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Mein Umgang mit Rückfällen

FotoSeit unser Großer 18 Monate ist, hat mein Mann nicht mehr auf dem Badezimmerläufer vor der Toilette übernachtet. Ich erinnere mich an einen Abend mit den Saufkumpanen, von dem er sturzbesoffen heimkam. Er stand mit Blumenstrauß vor der Türe und lallte mich an: “Schatzi, ich habe dir was mitgebracht.” Ich haute ihm in meiner Wut die Blumen um die Ohren und veranstaltete ein riesen Drama. Hat es was bewirkt? – Natürlich nicht.

Genau so erfolglos wie seine Grenzübertritte mit Aggression zu quittieren blieben die Strategien Kofferpacken, mit dem Auto wild durch die Gegend fahren und ähnliche Dummheiten, die ich im Gefühlsrausch veranstaltete. Auch mehrere Umzüge waren nichts weiter als Fluchten vor der Realität. Unsere Probleme nahmen wir mit. Erst als ich anfing, ihn sachlich mit seinem Problem zu konfrontieren, kam Bewegung in die Sache.

Die Kiste Bier verschwand aus unserer Garage. Ich dachte juhu, das Thema ist durch. ICH habe das super hin bekommen.
Dann kam der erste Rückfall und ich fiel tief. Ich litt zuerst erbärmlich unter seinem Vertrauensbruch. Ich empfand es als Betrug, dass er nun heimlich trank. Ich musste mir nochmal bewusst machten, dass ich dem Alkohol gegenüber machtlos bin und, dass mein Mann nicht trinkt um mich zu ärgern oder weil er willensschwach ist, sondern weil er krank ist und es gerade nicht besser kann. Im Prinzip wurde ich nochmal auf den Ersten Schritt zurückgeworfen.

Beim letzten Rückfall hat es mich nicht mehr umgeworfen. Ich fragte nur noch: “Oh, ist es wieder so weit?” Alkohol ist die Krücke, die er benutzt, um seinen Stress zu regulieren. Er sagt, er kennt nichts, was ihm so gut hilft um runter zu kommen. Es ist eine selbstschädigende Art, um zu entspannen. Dagegen kann ich nichts tun. Es liegt nicht in meiner Macht das zu ändern. Ich lasse los…nicht in Liebe. Aber auch nicht mehr mit unkontrollierbarer Wut im Bauch.

Was aber in meiner Macht liegt ist, mich und meine Kinder zu schützen. Ich kann dafür sorgen, dass ich schnell wieder in meine innere Mitte zurückfinde, indem ich gut und ehrlich zu mir bin und ich kann mich darum bemühen, gut und ehrlich zu meinen Kindern zu sein. Wie es mir geht hängt bei mir zum allergrößten Teil damit zusammen, ob ich es schaffe, mich als selbstbestimmt und frei zu empfinden. Sobald ich wieder denken kann: “Ich habe die Wahl” wende ich meinen Blick dem zu, was mir Spaß macht, mir gut tut und das Leben lebenswert macht und lasse das, was nicht in meiner Macht steht los.

Der Lernerfolg aus dem letzten Rückfall ist es, das Ergebnis loszulassen. Entweder er wird trocken – oder nicht. Ich kann so oder so selbstbestimmt und frei sein. Ich brauche mich nicht davon abhängig zu machen wie es ihm geht. Ich bin nicht verpflichtet mit Rücksicht auf seine Befindlichkeit auf irgendetwas im Leben zu verzichten. Ich darf glücklich sein und es mir gut gehen lassen. Er muss die Folgen, die sein Handeln verursacht, selbst tragen. Ich muss sie nicht tragen und ich brauche sie schon gar nicht zu vertuschen oder zu verharmlosen.

Es ist wie es ist. Ich stelle mich der Realität und ich brauche auch ihn nicht davor zu beschützen – nicht mehr.

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