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Hilfe ist immer erreichbar – unser Bücherschrank mit Blogtexten

Foto WebseiteManchmal fühle ich mich schon so weit genesen, dass ich mich doch wieder selbst überfordere. Aktuell war ich innerhalb von drei Tagen länger mit meiner Mutter zusammen und danach erschöpft und gereizt.

In meinen Jahren in Al-Anon habe ich gelernt, gut für mich zu sorgen, bevor ich in herausfordernde Begegnungen gehe. Zeit mit meiner Mutter zu verbringen bleibt eine solch extreme Herausforderung für mich. Sie hat sich nicht verändert. Ist weiterhin hart und abwertend sich selbst und anderen gegenüber. Aktuell noch verstärkter, da sie unter der Belastung und Pflege ihres kranken Mannes sorgenvoll leidet.

Doch wie in all den Jahren meines Aufwachsens in dieser alkoholkranken Familie – funktioniert meine Mutter einfach.

Wieder zu Hause fand ich spät abends im Blog auf unserer Webseite den Text zum Thema „Vergebung“. Meine Mutter ist die Angehörige, nicht die Alkoholikerin in meiner Familie, doch habe ich sehr unter ihrer gnadenlosen Lebenseinstellung gelitten. Habe nie etwas „recht oder richtig machen können“ usw.

Mühevoll bin ich die Schritte unseres Programms gegangen und übe mich weiter darin. Auch in Wiedergutmachung, Vergebung und Mitgefühl für mich und andere.
Welch Wohltat, die Zeilen zu lesen. Es war genau das, was ich gerade brauchte, um nicht zu lange im alten Selbstmitleid zu versinken. In bester Selbstfürsorge vergebe ich mir selbst, doch wieder etwas über meine Grenzen gegangen zu sein, und meiner Mutter,- auch sie gibt ihr Bestes und ich liebe sie dafür.

Ich danke meiner Höheren Macht – sie sorgt für uns beide und kann noch einen gemütlichen Abend genießen.
Für heute im Frieden mit mir,

eine Tochter

Ehrlichkeit und Verständnis

Foto Blumen am WegWill ich erzählen warum ich wiederkam, muss ich zuerst berichten, wie ich zu Al-Anon kam:
Ich ging das erste Mal zu Al-Anon weil ich Ratschläge und Hilfestellung haben wollte als Angehörige eines Alkoholikers. Mein Mann trank schon seit seiner Jugend. Ich hatte geglaubt, dass eine glückliche Ehe ihn sicherlich heilen würde.
Im Rheinland, wo wir aufgewachsen waren, gibt es eine starke Bier- und Kneipenkultur. Viel trinken ist normal. Mein Mann war ein Trinker, der in fröhlicher Jägerrunde trank, jedoch in späteren Jahren zunehmend zuhause und das jeden Abend. Er ist nie aggressiv oder gewalttätig gewesen, aber doch desinteressiert am Familienleben und sehr in sich verschlossen. Er machte beruflich Karriere, und wenn ich mich wegen des Alkoholkonsums im Familien- oder Freundeskreis beklagte, stieß ich auf wenig Verständnis, sondern erhielt als Antwort: „Jetzt gönne ihm doch die paar Bierchen am Abend zum Entspannen …“
Ich aber fühlte mich gefangen in dieser unbefriedigenden Ehe, hatte mir unter Familienleben etwas anderes vorgestellt und wollte ihn ändern . So kam ich zu Al-Anon.

Warum ich wiederkam: Ehrlichkeit und Verständnis
Zuerst stieß ich hier das erste Mal auf Menschen, denen ich die volle Misere unserer Situation erzählen konnte, die zuhörten und es verstanden. Da wurde das Problem weder abgeschwächt noch mir geraten, mich zu trennen.
Ich hörte dort zum ersten Mal, dass Alkoholismus eine Familienkrankheit ist und ich sehr wohl in deren Gesamtzusammenhang auch eine Rolle spiele – außer der des Anklägers. Es gab keine Schuldzuweisung, sondern mir wurde aus den persönlichen Erfahrungsberichten klar, wie hoch mein eigener Anteil an der Situation war. Also konnte ich auch etwas ändern, nämlich mich!!
Diese Ehrlichkeit und das Verständnis der anderen Al-Anon Freunde hat mich zutiefst berührt. Wo traf ich sonst in meinem Leben Menschen, die so offen über ihre Probleme sprachen. Die nicht alle Energie darauf verwandten, eine Fassade hochzuhalten, sondern ihre Energie dazu benutzten, die Mauern ihrer Zwänge einzureißen, dunkle Ecken ihrer Seele auszuleuchten, – kurz, sich um Wahrhaftigkeit bemühten.
Diese schonungslose Selbstanalyse beeindruckte mich sehr. Jeder erzählte die Geschichte seines Lebens, wie sie war. Diese Lebensgeschichten waren mir Schock und Trost zugleich – da war von Gewalt und tiefster Verzweiflung bis Selbstmord die Rede, vom Partner, vom Arbeitsplatz. Dinge, die ich nie so heftig erlebt hatte. Aber diese Menschen hatten sich aus diesen extremen Situationen mithilfe von Al-Anon und den Zwölf Schritten wieder hochgerappelt und saßen als absolut sympathische und beneidenswerte Menschen vor mir.

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Inneres Wachstum oder den Schuldrucksack stehen lassen

Foto mit Rucksack auf einer HolzbankErst nachdem ich es geschrieben und losgeschickt hatte, konnte ich wahrnehmen – begreifen – spüren: es war das erste Mal, dass ich Liebe, wie sie gemeint ist, so tief erlebte.

Meine schon lange erwachsene Tochter hatte mir eine Nachricht gesendet, in der sie mir dankbar von einem Telefonat mit ihrem Bruder berichtete. Wie glücklich sie sich schätzt, solch eine wertvolle geschwisterliche Beziehung zu haben. Sie bedankte sich bei mir und meinem geschiedenen Mann dafür, dass wir ihnen wohl etwas Wertvolles mitgegeben hätten…

Meine Kinder sind aufgewachsen im Chaos einer alkoholkranken Familie mit Vernachlässigung, Traurigkeit, Einsamkeit und letztlich der Scheidung ihrer Eltern. Es sind viele Jahre vergangen, in denen ich mich als Mutter sehr schuldig fühlte.

Mit dem Al-Anon Programm und meiner Sponsorin lernte ich mühsam, den Schuldrucksack nicht immer wieder aufzusetzen, sondern an einer
Weiterentwicklung meines Lebens zu arbeiten. Ich machte meine Inventur und erkannte meine Anteile am Scheitern dieses Familienmodells. Konnte es irgendwann annehmen und mit Hilfe meiner Höheren Macht Wiedergutmachung an meinen Kindern leisten, indem ich übte, z.B. weniger kontrollierend und übergriffig zu sein.

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Ein Hoffnungsschimmer

Als ich an diesem warmen, dunstigen Abend zur Kirche fuhr, hoffte ich inständig, dass das Meeting ausfallen würde oder niemand vorbeikäme. Der Knoten in meinem Bauch wurde immer größer, als ich auf den Parkplatz einbog und die vielen Autos sah.

Die Angst schien meinen Körper wie ein Heliumballon aufzublasen. Ich saß also zehn Minuten vor Meetingsbeginn in meinem Auto und beobachtete die Menschen, wie sie in den Meetingsraum gingen und betete, dass kein bekanntes Gesicht darunter wäre. Was würden die denken, wenn sie mich hier sähen? Sie würden es wissen, sie würden ablästern. Dann dachte ich an das verzweifelte Versprechen, das ich mir selbst in der Nacht zuvor auf dem Boden des Badezimmers liegend gegeben hatte: Hier hinzugehen und dem Ganzen eine Chance zu geben.

Ich verließ also das Auto und ging in mein erstes Al-Anon Meeting und fühlte mich dabei wie ein Kindergartenkind am Betreuungstag. Ich hielt meinen Kopf gesenkt, um Blickkontakte zu vermeiden. Da unterhielten sich Menschen jeden Alters angeregt miteinander und tranken dabei Kaffee oder Kakao. Ich setzte mich leise auf einen Stuhl, versuchte dabei, mich unsichtbar zu machen, aber die Gruppenmitglieder hießen mich willkommen.

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Sich von Anfang an sicher fühlen

Ich war nervös, als ich zu meinem ersten Al-Anon Treffen ging, aber ich spürte, ich hatte nichts zu verlieren. Ich hatte meinen emotionalen Tiefpunkt erreicht und verlor langsam meinen gesunden Menschenverstand.

Die meiste Zeit meines Lebens war ich unglücklich, ich trug Scham in mir und litt unter einem niedrigen Selbstwertgefühl, das vom Alkoholismus und Drogenmissbrauch meiner Eltern herrührte. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nicht gut genug war. Als Kind fühlte ich mich zudem als eine finanzielle Last. Meine Großmütter unterstützten meine Mutter und mich, und sie kümmerten sich um mich, wenn meine Mutter dazu nicht in der Lage war.

Da ich zu jung war, um all das zu verstehen, gab ich mir die Schuld für die Abwesenheit meines Vaters in meinem Leben. Warum schickt er kein Geld für sein Kind?, fragte ich mich. Ich fühlte mich von Natur aus nicht geliebt. Ich trug diese Gefühle der Unzulänglichkeit und Scham ins Erwachsenenalter und war nicht in der Lage, positive Beziehungen zu Männern zu haben.
Ich kämpfte mit Angst und Depressionen von Jugend an. Schließlich heiratete ich und hatte selber Kinder, fühlte mich aber nie «ganz» und war nicht in der Lage, wirklich glücklich zu sein.

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Die Zukunft meines Sohnes gehört ihm – nicht mir

Abbildung: Mut zur Veränderung (Bestellnummer: 109)„Er lebt sein Leben nicht für mich“, dachte ich, als ich in die kalte Küche schlurfte. Es war nachts um drei und ich war auf der Suche nach einem Tagestextbuch von Al-Anon.
Mein Sohn, mein einziges Kind, den ich mehr als sonst irgend jemanden liebte, wurde verhaftet. Er verbrachte die Nacht im Gefängnis und hatte mehr Ärger, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Ich hätte niemals gedacht, dass mein Kind, das ich durch das College gebracht und für das ich viele Stunden nachts gewacht und mir eine verheißungsvolle Zukunft vorgestellt hatte, sich jemals in solch einer Situation befinden würde.
Doch alles änderte sich, als die Familie von seiner Abhängigkeit erfuhr. Seit diesem Moment nahm ich beständig an Meetings teil, manchmal viermal pro Woche. Ich nahm mir eine Sponsorin, leitete und teilte in Meetings und meldete mich als Sprecherin eines Al-Anon Meetings in einem Frauengefängnis. Die Zukunft meines Sohnes war auch meine Zukunft. Ich redete mir ein, dass meine Anstrengungen für die Genesung für uns beide seien. Tief in mir nahm ich an, dass meine Genesung letztendlich auch seine Genesung garantieren würde. In meinem Herzen glaubte ich daran, dass die Liebe, die wir in unseren Programmen Al-Anon und A.A. teilten, das Rettungsboot wäre, welches er zu seiner Genesung bräuchte. Ich war seine Mutter. Ich konnte es möglich machen.

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Eine Reise der Selbstentdeckung

Foto rostige LokIch erinnere mich, dass ich in meinem ersten Al-Anon Meeting jemand sagen hörte: “Sei dir selbst treu”. Das war verwirrend für mich, denn ich dachte, ich sei ein ehrlicher Mensch, der sich selbst so gut kennt und aufrichtige Motive hat. Je mehr ich an Al-Anon Meetings teilnahm und die Literatur las, desto mehr entdeckte ich, dass ich eigentlich gar nichts über mich wusste – nicht einmal meine Lieblingsfarbe, meine Lieblingsspeise, meine Lieblingsfreizeitbeschäftigung, meine Lieblingsmusik, ob ich lieber auf dem Land oder in der Stadt lebe, und die Liste ging weiter. Manchmal fragte ich mich sogar, ob ich überhaupt zur menschlichen Rasse gehöre!

Nachdem ich mit Alkoholismus aufgewachsen war und mein Leben mit einem Alkoholiker nach dem anderen fortgesetzt hatte, wurde mir klar, dass ich mich selbst überhaupt nicht kannte. Ich war das, was der Alkoholiker von mir wollte (zumindest dachte ich das). Diese Erkenntnis war der Punkt, an dem mir klar wurde, dass ich die Zwölf Schritte von Al-Anon gehen musste, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen – was bedeutete, mir selbst treu zu sein.

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Vergebung

Foto einer SpieluhrIch habe eine Familie, die ich liebe, aber ich war nicht immer glücklich. Ich habe mich mein ganzes Leben lang nach der Liebe und Anerkennung meiner Mutter gesehnt, ohne dass ich viel Erfolg hatte. Immer wieder ging ich zu ihr zurück, nur um bestraft zu werden, mich zu schämen oder mich schuldig zu fühlen.

Jedes Mal fühlte ich mich verletzt und manchmal auch wütend, was den eigentlichen Schmerz nur überdeckte. Ich fragte mich: Warum tut sie das? Was habe ich getan, um das zu verdienen? Wann wird sie mir sagen, dass ich eine wunderbare, liebenswerte Tochter bin und dass sie stolz auf mich ist?”

Ich war jahrelang in dieser Situation gefangen – ein ewiges Opfer. Ich bin zur Therapie gegangen, habe mit meinem Partner darüber gesprochen, ich habe darüber Tagebuch geführt und alle möglichen Strategien ausprobiert, um mit meiner Mutter ins Reine zu kommen. Das alles hat zwar ein wenig geholfen, aber was mir wirklich geholfen hat, war Vergebung. In Al-Anon habe ich gelernt, Mitgefühl mit dem Alkoholiker zu haben – die Person von ihrem Verhalten zu trennen und ihr zu vergeben.

Ich habe entdeckt, dass Vergebung kein großmütiger Akt ist, der andere von ihrer Verantwortung entbindet. Es geht um mich und mein gesundes Leben!

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Mir Freude bereiten

Foto mit HundIn diesen Zeiten der Pandemie und besonders jetzt in den grauen Tagen versuchen sich doch einige meiner alten Themen wieder in den Vordergrund zu drängen. Viele Unternehmungen und Begegnungen sind immer noch nicht oder eingeschränkt möglich, Hobbies können teilweise noch nicht ausgeübt werden oder fallen immer noch aus.
Abstand halten, Maske tragen usw. verlangen ständiges ausbalancieren in meinem Inneren, dass ich nicht auch zu mir selbst wieder in den  Zwang, die Isolation, den Abstand gehe…Funktionieren, Bravsein für Liebe, nur nichts spüren…einige der hartnäckigsten Überlebens-Muster aus meiner Kindheit und meines erwachsenen Lebens.
Ich erinnere mich an unsere früheren Haustiere, besonders unseren Hund, der immer spielen wollte. In den schweren Jahren half er mir, die Existenz von Freude nicht ganz zu vergessen. Damals spielte ich zwar auch mit meinen Kindern und versuchte, mir in all dem alkoholkranken Chaos mit Mal- und Bewegungskursen „etwas Gutes zu tun“…doch war ich bereits so zwanghaft mechanisch und fast leblos, dass ich all das wie ein Roboter ausführte. …weiterlesen …

Al-Anon ist ein Lebensprogramm für alle meine Angelegenheiten

Foto Hängebrücke über d FlussWas mache ich eigentlich am Ende eines Tages wie diesem?

Wir haben die Unwetter der letzten Woche gut überstanden. Der Sturm hat nichts kaputt gemacht, nur ein bisschen durcheinandergewirbelt. Das ist alles wieder zu richten. Der Bach ist trotz starker Regenfälle in seinem Bett geblieben.

Die gesundheitlichen Einschränkungen sind kleiner geworden und damit ist auch das tägliche Miteinander wieder einfacher.

Wir haben uns gemeinsam mehr Kontakt durch Handwerker und Besucher zugemutet, Gespräche geführt, uns fachlichen Rat geholt. Eigentlich nichts großes, aber für mich ein Stück Sicherheit und Klarheit.

Jeden Abend reflektiere ich darüber, was so am Tag positiv oder auch mal nicht so gut gelaufen ist und was mich/uns beschützt. Mein Dank geht regelmäßig an meine Höhere Macht, die ich auf einem langen Weg durch das Programm annehmen durfte.

Danke für den Tag.

Danke für das (trockene) Leben.

Danke, dass die Schmerzen wieder vergangen sind.

Danke für diesen friedlichen Tag….

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