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Mein Weg als Angehörige

Foto Abendhimmel mit WolkenImmer wieder kommen mir Erinnerungen hoch, wie es mir erging, als mein Mann noch trank. Ich grübelte und sann nach, was ich noch machen kann, dass mein Mann weniger Alkohol trinkt und verträglicher wird. Es war eine Endlosschleife, in die ich geraten war. Meine Gedanken kreisten in jeder freien Minute um ihn, seine Verstecke, sein Verhalten mir und den Kindern gegenüber.
Eines Nachts, im Morgengrauen eines Sommertages, wusste ich nicht, wie mir geschah. Ich rang nach Luft, war außer mir. Von dem Zeitpunkt an blieb mir oftmals die Luft weg. Ich war kräftemäßig und gesundheitlich am Ende. Nun überlegte ich, wie ich das alles mit den 4 Kindern und dem trinkenden Alkoholiker schaffen kann.
Meine Berufstätigkeit, die ich gern ausübte, fiel mir immer schwerer. Oft war ich krank und musste zur Kur. Nein, das war nicht zu schaffen. Also beschäftigte ich mich mit dem Gedanken der Trennung. Das hieße dann, dass ich mich von den 2 Kindern, die schon in meinem Herzen ihren Platz gefunden hatten, auch trennen müsste….. es war ein Prozess, der ein 3/4 Jahr dauerte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als diesen Schritt zu gehen.
Ohne Ankündigung und völlig allein beschloss ich, die Scheidung einzureichen.
Als mein Mann meinen Scheidungsantrag vom Gericht bekam und Stellung nehmen sollte, wurde er wach. Er fragte mich, ob ich mit ihm zur Eheberatung gehen würde. Davon hatte ich schon lange vorher gesprochen, doch bis dahin, wehrte er ständig lautstark ab. Aber nun wollte er. Wir gingen zur Eheberatung und ich zog den Scheidungsantrag zurück. Allerdings erwies es sich als sehr nachteilig, dass der Psychologe dort, wie ich später erfuhr, keine Ahnung von der Alkoholkrankheit hatte – ich auch nicht. Er fragte mich, ob ich damit einverstanden wäre, wenn mein Partner 1-2 Bier und nicht jeden Abend trinken würde. Ich stimmte dem zu, hatte aber im Hinterkopf, dass es doch so viele Verstecke gab und er bisher doch immer trank.
Wir hatten eine Gesprächstherapie, die uns in gewisser Weise etwas half. Das Alkoholproblem blieb in abgeschwächter Form, später dann quartalsmäßig, d.h. immer wenn ich dachte, wir könnten nun doch künftig ein gemeinsames Leben führen, dann lauerte schon der nächste Absturz.
Erst 12 Jahre später las ich in der Zeitung, dass es hier eine Al-Anon Gruppe gibt.

Da wollte ich mir Rat holen, ob ich mich nun trennen soll oder nicht. Ansonsten wollte ich keinesfalls jeden Samstagnachmittag für ein Meeting opfern. So – nun kam der wirkliche Wendepunkt. Ich sagte klipp und klar zu meinem Mann – ich gehe in diese Gruppe und was du machst, ob du da zu A.A. gehst oder nicht, ist mir total egal. Nachdem ich meine Schwellenangst überwunden hatte (1/4 Jahr), machte ich mich fertig, um in die Al-Anon Gruppe zu fahren. Erstaunlicherweise kam mein Mann mit und ging zu A.A.. Nicht ich hatte ihn gebeten, sondern er hatte sich dieses Mal selbst zu diesem Schritt entschieden. Bis heute sind wir in den Gruppen. Und – seit er in A.A. ist, konnte er trocken werden. Als Geschenk betrachte ich es, dass ich seit meinem ersten Meetingsbesuch nicht mehr kontrollieren oder anderes tun musste, was mit seinem Alkoholkonsum zu tun hatte. Ich konnte von mir und meinen Gefühlen sprechen.
Die herzliche Aufnahme bei den 4 Al-Anon Freundinnen gab mir von Anfang an ein Gefühl des Ankommens. Ich wusste bald, dass ich mit Al-Anon meine Probleme, egal welcher Art, lösen kann. Deshalb blieb ich. Für mich ist Al-Anon mein Lebensprogramm. Die Höhere Macht, die ich durch dieses spirituelle Programm kennenlernte, ist nun immer an meiner Seite. Mein Leben ist leichter geworden. Ich sorge jetzt gut für mich.
In meiner Ehe bin ich glücklich, d.h. nicht, dass es auch selten mal ein kurzes Gewitter gibt, das unsere Atmosphäre reinigt. Es geht mir so gut wie noch nie in meinem Leben, denn ich bin bei mir angekommen, konnte viele alte Verhaltensweisen durch neue ersetzen und habe ein mir wohlgesonnenes Umfeld. Sogar mein Gesundheitszustand konnte sich nach der letzten Diagnose (Niereninsuffizenz) und Behandlung insgesamt bessern.
Danke, dass Ihr da seid und ich durch den Rückblick auf meinen Weg so richtig zufrieden bin. Ich bin sehr dankbar, denn ich wagte nicht daran zu denken, dass ich mal ein so gut erfülltes Leben haben kann. Der Weg mit Al-Anon hat sich gelohnt, ist mir auch weiter wichtig.

Sabine P.

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