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Vom Niemand zum Jemand

Vom Niemand zum JemandHeute las ich in meinem Odat „Nur einen Tag nach dem anderen in Al-Anon“ vom 13. Mai:

“Wir kommen zu Al-Anon als ein „Niemand“ – und möchten doch so verzweifelt gern „Jemand“ sein.“

Heute, rückblickend betrachtet, kann ich behaupten, dass es mir durch die Teilnahme an den Al-Anon-Treffen in meiner Stadt, die ich seit vielen Jahren wöchentlich besuche und durch das Lesen all der tollen Bücher und Flyer, die Al-Anon mir zur Verfügung stellt, gelungen ist, wieder ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Das war nicht immer so.

Als 14-Jährige lernte ich meinen Mann kennen und lieben. Damals wusste ich noch nicht, dass aus diesem liebenswerten Menschen ein Alkoholiker werden sollte, der unser Leben ganz schön durcheinander brachte.

Der Alkoholkonsum meines Mannes steigerte sich im Laufe der Jahre dramatisch, unser Zusammenleben wurde zusehends problematischer und mein Selbstwertgefühl sank auf den Nullpunkt. Ich war ausschließlich damit beschäftigt, Katastrophen verhindern zu müssen, Kontrolle auszuüben und nach außen trotzdem die heile Familie zu spielen. Das war sehr anstrengend und ist mir auch nie so wirklich gelungen, aber ich habe immer wieder, 20 Jahre lang, versucht, die Situation in den Griff zu bekommen. Dann war ich am Ende, erschöpft, körperlich krank und depressiv – ein Niemand.

An meinem Tiefpunkt angekommen fand ich zu Al-Anon Dort lernte ich, nur einen Tag nach dem anderen zu leben, dort fand ich Trost und Gelassenheit und durfte im Laufe der Jahre mit Unterstützung der Menschen dort genesen.

Das Al-Anon-Buch „Nur einen Tag nach dem anderen in Al-Anon“ wurde mein ständiger Begleiter. Dort finde ich für jeden Tag einen Text, über den ich nachdenken kann, der mir neue Einsichten und Denkweisen vermittelt, die ich dann für mich ausprobieren kann; der mich z.B. lehrt, dass das „Heute“ ein kleiner Zeitabschnitt ist, der sich bewältigen lässt. Die Konzentration auf das „Heute“ nimmt mir die Last der Vergangenheit und verhindert die Angst vor der Zukunft.

Diese Texte lehren mich auch, dass ich durch eine veränderte Einstellung mein Leben verbessern kann. In meinem Kopf schwinden nach und nach die Verzweiflung, die Angst, die Unsicherheit und die Sorgen. Begleitet werde ich nun durch Wörter wie: Hoffnung, Zuversicht, Freude, Freiheit, Vertrauen, Verzeihen, Toleranz, Mut und Gelassenheit. In diesem Buch finde ich Slogans, die mir in schweren Zeiten oft schon geholfen haben: Eile mit Weile; Das Wichtigste zuerst, Leben und leben lassen; Mach es nicht so kompliziert.

In meiner Al-Anon Gruppe treffe ich Menschen die meine Nöte verstehen, weil sie eine ähnliche Lebensgeschichte wie die meine haben, denn Al-Anon ist eine Selbsthilfegruppe ausschließlich für Angehörige und Freunde von Alkoholikern. Sie erzählten mir, wie sie durch die Arbeit in den 12 Schritten wieder zu einem besseren Leben zurück gefunden haben. Sie geben mir Hoffnung und machen mir Mut, es selbst auszuprobieren. Es funktioniert!

Heute bin ich mutig und voller Vertrauen. Ich bin nicht mehr ängstlich, sondern sehr dankbar, dass Al-Anon mich zu einer selbstbewussten, zielstrebigen, gelassenen und zufriedenen Frau gemacht hat, die ein erfülltes Leben lebt und heute mit Problemen besser umgehen kann. Heute bin ich „Jemand“ und das fühlt sich richtig gut an.

Ich lebe immer noch an der Seite meines Alkoholikers, der inzwischen trocken werden durfte. Das Zusammenleben ist aber oft immer noch sehr schwierig, weil wir beide unsere Geschichte haben. Ich versuche nicht mehr sein Leben verändern zu wollen, nur weil es mir nicht gefällt. Ich habe gelernt, dass jeder Mensch ein Recht auf sein eigenes Leben hat – auch ich.

“Nur einen Tag nach dem anderen in Al-Anon (Odat) “
(
Bestell-Nr. 103 )
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
Emilienstraße 4 – D – 45128 Essen
Tel. : 0201 / 77 30 07 –  www.al-anon.de

Ein Kommentar

  1. Rosemarie schrieb:

    Es tut so gut, wenn ich selbst Schwierigkeiten habe mir zu sagen „Nur für jetzt/ Nur für Heute“ von Al-Anons daran erinnert zu werden „im HEUTE zu leben“!

    Dienstag, 5. Juni 2012 um 10 | Permalink