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Hoffnung wider alle Hoffnungslosigkeit

Foto von einer WindmühleDurch Zufall hörte ich von einer lieben Person, dass es nicht nur für Alkoholiker, sondern auch für Angehörige eine Gruppe gibt, die sich Al-Anon nennt. Irgendwas trieb mich tatsächlich dorthin. Heute würde ich sagen, meine Höhere Macht hatte „die Hand im Spiel“. So viele andere Versuche sind gescheitert, meinem alkoholkranken Sohn zu helfen. „Denn Suchtopfer sind nicht nur die Süchtigen“, auch deren Angehörige brauchen Hilfe.
Als ich dann vor mehreren 24 Stunden voller Verzweiflung, Angst, Hoffnungslosigkeit und Verwirrung zu Al-Anon kam und ich dort zum erstenmal den Ersten Schritt hörte, verstand ich fast gar nichts. Aber irgendwie ging ich anders nach Hause, als ich gekommen war. Ich nahm den für mich wichtigen Satz mit, dass ich nicht Schuld am Trinken meines Sohnes bin. Das war für mich schon mal ein ganz wichtiger „Aufhänger“. Ich musste begreifen, dass ich nicht gegen Windmühlen kämpfen kann, da ich den Kampf nie gewinnen werde. Es ist niemals leicht, sich geschlagen zu geben, zu sehen, dass ich wirklich kapitulieren kann, wenn ich so viele Jahre versucht habe, das Problem Alkoholismus auf meine Art und Weise zu lösen.
Es war trotzdem ein langer Weg für mich, denn so, wie ich das Programm vom Kopf her begriffen hatte, war es immer noch schwierig, es im Umgang mit dem Alkoholiker anzuwenden. Ich bin auch immer wieder – auch heute noch – vom Wohlbefinden und den Launen des Alkoholikers abhängig, statt in Liebe loszulassen.
Eines wusste ich sehr bald genau: Die Al-Anon Meetings sind genau das Richtige für mich, sie sind das, wonach ich schon lange gesucht habe. Hier fand und finde ich Menschen mit ähnlichen Sorgen und Problemen, aber auch viel Liebe und Verständnis. Auch, dass ich in den Meetings endlich

über die Krankheit Alkoholismus und ihre Auswirkungen sprechen konnte, ohne schief angesehen zu werden, weil jeder das Thema kennt, und dass ich mich hier nicht verstecken und verstellen muss. Ich bin bei Al-Anon geblieben, weil ich fühlte, dass alle, die mit dem Trinken eines Angehörigen Probleme haben, in ihrem Leben, Denken und Handeln negativ beeinflusst werden. Ich spürte für mich selbst, dass ich auch mein Leben in vielen Dingen nicht mehr meistern konnte und immer noch nicht zurechtkam. Auch ich bin erkrankt: seelisch, geistig und gefühlsmäßig, auch in meinem Verhalten hatte ich die Kontrolle verloren.

Mein Sohn trinkt immer noch, aber ich habe Hoffnung wider alle Hoffnungslosigkeit.
Wilma, eine Al-Anon

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