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Mich selbst lieben

Ich
„Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST!“

Das war der Satz, an dem ich ca. dreieinhalb Jahre rumknabberte, bis ich dann endlich zu Al-Anon ging.

Einer Frau, die ‚für unsere Sorgen‘ bei einer Familienfreizeit mit war, vertraute ich mich damals an, dass mein Mann viel zu viel säuft.
Sie legte mir nahe, zu Al-Anon zu gehen und als ich ihr damals erzählte, was ich alles für andere mache(n muss), sagte sie mir den Satz mit der Betonung auf der zweiten Hälfte.

Was habe ich gekämpft!
Ich habe doch gar keine Zeit, mich zu lieben, muss doch so viel für andere tun.

Aber im Laufe der Zeit arbeite dieser Satz so intensiv in mir, dass ich doch zu Al-Anon gegangen bin.

Ich ließ mich – wie wir es ja in Al-Anon von Anbeginn an leben und weitergeben – von den anderen so lange lieben, bis ich mich selbst lieben konnte!
Mich selbst zu lieben ist gar nicht so einfach, denn die Menschen, für die ich bis dahin alles tat, was ich für sie tun konnte, wollen auf diese Bequemlichkeit nicht verzichten.

Ich bekam zu hören: „Du hast das doch immer für mich gemacht!“
Mir wurden Sätze wie „Du liebst mich nicht mehr!“ an den  Kopf geschmissen, um mich wieder zum „Funktionieren“ zu bringen.
Da passt dann unser „Nur du allein schaffst es, aber du schaffst es nicht allein!“

Ich brauchte Woche für Woche von der Al-Anon Gruppe die Rückenstärkung, dass ich es richtig mache.
Ohne diese Rückenstärkung hätte ich den Weg nicht durchgehalten, aber kein anderer konnte den Weg für mich gehen.

Es war nicht so, dass die anderen nichts mehr von mir wissen wollten, als ich meine Wünsche und Bedürfnisse an die erste Stelle stellte. Ganz im Gegenteil!
Ich wurde nicht mehr als Fußabtreter benutzt, sondern mir wurden Achtung und Wertschätzung entgegengebracht! :-O

Heute weiß ich: Andere Menschen bringen mir genau die Achtung und Wertschätzung entgegen, die ich mir selbst entgegenbringe, nicht mehr und nicht weniger!
Mich selbst bedingungslos lieben, achten und wertschätzen lerne ich im Laufe der Zeit mit unserem Schritte-Programm.

Ich muss nicht mehr perfekt sein!
Heute lache ich darüber, dass ich es vor Al-Anon verSUCHTe zu sein.

Ich bin ein Mensch, also genauso fehlbar wie alle Menschen. Wenn ich mich selbst liebe, dann möchte ich nie eine weise alte Frau – so wie ich mir selbige vorstelle – werden.
Da habe ich andere menschliche Vorbilder, die das verkörpern, was als eines unserer Ziele im Zwölften Schritt steht: „Lebensfreude!“

Ich habe das Recht, in jedem Lebensalter mit Lust, Entdeckungsfreude und Mut mein Leben mit all seinen Facetten zu leben! So kann ich mit Lebensfreude mich selbst und andere lieben!

Eine Al-Anon

Ein Kommentar

  1. christine schrieb:

    Ja so hast du es genau richtig gemacht. In deinen Zeilen höre ich meine Mutter heraus sie hat es leider nicht geschafft sich zu trennen oder einen eigenen Weg zu gehen. Aber der Vater ist verstorben und die Wunden bleiben.

    Donnerstag, 3. April 2014 um 07 | Permalink