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Mir und anderen glauben

Foto vom ZiergrasMeine Familie lebte mit dem Grundsatz: was hier passiert, geht keinen draußen etwas an. Alle bewunderten unsere Familie mit dem fleißigen Vater, der vielbeschäftigten Mutter und den drei wohlgeratenen Töchtern. Was an Gewalt, Ungerechtigkeit und Härte innerhalb der vier Wände zwischen allen Beteiligten ausgetauscht wurde, war das große Familiengeheimnis. Viele Vorkommnisse hatte ich so gut in mir vergraben, dass ich eine meiner Schwestern immer wieder fragen musste, ob es real oder in meiner Phantasie so gewesen war. Sie ist fast sieben Jahre älter und dieser Austausch war irgendwann sehr heilsam für uns beide.
Die Erkenntnisse alleine brachten mich nicht davon ab, dieses Muster dann in der Ehe mit dem Alkoholiker selber zu leben. Erst mit Hilfe von Al-Anon und der Inventur im Vierten Schritt konnte ich ohne Verifizierung durch andere auf mein Leben blicken. Jetzt musste ich feststellen, dass ich häufig nicht nur mir nicht glaubte, sondern auch sehr schlecht annehmen konnte, was andere Menschen mir rückmeldeten. Sowohl die positiven als auch die negativen Aussagen brachten mich immer in eine Situation, Positives klein zu machen und Negatives schön zu reden oder abzustreiten. Mit viel Übung habe ich heute gelernt, dass mir kein Zacken aus der Krone fällt, wenn ich einen Fehler zugebe und mich bemühe, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Wenn mir jedoch jemand seine Zuneigung zeigt oder meint ich hätte etwas gut gemacht, verunsichert mich das und ich kann es oft nicht annehmen. Wer mag mich schon, ohne etwas dafür zu verlangen? Wer meldet mir schon ein gutes Gelingen meiner Kreativität zurück, ohne etwas von mir zu erwarten? Kann mich jemand überhaupt so mögen, wie ich manchmal bin? Schulfreundinnen freuen sich nach vielen Jahren mich zu sehen. Freunde freuen sich über Bilder und Geschichten von mir. Eine Nachbarin bittet mich um eine spontane Umarmung, nachdem sie mir erzählt hat, dass sie sehr krank ist.
Wie viel Bestätigung brauche ich eigentlich noch, um mir und anderen zu glauben, dass meine Höhere Macht schon weiß, dass ich hier auf Erden richtig bin? Mit ihrer Hilfe darf ich vertrauen und das reale Leben genießen.
Renate, eine Angehörige

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