Zurüruck zum Inhalt

Tageslektüre

Foto vom BuchIn diesem Jahr habe ich meinen Al Anon Leseschwerpunkt auf unser erstes Tagesspruchbuch „Nur einen Tag nach dem anderen in Al Anon“ gelegt. Dieses Buch war in den Anfangsjahren eine gute Stütze, was auch die äußere Erscheinung verrät. Der Vogel hat den Umschlag zerkaut, es gibt
Spuren vom Kaffeetisch, wichtige Passagen sind angemarkert und so weiter. Dann fand ich dieses Buch irgendwann altmodisch und für mich nicht mehr passend. Daher wanderte die erste Anschaffung in die Sammlung der ausgelesenen Literatur. Irgendwann kaufte ich mal ein neues Exemplar, was nun in diesem Jahr mein täglicher Begleiter ist. Der Beitrag vom 18. Februar hat mich sehr zum Nachdenken angeregt.
Zitat: Wir können keine Wunder über Nacht erwarten; es hat Jahre gedauert, die Situation zu bewirken, in der wir uns jetzt befinden.
Noch vor einiger Zeit habe ich mich beklagt, dass ich es so schwer schaffe, von der Überholspur auf eine normale Geschwindigkeit zu wechseln. Obwohl es gar nicht nötig war, gab es immer noch das Gefühl von: Es ist nicht genug, es müsste schneller gehen, warum schon wieder dieser innere Druck.

Schnell, schnell, schnell und am besten alles auf einmal. Was eine Belastung.
Mit dem Lesen des Textes fiel mir der Spruch eines Mitgliedes wieder ein. Auf meine nicht zu bändigende Ungeduld mit mir und allem um mich herum, bekam ich die Antwort:„Es dauert so lange wie es dauert! Oft genauso lange wie der Weg in der eigentlichen Alkoholkrise.“
Ja, ich bin in einer Familie groß geworden, in der zwar nicht getrunken wurde, aber ein Elternteil extrem durch das Trinken des eigenen Vaters beeinträchtigt war.

Meine Generation hat sich die entsprechenden Partner gesucht und sie auch erfolgreich gefunden. Auf einmal wurde mir klar, was sich verändert hat. Ich durfte die erste sein, die aus diesem alkoholischen Krankheitskarussell aussteigen konnte. Der Weg war tatsächlich sehr lang und teilweise auch steinig. Es hat sich gelohnt nicht auf ein Wunder zu warten, denn das war wundersamer Weise nach jahrelanger Arbeit auf einmal für mich da.

Danke Al Anon für die vielen kleinen und großen Wunder in meinem Leben.
Eine Angehörige

Hoffnung – endlich!

Foto blaue BlumeDie Erfahrung, nicht mehr alleine zu sein, erlaubte mir, mich mit der Scham und der Schuld auseinanderzusetzen, die mit der Familienkrankheit Alkoholismus in Verbindung steht.

Andere Al-Anon Mitglieder waren in der gleichen Situation und kämpften damit – genau wie ich. Das erleichterte mich und half mir, von mir zu erzählen. Indem ich andere um Hilfe bat und ihrer Erfahrung, Kraft und Hoffnung zuhörte, konnte auch ich mich meinen Schmerzen stellen.

Das Loch in meinem Herzen begann zu heilen. Meine Machtlosigkeit über den Alkohol und seine Auswirkungen auf mich und meine Familie zu verstehen, gab mir die Chance, überhaupt wieder ein Gefühl von „ich kann es bewältigen“ zu erreichen. Ich fühlte mich nicht länger für alles verantwortlich oder schuldig, was in unserem Leben passierte. Ich begann, die Situation zu akzeptieren, wie sie war und fand eine gewisse geistige Gesundheit wieder.

Meinen besessenen Gedanken erlaubte ich nicht mehr, jeden wachen Moment und jede meiner schlaflosen Nächte zu beherrschen. Mit dem Verstehen meiner Machtlosigkeit konnte ich plötzlich besser schlafen und hatte mehr Zeit, andere Dinge zu tun. Ich suchte nicht mehr Schutz im Auto und hörte dabei weinend immer wieder den gleichen Song.

Schließlich konnte ich mein Leben geistig gesünder und hoffnungsvoller bewältigen.

By Manette M., California

Aus: The Forum, Februar 2020 Gedruckt/ veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von The Forum, Al-Anon Family Group Headquarters, Inc., Virginia Beach, VA
 

Struktur

Foto: Baum mit eisigen ÄstenJe länger die jetzigen Einschränkungen dauern, um so schwerer fällt es mir, nicht in alte Muster zu verfallen. Das tägliche Einerlei wird mir jeden Abend klar, wenn ich in mein Tagebuch schreibe.
Manchmal erinnere ich mich nicht mehr, ob ich denn zum Einkaufen war oder nicht. Mit wem habe ich heute telefoniert? War ich heute draußen oder war das schon gestern? Das hat nichts damit zu tun, dass mein Gehirn nicht mehr funktioniert. Nein, wie früher spult sich der Tag ab in der Hoffnung, dass es endlich wieder „normal“ wird.
Dementsprechend bin ich auch manchmal ungeduldig oder ungerecht mit meinem Partner: „Das habe ich Dir doch schon gesagt!“, „Warum ist das denn immer noch nicht erledigt!“ „Musst du morgens immer schon so früh telefonieren!“
Alles keine großen Sachen, aber die Arbeit an mir selbst, ist ohne die regelmäßigen Besuche im Meeting viel schwerer geworden. Dabei habe ich mehrmals die Woche Kontakt zu meinen Al-Anon Freunden. Ebenso habe ich meine Literatur, und die nicht nur – zum im Schrank stehen -. Daran kann es also nicht liegen.
Beim Durchforsten meiner Al-Anon Literatur stieß ich auf unsere Programmkarte, und siehe da, sie hatte die Lösung für mich. – Mach Dir einen Plan… – Genau, durch das ewige Warten auf Veränderung habe ich keinen klaren roten Faden mehr in meinem Tagesablauf.
…weiterlesen …

Mit jedem Meeting geht es mir besser

Foto„Was tue ich hier?“, dachte ich. Ich wollte gar nicht hier sein. Ich fragte mich wie Al-Anon mir helfen sollte, bei dem, womit ich daheim konfrontiert war. Diese Leute kennen mich nicht einmal, dachte ich, aber es stellte sich heraus, dass sie mich kannten.

Ins erste Meeting zu gehen, war wohl das beängstigende, traurigste und auf der anderen Seite, der für mich lebensrettende Moment, den ich jemals erlebt habe. Meine Lebenssituation brachte mich hierher, egal ob ich es wollte oder nicht. Ich fühlte mich in dem Moment, als ob ich meinen alkoholkranken Partner verraten würde. Als würde ich ihn für die ganze Welt als Alkoholiker abstempeln.

Ich dachte, wie kann ich jemand, den ich so sehr liebe, auf diese Weise bloßstellen. Aber ich setzte mich auf meinen Platz und hörte zu. Da gab es keinen Zwang zu sprechen, in Kontakt zu treten oder sich jemanden anzuvertrauen. Ich brauchte nur zuzuhören. Ich hörte viele Geschichten, die meine hätten sein können. Sie wurden erzählt von Menschen aus allen Schichten, die im selben alkoholischen Durcheinander lebten wie ich. …weiterlesen …

Abgrenzung

Foto eines Schneemanns mit Augen aus KleeNach vielen Jahren in Al-Anon habe ich das Gefühl, meine Grenzen gut zu kennen. Nur was passiert, wenn Menschen, die mir nahe stehen, über meine physischen oder mentalen Grenzen treten?

In einem unserer Tagesspruch-Bücher steht: „Stöcke und Steine verletzen meine Beine.“ Im Sinne von, ich darf die verbalen Attacken oder die permanent negativen Äußerungen an mir vorbeiziehen lassen. Ich lasse mich davon nicht verletzen oder aus dem Konzept bringen. Ich muss mich auch nicht verbiegen um andere Menschen zu bekehren oder mich hinter einer vermeintlich überzeugten Zustimmung verstecken.

Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Von Kindheit an musste ich die Reaktionen der Mitmenschen abwägen. Ist das jetzt echte Anerkennung oder schwingt da doch wieder die alte Kritik mit – du bist oder denkst nicht richtig? .
Heute nehme ich mir Zeit, indem ich versuche, nicht gleich zu reagieren. Es tut mir gut, erst einmal zu reflektieren. Kommt meine Rückmeldung überhaupt an? Muss ich vielleicht ein bisschen Zeit vergehen lassen und kann dann meine Eindrücke noch einmal anbringen? Soll ich den Kontakt jetzt mal runterfahren, weil es mir nicht gut tut mit diesen Menschen in Verbindung zu sein?

…weiterlesen …

Außenwirkung nicht ausgeschlossen

Foto eines alten MauerdurchgangsNach einiger Zeit in Al-Anon und der Arbeit an mir selbst denke ich trotzdem noch öfter: du hast nichts gelernt, jetzt könntest du doch endlich im Schlaf alles anwenden…Zum Glück kann ich diese alten Muster der Selbstabwertung heute viel früher erkennen und mit einem Stopp! oder dem Slogan Denke! bremsen…dann erstmal durchatmen und mir Raum und Zeit für eine gesündere Herangehensweise nehmen.
Gerade in der weiterhin angespannten äußeren Pandemie Lage brauche ich jetzt besonders meine ganze Aufmerksamkeit, um in der Realität zu bleiben und Verwirrungen rechtzeitig zu erkennen. Kürzlich war ich in einer Arbeitssituation kurz davor, alles nach meinem alten Muster wieder alleine zu machen („Du machst das doch so toll…“) und spürte nach wenigen Tagen sofort eine Überforderung.

Ich habe zum Glück mit Hilfes unseres Programms gelernt, meine Gefühle wahr und ernst zu nehmen und dann zu prüfen, was ist passiert, worum geht es und wo liegen meine Handlungsmöglichkeiten. Besonders darf ich mich noch in Geduld mit mir selbst üben und darin, Verantwortung für mein Tun und Lassen zu übernehmen.
In den vielen Jahren, in denen ich mit dem aktiven Alkoholismus meiner Lieben lebte und nichts von dieser Krankheit und ihren Auswirkungen auf die

…weiterlesen …

Denke ich an Weihnachten in der Nacht …

WeihnachtenHallo ich bin Bozena,

ich bin in einer alkoholkranken Familie aufgewachsen.

Weihnachten ist ein riesiges Thema für mich. Denke ich an Weihnachten, so habe ich so viele Erinnerungen, so viele Erwartungen und Vorstellungen.

Ich bin jetzt keine 20 mehr und durfte schon einige Weihnachten erleben.

Meine Weihnachten als Kind, meine Weihnachten vor meiner Zeit in Al-Anon und
meine Weihnachten seit ich bei Al-Anon dabei bin.

Ich habe mich schon oft auf Weihnachten gefreut und ich habe mich schon oft vor Weihnachten gefürchtet. Manchmal habe ich mich auch darauf gefreut und gleichzeitig davor gefürchtet.

…weiterlesen …

Wahrnehmungen

Foto, Bäume im NebelInzwischen nagen die vermummten Gesichter auch an mir. Als wir uns noch im Präsenzmeeting treffen konnten, war auch mal außerhalb der Familie jemand da, dem ich ins Gesicht schauen konnte. Klar, ich habe einen Partner und nette Nachbarn, die sich mal über einen kleinen Schnack freuen. Aber selbst in unserem Stadtteil, wo wir ohne Vermummung laufen dürfen, sind die Kontakte über Mimik kleiner geworden. Jeder versucht, sich so schnell es geht zu entfernen.

Da kommt schon mal das Gefühl von früher in mir hoch. Bloß keinem zu nahe kommen, bloß keinem Gelegenheit geben, dass er etwas sagt oder noch schlimmer mich etwas fragt. Heute wäre das ja eigentlich keine Sache. Mein Leben läuft in geordneten Bahnen. Es wird nicht mehr herumgetobt und ich muss meine verheulten Augen nicht mehr überschminken. Trotzdem sind die alten Denk- und Gefühlsbahnen immer noch vorhanden.

Ich habe bei meinen ersten Besuchen im Meeting häufig von Dankbarkeit gehört. Damit konnte ich nichts anfangen. Nach so vielen Jahren im Chaos. Wovon sprachen die Menschen dort? Dankbar sein für „verlorene“ Jahre? Arbeiten an mir selbst, obwohl doch der Partner getrunken hat? Langsam habe ich mich damals vorgetastet. Die Freude über eine Blume, deren Duft ich wahrnehmen konnte; einen Vogel, der vielleicht nur für meine Ohren sein Lied sang; die Kinder, die mir zuwinkten. Einfach nur so.

…weiterlesen …

Die Leichtigkeit lernen

Foto Die persönlichen Aussagen in unseren Meetings gleichen sich häufig. Manchmal fühle ich mich an Zeiten erinnert, in denen ich abends vor Sorge und Ärger nicht einschlafen konnte. Meist war es Ärger über mich, weil ich nicht aus der alkoholkranken Umgebung gehen konnte oder über die Anderen, die ihre Versprechungen nicht einhielten.

Auch heute höre ich immer wieder Beiträge über die Unzulänglichkeiten der Partner, bei denen das liebevolle Loslassen auch nach langer Zeit einfach nicht glücken will. Oft geht es nicht vordergründig um den Alkohol.
Die alltäglichen Gegebenheiten bieten immer wieder Stoff für Herausforderungen im Zusammenleben. So ist es auch in unserem Buch „Mut zur Veränderung“ beschrieben. Darin steht sinngemäß, dass es mir Erleichterung bringen kann, wenn ich eine Höhere Macht gefunden habe. Ich kann lernen zu ihr zu sagen: „Nicht mein Wille, sondern Dein Wille“, also der einer Höheren Macht soll geschehen. Sie kann die Dinge auf eine Weise ordnen, die ich mir nicht vorstellen kann.
Mich daran zu erinnern, hilft mir immer wieder. Ich bin machtlos, egal welcher Situation gegenüber, wenn diese von einem anderen Menschen verursacht wird. Mein Umgang mit diesen Situationen hat sich jedoch verändert und das bringt mir Leichtigkeit und inneren Frieden.

Muss ich mich wirklich über den Radfahrer auf dem Fußweg ärgern, ihn anmotzen oder vielleicht sogar in den Weg stellen?
Soll ich den Falschparker fotografieren, anzeigen oder schlimmstenfalls sein Auto demolieren?
Soll ich meinem Partner die Socken um die Ohren hauen, die Teller, die auf der Spülmaschine stehen, vor die Füße werfen?

Ich könnte endlos weiter aufzählen, was so alles den Alltag unerträglich machen kann. Ich merke beim Schreiben, dass allein dieses Denken mein Inneres zum Brodeln bringt. …weiterlesen …

Es kommt wieder…

Foto Füße auf der HerbstwieseNovember. Teil-Lockdown.
Ich spüre, ich muss wieder präsenter, wachsamer sein. Sowohl, was mein Umfeld betrifft, als auch meinem inneren System gegenüber.
Es kommt wieder… das Sorgenpaket versucht, sich Raum zu verschaffen. Besonders in den dramatischen Krisenzeiten der letzten Jahre meiner Ehe war dieses „es hat doch alles keinen Sinn“ mein ständiger Begleiter.
Damals wusste ich nichts von Selbsthilfegruppen oder gar von Al-Anon. Es ging mir immer schlechter und ich wartete darauf, dass mein Mann aufhören würde, zu trinken, dann wäre alles gut. Natürlich war das nicht der Fall. Ich schaffte es irgendwann, das erste Mal in ein Meeting zu gehen.
Dieses Gefühl, endlich angekommen zu sein und einfach verstanden zu werden werde ich nie vergessen. Seitdem komme ich immer wieder und lerne. Und jetzt, wenn mein altes krankes Denken durch die weltweite Krisensituation „wiederkommt“, kann ich es relativ schnell entlarven.
Ich habe gelernt, die Realität wahrzunehmen. Unser Präsenzmeeting kann zwar wieder für eine gewisse Zeit nicht stattfinden, doch können wir über das Telefon und Email in Kontakt bleiben.

…weiterlesen …

Wir benutzen Cookies, um die Benutzungsfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.