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Mein neues Leben durch Al-Anon

Vor Al-Anon fühlte ich mich bedürftig, hatte ich kein Selbstwertgefühl, außer ansatzweise im Beruf.

Ich dachte früher immer, mein Leben wäre für mich so bestimmt worden, wie es war – ich müsste es so hinnehmen.

Das Trinken meines Partners brachte mich an den Rand der Verzweiflung.
Ich wusste keinen Ausweg, zumal ich schon alles Mögliche getan hatte, um ihn vom Trinken abzuhalten.
Ich bat ihn und manipulierte meinen Mann, aber nichts half.


Dadurch, dass ich weder in meiner großen Familie noch mit Freunden über meine Probleme mit dem trinkenden Mann sprach, stand ich allein mit dieser schweren Last und der Verantwortung für die 4 Kinder da.
Dass es irgend jemanden geben könnte, der mich verstehen könnte und Mitgefühl hätte, das war für mich undenkbar. Das Thema Alkohol war tabu.
Meine Suche nach einer (Er-)Lösung schien vergeblich zu sein und meine Gesundheit ging mehr und mehr in die Brüche.

Eigenartig – ich selbst fühlte mich bis zum Hals mit Seelenqual wie zugemüllt, aber wenn andere zu mir kamen und mir ihr Leid klagten, bedauerte und bemitleidete ich sie.

Ich weiß, wie gestärkt ich heute bin – durch Al-Anon.
Ich habe jetzt mein Selbstwertgefühl und weiß, was für mich wichtig ist. Nach einer langen Odyssee konnte ich dann durch Al-Anon und AA doch noch mit meinem Partner von damals glücklich werden.
Ich bin sehr dankbar dafür und erfreue mich unseres Miteinanders.

Bei strittigen Fragen weiß ich heute – das ist nur eine winzig kleine Szene aus dem langen „Theater“ meines Lebens. Ich habe nicht mehr das Gefühl, wir müssten uns trennen. Uneinigkeiten zwischen uns beiden können wir in Ruhe lösen.

Ich weiß aber auch, wenn es ansatzweise wieder mal so laut wie früher werden sollte, dass ich mich dem nicht aussetzen muss. Ich gehe aus der Situation und schütze mich so.

Al-Anon half mir weiter. Ich weiß jetzt besser mit mir umzugehen und bin nun schon lange nicht mehr die „Vertraute“ anderer, die bemitleidet und Rat weiß. Heute habe ich nahe Freunde, mit denen ich Freud und Leid teilen kann. Al-Anon öffnete mir den Weg.

Für neue Teilnehmerinnen unserer Gruppen und für noch bedürftige Freundinnen habe ich Mitgefühl und ich ermuntere sie, wiederzukommen.
Ich konnte bei Al-Anon Erfahrung, Kraft und Hoffnung bekommen und möchte das gern weitergeben.

Mir ist es wichtig, jeden meiner Lebenstage erfüllt zu leben. Darin sehe ich heute meine Hauptaufgabe, deshalb achte ich gut auf mich.
Wenn es mir gut geht, kann ich auf andere ausstrahlen. Ich wünsche noch vielen Angehörigen von Alkoholikern, dass sie zu Al-Anon kommen und wie ich einen Neuanfang finden.

Geschrieben von einer Al-Anon aus Potsdam

Ein Kommentar

  1. Heidi schrieb:

    Der Bericht schreibt mir aus der Seele.

    Dienstag, 19. Februar 2013 um 07 | Permalink