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Schuld und Abhängigkeit

BoxGestern Abend besuchte ich ein Al-Anon Meeting.
Nach Vorlesen der Al-Anon Präambel und der Zwölf Schritte begannen wir mit einer kurzen Befindlichkeitsrunde.
Hier konnte ich kurz berichten, wie es mir in den letzten 14 Tagen ergangen ist, wie ich meinen beruflichen Problemen mit neuen Erkenntnissen entgegengetreten konnte und endlich die Kraft fand, meine Grenzen deutlich und klar zu definieren und kundzutun.
Das dufte ich bei Al-Anon lernen.

Diese Verhaltensänderung machte mir zuerst Angst, war sie für mich doch sehr ungewohnt, aber die Reaktionen darauf machten mir Mut, es täglich mit ganz kleinen Schritten immer wieder zu probieren. Es funktioniert! Ich werde gehört und ich werde ernst genommen!

Dann zogen wir einen Zettel aus der „Lebendigen Box“.
Das ist ein Karton, in den jedes Gruppenmitglied immer wieder, auf kleinen Zetteln geschriebene Textstellen aus der Al-Anon Literatur, legen kann, die ihn sehr angesprochen haben.
Der gezogene Zettel war das Meeting-Thema des gestrigen Abends.

Es war für mich ein sehr intensives Meeting. Ich weiß gar nicht mehr, was genau auf dem Zettel stand.
Ich hörte nur die Wörter „Schuld“ und „Abhängigkeit“ und ich reagierte in meinen Beiträgen äußerst heftig, vermutlich total überzogen, darauf.
Diese Worte versetzten mich urplötzlich in meine Kindheit und in das Zusammenleben mit einem nassen Alkoholiker zurück.

Gestern konnte ich erkennen, wie krank und abhängig ich mich 40 Jahre lang verhalten hatte. Ich fühlte den Schmerz, die Trauer, die Wut, die Verzweiflung.
Ich war so aufgewühlt und verwirrt. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich wieder beruhigen konnte.
Geholfen haben mir dabei die Beiträge der anderen Gruppenmitglieder, die sich ganz ruhig und gelassen mit dem Zetteltext auseinandersetzten und von ihren Erfahrungen berichteten.
Ich hörte ihnen aufmerksam zu. Das half die Dinge wieder ins reche Licht zu rücken.

Nach dem Meeting durfte ich noch auf der Heimfahrt mit einer mir sehr liebgewonnen Al-Anon Freundin meine Reaktion auf die beiden Worte reflektieren.

Heute bin ich dankbar, dass ich mit Al-Anon einen Weg aus dem Dilemma der Familienkrankheit Alkoholismus gefunden habe, der mein Leben im Laufe der Jahre um Einiges lebenswerter gemacht hat.

Mona-Lisa, eine dankbare Al-Anon