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Spirituelles Erwachen

HubertBild„Nachdem wir durch diese Schritte ein inneres Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an andere weiterzugeben und uns in allen unseren Angelegenheiten nach diesen Grundsätzen zu richten.“

An manchen Tagen geht es mir so, dass ich inne halten kann und mir meiner selbst bewusst werde.

So etwa wie bei einer Inventur, einer Art Bestandsaufnahme, stehe ich vor meinem inneren Spiegelbild und suche Antworten auf einige, mir wesentlichen Fragen:

– Lebe ich im Jetzt und im Heute ?

– Führe ich ein sinnvolles und bejahenswertes Leben ?

– Fühle ich mich ausgeglichen und mit der Welt im Reinen ?

– Sehe ich in meinem Leben und vielleicht auch im Leid einen Sinn ?

– Bin ich aufgeschlossen und bereit für Veränderungen ….?

 


Dabei wird mir zunächst bewusst, dass solche Fragen eine längere Zeit kaum an mich herangekommen sind. Dies war die Zeit der Un-Freiheit in der ich als Angehöriger im Karussell des Alkoholismus gefangen war. Eine Zeit in der ich mich entwurzelt fühlte und nicht mehr wusste, worauf ich mich verlassen konnte.

Und es war eine Zeit der Krankheit meiner Seele, die ich allerdings aus heutiger Sicht als einen wichtigen Teil meiner Entwicklung sehe.

Al-Anon hat mir vor 10 Jahren einen Ausweg aus diesem Labyrinth aufgezeigt und heute darf ich dankbar und glücklich sein, wieder zu einem Lebensabschnitt der Sinnfindung gekommen zu sein, in dem ich mich solchen Fragen öffnen kann.

Ich kann wieder aufgeschlossen sein, JA sagen zu mir selbst, zu meinen Mitmenschen und zur Welt.

Wer also, wie ich, die Gnade erfahren hat, durch das Programm von Al-Anon auf den Weg der Genesung vom Alkoholismus geführt zu werden, gelangt wahrscheinlich auch zu diesem Lebensgefühl der Dankbarkeit.

Dieses Programm, das sich derart vielseitiger Werkzeuge bedient, wie den Meetings, den Schritten, den Traditionen, den Dienstgrundsätzen, den Slogans, der Sponsorschaft, den Diensten …..und nicht zuletzt der Al-Anon Literatur, hat mir ein inneres Erwachen in Freiheit eröffnet.

Dankbarkeit ist für mich ein Zeichen des inneren Erwachens.
Sobald ich dieses Gefühl empfinde, öffnet sich in mir ein Weg zu einer tieferen Dimension des Lebens. Sobald ich Inne halte und aus der Perspektive der Dankbarkeit mein Leben betrachte, geschieht etwas, das vergleichbar mit dem Gefühl ist, von einem hohen Berg aus über eine weite, sonnige Landschaft zu blicken und den Wunsch zu haben, die Arme ausbreiten zu können und abzuheben.

Das sind magische Glücksmomente, in denen die Welt so richtig in Ordnung ist und ich am liebsten alles umarmen möchte.
Das mag etwas schwärmerisch klingen, doch das Bild verdeutlicht, welches Gefühl des Sich-ergreifen-Lassens mich erfasst, sobald ich bereit bin, mit einer Wirklichkeit in Verbindung zu treten, die weiter und größer ist als der enge Horizont meiner persönlichen Identität.

Das kann dann sogar darin gipfeln, mich als Teil eines kosmischen Zusammenhanges wahrzunehmen.
Dankbarkeit ist sozusagen das Tor – der Schlüssel – zu dieser begeisterten Wahrnehmung.

Meine Umwelt, die Menschen, die Ereignisse mit allen Unwägbarkeiten erscheinen dann in einer veränderten, abgehobenen Perspektive, in einer Perspektive der Gelassenheit und des Vertrauens.

Manche meiner Freundinnen und Freunde sprechen bei solchen spirituellen Erfahrungen von Begegnungen mit „Gott, wie sie ihn verstehen“ und fühlen ihre Wurzeln geborgen in einem nährenden Boden aus dem ihnen Sinn, Freude, Vertrauen, Liebe und Führung zuwächst.

Für mich ist dabei entscheidend, dass diese Wurzeln vollkommen unabhängig von Religion und Dogmen sind.
Sie entspringen zwar aus einem religiösen Denken, doch entwickeln sie sich frei von jeder Bevormundung und für jeden Einzelnen nach seiner eigenen Fasson.
So empfinde ich spirituelle Freiheit.

Ist das alles nicht Träumerei und hat mit der kalten Realität kaum etwas zu tun?

Ich behaupte entschieden NEIN.
Die Welt in meinem Inneren ist genauso real, wie die Welt um mich herum; allerdings mit dem Unterschied, dass ich nur auf mein Leben und auf meine Welt einen direkten Einfluss habe und wenn ich dazu bereit bin, auch etwas daran ändern kann.

Viele liebe Grüße und gute 24 Stunden
Hubert