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Es ist wunderbar, ausreden zu dürfen

Foto von einer ParkanlageIch möchte sehr gerne erzählen, warum ich in diese faszinierende Einrichtung Al-Anon immer wieder komme.

Zunächst: Ich wusste gar nicht, dass es eine solche Gruppe für Angehörige von Alkoholikern gab. Dies erfuhr ich zufällig. Ich hätte früher auch Angst gehabt, überhaupt in eine solche Gruppe zu gehen. Es hätte doch sein können, dass mich dort jemand kennt oder dass mein Mann auf mich sauer wäre. Und noch mehr: viele Jahre wollte ich unser Familienproblem Alkoholismus überhaupt nicht sehen und habe es „ganz einfach“ verleugnet!

Nach außen hin waren wir eine tolle Familie. Aber dann war eines Tages meine innere Not, Verzweiflung und Unzufriedenheit größer als alles andere. Ich spürte, dass ich wie bisher nicht mehr weitermachen konnte. Ich spürte nur soviel, dass ich mir von außen irgendeine neutrale Hilfe suchen musste, – sonst würde ich untergehen in meiner eigenen Verwirrung. Es war schlimm. So kam ich Gott sei Dank zu meinem ersten Al-Anon Meeting. Als ich damals, vor zweieinhalb Jahren, den Meetingraum betrat, wurde ich derart warmherzig und liebevoll aufgenommen, dass ich mir dachte, diese Menschen können doch gar nicht mich meinen mit ihrer Zuneigung! Doch, sie meinten aber mich. Ich wurde dort vom ersten Augenblick so angenommen wie ich war – in meinem Tiefpunkt. Ich spürte, dass im Kreis dieser Menschen und an diesem Ort keine Verstellung notwendig war. Jeder durfte sein und zeigen, wie er sich fühlte! Auch ich! Wie beeindruckend.

Als ich kam, wusste ich ja gar nicht, ob ich in dieser Runde mit meinem Problem überhaupt richtig war: mein Mann trank halt einfach oft zuviel. Als ich dann aber die anderen reden hörte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: dasselbe Problem hatte ich auch. Da war soviel Ähnlichkeit zwischen uns wildfremden Menschen und Situationen, und ich bewunderte, wie offen die anderen bereits über sich sprechen konnten.

Zutiefst berührt und beeindruckt hat mich auch diese Art und Weise, wie die Menschen dort miteinander redeten und aufeinander eingingen! Ich erlebte zum ersten Mal, wie wunderbar es ist, ausreden zu dürfen, ohne unterbrochen, kritisiert oder niedergemacht zu werden! Die anderen hörten einfach aufmerksam zu. Ich erlebte, wie wunderbar es ist, anderen geduldig zuzuhören, bis sie mit ihrem Reden fertig waren, und mich selbst dabei ebenso aufmerksam zu verhalten. Dieses Zuhörenlernen war einfach wunderbar und ist bis heute eine mir guttuende Erfahrung.

Seitdem durfte ich viel dazulernen: meine Probleme zu sehen und zwar als das, was sie sind. Es sind Lernaufgaben, die ich einfach mitbekommen habe, weil ich sie für mich lösen soll. Ich bin heute für diese Lernaufgabe sehr dankbar! Sie hat mir ermöglicht, nicht immer nur auf „sein Alkoholproblem“ zu starren, und hat mir neuen Lebensmut geschenkt, mich auf mein Wohlbefinden zu konzentrieren. Ich lerne heute wieder, dass in jedem Falle auch ich wichtig bin, meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse wichtig zu nehmen, mir selbst auch etwas Gutes zu tun und zu mir selbst liebevoller zu sein, denn das vergaß ich viele Jahre. All das tut mir gut.

In ein Meeting gehe ich regelmäßig und so oft ich kann. Ich liebe die Atmosphäre der gegenseitigen Toleranz dort sehr und habe ein paar ganz liebe Freundinnen gefunden. Dieses Verständnis und diese Toleranz vermisse ich in der Welt „draußen“ oder in meinem Alltag, sehr. Auch wenn ich als Angehörige mal wieder eine schlechte Phase habe, weiß ich dank Al-Anon heute, dass ich wesentlich besser und leichter damit umgehen kann. Ich muss nicht mehr so rotieren wie früher. Ich weiß., dass das mit zu meinem Krankheitsbild gehört und ich habe Geduld und Warten gelernt, und weiß, dass jeder Zustand vorübergeht. Ich habe in mir die Gewissheit, dass bald auch wieder gute Tage auf mich zukommen. Faszinierend an Al-Anon und an A.A. finde ich, dass es diese Einrichtung seit so vielen Jahren weltweit gibt. Alles liebe Menschen mit den gleichen Problemen, die aufgeschlossen sind, für sich etwas dazuzulernen. Es ist heute meine wunderbare Familie. Und dafür danke ich Al-Anon, unserem Tisch und meiner Gruppe sehr!

Barbara, eine Al-Anon

 

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