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Was ich über mich lernte…

Buchfoto - Bestellnr. 112Seit mehr als zehn Jahren gehe ich zu Al-Anon. Durch die intensive Arbeit mit dem Programm lernte ich schnell, weil ich merkte, dass im Meeting Menschen sind, die mich verstehen, mich auf besondere Weise unterstützen und es schien mir die einzige Möglichkeit zu sein, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, mein Leben zu meistern, wie ich heute gerne sage.
Ich klammerte mich regelrecht an Slogans, an die Tagessprüche aus „Mut zur Veränderung“ und ich las viele Bücher, nur einige: Entdecke deine Möglichkeiten, So wirkt Al-Anon, Lois erinnert sich…, über das Leben von Lois, der Mitbegründerin von Al-Anon …In einem Meeting kam die Frage auf, kann ich mich akzeptieren, so wie ich bin?
Akzeptieren heißt: „annehmen, anerkennen, einwilligen, hinnehmen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein“. Für mich schien es zuerst am einfachsten, die anderen Menschen zu akzeptieren. Ich hörte auf zu nörgeln, zu meckern, zu bestimmen, aber auch zu betteln, zu drohen und zu erpressen. Dann hörte ich auf, Ratschläge zu erteilen und überlegte mir sehr gut, ob und was ich zu einer Situation sagen wollte. Das war schon schwerer, aber ich gewöhnte mir an, zu fragen: Willst du meine Meinung hören? Darf ich dir einen Rat geben?
Wenn NEIN – dann NEIN, und wenn JA, waren es doch nicht solche Antworten, wie ich sie vor Al-Anon gegeben hätte. Ich überlegte mir gut, ob ich schon einmal in einer solchen Situation gewesen bin oder ob ich mich wirklich in eine solche Lage hinein versetzen kann. Manchmal ist es sehr schwer, Dinge so zu belassen, wie sie sind und es ist schwer zu erkennen: Akzeptieren oder eingreifen.
Den Unterschied lernte ich, als ich anfing, mich selber zu akzeptieren. Ich erkannte, dass ich eigene Bedürfnisse hatte. Ich fing an, auf „meinen Bauch“ zu hören, etwas zu tun, was mir Spaß machte, aber auch meine Pflichten zu erledigen. Ich machte nicht mehr mit, nur weil mich jemand darum gebeten hatte, sondern wenn ich es wirklich wollte.

Meine erwachsene Tochter sagte mir einmal: „Du bist gar nicht mehr so mütterlich“. Meine Familie spürte, dass ich sie nicht mehr bemutterte. Auch sie mussten akzeptieren, dass ich mich anders verhielt. Wenn mein erwachsener Sohn seine Wäsche gewaschen hatte und mich bat, sie aufzuhängen, wenn sie fertig ist, weil er schon zu seinen Freunden gehen wollte, habe ich immer gesagt: „Klar kann ich das“ (ist ja nur eine Kleinigkeit, dauert vielleicht zehn Minuten). Aber ich merkte plötzlich, dass so viele Kleinigkeiten zusammen kamen… Zuerst nannte man mich kleinlich und war empört: Du kannst doch eben mal… mach noch mal schnell… und dann: Warum denn nicht, du hast doch Zeit!
Zu Anfang sagte ich immer noch Entschuldigungen für mein neues Verhalten: Ich bin so kaputt, hab noch anderes zu tun…oder ich wurde ärgerlich und schimpfte los. Heute kann ich sagen: Bitte mach es selbst. Meine „Hilfsbereitschaft“ änderte sich auf ganz andere Weise. Ich ließ es zu, dass andere in ihrem Tempo, auf ihre Weise Dinge erledigten, ich drängte und erinnerte nicht ständig. Ich wurde entspannter, fröhlicher, mochte häufiger lachen, meine Familienmitglieder (und andere Menschen) freundlich ansprechen, ich konnte ihnen sagen, dass ich sie liebe.
Neben meiner beruflichen Arbeit habe ich auch noch meinen Haushalt zu versorgen, auf meine Weise – und ich brauche auch meine Ruhe, eine Zeit für mich – das akzeptiere ich inzwischen. Ich verstand auch: Ich darf Fehler machen, andere dürfen Fehler machen, das kann ich akzeptieren ohne zu urteilen. Ich lernte, mich zu achten, fand mein Aussehen OK, mein Gewicht war meine Sache und nicht die der Modemacher, mein Geschmack, mein Hobby, meine Interessen wurden wirklich meine! Andere wollte ich ändern und als ich dank Al-Anon lernte, dass ich niemanden ändern kann, fing ich wirklich an, mich und andere Menschen zu akzeptieren.

Beate, Al-Anon

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Rosemarie schrieb:

    Danke für diesen Kommentar. Habe verstanden, daß es darum geht, mich einfach selbst anzunehmen wie ich bin.

    Samstag, 24. März 2018 um 18 | Permalink

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