Zurüruck zum Inhalt

Teilen wir Erfahrung, Kraft und Hoffnung

Foto: 2 nebeneinander wachsende Bäume mit Spruch: "Teilen und gemeinsam wachsen"Teilen mit wem? – wie? – warum?

Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen ist einer der wesentlichen Grundgedanken unserer Präambel, der nicht zu Unrecht gleich zu Anfang unseres Programms steht. Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid – und (nicht zu vergessen) geteilte Freud’ ist doppelte Freud’.

Teilen – mit wem?

Durch die Familienkrankheit Alkoholismus habe ich – so wie wir von Al-Anon wohl alle – eine reichliche Portion Leid erfahren dürfen. Doch mit wem konnte ich diese schmerzlichen Erfahrungen teilen? Verwandte, Freunde, Kollegen, Angehörige? Fehlanzeige!

„Teilen“ zu diesem Thema war für unbetroffene Menschen gar nicht möglich. Die allermeisten konnten damit nicht umgehen. Ihr Blickfeld war, so wie anfangs mein eigenes auch, für diese Probleme verstellt. Sie besaßen nicht das „Werkzeug des Verständnisses“. Es war so, wie der Spruch einer erfahrenen Al-Anon sagt: „Nur wer durch Leid ging, versteht den Leidenden; nur wer getröstet wurde, kann wieder trösten.“

Irgendwann lag Al-Anon wie ein Geschenk an meinem Wege und ich durfte in eine Gemeinschaft hineinwachsen, die mich verstand und die mir etwas zu sagen hatte.

Teilen – wie und wo?

Eine Eigenschaft kam mir zu gute: Ich kann geduldig zuhören. Und noch etwas, es gelingt mir – nicht immer aber oft – inneren Widerspruch beiseite zu legen. So war es und ist es auch heute einfacher, das, was mich angeht, entgegen zu nehmen und zu verarbeiten. Nach und nach gelang es mir in diesem Kreise, die Mauern, die ich um mich errichtet hatte, abzubauen und mein eingegrenztes Blickfeld zu erweitern. In Meetings, in Gesprächen mit meinem Sponsor, durch Telefonkontakte, im Forum für Diensttuende in Al-Anon und auch in Vorstellungsrunden gegenüber Betroffenen bekam das Al-Anon Programm für mich ein Gesicht. Ein beglückendes Erlebnis war für mich dabei, dass das, was ich diesen Menschen von mir erzählte, in vielen Fällen dankbar angehört wurde. So erhielt ich den Eindruck, an einer großen Idee und einer wertvollen Aufgabe mitgestalten zu dürfen.

Teilen – warum?

Heute fällt mir die Antwort hierzu leicht: Nur was ich weitergebe, kann ich behalten.

Wirklich, je mehr ich weitergab, desto mehr kam auf mich zurück. Ich lernte, mich selbst wieder zu mögen. Die Gleichung, „liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“ drehte ich gedanklich um und merkte, wenn ich mich selbst liebe, liebe ich auch die Menschen, die mich begleiten.

Das Positive in meinem Leben gewinnt dadurch deutlich das Übergewicht.