Zurüruck zum Inhalt

Mein Leben mit Alateen

AlateenbildIch bin ein 16-jähriges Mädchen
und gehe bereits seit 4 Jahren zu Alateen.

Als ich 10 Jahre alt war, kam ich in eine neue Klasse, in der ich keinen kannte.

Dann habe ich mich einem Mädchen anvertraut und ihr erzählt, was mich stört.

Ich habe ihr gesagt, dass es mich stört, wenn ich nach Hause komme und alleine bin, dass es mich stört, dass ich den Haushalt so gut wie alleine bewältigen muss und dass mich keiner fragt, wie mein Tag war.

Ich dachte, dass das alles zu viel Last für ein 10-jähriges Mädchen wäre.

Sie meinte, dass sie zu Alateen geht und es gut für mich wäre.

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich wirklich zu einem Meeting mitgegangen bin.

Im 1. Meeting habe ich nicht gesprochen, sondern nur aufmerksam zugehört. Es kam mir alles sehr ungewohnt vor.
Ich fand es komisch, nach jedem Teilen “Danke” zu sagen und der Ablauf verwirrte mich.
Über seine Gefühle zu reden, das kannte ich auch nicht.

Doch ich habe mich sofort wohl in der Gruppe gefühlt, da ich mich in den Geschichten der anderen widerspiegeln konnte und merkte, dass es noch andere gibt, denen es genauso geht wie mir.
Dort wird man nicht nach Status oder Aussehen beurteilt und man kann all das loswerden, was man gerne immer schon einmal sagen wollte.

Im 2. Meeting habe ich schon ein wenig von meiner Geschichte erzählt und als ich nach Hause kam, fühlten sich meine Schultern gefühlte 100 kg leichter an.

Seitdem gehe ich regelmäßig dort hin und es hilft mir jedes Mal ein Stück mehr.
Jedes Mal lerne ich Neues dazu und jedes Mal fällt erneut ein Stück von meiner Last ab.

Ich habe gelernt, dass ich mir das Ganze nicht so schwer machen sollte und dass ich mich nicht jedes Mal darüber aufregen muss, dass meine Mutter betrunken nach Hause kommt oder meine Mutter nichts von meinen Gefühlen oder meinem Leben hören möchte.

Dafür habe ich jetzt Alateen, wo ich all das erzählen kann, das ich meiner Mutter nicht erzählen kann.

Außerdem habe ich gelernt, dass es das Problem meiner Mutter ist und dass es nicht meine Schuld ist.

Ich muss das Beste aus der Situation herausholen und das so, dass es wenigstens mir dabei gut geht.

Eine Alateen

 

 

2 Kommentare

  1. Rosie schrieb:

    Dieser Bericht geht mir sehr nahe, danke für’s teilen!
    Rosie

    Montag, 9. Juni 2014 um 13 | Permalink
  2. Margret schrieb:

    Mir ist dieser Beitrag auch sehr zu Herzen gegangen. Es freut mich immer wieder, wenn ein junger Mensch so offen und ehrlich über seine Probleme reden/schreiben kann.
    Außerdem finde ich die Bemerkung:
    „fühlten sich meine Schultern gefühlte 100 kg leichter an “
    wunderschön !!!
    So geht es mir auch heute noch manchmal nach einem Meeting 🙂
    Ganz herzlichen Dank für dieses Teilen und besonders für das ausdrucksstarke, tolle Bild. DANKE !!!

    Samstag, 28. Juni 2014 um 11 | Permalink