Zurüruck zum Inhalt

Meine trinkende Tochter

Abbildung einer GeburtstagszahlIch muss meiner trinkenden Tochter keine Vorwürfe mehr machen
Als ich vor einem Jahr zu Al-Anon kam, war ich so verzweifelt, dass ich hoffte, hier endlich die Lösung für mein Problem zu finden. Meine Tochter ist seit vielen Jahren Alkoholikerin und hat auch schon einmal eine viermonatige Entziehungskur gemacht, die leider ohne Erfolg blieb. Sie wurde gleich danach wieder rückfällig. Diesen Entzug hat sie nur auf Grund meines Drängens, ja sogar massiver Drohung gemacht.
Bei Al-Anon habe ich gelernt, dass man machtlos gegen den Alkohol ist und nur der Alkoholiker selbst die Entscheidung trifft, ob er mit dem Trinken aufhört.
Bei Al-Anon habe ich natürlich nicht das Rezept für das Trockenwerden meiner Tochter bekommen, aber eindringlich vermittelt bekommen, dass nur ein Loslassen meine Verzweiflung mildern, bzw. schrittweise aufhellen kann. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich einmal meiner trinkenden Tochter anders als mit Vorwürfen und Drohungen entgegentreten könnte. Dank Al-Anon ist es möglich geworden. Natürlich bin ich noch oft verzweifelt und mutlos, denn meine Tochter trinkt immer noch. Aber es kommt nicht mehr zu solch schlimmen Abstürzen und somit zu diesem aggressiven Verhalten. Sie geht seit einigen Monaten zum Blauen Kreuz und das wirkt sich sehr positiv aus.
Meine Teilnahme an den Al-Anon Meetings sieht sie sehr positiv und wahrscheinlich auch meine veränderte Einstellung zur ihrer Krankheit. Sie will ja mit dem Trinken aufhören – hat es aber leider bis heute noch nicht geschafft. Meine Hoffnung ist, dass sie es doch noch schafft. Meine zwei Enkelkinder sind natürlich durch das Trinken der Mutter geprägt, und das ist irreparabel. Auch damit muss ich leben, denn wir lernen in Al-Anon im Heute zu leben, was mir noch oft schwerfällt. Oft denke ich an das Vergangene und habe Angst vor der Zukunft. In den Meetings erfahre ich, wie andere mit dem Problem fertig werden, und das ist tröstlich und nachahmenswert. Es ist ein Segen, dass es diese Selbsthilfegruppen gibt, sowohl für die Alkoholiker als auch für die Angehörigen.

Elsbeth, eine Al-Anon

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *
*
*