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10 Jahre Al-Anon – wir veränderten uns


Teil 2
Bei passenden Gelegenheiten fragte ich hier und da andere Frauen in unserem Bekanntenkreis, deren Männer auch sichtbar viel tranken, wie sie denn mit der Situation umgehen würden. Ich erhielt keine befriedigenden Antworten und es ergab sich auch kein Gespräch, denn bei denen war alles in Ordnung. Dort gab es keine Probleme.
Wir veränderten uns Stück für Stück. Wir schimpften uns an, schoben uns gegenseitig Schuld zu und beleidigten uns. Jeder wusste genau, wie er den anderen kriegen kann. Ich fühlte mich durch sein komisches Verhalten bedroht und hatte Angst davor, dass er aggressiv werden würde, wie ich es aus der Kindheit von meinem Stiefvater kannte. Ich lernte Selbstverteidigung in einem Verein.
Schließlich zog ich aus dem gemeinsamen Schlafzimmer aus und richtete mir eine kleine Ecke in dem allerweitesten entfernten Zimmer ein. Selbst dorthin kam er mir hinterher, baute sich vor mir auf und fragte, was das jetzt soll.
Ich hatte meinen Mann verloren, meine Liebe verloren, meinen Sexualpartner verloren. Es ging einfach alles nicht mehr mit dem Alkohol als ständigen Begleiter. Inzwischen wohnte sein Sohn wegen Schwierigkeiten in seiner bisherigen Familie bei uns. Ich bemühte mich, diesem zu bestätigten, dass das Verhalten seines Papas nicht normal ist und dies durch den Alkohol kommt. Ich wollte ihn wenigstens in seiner Wahrnehmung nicht allein lassen, konnte aber das Verhalten seines Papas nicht ändern. Wenn ich als abendlicher Gesprächspartner nicht zur Verfügung stehen wollte, nahm er sich seinen Sohn.

Ich wandte mich an den Suchtbeauftragten unserer Behörde. Dieser schaffte es, ein Gespräch mit ihm bei uns zu Hause zu verabreden. Wir hatten danach sogar einen Besichtigungstermin in einer Klinik, doch dabei blieb es. Es war noch nicht so weit.
Bei meiner ganztägigen Arbeit als Beamtin funktionierte ich nur noch. Meine Augen waren ständig mit Tränen gefüllt und drohten bei dem kleinsten Anlass überzulaufen. Als erste Person vertraute ich mich meiner direkten Kollegin an, die das Alkoholproblem ebenfalls bei ihrem Sohn kannte, und offen darüber sprach. Auch meine beste Freundin wusste früh über meine Sorgen Bescheid.
Mein Mann ging weiterhin arbeiten und hatte es sogar geschafft, die Stelle zu wechseln. Ich hatte wieder etwas Hoffnung, obwohl er immer noch bestritt, ein Alkoholproblem zu haben. Doch jetzt musste er zur Arbeit fahren und ich hatte Angst, dass er morgens von der Polizei kontrolliert wird oder irgendein Unglück mit dem Auto passiert und ich es nicht verhindert habe.
Zu Hause konnte ich es kaum noch aushalten, mein Mann veränderte sich auch körperlich. Das Gesicht wurde irgendwie anders, die Beine und der Bauch veränderten sich und sein Schlafzimmer mied ich permanent.
Anne, eine Al-Anon

… Teil 3 folgt

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