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Ich konnte mein Leben nicht mehr meistern?

Foto gelbe Blüte mit HummelIch erkannte lange Zeit nicht, dass ich mein Leben nicht mehr meistern konnte. Zum einen war ich so erzogen, dass ich immer zu funktionieren hatte und für andere da zu sein hatte. Was ich wollte oder brauchte, meine Bedürfnisse, Wünsche, all das war unwichtig und so kannte ich nicht, was mir fehlte usw.
Zudem war ich überzeugt, dass ich mein Leben perfekt meisterte, ich ging ja zur Arbeit, brachte das Geld heim und versorgte uns, zahlte Miete, Rechnungen und vieles mehr.
Dass ich oft Migräne hatte, erschöpft war, beleidigt war, wenn ich es mal wieder gut meinte und dies dann abgelehnt wurde und noch vieles mehr, das alles schob ich auf andere Dinge. Ich erkannte nicht die Ursachen.

Als ich dann ins Meeting kam, ärgerte ich mich oft über das, was ich las, denn ich wollte ja Tipps, wie ich den Alkoholiker in meinem Leben trocken legen konnte oder noch schlimmer, wie ich ihn bestrafen konnte. Er schädigte mich ja schließlich. All das bekam ich im Meeting aber nicht zu hören. Eines Tages lernte ich eine Al-Anon Freundin kennen. Sie erzählte mir, was sie alles für sich tat und was sie vor Al-Anon getan hatte.
Es dauerte aber immer noch lange bis ich erkannte, dass ich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und geistig krank war. Mir das einzugestehen war für mich sehr hart. Ich erkannte dann aber, dass ich einem anderen nicht helfen konnte, solange ich selbst so krank bin.

Es dauerte, bis ich den Sinn von Zitaten aus der Al-Anon Literatur verstand und bis ich die Literatur nicht nur überflog, sondern mir Gedanken machte, wie ich das Gelesene auf mein Leben anwenden kann.

Ich bin mitten in einem Prozess, ich mache nach wie vor Fehler, Rückschritte, aber ich habe auch meine festen Rituale, die mir helfen auf dem Weg zu bleiben, auf mich zu achten und bei mir anzufangen. Ich gehe regelmäßig in meinem Heimatort ins Meeting, meditiere jeden Morgen, lese täglich im ODAT (Nur einen Tag nach dem anderen in Al-Anon) Buch und versuche die Slogans anzuwenden.
Ich habe kaum mehr Migräne, die Erschöpfungszustände werden weniger und ich versuche nach dem Slogan “Leben und leben lassen” zu leben. Ich kann sagen, dass ich derzeit mit mir zufrieden bin, aber ich immer die Angehörigenkrankheit in mir tragen werde. Ich kann sie nur zum Stillstand bringen, aber nicht heilen. Al-Anon hilft mir dabei. Danke dafür!

Gute 24h

Sylvia

Ein Kommentar

  1. Heike schrieb:

    Danke für diese Geschichte! Ja, so ähnlich war es auch bei mir und ich spüre ebenso diese tiefe Dankbarkeit, endlich mit der Hilfe von Al-Anon auf dem Weg zu MEiNEM Leben zu sein…und immer seltener zu “meinen”, ich wüßte, wie alle anderen ihren Weg zu gehen hätten…;)))

    Mittwoch, 26. Februar 2020 um 11 | Permalink
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