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Das Programm in Zeiten wie diesen

Foto eines BaumesGerade habe ich mit meinem Sohn telefoniert. Er wusste es noch nicht, aber ab morgen dürfen wir uns für zwei Wochen nun definitiv nicht mehr treffen. Er lebt allein in seinem eigenen Haushalt einige Kilometer entfernt von uns. Aus Vorsicht hatten wir schon seit zwei Wochen keinen persönlichen Kontakt mehr, wir gehören zur Risikogruppe. Nun ist es trotzdem nochmal etwas anderes. Isolation, Einsamkeit, Abgeschiedenheit, Angst.

Die Gefühle sind nach vielen Jahren sofort wieder präsent. Die Träume sind ähnlich. Das Bauchgrimmen ist immer noch bekannt. Die Versprechungen mit Vorsicht zu genießen. Doch heute kann ich damit anders umgehen.
Ich habe für mich die Hilfen des Programms stark verinnerlicht.

Erster Schritt: ich bin machtlos, aber nicht hilflos.
Zweiter Schritt: ich vertraue darauf, dass meine Verbindung zu meiner Höheren Macht so stark ist, dass mein inzwischen gesunder Menschenverstand mich vor ungesunden Aktionen zurückhält.
Dritter Schritt: Mit meinem Willen komme ich im Moment nicht weit und ich habe begriffen, dass mein Leben in den Händen meines Gottes am Besten aufgehoben ist.

In den letzten Tagen hatten wir viele Anrufe oder elektronische Kontakte von Freunden oder der Familie, die durch die aktuelle Situation verwirrt und irgendwie entwurzelt sind. Ich gebe meine Gedanken zu den ersten drei Schritten weiter, egal ob die Menschen zu Al-Anon gehören, im Programm arbeiten, in alkoholkranker Umgebung aufgewachsen sind oder auch nicht. Die Hoffnung, die ich in schweren Zeiten nach der Ehe mit dem Alkoholiker bei Al-Anon durch das Arbeiten in den Schritten und den Austausch mit anderen Betroffenen bekommen habe, gebe ich gerne auch jetzt weiter.

Das Programm funktioniert. Und wenn auch bei mir mal die Angst an die Tür klopft, weiß ich, dass meine Höhere Macht ein großes Ohr für mich hat. Ich darf mit ihr sprechen, als Gebet. Ich darf ihr schreiben in meinem Tagebuch. Und ich darf sie auch bitten, für alle meine Lieben die Decke der Liebe auszubreiten, damit ich nicht wieder (ver)kümmere.

Schön, dass es uns gibt und bleibt in Kontakt, auch wenn es im Moment mit den persönlichen Kontakten nicht so einfach ist.

Silke

3 Kommentare

  1. Heike schrieb:

    Ein sehr schöner Artikel, danke! Oh ja, in Kontakt bleiben ist gerade in Krisenzeiten so wichtig! Ich bin so dankbar, dass ich heute Teil unserer Al-Anon Gemeinschaft bin und hier u.a. gelernt habe, im Gespräch zu bleiben, mich nicht zu isolieren und im (Selbstmit-)Leid zu versinken…stattdessen z.B. den Hörer in die Hand zu nehmen – auf unserer Homepage zu lesen…

    Mittwoch, 22. April 2020 um 10 | Permalink
  2. Elly schrieb:

    Liebe Al-Anon Freundin Silke, als genesende Alkoholikerin und auch Angehörige danke ich Dir sehr für diesen Bericht. Er erreichte mich “in diesen Zeiten” genau da, wo der “alte Affe Angst” wieder auftauchte. Wie dankbar bin ich für unser spiritulles Programm.
    Jahrelanges Üben und Anwenden der Schritte hilft mir im “Hier und Jetzt” zum “trocken bleiben – nüchtern leben” in herzlicher Verbundenheit Gute 24 Stunden, please hold the line 😉 Elly

    Freitag, 24. April 2020 um 16 | Permalink
  3. Ingrid schrieb:

    Hallo liebe Freundinnen und liebe Freunde. Ich freue mich über diesen Blog und sende erst einmal liebe Grüße und bis bald gute 24 Stunden

    Samstag, 25. April 2020 um 09 | Permalink
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