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Gut für mich sorgen

Foto von einem gedeckten TischEndlich hatte ich das Seminar entdeckt, nach dem ich schon lange auf der Suche war und meldete mich telefonisch an. Die nette Sekretärin konnte mir zwar leider nur noch ein Einzelzimmer ohne Dusche/WC anbieten, doch ich reservierte. In solchen, für mich früher schwierigen Situationen und für andere sicher unproblematischen Entscheidungen, hilft mir heute unser Programm.

Ich denke daran, dass ich in der früheren Zeit mit einem trinkenden Partner überhaupt nicht auf die Idee gekommen wäre, vielleicht etwas für mich zu tun oder gar ein Wochenende zu einem Seminar zu fahren…ich konnte ja nicht wegfahren, dann würde er sicher noch mehr trinken, die Kinder und Haustiere nicht versorgen, das Haus würde im Chaos versinken usw. Kurz: ohne mich lief gar nichts.

Davon war ich damals überzeugt. Natürlich änderte sich an der schwierigen Situation dadurch nichts, er trank weiter, ich meckerte, kontrollierte, kümmerte mich ungefragt um alle und alles und wusste „alles besser“. Al-Anon fand ich erst einige Zeit nach unserer Trennung und kann jetzt die damaligen Ereignisse besser verstehen. Dank meiner Arbeit im Programm

und dem regelmäßigen Besuch von Meetings bin ich heute viel besser in der Lage, erst mal den Blick auf mein eigenes Verhalten zu richten und mich um meine eigenen Angelegenheiten zu kümmern, bevor ich meine zu wissen, was für andere gut ist.

Den Gelassenheitsspruch oder einen Slogan habe ich sozusagen immer im Gepäck und ich übe mich darin, sie anzuwenden. Heute sorge ich besser für mich, entdecke neue Talente und erlaube mir, ein Seminar zu besuchen. Meinen Wunsch, nach einem Zimmer mit Dusche und WC, hatte ich losgelassen und in meine Gottbox gelegt. Heute kam die Nachricht, dass doch noch ein Zimmer mit dieser Ausstattung freigeworden sei…
Ein dankbares Al-Anon Mitglied

 

 

 

2 Kommentare

  1. Silke schrieb:

    Wenn ich diese Beiträge lese, erstaunt es mich immer wieder neu, wer mein Leben gelebt hat. Die Allmacht über das Wohlergehen der Anderen war auch ein Teil meines Lebens. Nach meinem ersten Al-Anon Meeting getraute ich mich nicht die Einladung zu einem Treffen nach dem Meeting anzunehmen. Die neuen Freunde überzeugten mich dann doch und es war ein wunderbares Erlebnis. Daheim war natürlich nichts geschehen. Noch ein Wunder. Und genießen ohne einen Gedanken an irgendwelche Sorgen auf Vorrat ist heute ein Stück meiner Lebensqualität. Schön, dass es uns gibt, Silke

    Freitag, 10. Mai 2019 um 09 | Permalink
  2. Anke M. schrieb:

    Ich lebe in Alabama, vor zwei Jahren war ich mal wieder soweit meine dritte langjährige Verbindung zu verlassen. Aber ich liebe meinen Partner.
    Warum komme ich immer wieder mit Alkoholikern zusammen? Die Frage habe ich mir oft gestellt. Mir wurde vorgeschlagen zu einem Al-Anon Treffen zu gehen. Schon beim ersten Treffen habe ich gemerkt wie wohl ich mich in der Gruppe fühlte, obwohl ich zu schüchtern war viel zu sprechen, konnte ich die Verbindung fühlen. Mit jeder Geschichte konnte ich eine Verbindung zu meinem Verhalten sehen.
    Erst bin ich zu Al-Anon gegangen, um den Alkoholiker in meinem Leben zu heilen. Jetzt verstehe ich, dass ich diejenige bin die Hilfe braucht um mich zu heilen. Meine Heilung wird den Rest meines Lebens dauern, wie schön, jeden Tag lerne ich etwas dazu, jeden Tag kann ich jetzt genießen ohne das meine Gedanken voll von nutzlosen Sorgen sind. In meiner Ehe war ich immer allein, jetzt bin ich allein mit meinem Gott und Al-Anon Freunden und fühle mich nie allein. Ich liebe Al-Anon und mein Leben. Danke dafür.

    Samstag, 11. Mai 2019 um 14 | Permalink

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