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Lass mich den Anfang machen – ein Mut-Thema

Mut für den ersten SchrittWie wunderbar vielseitig unsere Al-Anon Slogans sind, ist mir erst vor wenigen Tagen bei dem Ausspruch „Lass mich den Anfang machen“ aufgefallen.

Bisher hatte ich diesen Ausspruch so verstanden, dass die Betonung auf dem Wort „mich“ lag.

Doch vor kurzem stellte ich erstaunt fest, dass ich diesen Satz  auch anders betonen kann –
nämlich, das Wort „Anfang“ besonders hervorzuheben.


Egal, wie ich diesen Slogan betrachte, ich empfinde, dass ich mich mit diesen Worten an eine Höhere Macht wende.

Es ist so, als würde ich bitten, die Kraft zu empfangen, mich einer bevorstehenden, meinen Fähigkeiten entsprechenden Aufgabe zu stellen.
Eine Bitte, den Mut aufzubringen mich zu trauen, bzw. mir etwas zuzutrauen, statt mich ängstlich vor einer Herausforderung zu verstecken oder gar zaghaft abzutauchen.
Und das alles, trotzdem mir die Aufgabe aus derzeitiger Sicht vielleicht noch übermächtig erscheint.

Wenn mir diese Bitte ernst ist, könnte ich in mancher vor mir liegenden Aufgabe ja sogar eine Gunst oder Gnade sehen, an der ich wachsen und reifen darf.
Überdies kann es mich möglicherweise begeistern, wenn mir Menschen einen Vertrauensvorschuss geben und mir zutrauen, mit einer komplizierten Arbeit fertig zu werden.

Wir alle von Al-Anon wissen, dass „ich nur mich selbst ändern kann“; und dazu bekomme ich doch mit den von meinem Schicksal mir zugeteilten Aufgaben genug Gelegenheit.

Die Mut spendenden und auffordernden Worte: Wer, wenn nicht ich? – wo, wenn nicht hier? – wann, wenn nicht jetzt? – sie können mir dabei helfen.  Um einen Anfang zu machen, sollte ich daher bereit sein dieses „ich – hier – und jetzt“ zu bejahen.

Noch heute wird mir zuweilen klar, wie viele unangenehme Aufgaben ich manchmal vor mir her schiebe. Doch ganz besonders in der folgenschweren Zeit meiner hilflosen Mit-Abhängigkeit stand ich zuweilen vor einem monströsen Berg unerledigter Dinge.

Eine Al-Anon Freundin berichtete mir eines Tages, wie sie -angeregt durch ein Meeting – in ähnlicher Situation begonnen hat, konsequent eine Aufgabe nach der anderen anzufangen und zu Ende zu bringen. Sie gab mir den Ausspruch des Philosophen Sophokles mit auf den Weg:
„Hast du bei einem Werk den Anfang gut gemacht; das Ende wird gewiss nicht minder glücklich sein“.

Auch ich habe damals angefangen, mit denjenigen Aufgaben aufzuräumen, welche mir am meisten im Wege waren – so nach dem Motto „das Wichtigste zuerst“.
Dabei durfte ich die wunderbare Erfahrung machen: Ist erst einmal der Anfang gemacht, so habe ich schon halb gewonnen.

Insbesondere musste ich erfahren, dass ich mich nicht verzetteln durfte. Ich musste erst die begonnene „Baustelle“ beenden, bevor ich die nächste auf machte.
Natürlich gab es auch Rückschläge, doch mit zunehmender Genesung von meiner Mit-Abhängigkeit kam in  das Anfangen, Fortführen und Beenden meiner Aufgaben immer mehr Schwung hinein.

Der „Berg“ ist zwar bis heute noch nicht ganz abgearbeitet; doch ich halte es weiterhin sinngemäß mit dem Ausspruch von Goethe: „Mir hilft der Geist! Auf einmal seh‘ ich Rat – und sag‘ getrost: Am Anfang ist die Tat“.

Viele liebe Grüße
Hubert

3 Kommentare

  1. leora schrieb:

    Sehr schön!!!!
    Danke
    Leora

    Montag, 25. März 2013 um 13 | Permalink
  2. Ingrid schrieb:

    Du sprichst mir aus der Seele, lieber Hubert! Danke für Deinen wunderschönen Beitrag.
    Ingrid

    Mittwoch, 24. April 2013 um 20 | Permalink
  3. Ella schrieb:

    Hallo Hubert,

    dein Beitrag ist für mich erfrischend. Ich habe dieses Jahr meinen Leitsatz: Ich tu es. Paßt. Danke.
    Ella

    Freitag, 1. November 2013 um 12 | Permalink