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Selbstliebe macht mutig

Auswahl1Ich komme zu Al-Anon, weil ich ein Rezept haben will, wie ich einem Alkoholiker zivilisiertes Trinken beibringen kann.

Von der Familie und den Nachbarn habe ich ja stets gehört, dass ich Schuld sei, dass mein Mann säuft!

Und ich war zu dumm, ihm zivilisiertes Trinken beizubringen – etwas, was angeblich jede Frau außer mir dümmsten Frau der Welt leicht schafft!

Und dann komme ich zu Al-Anon, erzähle von zu Hause und bekomme gesagt und durch irgendwas, was sich nicht in Worte fassen lässt, vermittelt: „Du bist nicht schuld!“

Ich kann es nicht fassen: Ich bin nicht allein, die Menschen am Tisch haben gleiche oder ähnliche Erfahrungen wie ich und sie sind an meinem Wohlergehen interessiert. An meinem!

Nicht am Wohlergehen des Alkoholikers, so wie die Nachbarn und die Familie!

Nur dass es auch dem Alkoholiker besser gehen kann, wenn es mir besser geht, erfahre ich so ganz am Rande.

Ich bekomme gesagt, dass meine Wahrnehmung richtig sei, dass ich meiner Wahrnehmung vertrauen soll.

Und es ist das „LOSLASSEN“, was ich immer wieder zu hören bekomme.
Ich bin nicht Schuld, dass ein Mensch säuft!
Ich kann es nicht verhindern, dass ein Mensch säuft und schon gar nicht kann ich ihn heilen!

Aber ich kann viel tun, dass es mir gut geht!

Wohl dadurch, dass ich vom ersten Moment an eine Geborgenheit spürte und mich darin sicher fühlte, konnte ich das, was sie mir sagten, zu Hause umsetzen.

Nicht nur zum ‚in Liebe loslassen‘ wurde ich ermutigt, sondern es kam mir so vor, wie wenn ich förmlich den Befehl bekam, mich für meine Wünsche und Bedürfnisse einzusetzen.

Was sollte das nur geben:
Ich hatte
das Gefühl, dass ich eh schon nicht genug für ‚meine Lieben’ tat, um von ihnen wenigsten ein ganz klein wenig geliebt zu werden und jetzt sollte ich „Nein!“ sagen, wenn sie Forderungen stellten, die bedeuteten, dass ich auf „mir Wichtiges“ verzichten muss?

Aber ich tat das, was sie mir sagten, setzte meine Bedürfnisse an die erste Stelle.

Na, da war was los! Was wurde ich als kalt, herz- und lieblos von meinen Kindern beschimpft.
Es tat weh, aber ich hielt durch.

Nur so konnte ich unser Programm der Selbstliebe begreifen!

Es bringt absolut nichts, wenn ich meine, für andere was tun zu müssen.

Genauso, wie der Spruch von Albert Schweitzer, der in einem unserer Bücher steht:
„Mein Beispiel ist nicht der vorrangige Weg, andere zu beeinflussen – es ist der Einzige.“

Es sagt, ist es in allen Angelegenheiten: Indem die Freunde an den Tischen mich bedingungslos liebten, lernte ich, mich selbst bedingungslos zu lieben und mein Wohlergehen an die erste Stelle zu stellen.

Indem ich mich bedingungslos liebte, lernten meine Lieben, mich bedingungslos zu lieben.
Das war eine große Überraschung für mich.

Nicht, indem ich was für andere tue, bin ich liebenswert, sondern indem ich mich selbst liebe, bin ich liebenswert!

Geschrieben von einer Al-Anon

Ein Kommentar

  1. Rosie schrieb:

    Was für ein Artikel! Ich bin schon viele 24 Stunden bei Al-Anon und kenne viele ‚Geschichten‘, doch diese berührt mich ganz besonders. Vielen Dank für’s Teilen!

    Freitag, 13. September 2013 um 15 | Permalink