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Feste feiern, wie sie fallen

Gespräche in der Familie oder mit Freunden lassen mich heute oft über die traditionellen Gewohnheiten und meinen Umgang damit nachdenken. Ist das von früher noch passend? Habe ich heute einen besseren Umgang mit diesem „das macht man halt so“? Zum Beispiel Weihnachten: Als Kind war es immer ein Fest für Gemeinsamkeiten, für Besuche von der Familie, für Besinnung und Freude. Schön, wenn es das ganze Jahr so gewesen wäre, aber es war halt nur zur Weihnacht.
Weihnachten in der alkoholkranken Partnerschaft war anfangs noch recht gesellig. Mit Freunden, die auch fern von der Familie den Sinn der Weihnacht neu erfinden wollten. Gemeinsamkeiten beim Essen und viel Trinken und feiern bis zum teilweise chaotischen Ende.
Das Fest der Liebe als junge Familie sollte dann endlich wieder so sein, wie ich es aus meiner Kindheit in Erinnerung hatte. Die Fotos zeigen mir heute, das es nicht so war. Trauer in den Augen der gesamten Familie, lachender Mund für die Fassade. Immer wieder die Hoffnung auf ein besseres nächstes Jahr.
Der Versuch, auszubrechen und endlich dem Ganzen ein Ende zu machen, war ein Weihnachtsfest mit meiner Schwester und unseren Kindern. Wir vier allein in ihrem Ferienhaus weg von der Familie, weg von den Partnern, weg von den Problemen. Wir hatten eine gesegnete Weihnacht. Ich ging wieder zurück und wartete weiter auf das Weihnachtswunder. Meine Höhere Macht fand für mich die Lösung, nachdem ich nicht mehr konnte. Ich fand zu Al-Anon.

Das erste Weihnachten ohne Ehemann und Vater sollte ich natürlich bei meinen Eltern verbringen. Ich lehnte, damals noch mit einer vagen Ausrede, ab. Einfach mal so feiern, wie ich es mir erträumt hatte. An dieses Fest erinnere ich mich mit schmunzeln, denn es war der Beginn einer neuen Ära.

Heute habe ich eine andere Sichtweise auf den Umgang mit Zwängen und moralischen Vorschriften. Meine Einstellung hatte sich gewandelt. Keine Geschenke mehr, weil man doch was schenkt zum Fest. Dafür Spenden an die, die nicht auf irgendeine Zuwendung warten. Kein Zwang in der Familie ein gemeinsames Fest zu feiern. Ich nehme mir die Freiheit und besuche schon seit vielen Jahren Meetings am Heiligen Abend in unserer Region und fahre dafür auch mal ein paar Kilometer weit. Keine Hektik für irgendein „das macht man doch aber an Weihnachten“.
Wenn uns danach ist, treffen wir uns an einem der Feiertage mit Freunden, die wir uns selber aussuchen können und richten ein Weihnachtsessen aus. Mal mit netten Nachbarn oder Freunden, mal nur mit Freunden, die wir im Laufe der Jahre in der Gemeinschaft kennen gelernt haben. Feste mit Nachbarn und Freunden aus der Gemeinschaft waren bisher immer etwas Besonderes. Wenn ich mir die Bilder von diesen Feiern anschaue, bestätigt sich das. Da sind keine lustigen oder freundlichen Masken zu sehen. Alle strahlen aus, dass sie sich offensichtlich wohl fühlen. Das sind Festtage auf der Basis von Liebe und Spiritualität, mit Gesprächen auf Augenhöhe und mit Akzeptanz. Vor allen Dingen ein Zusammensein, an dem jeder so sein darf, wie er eben ist.
So durfte ich es auch in diesem Jahr wieder erleben und bin unendlich dankbar für dieses riesige (Weihnachts-) Geschenk.
Eine Al-Anon, die sich heute schon auf das nächste Weihnachten freut

 

 

Ein Kommentar

  1. Peter schrieb:

    Ich denke Freunde sind das wichtigste.

    Freitag, 16. Februar 2018 um 17 | Permalink

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