Al-Anon bin ich dankbar, weil ich bei beiden erfuhr, dass ich nicht Schuld bin, wenn mein Mann trinkt.

Seit ich zu Al-Anon gehe, gibt mir mein Mann auch keine Schuld mehr daran, dass er trinkt. Ich werfe es ihm ja auch nicht mehr vor. So einfach war das.

Ich arbeite daran, die Beziehung einfach so zu nehmen wie sie ist. Wir sind seit 20 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Ich könnte mir eine Trennung von meinem Mann nicht vorstellen.

An mir selbst muss ich noch viel arbeiten, und das geht nur ganz langsam. Es fällt mir schwer, meine eigenen Fehler zu erkennen und einen Glauben an eine Höhere Macht zu finden. Aber nachdem ich so viele Jahrzehnte so anders gelebt habe, muss ich mir wohl auch beim Arbeiten im Programm Zeit lassen.

G., Al-Anon

Eine Karte der Gelassenheit und des Glücks

Foto mit BüchernIch bin von Alkoholismus umgeben, – sowohl aktive Alkoholiker als auch solche, die auf dem Weg der Genesung sind. Das sind Menschen, welche mir sehr nahe stehen und die ich liebe. Und doch bin ich ein glücklicher Mensch!
Wie kommt es, dass ich mich trotzdem so gut fühle? Warum bin ich zufrieden? Wie kann ich Frieden in meinem Herzen empfinden mit all dem um mich herum?
Weil ich durch Al-Anon mit einem Programm gesegnet bin, das mir eine Karte der Gelassenheit gibt. Ich habe Werkzeuge gefunden, die ich in jeder Situation einsetzen kann: die Zwölf Schritte, Zwölf Traditionen, Slogans und Dienste.
Ich habe eine fantastische Sponsorin, die mich in die Richtung führt, in die ich gehen sollte. Ich bin Teil einer Stammgruppe, die mit den erstaunlichsten Menschen besetzt ist. In der ich enorme Unterstützung erfahre und eine Verbindung zu meiner Höheren Macht empfinde.

Meine Mutter nahm mich im April 1973 mit zu meinem ersten Alateen Meeting. Dort lernte ich, dass ich nicht allein war. Das war für mich als Teenager das Wichtigste. Unser Geheimnis zu bewahren, dass mein Vater ein gewalttätiger Mensch war, wenn er trank und dass die Polizei mehrmals im Jahr bei uns zu Hause war, all das war eine unglaubliche Herausforderung und belastete mich schwer. In Alateen erfuhr ich, dass ich nicht für das Verhalten meines Vaters verantwortlich war, sondern nur für mich selbst.
Als junge Erwachsene musste ich damit zurechtkommen, dass auch meine kleine Schwester in den Griff der Krankheit Alkoholismus geriet. Selbst mit meinem Programm war das schwer zu verstehen. Wie konnte sie das tun? Sie hasste es, als unser Vater trank. Doch auch sie war von der Krankheit betroffen: ihr dritter Zusammenbruch und zum dritten Mal erwischt beim Fahren unter Alkoholeinfluss.

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Meine Scham loslassen

Foto aus einem ParkZu Al-Anon fand ich, nachdem meine zweite Scheidung abgeschlossen war. Ich hatte mich selbst verloren, indem ich versuchte, so zu sein wie ich dachte, mein Mann wolle mich haben. Ich wusste nicht, was falsch mit mir war.
Jemand empfahl mir, Al-Anon auszuprobieren. Vielleicht könnte ich dort lernen, mich selbst zu finden und den Kreislauf meines ungesunden Verhaltens beenden.
In einem Meeting konnte ich teilen, wie sehr ich mich für meine beiden Scheidungen schämte. Nach dem Meeting umarmten mich Mitglieder und versicherten mir, ich sei nicht die einzige, die eine Scheidung erlebt habe – sogar mehrmalige nicht. Vor Al-Anon hatte ich keine Ahnung davon, wie ich mein besessenes Denken vermeiden könnte oder wie es funktioniert, in Beziehungen Ich selbst zu sein.
Viele meiner Al-Anon Freunde erzählten von ihren eigenen Erfahrungen solcher Kämpfe. Davon, wie sie sie überwunden hatten und heute ein glückliches und freies Leben führten. Ich bin schon etwas gewachsen und kann nun einiges von meinem Verhalten besser verstehen. Tatsächlich habe ich begonnen, mich zu verändern. Wir alle haben gemeinsam, dass wir von dem Trinken eines anderen Menschen beeinflusst wurden. In meinem Fall zieht es sich durch die ganze Linie – von den Großeltern, über Tanten, Onkel bis zu den Cousinen. Heute bin ich genau da, wo ich sein soll – zu Hause in einer liebevollen Familie und immer weiter wachsend in unserer Al-Anon Gemeinschaft.

Melissa H., Tennessee

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Ausgabe Juni 2019, Al-Anon Family Group Headquarters Inc. , Virginia Beach, VA

Es triggert mich immer noch

Foto von einer VerkehrsampelHeute Nacht habe ich wieder erfahren müssen, dass meine Wunden aus der alkoholkranken Ehe nicht weg sind. Die alten Verhaltensmuster sind unter Verschluss aber nicht ausgemerzt. Grund für mein Unwohlsein war das Heimkommen zweier unserer Nachbarn nach einer offenbar feucht fröhlichen Nacht. Einer von ihnen war laut am diskutieren und der andere, wohl bedacht, dass nicht die ganze Nachbarschaft aufwacht, beruhigte ihn nicht sehr erfolgreich. Gleich gingen bei mir verschiedene Lampen an.

Rot: Müssen die sich denn so volllaufen lassen, dass sie die ganze Nachbarschaft aufwecken?
Gelb: Na, mal abwarten, was da morgen früh abgeht!
Grün: Gut, dass das bei uns schon so lange nicht mehr den Frieden stört.

Ich war hellwach und brauchte einige Zeit, um wieder Ruhe zu finden. Als ich es morgens aussprach, machte mich mein Partner darauf aufmerksam, dass ich doch mit dem Al-Anon Programm so wirksame Werkzeuge habe, um anderen keinen Raum in meinen Gedanken zu lassen. Ich wäre da oft ein Vorbild für ihn. Darüber kam ich ins Nachdenken.

Rot: Ja, es war zwar laut, aber musste ich wirklich aufstehen und nachsehen, ob es tatsächlich der Nachbar war, den ich vermutet hatte? Charaktereigenschaft: Kontrolle!

Gelb: Für wen ist es wichtig, dass in den Nachbarsfamilien Knatsch gibt? Charaktereigenschaft: Schadenfreude!

Diese alten Eigenschaften gehören nicht mehr in mein aktuelles Leben. Das grüne Licht sollte meine Leitlinie sein. Ich will mich um meine eigenen Belange kümmern, wie ich es in den Jahren bei Al-Anon gelernt habe.

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