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Wir bitten um Gelassenheit, Mut und Weisheit

Erst langsam beginne ich zu begreifen, um welche großen Geschenke ich die Höhere Macht bitte, wenn ich mit meinen Al-Anon Freunden/innen den Gelassenheitsspruch spreche:

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Es kommt mir heute so vor, als stehen diese Bitten wie eine Kernaussage, wie ein Extrakt dafür, was ich bei Al-Anon erfahren darf.
Gelassenheit, Mut und Weisheit sind nach meiner Einschätzung sehr hohe ideelle Ziele, nach denen zu streben eine großartige Lebensaufgabe sein kann.

Al-Anon, als ein Lebensprogramm, kann mir die Wege zeigen, diese Ziele anzustreben.


Gelassenheit, das empfinde ich als eine Haltung der Souveränität und der Reife.
Doch wie deutlich spüre ich manchmal im täglichen Umgang mit mir selbst und meinem nächsten Mitmenschen, wie wenig gelassen ich bleibe.

Insbesondere dann, wenn jemand zum Beispiel mit mir unfair umgeht, um mich absichtlich zu verletzen.
Wenn ich dann aus meinem inneren Gleichgewicht gerate, spüre ich deutlich, wie weit ich noch von dem Ziel entfernt bin, schwierige Situationen unabhängig von meinen Emotionen zu meistern.

Im Leben mit einer Alkoholikerin bedeutet das zum Beispiel für mich, dass ich erst dann auf dem richtigen Wege bin, wenn ich ihr ebenso ruhig wie bestimmt die Grenzen aufzeige, die sie in ihrer krankhaften Haltung mir gegenüber leicht überschreitet.

Gelassenheit ist somit eine aktive Haltung und muss täglich neu eingeübt werden. Mit passiver Duldung hat sie nichts zu tun.
Es geht also bei der Gelassenheit durchaus auch um Dinge, die ich ändern kann und hier wird nach meinem Empfinden deutlich, wie fließend die Grenze zum Mut, der anderen aktiven Haltung, ist.

Mut ist das Gegenteil von Verzagtheit, von Ängstlichkeit und von Verzweiflung. Ein reifer Mensch ist aber nicht mutig, wenn er tollkühn ist.
Wirklicher Mut beginnt mit ganz kleinen und alltäglichen Dingen. Ich muss kein Held sein, um meine täglichen, manchmal schwierigen Aufgaben gewissenhaft zu erledigen, doch ich muss den Mut haben, damit anzufangen.
Was bereits etwas mehr Mut voraussetzt, ist Ehrlichkeit.

Als Angehöriger einer Alkoholikerin, weiß ich wovon ich rede.
Lange genug habe ich gelogen, vertuscht und getäuscht und mich dabei immer weiter ins Abseits begeben. Vieles habe ich dabei aufgegeben und verloren, insbesondere aber meine Selbstachtung.
Mit dem Geschenk des Mutes zur Ehrlichkeit kann ich sie wieder erlangen.
Mut kann ungeheure Kräfte freisetzen. Nicht umsonst spricht man von mutigen Menschen, die über sich hinauswachsen und hierbei Zivilcourage zeigen.
Doch zum Mut gehört eben auch Demut. Es ist die Weisheit, dass ich nicht alles mit Mut erreichen kann.

Die Höhere Macht um Weisheit zu bitten setzt voraus, dass ich dieses große Geschenk auch annehmen möchte.
Mit Weisheit ist, bei so viel Dummheit in der Welt, nämlich nicht so einfach umzugehen.
Sie hat eine Menge Feinde. Ich denke, es ist gar nicht so erstrebenswert, die Weisheit „mit Löffeln fressen zu wollen“, sondern einfach ganz bescheiden darum zu bitten, täglich neu und von Situation zu Situation die rechten Entscheidungen treffen zu dürfen.
Es ist das, was ich unter göttlicher Führung verstehe. Und um rechte Führung zu bitten, dazu gehört auch eine ganze Menge Weisheit.

Vieles, was ich bei Al-Anon erfahren habe, ist von Menschen, die von einer Höheren Macht geführt worden sind, zusammengetragen worden.
Mir erscheint es weise, mich an diesen Erkenntnissen auszurichten.

Viele liebe Grüße und gute 24 Stunden
Hubert

2 Kommentare

  1. monika schrieb:

    Danke

    Donnerstag, 8. November 2012 um 16 | Permalink
  2. Maria E. schrieb:

    Lieben Dank für deinen Artikel, Hubert. Er ist heute genau richtig für mich. Und ich danke meiner Höheren Macht, dass sie mich gerade heute und endlich mal wieder zum Al-Anon Blog geführt hat.

    Freitag, 18. Januar 2013 um 21 | Permalink