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Rückfall

RückfallIch muss lernen alleine im Leben zurecht zu kommen.

Mit dem trockenen Alkoholiker an meiner Seite funktioniert es nicht oder nur sehr mühsam.

Aufgrund einer schweren Erkrankung meines Mannes gebe ich ihm wieder zu viel Raum und vernachlässige meine eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten.

Das Leben zieht an mir vorbei, ohne dass ich es bewusst wahrnehme.

Ich kümmere mich, ich funktioniere und ich regle alle anfallenden Herausforderungen des täglichen Lebens meisterhaft, aber ich kann „es“ nicht anhalten und nicht zufriedenstellend am Leben teilnehmen.

Bevor ich etwas an meiner Einstellung verändern kann, passiert schon wieder etwas Neues und wieder bin ich nicht bei mir und unfähig mein Leben selber und eigenverantwortlich zu gestalten.

Ich suche, warte, irre umher und finde den Einstieg nicht.

Ich bin verzweifelt und einsam, obwohl ich weiß, wo ich Hilfe finden kann.
Ich wünsche mir Ruhe und Zeit nur für mich.
Sonntagsabend graut es mir schon davor, wieder eine ganze stressige Arbeitswoche funktionierend überstehen zu müssen.

Ich möchte mich treiben lassen können und das Schöne, was zweifellos um mich ist, sehen und genießen können.
Aber ich sehe und finde es nicht.
Ich bin zu erschöpft und habe keine Kraft mehr.
Das ist definitiv ein Rückfall in alte Verhaltensweisen!

Ähnlich wie jetzt ging es mir schon einmal vor 20 Jahren, an der Seite eines nassen Alkoholikers. Auch damals war ich verzweifelt und depressiv.

Ich fand zu Al-Anon und das war meine Rettung.
Ich lernte im Laufe von vielen Jahren mit Hilfe dieses 12 Schritte Programms mein verloren gegangenes „ich“ wiederzufinden und mich nicht ausschließlich um andere, sondern auch um mich selber zu kümmern.
Ohne die wöchentlichen Al-Anon Meetings und die Unterstützung der Freunde dort hätte ich das nicht geschafft.

Nach 20 Jahren gehe ich heute immer noch zu Al-Anon, obwohl ich mit einem trockenen Alkoholiker zusammenlebe.

Letzte Woche war unser Meetings-Thema der Slogan „Fang bei dir selbst an“ und es fand ein sehr intensiver Austausch darüber statt.

Und plötzlich begriff ich: nur ich alleine kann meine Situation verändern.
Endlich erkenne ich den Weg, den ich gehen muss, um wieder mein eigenes Leben gestalten zu können.

Jetzt weiß ich auch wieder, warum ich nach so vielen Jahren immer noch Al-Anon brauche und jede Woche in ein Meeting gehe.