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Alkoholismus – eine Krankheit der ganzen Familie

Diese kleine, aber kompakte Broschüre von Al-Anon (Nr.221) hat es in sich!

Ich habe sie mir damals, als ich zu Al-Anon kam, schnell zugelegt, da sie im Verhältnis zu den Büchern sehr preiswert ist. Trotzdem hat sie mir jede Menge zu denken aufgegeben, was die Krankheit Alkoholismus betrifft.

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Wiedergutmachung

Foto von einer Brücke im ParkDas Beschäftigen mit dem Programm von Al-Anon brachte mich sehr schnell zum Achten und Neunten Schritt, wo es um die Wiedergutmachung geht. Ich war wild entschlossen mich bei allen Menschen, denen ich in irgendeiner Weise geschadet hatte, zu melden und Buße zu tun.
Die Ungeduld war mein Motor. Manche Menschen wollten nicht mit mir aufräumen. Meine Mutter tat meine Versuche mit dem altbekannten Spruch ab: „ Ach, das ist doch Vergangenheit, die lassen wir besser ruhen!“ Klar, unter den Teppich und so lange über die Beulen laufen, bis keiner mehr stolpert.
Auch bei einer meinen Schwestern wurde mein Wunsch nach einer Aussprache blockiert. Manche Menschen waren schon gestorben und da ging nichts mehr in direkter Wiedergutmachung. Ich fand Lösungen dafür, indem ich Briefe an sie schrieb und so meinen Frieden machen konnte.
Irgendwann sah ich dann auch die Notwendigkeit bei mir Wiedergutmachung zu leisten. Wunden heilen zu lassen, neue Verhaltensweise langsam in mein Leben zu integrieren, anders zu handeln und diesen Schritt als Grundlage zum inneren klar Schiff machen zu nehmen.
Selbst nach vielen Jahren der Zugehörigkeit kommen beim Gedanken an manche Menschen bei mir alte, meist negative, Erinnerungen auf und ich frage mich, wie ich vielleicht doch noch diesen Schritt mit ihnen gehen kann.
Im Meeting kam für mich ein ganz neuer Aspekt des Neunten Schrittes ins Betracht. Beim Lesen aus unserem Flyer: „Erklärung der Zwölf Schritte und Zwölf Traditionen“ war die Sprache von der indirekten Wiedergutmachung. Ja, das war kein Verdrücken vor der Verantwortung, sondern ein Tun oder

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Hallo, ich bin Melanie und gehöre zu Al-Anon

Foto von einer gelben RoseAl-Anon ist meine zweite Familie geworden. Eine bessere, wie ich finde. Ich kann sein, wie ich bin, kann mich ausprobieren, werde angenommen wie ich bin und kann mich in meinem Tempo entwickeln.
Dass mein Mann Alkoholiker ist, hat man mir damals mehr angemerkt als ihm. Er hat sich so verhalten wie immer, nur ich bin durchgedreht als ich schwanger wurde, denn jetzt musste er ja erwachsen werden und so funktionieren wie ICH mir das
vorstellte. Ich hatte den meist verbreiteten Irrglauben: „Wenn er mich lieben würde….“
Ich habe mich über Kleinigkeiten aufgeregt, ihn überall schlecht gemacht und konnte meinen Mund einfach nicht halten. Meine Gedanken drehten sich im Kreis, genauso wie unsere Unterhaltungen. Langsam sickerte die Erkenntnis in mein Hirn, dass er nicht aufhören würde. Natürlich auch nicht als das Kind da war. Ich war quasi alleinerziehend. Als der Kleine zwei Jahre alt war fand ich Al-Anon und die Literatur, bzw. traute mich endlich, nach Hilfe für mich zu suchen und auch hinzugehen.
Meine Rettung, ich fing an zu sehen. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich mich mit dem Programm beschäftigte, ich musste
erst mal ankommen. Dann überschlug sich irgendwie alles. Die Literatur zeigte mir, wie kraftvoll ein Meeting sein konnte und mittlerweile habe ich solche Meetings sogar auch erlebt. Ich kam zum Regionalmeeting, eigentlich nur so zum Gucken, was das ist und bekam gleich einen Dienst. Das hat meine Kontakte und mein Verständnis sehr erweitert.
Ich bedauere es sehr, dass mein Mann keine Meetings besucht und wir uns nicht über das Programm austauschen können. Aber das ist sein Leben. Er hat es auch so geschafft, nun bald zwei Jahre trocken zu bleiben und es hat sich bei uns unglaublich viel geändert.
Ich bin dankbar, dass ich durch ihn Al-Anon gefunden habe, dass er trocken ist, dass er nun ein Vater ist und dass wir über ein zweites Kind nachdenken.

Alte Einstellungen verändern

Foto Treppe im ParkWährend eines Meetings wurde ich wieder an die alten Strategien des – wenn dann – erinnert.
Ja, in der Kindheit war es oft das Mittel unserer Eltern uns mit Lockangeboten zu irgendwelchen Aktionen zu bewegen. Oft blieb der in Aussicht gestellte Köder weiterhin unerreicht und wurde mit neuen “Wenns” verschoben. Frust war da vorprogrammiert und irgendwann auch keine Hoffnung mehr vorhanden, dass es tatsächlich eine Belohnung gab.
In der Ehe mit dem Alkoholiker war ich diejenige, die dieses – wenn dann Spiel – spielte. Ich glaubte mir selbst: wenn Ereignisse in unserem Leben eintreten würden, dann würde mein Mann aufhören zu trinken. Meine Gebete, eher meine Forderungen, hießen: wenn Du ihn trocken machst, dann kann ich endlich glücklich sein. Bedingungen für eine Belohnung. Auch in diesem Zusammenhang hat es nichts bewirkt, außer Frust.
Letztendlich noch die Steigerung als Drohung: Wenn du nicht aufhörst zu trinken, dann bin ich weg. Auch das nutzte sich ab, denn ich konnte nicht gehen. Warum auch immer. Es sollte bis zu meinem Tiefpunkt eine hohle Phrase bleiben.
In einem meiner ersten Meetings hörte ich, dass die Worte – wenn – dann; ja – aber und jede Form von Androhung irgendwelcher Konsequenzen ohne eine Umsetzung, am besten über Bord geworfen gehören. Gar nicht so einfach, da diese Worte mich ja bis dahin immer begleitet hatten.
Das Eintauchen in die Programmarbeit zeigte mir, dass diese Phasen nicht zu einem Genesungsweg gehören. Zu lernen, dass das Ergebnis nur Frust bedeutet, wenn ich etwas von jemandem erwarte, in dem ich ihm etwas Positives in Aussicht stelle. Es geht darum, meine Einstellung zu ändern und meinen Standpunkt darzulegen, unabhängig von meinem Gegenüber. Bin ich mir nicht klar über mein Motiv oder nicht sicher, ob ich den angestrebten Weg jetzt wirklich gehen kann, muss ich auf den richtigen Zeitpunkt warten. Keine Bedingungen, keine Drohungen ändern das
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Was ich über mich lernte…

Buchfoto - Bestellnr. 112Seit mehr als zehn Jahren gehe ich zu Al-Anon. Durch die intensive Arbeit mit dem Programm lernte ich schnell, weil ich merkte, dass im Meeting Menschen sind, die mich verstehen, mich auf besondere Weise unterstützen und es schien mir die einzige Möglichkeit zu sein, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, mein Leben zu meistern, wie ich heute gerne sage.
Ich klammerte mich regelrecht an Slogans, an die Tagessprüche aus „Mut zur Veränderung“ und ich las viele Bücher, nur einige: Entdecke deine Möglichkeiten, So wirkt Al-Anon, Lois erinnert sich…, über das Leben von Lois, der Mitbegründerin von Al-Anon …In einem Meeting kam die Frage auf, kann ich mich akzeptieren, so wie ich bin?
Akzeptieren heißt: „annehmen, anerkennen, einwilligen, hinnehmen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein“. Für mich schien es zuerst am einfachsten, die anderen Menschen zu akzeptieren. Ich hörte auf zu nörgeln, zu meckern, zu bestimmen, aber auch zu betteln, zu drohen und zu erpressen. Dann hörte ich auf, Ratschläge zu erteilen und überlegte mir sehr gut, ob und was ich zu einer Situation sagen wollte. Das war schon schwerer, aber ich gewöhnte mir an, zu fragen: Willst du meine Meinung hören? Darf ich dir einen Rat geben?
Wenn NEIN – dann NEIN, und wenn JA, waren es doch nicht solche Antworten, wie ich sie vor Al-Anon gegeben hätte. Ich überlegte mir gut, ob ich schon einmal in einer solchen Situation gewesen bin oder ob ich mich wirklich in eine solche Lage hinein versetzen kann. Manchmal ist es sehr schwer, Dinge so zu belassen, wie sie sind und es ist schwer zu erkennen: Akzeptieren oder eingreifen.
Den Unterschied lernte ich, als ich anfing, mich selber zu akzeptieren. Ich erkannte, dass ich eigene Bedürfnisse hatte. Ich fing an, auf „meinen Bauch“ zu hören, etwas zu tun, was mir Spaß machte, aber auch meine Pflichten zu erledigen. Ich machte nicht mehr mit, nur weil mich jemand darum gebeten hatte, sondern wenn ich es wirklich wollte.

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Feste feiern, wie sie fallen

Gespräche in der Familie oder mit Freunden lassen mich heute oft über die traditionellen Gewohnheiten und meinen Umgang damit nachdenken. Ist das von früher noch passend? Habe ich heute einen besseren Umgang mit diesem „das macht man halt so“? Zum Beispiel Weihnachten: Als Kind war es immer ein Fest für Gemeinsamkeiten, für Besuche von der Familie, für Besinnung und Freude. Schön, wenn es das ganze Jahr so gewesen wäre, aber es war halt nur zur Weihnacht.
Weihnachten in der alkoholkranken Partnerschaft war anfangs noch recht gesellig. Mit Freunden, die auch fern von der Familie den Sinn der Weihnacht neu erfinden wollten. Gemeinsamkeiten beim Essen und viel Trinken und feiern bis zum teilweise chaotischen Ende.
Das Fest der Liebe als junge Familie sollte dann endlich wieder so sein, wie ich es aus meiner Kindheit in Erinnerung hatte. Die Fotos zeigen mir heute, das es nicht so war. Trauer in den Augen der gesamten Familie, lachender Mund für die Fassade. Immer wieder die Hoffnung auf ein besseres nächstes Jahr.
Der Versuch, auszubrechen und endlich dem Ganzen ein Ende zu machen, war ein Weihnachtsfest mit meiner Schwester und unseren Kindern. Wir vier allein in ihrem Ferienhaus weg von der Familie, weg von den Partnern, weg von den Problemen. Wir hatten eine gesegnete Weihnacht. Ich ging wieder zurück und wartete weiter auf das Weihnachtswunder. Meine Höhere Macht fand für mich die Lösung, nachdem ich nicht mehr konnte. Ich fand zu Al-Anon.

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Was passiert mit mir, wenn ich andere Menschen ändern will ?

Foto von SonnenuntergangWie habe ich versucht, andere Menschen in meinem Leben zu ändern? Was waren die Folgen?
Ich habe viele Jahre versucht, meinen Mann, den noch trinkenden Alkoholiker, zu ändern. Es blieb bei meinen Versuchen. Er änderte sich nicht. Ich hatte mich auf ihn konzentriert und ich schaute mit keinem Blick auf mich . Es war genau so, wie oft in Al-Anon gesagt wird – der Alkoholiker dreht sich um die Flasche und Angehörige drehen sich um den Alkoholiker. – Ich war wie fremdbestimmt.
Seltsamerweise hielt mich dieses Verhalten nicht davon ab, dass ich meine Kinder trotzdem gut versorgte, mich auch um ihr seelisches Wohl kümmerte. (Dank meiner Höheren Macht, sage ich heute). Wie ich damals diesen Spagat mit Haushalt, vier Kindern, voller Berufstätigkeit und den ständigen Herausforderungen, die es durch den Alkoholismus gab, schaffte, das verstehe ich heute nicht mehr. Ich hatte dieses Desaster mit dem Alkoholiker schicksalhaft angenommen, fügte mich sozusagen, versuchte alles Mögliche, meinen Mann mit ruhigen Worten und Ratschlägen zu beeinflussen.
Die Folgen waren schlimm. Mein Körper zeigte dann aber entsprechende Reaktionen: Er rebellierte, Asthma-Anfälle waren an der Tagesordnung.

Heute fühle ich mich besser als je zuvor. Al-Anon und mein Beziehungssystem ringsum wirken. Ich sorge gut für mich, vernachlässige keinesfalls die Gruppen und nutze gern die Al-Anon Literatur. Dass mein Diensttun in den Al-Anon Gruppen auch mit bei meiner Genesung half, ist unbestritten.
Nicht vergessen möchte ich in diesem Kontext, dass mein Mann in A.A. verankert ist, genau so lange wie ich in Al-Anon. Das führte dazu, dass wir heute friedlich und wohlig miteinander leben.
Ich bin überaus dankbar für Al-Anon und für meine Verbindung zu meiner Höheren Macht

Sabine P.

 

Al-Anon funktioniert – ganz ohne Zauberei

Foto einer WandmalereiAls ich zu Al-Anon kam, dachte ich, ich würde die Welt des Zauberes von Oz betreten. Sollten hier meine Hoffnungen wahr werden? Das war es doch, wofür ich betete und worauf ich hoffte. All meine Wünsche sollten endlich erfüllt werden. Mein größter Wunsch war, wieder glücklich zu werden. In unserem Zuhause war gerade Nüchternheit eingekehrt, aber es fehlte so vieles.

In meiner Anfangszeit in Al-Anon lernte ich Folgendes:
– niemand kann „machen“, dass ich mich unterlegen fühle, außer, ich erlaube es ihm;
– wenn jemand sagt „so ist es“, dann bedeutet es noch lange nicht, dass es auch so ist;
– die einzigen Hürden, die ich überspringen muss, sind meine eigenen, und vor allem sollte ich lernen, mehr an die Liebe meiner Höheren Macht zu glauben, als an meine Schwächen.
Langsam lernte ich all das und ich arbeitete mit den Schritten, Slogans und Traditionen. Ich fand damit mein wunderbares Lebensprogramm.
Ein weiterer Wunsch wurde mir erfüllt: Freundschaften zu finden, in denen die Herkunft, die Art der Kleidung, oder der Beruf keine Rolle spielen. Ich fand liebevolle Annahme, oft ohne Worte…manchmal ist es ein Lächeln, ein Nicken, eine Umarmung oder eine mit geweinte Träne. Diese Menschen kennen und verstehen mich besser, als es die meisten anderen tun.
Wir öffnen unser Innerstes und erhalten Liebe und Verständnis.
Louise R., Manitoba

„Reprinted with permission of The Forum, January2014, page1, Al-Anon Family Group Hdqts., Inc., Virginia Beach, VA”

Frei übersetzt von einer Al-Anon, Deutschland

Aus Schweigen wird Selbstliebe: Wie ich in Al-Anon zu mir finde

Foto von einem GlückskleeIch ging durchs Leben – mit vielen Problemen, die ich gut vor mir und anderen versteckte und leugnete. Schon immer funktionierte ich gut. Abi bestanden, Studium absolviert, Arbeit gefunden. Aber so problemlos waren die Dinge in Wirklichkeit nicht.
Ich glaubte immer, alles mit mir selbst ausmachen zu müssen, meine Geheimnisse bloß nicht verraten zu dürfen, denn dann hätte ich keine Kontrolle mehr über mein Leben. Ich entwickelte unglaublich viel Härte gegen mich selbst. Damit kam ich durchs Leben. Meine Überlebensstrategie. Aber ich wechselte häufig meine Arbeitsplätze. Oft fand ich kein richtiges Maß zwischen Selbstbehauptung und Anpassung. Überarbeitete mich völlig, kuschte, schleimte. In vielen Fällen verließ ich dann verbittert und im Streit das Unternehmen.
Mein langjähriger Partner war ein Choleriker und stark von Stimmungsschwankungen geprägt. Ich litt still und richtete mich in meiner Opferrolle ein. Als Kind und Jugendlicher war ich sehr übergewichtig. Das bin ich nicht mehr, aber Essen und das Kontrollieren meines Essverhaltens blieben Thema. Auch hier Härte und Selbsthass, damit ich mich gut “im Griff” hatte. Nach außen oft gut gelaunt, angepasst. Mitunter aber auch extrem zynisch und abwertend. So hart wie ich über mich selbst urteilte, urteilte ich auch über andere. Mit engen Freunden führte ich gerne pseudo-intellektuelle Diskussionen über die Tiefen und Traurigkeiten des Lebens, und stempelte Menschen, die positiver ans Leben heran gingen, als naiv und dumm ab.

Vor zwei Jahren kam es für mich zu einer Wende. In meiner Familie rumorte es gewaltig: Mein Bruder trank und das hatte dramatische Folgen. Täglich kam es zu neuen Katastrophen. Ich begann mich, nach einem für mich sehr entscheidenden Ereignis, mehr mit mir zu beschäftigen. Ich trennte mich von meinem Partner. Kündigte meine Stelle, die mir nicht guttat. Vieles veränderte sich.
Vor einem Jahr unterhielt ich mich nach Jahren erstmals wieder mit meinem alkoholkranken Bruder, was ich mir niemals hätte vorstellen können. Er war trocken geworden. Unser Gespräch brachte alles auf den Tisch, was in unserer Familie vertuscht und verschwiegen wurde. Erstmals hatte meine Tante ganz offen mit ihm gesprochen. Nun wurde mir alles klar, die vielen Puzzleteilchen, die ich nicht zusammenbringen konnte, nicht zusammenbringen wollte, sie ergaben plötzlich Sinn.
Die Bilanz war verheerend: Eine alkoholkranke Mutter, an den Spätfolgen ihres Trinkens vor vielen Jahren zu früh verstorben. Ein alkoholkranker Vater, gut funktionierender Spiegeltrinker. Ein alkoholkranker Bruder, der durch sein Trinken mehrere schwere Unfälle sowie Selbstmordversuche hinter sich hatte und der seine Firma mitsamt unseres Familienvermögens vor die Wand gefahren hat. Ein anderer Bruder, der als Kind schwere Verletzungen erlitt, weil meine betrunkene Mutter ihn nicht beaufsichtigt hatte, und der noch heute davon gezeichnet ist. Eine Familie, in der sich alles um das Trinken drehte, aber niemand darüber sprach. Eine durch und durch alkoholkranke Familie. Die Auswirkungen trafen mich mit voller Wucht. Sie trafen mich schon immer mit voller Wucht, aber erstmals erkannte ich das.

Ich ging wenige Wochen später eine neue Beziehung ein. Ich war noch ganz aufgewühlt, von dem was ich von meinem Bruder erfahren hatte. Und nun: Das Trinken meines neuen Partners irritierte mich. Ich fing an ihn zu analysieren und zu kontrollieren. Ich drehte völlig durch und dachte nur: “Was soll dieser ganze Wahnsinn?! Ich bin nur noch von Alkis umgeben! Jetzt auch noch mein Partner!”. In diesem Moment rief ich eine gute Freundin meiner Eltern an. Eine der wenigen, die den Alkoholismus in unserer Familie nicht verschwiegen hatte. Sie sagte mir “Du analysiert Deinen neuen Partner wie Deine alkoholkranke Mutter. Geh zu Al-Anon. Das ist das, was Du brauchst. Such Dir ein Meeting raus und geh hin.” Sie selbst kam vor vielen Jahrzehnten wegen des Trinkens ihres Partners zu Al-Anon. Sie hatte mir und meinen Geschwistern schon einmal Al-Anon empfohlen, direkt nach dem Tod meiner Mutter. Aber: Damals war ich nicht bereit dafür. So wie der Trinkende nicht erkennen will, dass er alkoholabängig ist, so konnte ich nicht erkennen, wie der Alkohol mein Leben beeinflusst hatte. Ich war so dankbar für dieses Gespräch und war zwei Tage später bei meinem ersten Meeting.

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Al-Anon hat etwas für mich

Abbildung einer GeburtstagszahlIch wusste schon seit knapp einem Jahr von diesem Blog und fühlte mich nie so richtig berufen, einen Artikel zu verfassen…eigentlich wollte ich das erst, wenn ich mit meiner Genesung “fertig” bin. Als ich das im Meeting erwähnte, schallte lautes Gelächter durch den Raum, und ich lachte genauso darüber. Natürlich ist das absurd. Niemand wacht eines morgens auf und denkt “Halleluja, endlich bin ich gesund!”
Aber in Wahrheit trifft das doch zu. Irgendwann merkt man, dass alles nicht mehr so ist wie früher. Ich wache zum Beispiel jetzt morgens auf und freue mich auf den neuen Tag. Obwohl es draussen noch dunkel ist, ich vielleicht erkältet bin und zum Zahnarzt muss. Dann danke ich Gott, dass ich gut schlafen konnte (als Mutter zweier Kinder freut man sich doch über jede gute Stunde Schlaf) und dass ich diesen Tag wieder neu erleben darf und mit Sicherheit fällt mir noch etwas ein, auf dass ich mich freuen kann. Ich denke jetzt NIE mehr, wie schrecklich, trostlos und hoffnungslos alles ist, und dass ich nicht mehr weiter weiss. Mein Leben fühlt sich leicht und frei an und ich fühle mich sicher.
Ich bin aufgewachsen in alkoholkranker Familie. Mein Vater ist kein Alkoholiker. Wie kann das zusammenpassen? Warum wirkt Al-Anon dann doch so gut für mich?
Mein Vater ist kein Alkoholiker – das behauptet meine Mutter. Er trinkt gerne, und manchmal zu viel. Sie hat ihn immer verteidigt und auch vor uns Kindern in Schutz genommen und alles verharmlost: Er verträgt es nicht! Er meint es nicht so! Es tut ihm leid!
Wie konnte sich meine Wahrnehmung so dermaßen von der meiner Mutter unterscheiden? Wie konnte sie das alles “nicht so schlimm” finden? Bei meinem ersten Al-Anon Meeting bekam ich eine Broschüre in die Hand, “Das Karussell des Leugnens”, und mir wurde alles klar. Meine Mutter war die Königin des Leugnens und ich lebte in ihrem Karussell. Dank Al-Anon schaffte ich es ziemlich schnell, davon abzuspringen.
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