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Die Maske ablegen

KunstfigurenBeim Durchsehen meiner Fotos aus früheren Zeiten fiel mir auf, wie sehr sich mein damaliger Aufbruch in ein neues Leben auf mich ausgewirkt hat.

Viel zu jung hatte ich geheiratet, einen Mann, der damals schon mehr trank als die Männer aus meinem Umfeld. Die Bilder der Vergangenheit zeigen einen Verfall an unserer beider Körper und sogar die seelischen Qualen sind deutlich sichtbar. Eine eigentlich so gut situierte junge Familie zeigt zunehmend den Abstieg in die Hölle. Mein Ehemann starb letztendlich an den Auswirkungen des Alkoholismus.
Als junge Mutter mit Kleinkind war mir nicht bewusst, dass auch wir großen Schaden genommen hatten. So stark wie ich mich gegeben hatte und anhand der Aussagen der Familie und Freunde, kam mir nie die Idee, dass diese Krankheit auch große Auswirkungen auf die Angehörigen hat.

Ehrliche Rückmeldungen über meinen Umgang mit mir selbst, meinem Kind und mit anderen Menschen kamen von einem Freund, einem trockenen Alkoholiker. Er empfahl mir Al-Anon.

Voller Scham ging ich damals zu diesem ersten Meeting im festen Glauben, dass ich die einzige Frau sei, die ihren Mann durch den Alkohol verloren hatte. Sehr schnell wurde mir klar, dass dem nicht so war. Viele der Anwesenden erzählten Teile meine Geschichte, obwohl sie mich gar nicht kannten. Langsam wurden Scham und Schuld kleiner. Ich konnte mich um mich selbst kümmern, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Die Freude kam wieder. Ich konnte Menschen ohne Unbehagen einladen und musste keinen Gedanken daran verschwenden, was daheim vielleicht ablaufen würde. Der Gang durchs Treppenhaus war nicht mehr unangenehm, denn es gab keinen lauten Streit oder Türen knallen in meiner Wohnung.
Die Bilder aus dieser Zeit zeigen eine junge Frau, die sich langsam verändert. Lachfalten statt Sorgenfurchen; Feiern ohne Flaschenbatterien auf den Tischen; Familienbesuche, bei denen die Gesichter nicht wie Masken wirken; ein unbeschwertes Kind, das mit Freunden daheim seine Geburtstage feiert…
Bei diesem visuellen Rückblick kamen viele düstere Stunden ins Gedächtnis. Einsamkeit, Schuld, Traurigkeit, Verzweiflung, Wut.

Heute bin ich froh, dass ich einen Neuanfang gefunden habe. Vieles gab oder gibt es zu verändern an mir, an meinem Verhalten. Durch die Hilfe der Menschen, in den Gruppen war der Weg aus der Isolation bereitet.
Meine Bilder belegen es. Ich trage keine Maske mehr, wenn ich lache, lacht das ganze Gesicht und das inzwischen fast jeden Tag.

Eine lächelnde Angehörige

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