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10 Jahre Al-Anon – wie es begann…

Hallo, ich bin Anne und gehöre zu Al-Anon. Das ist die Selbsthilfegemeinschaft für Angehörige und Freunde von Alkoholikern.
Ich bin mit einer alleinerziehenden Mutter und 4 jüngeren Geschwistern aufgewachsen und habe meinen Vater sehr vermisst, denn ich hatte ihn ja nur 4 Jahre lang erlebt, dann war er weg und hatte eine neue Familie.
Ich habe gelernt, dass Männer ihre Frauen verlassen und diese dann zusehen müssen, wie sie mit ihren Kindern klarkommen. Auch die Schuldzuweisungen an der schlecht funktionierenden Familienstruktur durch den eigentlich ursächlichen Alkoholiker, der über einige Jahre unser Leben durcheinander brachte, haben offenbar tiefe Spuren hinterlassen und mein Verhalten geprägt.
So bin ich mit diesen Startbedingungen in mein weiteres Leben gezogen, die so einige meiner Lebensentscheidungen beeinflusst haben. Ich bin jetzt 64 Jahre alt. Vor 26 Jahren lernte ich meinen Mann kennen. Zu diesem Zeitpunkt war ich seit knapp 4 Jahren allein.
Mein erster Mann hatte sich von mir wegen einer anderen Frau getrennt und ich war schwer verletzt. Das Schicksal schickte mich zu einer schönen Wohnung aufs Dorf. Ich hatte mich in meine neue Situation eingelebt, machte diverse interessante VHS-Kurse mit und hatte neue Freunde gewonnen. Auch spirituell fand ich eine Orientierung, der ich in einer Beziehung nie nachgegangen wäre.
Ein Dorffest brachte die Wende. Da stand er, frisch geschieden, ein Bier in der Hand, ein guter Tänzer, 8 Jahre jünger als ich. Ich verliebte mich Hals über Kopf, obwohl ich das eigentlich nie wieder wollte und schon gar nicht ein jüngerer Mann und Bauer für ein Mädchen aus der Stadt, wie ich es war.

Zu unserem ersten Treffen kam er angetrunken. Er hatte die Nacht mit Freunden durchgemacht, obwohl er wusste, dass er am nächsten Tag ein Date mit mir hat. Ich fand das nicht gut, lernte aber schnell, dass es auf dem Dorf mit Schützenverein und Feuerwehr wohl normal ist.
Er hielt sich häufig bei mir auf. Ich suchte bei ihm nach Liebe und wohl auch nach meinem Vater. Nach etwa einem halben Jahr wurde er zu Hause „rausgeschmissen und mit seinen Sachen bei mir einquartiert “, denn seine bewohnten Räume wurden für Nachwuchs innerhalb seiner Familie benötigt.
Obwohl ich merkte, dass ich das eigentlich nicht so will und dieser Mann eigentlich erstmal allein leben und zu sich kommen müsste, ließ ich alles mit mir geschehen und sagte nicht „nein“.
Ich liebte ihn, wollte ihm helfen und diesmal alles besser machen. Ich dachte, wenn ich ihn will, dann muss ich das Dorfleben so auch akzeptieren. Zwei Jahre später heirateten wir. Wir wohnten auf dem Hof, auf dem er arbeitete. Unsere Rollen miteinander spielten sich ein. Feuerwehr und Schützenverein spielten eine große Rolle in seinem Leben. Oft holte ich ihn ab, damit er nicht fahren musste. Die eine oder andere Wochenend-Sauftour war auch ok. Er war ja so viel jünger, das musste ich wohl akzeptieren.
Am Wochenende waren häufig seine beiden Kinder bei uns, ich war ja da und ermöglichte unbewußt, dass er weiterhin seinem „Hobby“ nach gehen konnte.
Schwierigkeiten und Veränderungen bei seiner Arbeitstelle führten zu Veränderungen im Trinkverhalten. Ich kann mich erinnern, dass ich schon bei regelmäßigen 3 Bieren am Abend nach Informationen suchte, was „normal“ ist. Über die Jahre änderte sich die „normale“ Menge. Ich zählte regelmäßig mit, kippte weg, machte Vorwürfe. Ich versuchte ständig, mein Umfeld von diesen Flaschen zu befreien, die ich nicht mehr sehen mochte. Jedes „Plopp“ der Kronenkorken machte mich verrückt. Ich trank jetzt selbst regelmäßig Wein, um diesen Zustand abends zu ertragen und schneller einschlafen zu können.

… Teil 2 und 3 folgen

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