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Mein Leben heil werden lassen

Foto, Baumstämme im NebelIch bin die Frau eines Alkoholikers, den ich sehr liebe. Durch ihn bin ich vor sieben Monaten zu Al-Anon gekommen. Nachdem mein Mann über viele Jahre hinweg sehr krank war und ich, wie ich inzwischen gelernt habe, mich viel zu sehr um ihn gesorgt habe, gestand er mir, dass er Alkoholiker ist und nicht mehr weiter weiß. Noch in der Nacht seiner Kapitulation hatte er einen schweren gesundheitlichen Zusammenbruch und war viele Wochen im Krankenhaus. Erst nachdem mein Mann kapituliert hatte, erkannte auch ich, dass ich mein Leben nicht mehr meistern konnte und dringend Hilfe brauchte. Schon am nächsten Tag rief ich die Notruf-Nummer der Al-Anon Familiengruppe in meinem Wohnort an und erkundigte mich nach dem nächsten Treffen. Mir war speiübel vor Angst, denn ich wusste nicht, was da auf mich zukam.

Mir war klar, dass ich dringend Hilfe brauchte; Hilfe, von Menschen, die ähnliche Erfahrungen hatten wie ich.
Schon vom ersten Abend an habe ich mich bei meinen Al-Anon- (und A.A.-) Freunden wohl gefühlt. Ich wusste, ich bin hier richtig, und ich hätte schon längst hierher gehört. Obwohl mich anfangs der Gedanke schreckte, jetzt womöglich für den Rest meines Lebens zu dieser Gruppe gehen zu sollen, erkannte ich bald, worum es für mich wirklich ging: ich brauchte nur heute zu kommen, morgen war weit weg und gestern unwiederbringlich vorüber. Im Laufe der nun folgenden Wochen und Monate merkte ich, dass es mir wieder besser ging und dass wieder ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen war – Al-Anon. Mit Hilfe des Programms lernte ich, meine eigenen Fehler und Versäumnisse zu erkennen, mein Leben zum besseren zu wenden und meinen Alkoholiker in Liebe loszulassen.

Es war und ist kein einfacher Weg, aber es ist ein guter Weg. Es gibt noch vieles, dass ich nicht weiß – doch an jedem neuen Tag, den mich meine Höhere Macht erleben lässt, habe ich wieder eine Chance, mein Leben heil werden zu lassen. Ich habe das Glück, dass mein Mann seit seinem Zusammenbruch keinen Alkohol mehr angerührt hat und seinerseits von sich aus regelmäßig an A.A.-Meetings teilnimmt und für sich daran arbeitet, sein Leben wieder zu meistern.

Es geht uns seit vielen Stunden gut damit. Sicher gibt es auch weniger gute Stunden und ich weiß, dass wir beide mit Hilfe des Programms auf einem guten Weg sind. Ich bin dankbar für den Rückhalt, die Liebe und das Verständnis, das ich von meinen Al-Anon Freunden erhalte und ich freue mich für jeden Menschen, dem es gelingt, zu Al-Anon zu finden. Je besser es mir selbst geht, desto mehr kann auch ich dazu beitragen, anderen Unterstützung zu gewähren, die neu in die Gruppe kommen.

Ich bin eine dankbare Al-Anon, die weiß, dass ich erst am Anfang eines Weges stehe, der ein Leben lang ist.
Andrea, eine Al-Anon