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Warum Al-Anon so einzigartig ist

KleeblattFür Alkoholiker, die mit dem Alkohol-Trinken aufhören wollen, gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen.

Ärztliche Hilfe, Suchtberatungen, Kliniken, mehrere Arten von Selbsthilfegruppen und diverse andere Institutionen. Das ist auch gut so.

Dass Angehörige auch leiden, wird zwar schon gesehen, dann aber einfach davon ausgegangen, dass es denen wieder besser geht, wenn der Alkoholkranke trocken wird.

In vielen Kliniken stören Angehörige auch wirklich, wenn es darum geht, dem Alkoholiker dort zu helfen. Darum gibt es auch oft zu Anfang von Alkohol-Therapien Kontaktsperren. Andere Angehörige sind einfach nur froh, dass sie ihre Alkoholiker erst mal los sind und wollen mit deren Therapie (ambulant oder stationär) gar nichts zu tun haben. Sie haben ja nicht getrunken ! Soll der Trunkenbold das doch alleine ausbaden.

Aber Partner werden mit geschädigt, ebenso Eltern und Freunde, aber ganz besonders die Kinder, die noch zusätzlich unter dem überforderten, nicht-trinkenden Elternteil leiden. Viele Kinder, die in alkoholkranker Familie aufwachsen mussten, sind ohne dass sie es bemerken, oft so verändert, dass sie später im erwachsenen Alter entweder selber zu Alkoholikern werden oder sich einen „irgendwie-abhängigen“ Partner suchen. Oder die angeblich „ungeschädigten“ Partner trennen sich von ihren Alkoholkranken, nur um sich dann später wieder in den nächsten Alkoholiker zu verlieben, und alles geht wieder von vorne los.

Für mich ist es eine Tatsache, dass jeder im Umkreis eines trinkenden Alkoholikers mit geschädigt wird. Wir in Al-Anon nennen die Alkoholkrankheit eine Familienkrankheit, weil die ganze Familie rund um einen Alkoholiker mit krank wird.
Die verschiedenste Facetten von krankem Angehörigem-Verhalten sind sehr gut beschrieben auf den Seiten 40 bis 43 des Al-Anon-Buches „So wirkt Al-Anon“.

Alkoholiker handeln und Angehörige reagieren darauf. Ich verlor zunehmend die Fähigkeit, sinnvoll zu agieren und glaubte den Versprechungen meines nassen Alkoholikers jedes Mal wieder, obwohl er sie so oft nicht eingehalten hatte. Mein Verhalten war sehr krank.

Aber genau so ist Al-Anon entstanden. Angehörige haben irgendwann bemerkt, dass sie trotz des Trockenwerdens ihrer Partner weiterhin Probleme mit sich, ihrer Umwelt oder mit ihren trockenen Partner hatten. Sie taten sich zusammen und gründeten Al-Anon, um endlich  selber von den Auswirkungen der Alkoholkrankheit zu genesen. Die Al-Anon-Gruppen sind für alle Angehörigen und Freunde von Alkoholikern da.

Und jetzt kommt das Gute: Ich kann in Al-Anon sofort beginnen, an den Auswirkungen der Alkoholkrankheit bei mir selber zu arbeiten. Ich brauche keine Begründung dafür und muss auch keine Krankheiten entwickeln, die als Therapie-Grund dienen. Ich kann in Al-Anon sofort beginnen, auch wenn mein Alkoholiker/meine Alkoholikerin noch trinkt, also noch nass ist.

Und die Al-Anon-Gruppen sind insofern einzigartig, weil die Angehörigen alleine unter sich an ihren Problemen arbeiten, ohne die Alkoholiker. So wie es für die Alkoholiker auch untereinander einfacher ist, an der Bewältigung ihrer Probleme zu arbeiten. Ich hätte nie so offen über meine Probleme sprechen können, wenn mein Alkoholiker dabei gewesen wäre.

Al-Anon ist die einzige Organisation, wo die Angehörigen von Alkoholikern „unter sich“ sind. Und genau das ist das Einzigartige und ist für mich unheimlich wichtig ! Ich musste in Al-Anon erst einmal lernen, dass ich ein eigenständiger Mensch mit eigenen Bedürfnissen bin und sein darf, nachdem ich so viele Jahre nur noch für meinen Alkoholiker gelebt hatte. Auch waren mir meine eigenen Grenzen verloren gegangen, falls ich überhaupt vorher welche besessen hatte.
Und weil wir alle erwachsene und eigenständige Menschen sind, lernte ich den Alkoholiker endlich loszulassen. Aus einer für uns beiden ungesunden „Umklammerung“ entstand ein „freier durchatmen“. Dadurch wurden sowohl wir beide als Einzelpersonen als auch unsere Partnerschaft wieder mit Sauerstoff versorgt und lebendiger.

Ich habe es nie bereut, irgendwann nach den anderen Angehörigen von Alkoholikern gesucht zu haben „um sie mal nach ihren Erfahrungen zu fragen“. Und ich hatte das Glück diese Angehörigen in Al-Anon zu finden und im Al-Anon-Programm einen wunderbaren Leitfaden für mein ganzes Leben.

Jutta

Ein Kommentar

  1. Rosemarie schrieb:

    Ich bin auch sehr dankbar, dass ich vor vielen, vielen 24 Stunden auf Al-Anon aufmerksam gemacht wurde und dieses prima Hilfsprogramm für Angehörige von Alkoholikern seither mein Leben verbessert! Es ist für mich ein Lebensprogramm das mir in all meinen Angelegenheiten helfen kann.

    Dienstag, 17. Juli 2012 um 09 | Permalink