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Meine Gefühle spürte ich kaum noch

Foto ParkwegIch bin eine Al-Anon, mein Mann war Alkoholiker -!
Nachdem die Ärzte des Krankenhauses sich allein auf die rein medizinische Abklärung beschränkten, suchte ich verzweifelt Hilfe. Und ich fand sie durch den Hausarzt, der eine „Beratungsstelle“ empfahl.
Diese war ein A.A. Meeting, neben dem gleichzeitig auch ein Al-Anon Meeting abgehalten wurde. Nach dem Verlesen der Präambel erlebte ich mein erstes Meeting. „Ich bin nicht Schuld am Trinken meines Mannes“ – „Helfen durch Nicht-Helfen“ – „Dass eine veränderte Einstellung die Genesung fördern kann“ – dies und vieles mehr saugte ich auf wie ein Schwamm. Vor allem die liebevolle Aufnahme der Gruppe tat meiner gequälten Seele gut. Ich öffnete mein Herz und es linderten sich meine Schmerzen.Heute weiß ich, dass ich damals noch nicht empfinden konnte wie wütend, ärgerlich, traurig, verzweifelt, enttäuscht und verwirrt ich wirklich war. Meine Gefühle spürte ich noch kaum. Eines allerdings wusste ich: ich komme wieder.Hier bin ich nicht mehr allein in meinem Dilemma, und ich begann, über meine Empfindungen zum Verhalten meines Mannes zu reden. An diesen Tischen sitzen Menschen, die das verstehen und Erfahrung, Kraft und somit Hoffnung lebendig vermitteln, die mir Trost geben.Vom Kopf her konnte ich das Zwölf-Schritte- Programm schnell erfassen. Ins täglichen Leben umsetzen konnte ich es in nur kleinen Schritten – kleine Brötchen backen: Nein oder Ja zu sagen, wenn ich das meine und konsequent zu bleiben. Die Verantwortung für „Seines!“ ihm zu überlassen. Nach vier Jahren hörte ich in einem offenen A.A.-Meeting im Ersten Schritt: „…und mein Leben nicht mehr meistern konnte“ und erkannte erst da seine Bedeutung.
Noch immer dachte ich, wenn ICH nur lange das Al-Anon Programm richtig anwende, kann der Alkoholiker trocken werden. Das war ein Trugschluss. Nach zwei Al-Anon Jahren ging auch mein Mann zur A.A. – zwei Jahre lang, manchmal bis zu vier Mal in der Woche.Es freute mich. Ich konnte sein „nasses Denken“ nicht erkennen. Klar war für mich: wenn er wieder trinkt, dann trenne ich mich von ihm. Seinen Verfall zu sehen, halte ich nicht mehr aus. Noch einmal zwei Jahre hat es gedauert, bis ich erneut kapitulierte und die Trennung vollzog, die schon zehn Jahre in mir brütete. Die Liebe war längst gestorben. Was hielt mich weiter fest ? Die Ethik und Moral!!!
Er war 11 Jahre älter und er sagte: „Ich brauche dich, ich habe es mit dem Magen. Und der Arzt sagte, wenn ich nicht regelmäßig esse, sterbe ich in zwei Jahren.“ Ich fühlte mich gebraucht, bestätigt von einem erwachsenen Mann.35 Jahre Ehe, davon 34 Jahre Zusammenleben und Orientierung an einem suchtkranken Menschen, vernichteten mein Selbstempfinden und meine Fähigkeit, Selbstverantwortung wahrzunehmen. Loslassen konnte ich erst im zweiten Jahr der Trennung.Mein „neues“ Leben ist geboren ! Ich fühle wieder! Ich gehe nur meine Schritte, wie jeder nur für sich. Ich darf Fehler machen, ohne Angst um einen Anderen. Jetzt stelle ich mich dem Diabetes, den ich jahrelang nicht beachtete und versuche, durch gesunde Lebensweise zu genesen.

Liebe Höhere Macht, hilf mir bitte, mein Leben neu zu definieren. Im HEUTE und JETZT zu LEBEN. Zu erkennen und ändern, was ich vermag. Hinzunehmen, wenn ich es noch nicht vermag. Mich zu lieben so, wie ich bin.

Zwei-Stunden Al-Anon Meeting sind Balsam für mein Befinden, stärken und machen mich zuversichtlich ruhig.
Danke, dass es Al-Anon gibt.
Elfriede, ein Al-Anon Mitglied

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