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In der Anonymität Hilfe finden

Auch wenn Alkoholismus seit 1968 eine anerkannte Krankheit ist, so ist das doch längst noch nicht im Bewusstsein der Menschen. Und dass die Angehörigen der Alkoholiker darunter leiden, versteht kein Außenstehender. Da bekomme ich dann gesagt: „Du musst deinen Mann besser erziehen! Wenn du ihm nicht gepflegtes Trinken beibringen kannst, dann hast du als Ehefrau versagt!“ oder „Na, du kannst ihm doch einfach sagen ……………“ Nein, kann ich nicht! Weil Alkoholismus alle Lebensbereiche des Alkoholikers und auch der Menschen, die in seinem ‚Dunstkreis‘ leben, verändert, sind ganz normale zwischenmenschliche Dinge unmöglich!

Als ich endlich den Mut hatte, zu Al-Anon zu gehen, weil ich alles ausprobiert hatte und mit meinem Latein am Ende war, kam ich zu Menschen, die mich verstehen, die ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie ich sie mache. Ich zweifle nicht mehr an meinem Verstand und kann das eine oder andere, was ich von den Menschen in der Al-Anon Gruppe höre, selbst anwenden und damit meine Lebenssituation verbessern – egal, ob der Alkoholiker weiter Alkohol trinken muss oder es schafft, trocken zu werden.

Das Al-Anon Programm besteht – wie auch das Programm der Anonymen Alkoholiker aus einfachen Dingen:
Zwölf Schritte, Zwölf Traditionen, Slogans, an denen ich mich von Anfang an festhalten kann und der Gewissheit, dass ich machtlos bin, aber Hilfe bekommen kann, um mein Leben so zu leben, wie es mir gut tut, ohne dabei anderen zu schaden.

Der erste Schritt lautet: „Wir haben zugegeben, dass wir Alkohol gegenüber machtlos sind und unser Leben nicht mehr meistern konnten.“, die erste Tradition: „Unser gemeinsames Wohlergehen sollte an erster Stelle stehen; persönlicher Fortschritt für möglichst viele hängt vom Einigsein ab.“

Wenn ich zu einem Treffen gehe, dann brauche ich noch nicht mal meinen richtigen Vornamen zu sagen. Es werden keine Listen geführt und ich entscheide selbst, ob ich etwas sage. Auf dem Tisch steht ein Schild: „Wen Du hier siehst, was Du hier hörst, wenn Du gehst, bitte lass es hier.“

Für mich persönlich ist heute das Leid, das Kinder in alkoholkranken Familien erleben, das Schlimmste. Kinder können sich nicht wehren, glauben das, was die Eltern ihnen sagen. So wachsen sie in die Strukturen rein, die sie entweder selbst zu Alkoholikern werden lassen (sofern sie das Gen, was dafür notwendig ist, haben) oder suchen sich mit traumwandlerischer Sicherheit entweder einen Alkoholiker als Partner oder ein ‚erwachsenes Kind’ eines Alkoholikers, wie sie es selbst sind.

Ich kam zu Al-Anon, weil ich ein Rezept haben wollte, wie ich meinem Mann das Saufen abgewöhnen kann. Ein solches Rezept hat Al-Anon nicht. Ich blieb, weil ich dort Menschen traf, die mich verstehen und die mir sagten, was ihnen geholfen hat. Mehr und mehr davon setzte ich in meinem Leben um und eines Tages – als ich mir das gar nicht mehr vorstellen konnte – hatte mein Mann den Wunsch, mit dem Saufen aufzuhören! Ich hatte mich so geändert, dass das Saufen für ihn unbequem geworden war!

Ein Kommentar

  1. Rita schrieb:

    danke für diesen Beitrag.Er hat mir Mut gemacht und Hoffnung gegeben,dass es sich lohnt,nach vorne zu schauen in dieser scheinbar ausweglosen Situation,in der ich mich gerade befinde.Ich werde noch in dieser Woche eine AL-Anon Gruppe aufsuchen.Dass ich nicht schon früher diese Entscheidung getroffen habe…,man glaubt zu lange, es irgendwie alleine zu schaffen,bis man am Ende ist.Meine Verzweiflung hat mich heute dazu gebracht,bei google den suchbegriff“Angehörige anonyme Alkohliker“einzugeben und bin froh,diesen Artikel gefunden zu haben.Nochmals vielen Dank

    Montag, 7. Mai 2012 um 18 | Permalink