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So hat Al-Anon bei mir gewirkt

Foto Äste mit SchneeIch war verzweifelt – ich konnte meinen Alltag nicht mehr bewältigen. Ich nahm jeden Strohhalm, ich wusste ein Arzt konnte mir nicht helfen. Da war jemand von A.A., der sagte zu mir – ich kann dir auch nicht helfen – aber Al-Anon kann es. Mein Strohhalm.
Ganz alleine ging ich in mein erstes Meeting. An der Tür wurde ich empfangen – schön, dass du da bist – sagte eine Al-Anon – ich freue mich über deinen Besuch, komm rein und hör einfach einmal zu, vielleicht hilft dir das. Probiere es einmal aus. Ich ging in den Meetingraum, Kerzen brannten und mich empfing ein wohliges Gefühl, gemütlich und aufgehoben. Ich hörte so viele ähnliche Geschichten von anderen Frauen, dass ich überwältigt war, weinen musste und den Meetingraum verließ. Mir folgte eine Al-Anon und fragte mich ob ich reden möchte. Mich fragt jemand, ob ich reden möchte – das war ich aus den Jahren zuvor überhaupt nicht mehr gewohnt. Weine nur, bestärkte sie mich, das tut immer gut. Das haben wir auch alle schon gemacht. Da wusste ich, dass ich hier richtig bin. Hier gehöre ich hin, hier versteht man mich endlich nach dieser langen, trostlosen einsamen Zeit. Hier bin ich nicht mehr alleine. Zum Schluss sagte sie zu mir – komm wieder. Und ich kam wieder, jede Woche, Woche für Woche.
Und ich las Al-Anon Literatur jeden Tag. Tag für Tag, ich verstand –ganz langsam – nicht ich war das Problem, sondern der Alkoholiker hatte ein Problem und es war nicht meins. Ich darf trotz Alkoholiker ein glückliches Leben führen. Es hat überhaupt nichts mit mir zu tun. Ich wollte auch eine Sponsorin. Ich fragte und  bekam eine Sponsorin. Und ich heulte ihr alles vor – mein ganzes Leben und sie hörte mir zu – immer wieder und sie
bestärkte mich. Mach weiter so, tu etwas für dich – dann tut sich was. Wie oft habe ich mir die Frage gestellt, was kann ich tun? Meine Sponsorin und Al-Anon haben mir gesagt du wirst es wissen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Ich habe vieles nicht verstanden.
Aber heute verstehe ich es. Ich – nur ich kann an meiner Situation etwas ändern. Ich stand vor einem Konkurs, die Schulden waren übermächtig – ich bin den Weg gegangen – zitternd, als der Gerichtsvollzieher vor mir stand – ich habe so vieles geschafft. Ich kann es schaffen ein besseres Leben zu leben. Schritt für Schritt. Langsam begriff ich die Schritte, einen für einen Monat, die Traditionen und die Dienstgrundsätze. Alles saugte ich auf und alles half mir auf meinem Weg zu einem besseren Leben. Heute muss ich nicht unter der Brücke schlafen – wo ich mich aus Verzweiflung oft gesehen hatte- nein, heute habe ich sogar wieder Eigentum, ein kleines Häuschen, einen kleinen Garten und sogar noch einen Balkon – alles, wovon ich immer geträumt habe. Und ich habe einen Job – ja, mit 55 Jahren habe ich mich noch einmal auf die Schulbank gesetzt und einen Bachelor Abschluss geschafft. Am 01.01.2017 steige ich in meinem Job wieder eine kleine Stufe höher.
Ganz bewusst gehe ich heute in kleinen Schritten voran und wenn ich falle, stehe ich sofort wieder auf. Ich bin
zwar immer noch alleine – aber im Gegensatz zu früher – bin ich nicht mehr einsam.
Danke Al-Anon – Danke!



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