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Lange Zeit habe ich nur zugehört

Foto einer gelben BlumeBeinahe 14 Jahre sind seit meinem ersten Al-Anon Meeting vergangen. Warum kam ich ein zweites Mal wieder und dann die vielen anderen Male?
Ich bin so am Ende gewesen. So verzweifelt habe ich nach Hilfe gesucht, nach etwas, was mich aus diesem Irrsinn herauszieht. Und dann diese deutliche Aufforderung am Telefon: „Tu etwas für dich. Dein trinkender Partner hält es sonst länger aus als du. Eine Al-Anon Gruppe ist in deiner Nähe.“
Es war gar nicht so leicht, das erste Mal ins Meeting zu gehen. Aber ich wurde so liebevoll und so selbstverständlich aufgenommen, dass alle Schwellenangst verflog. Ich wurde nichts gefragt, ich brauchte nichts zu sagen. Das hat mir das Wiederkommen so leicht gemacht. Lange Zeit habe ich nur zugehört. Die Anderen erzählten ja von meinen Problemen! Es machte die Sache nicht besser, aber es war so tröstlich, zu hören, dass ich nicht die Einzige auf der Welt war, die unter dem Trinken eines Menschen erbärmlich litt.

Und es gab Literatur. Wie oft habe ich diese kleinen Broschüren gelesen und versucht, daraus zu lernen. Und es gab Hoffnung. Hoffnung, die ich aus der Erfahrung der anderen Al-Anons schöpfen konnte. Hoffnung auf ein besseres Leben. Ich lernte loszulassen. Es war ein langer Lernprozess und ich musste viele Male wiederkommen. Ich tat es gern und beharrlich, auch gegen viele Widerstände.
Mein Mann starb an seiner Alkoholkrankheit. Welch ein Segen waren die Al-Anon Freunde in dieser Zeit. Sie begleiteten mich voller Verständnis. Wie wäre es mir ohne die Al-Anon Erfahrung gegangen ? Gefühle wie Schuld und Versagen, aber auch Selbstmitleid hätten mich wohl nie ganz verlassen. Ich war allein, die Zeit verging und ich war immer noch bei Al-Anon. Inzwischen hatte ich Dienste übernommen. Das war ganz selbstverständlich, hatte ich hier doch selbst so viel Hilfe gefunden. Aber gehörte ich noch dazu – ohne den alkoholkranken Partner? Die Freunde haben mir diese Gedanken, als ich sie äußerte, schnell vertrieben. Erfahrung, Kraft und Hoffnung miteinander teilen, das macht Al-Anon aus, und das kann ich noch immer. Deshalb komme ich wieder – immer noch.

In Dankbarkeit Ilse, Al-Anon