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Miteinander heil werden

Foto: 4 brennende Kerzen„Wozu brauche ich eine Gruppe, um …von der Familienkrankheit Alkoholismus … wieder gesund zu werden? Mich versteht sowieso niemand, denn keiner ist so schlimm dran, wie ich.“

Nicht zum ersten Male höre ich diese eigensinnigen Aussagen. Ich spüre deutlich, dieser Mensch befindet sich in einer Sackgasse. Trotzdem kann ich ihm nicht helfen – jedenfalls nicht mit guten Ratschlägen. Ich kann nur von mir selbst und meinen eigenen Erfahrungen berichten und in seinem Sinne hoffen, verstanden zu werden.

Es gab eine Zeit, da habe auch ich mich gefragt, was denn eigentlich der Unterschied ist, wenn ich zum einen versuche, allein mit meinen – durch den Alkoholismus verursachten – Problemen fertig zu werden oder mich andererseits einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.

Es war noch die Zeit, in der ich alles erzwingen wollte. In der ich wie besessen daran glaubte, meine Frau vom Alkohol loszubringen. In der ich alle meine Kräfte und Energie daran setzte, dieses Ziel zu erreichen und dabei mich und meine Wünsche vollkommen vergaß.

Doch irgendwann auf diesem, für mich wichtigen Erkenntniswege, war ich so weit zu begreifen, dass meine schwachen Kräfte längst nicht reichen, mit einem so übermächtigen Gegner, wie es die Krankheit Alkoholismus ist, fertig zu werden.
Ich durfte durch die Gnade einer Höheren Macht erfahren, dass ich ein Teil eines großen Zusammenhanges bin und damit auch ein Teil einer menschlichen Gemeinschaft.

Dieses Kollektiv kann Kräfte zur Verfügung stellen, die meinen eigenen Fähigkeiten um ein Vielfaches überlegen sind. Um das in einem Bild zu umschreiben: Hinter mir steht ein Aufgebot, das von einer Höheren Macht geführt wird, von der ich nur eine blasse Ahnung haben kann.

Selbst wenn das sehr unbescheiden klingt, doch ich bin seit ich Al-Anon kenne, wirklich davon überzeugt, von einer Höheren Macht geführt worden zu sein. Sie hat mir gezeigt, wie ich meine schwachen Kräfte durch die Gemeinschaft von Al-Anon und die Gruppe vervielfachen kann.

Ich brauche Euch, meinen Freundinnen und Freunden, nicht zu erzählen, wie das funktioniert. Doch all denen, die Al-Anon nicht kennen, möchte ich sagen, es ist ein großer Trost zu wissen, dass wir miteinander wieder genesen – wieder heil werden können. Lasst es doch auf einen Versuch ankommen!

2 Kommentare

  1. Rosemarie schrieb:

    Hallo,
    ich kann bestätigen, Al-Anon hilft!!! Ich habe auch meine HÖHERE MACHT durch Al-Anon neu u. besser kennen und erfahren gelernt. So wurde ich zu einem vielfach besseren Leben geführt!

    Samstag, 10. Dezember 2011 um 20 | Permalink
  2. Barbara schrieb:

    Ein übermächtiger Gegner, der Alkoholismus, wie wahr. Es hat sehr lange gebraucht, bis ich das eingesehen habe. Es hieß ja auch in den Gruppen immer „Alles wird milder.“ Meine Erfahrung zeigt, dass das nicht immer zutrifft, vor allem, was Partnerschaften betrifft. Ich habe oft gedacht, ich mache es nicht richtig, weil es für mich nicht milder wurde. Heute weiß ich um die Riesenmacht dieser Krankheit. Ich musste sehen, dass ich mich vom Acker machte, wie man im Norden so schön sagt. Aber ich habe immer noch ordentlich Trauerarbeit zu leisten.

    Sonntag, 4. März 2012 um 09 | Permalink