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Warum brauche ich Al-Anon ? (1)

Kerze

Ich bin Astrid und eine Al-Anon.

Ich spreche nur für mich – nicht für Al-Anon als Ganzes.

Bin über einen Umweg zu Al-Anon gekommen.

Ich brauchte auch meinen persönlichen Leidensdruck, genauso wie der Alkoholiker seinen persönlichen Leidensdruck braucht.

Meine Schwester, die Arzthelferin ist, hatte Kontakt zu einem trockenen Alkoholiker und war von dessen Veränderung beeindruckt.

Als ich nicht mehr weiter wusste, ist mir das eingefallen.

Ich habe bei AA angerufen und bin in ein offenes Meeting eingeladen worden.

Ich war damals nicht bereit, zu einem Arzt, einer Suchtberatung oder einem Therapeuten zu gehen, um mir Hilfe zu holen.

AA hat mir durch die Anonymität, dass ich nur „als Astrid“ kommen konnte, die Hand gereicht.
Ich habe meine Tochter mitgenommen, die 6 Wochen alt war, weil ich sie gestillt habe.
Und weil ich Angst hatte und mich an jemanden festhalten musste.

Mein Partner hat nie gesagt, dass er Alkoholiker ist, war in keiner Therapie und nicht bei AA. Ich hatte Schwierigkeiten mit seinem Trinken und deshalb weiß ich, dass ich eine Al-Anon bin.

Warum brauche ich Al-Anon und was bringt mir diese Gemeinschaft und diese Treffen?

Ich habe meinen Beitrag an menschlichen Grundbedürfnissen orientiert wie z.B.

Unterstützung/Hoffnung
Ich habe in diesem ersten Meeting gehört, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, die zum Stillstand gebracht, aber nicht geheilt werden kann.
Die AA‘s haben durch ihre Lebensgeschichten Erfahrung, Kraft und Hoffnung mit mir geteilt und mir einen Weg aus der Dunkelheit gezeigt.
Und gesagt: ICH kann den Anfang machen und mir in Al-Anon Hilfe und Unterstützung holen.

Schutz
erfahre ich durch die Anonymität: Ich habe mir telefonisch Auskunft geholt, nur mit dem Vornamen.
Ich komme in die Treffen, nur mit meinem Vornamen.
Wir erzählen nicht weiter, wen wir gesehen und was wir gehört haben, um uns so offen mitteilen zu können.
Das war und ist für mich sehr wichtig.

Verlässlichkeit/ Struktur
Wir haben regelmäßige Meetings, mit gleichem oder ähnlichem Ablauf in der Gemeinschaft. Wir fangen pünktlich an und hören pünktlich auf.

Gehört/gesehen/ernst genommen werden
Durch die Aussagen der anderen im Meeting habe ich gemerkt, dass ich meiner Wahrnehmung vertrauen kann. MIR wieder trauen kann.
Ich habe Zeugen für meine Not, aber auch für meine Erfolge und Veränderungen.

Offenheit
Wir tauschen Erfahrung Kraft und Hoffnung aus, jeder spricht nur von sich selbst in „Ich-Aussagen“.

Rücksichtnahme/ Respekt
Wir urteilen nicht, wir kritisieren nicht, wir argumentieren nicht, wir geben keine Ratschläge in privaten oder familiären Angelegenheiten, d.h. ich lasse mein Gegenüber ausreden, höre zu, unterbreche nicht, gebe keine Kommentare zu dem Gehörtem, diskutiere nicht und erfahre dadurch die nötige Geborgenheit für mich.
Und das wirkt – trotzdem.

Einfühlsamkeit
Wir hören dem Anderen ohne Wertung zu -auch dem Alkoholiker.
Mein Bedürfnis nach Nähe erfüllt sich, wenn ich mich in den Arm nehmen lasse, im Meeting weinen darf und mich trösten lasse.

Ich bin noch nicht fertig, das war noch nicht alles. Ich melde mich nochmal.

Bis bald !

Ein Kommentar

  1. Thomas schrieb:

    Liebe Astrid!
    Vielen Dank für Deine Worte und Erfahrungen. Genauso ist es und so wirkt Al-Anon.
    Thomas

    Mittwoch, 17. Juli 2013 um 08 | Permalink