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Mit meiner Geduld ist das halt so eine Sache

Foto, Ranken wachsen am Fahrrad und einer LaterneMein Name ist Eva und ich bin Angehörige, mein Weg zu Al-Anon war lang und beschwerlich und ging durch eine schreckliche Nass-Phase meines Mannes, während dessen ich auch leider fünf Schwangerschaftsabgänge hatte. Um damit fertig zu werden, hatte ich mich in eine Therapie begeben, die aber nicht besonders erfolgreich war.

Innerhalb der Therapie habe ich mich oft über das Trinkverhalten meines Mannes beklagt, aber ich wurde nur mit unwirksamen Ratschlägen abgespeist und dass ich das alles viel zu eng sehen würde. Später habe ich meinen Mann die Pistole auf die Brust gesetzt und er hat dann auch mir zuliebe eine Therapie angefangen, in der er am Anfang noch weiter getrunken hat. Erst als er seinen Führerschein abgeben musste, wurde er auf einen Schlag trocken.

Ich dachte, jetzt fängt die Zeit des Glücks an, aber dem war leider ganz und gar nicht so. Durch seine Trockenheit und seine Therapie konnte sich zwar mein Mann verändern, doch ich war schon so weit in die Familienkrankheit hinein gerutscht, dass es für mich erst recht bergab ging. Um meine innere Leere aufzufüllen, habe ich mich total in die Arbeit gestürzt, denn ich fand es zu Hause noch unerträglicher als zuvor.

Nach einem völligen Zusammenbruch bin ich in ein Krankenhaus gekommen. Das hatte sich schon längere Zeit mit Panikattacken und Depressionen angekündigt, doch dachte ich zuvor immer noch, ich hätte alles im Griff.

Erst im Krankenhaus lernte ich, dass Alkoholismus eine Familienkrankheit ist und dass ich die typischen Verhaltensweisen einer Angehörigen hatte. In diesen drei Monaten wurde mir bewusst, dass auch mein Vater ein Alkoholproblem hat und dass ich schon immer mit schwierigen Umständen kämpfen musste und es jetzt endlich an der Zeit war, auch einmal an mich zu denken.

So kam ich dann in mein erstes Al-Anon Meeting und war gleich von der Herzlichkeit, die mir entgegengebracht wurde, begeistert. Ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben richtig angenommen, einfach so, so wie ich bin. Das war eine ganz neue und fantastische Erfahrung für mich. Seitdem gehe ich regelmäßig in mehrere Meetings und versuche, so gut es geht nach dem Programm zu leben. Dass dies viel schwerer ist, als ich am Anfang gedacht habe, merke ich jetzt immer deutlicher.

Gleich nach dem Krankenhaus war ich in einer ziemlichen Euphorie und meinte, ab jetzt geht es mit meinem Leben nur noch aufwärts und es kann ja gar nicht so schwer sein, sich zu ändern! Aber falsch gedacht. Denn seitdem ich wieder arbeite und mich der Alltag eingeholt hat, rutsche ich oft wieder in mein altes Verhalten ab. Mit meiner Geduld ist es halt so eine Sache. Doch ich bin sehr zuversichtlich, dass auch mir dieses Lebensprogramm und eine Höhere Macht zur Seite stehen und ich Schritt für Schritt auf dem Weg in ein zufriedeneres Leben bin. Früher hätte ich nie geglaubt, dass die Arbeit an sich selbst, die schwierigste Aufgabe im Leben ist, „denn ich war ja sooo perfekt“.

Danke

Eva, eine Al-Anon

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