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Ich werde nicht zu Grunde gehen

Abbildung einer Geburtstagszahl Ich bin seit 38 Jahren verheiratet, meine Frau ist seit ca. 28 Jahren alkoholkranke Spiegeltrinkerin. Unser beider Leben ist von unzähligen Trink- und Trockenphasen überschattet. Ein ewiges Auf und Ab. Die Kraft, mich von meiner lieben Frau zu trennen, war mir nie gegeben, und ich habe sie auch heute nicht. Vor vielen 24 Stunden, ich war körperlich und seelisch am Ende, bin ich das erste Mal zu einem Al-Anon-Meeting gegangen. Die Zeit war reif und ich endlich bereit, etwas für mich zu tun. Nach den schlimmen Erlebnissen im Zusammenleben mit meiner alkoholkranken Partnerin war mir klar, dass ich sie nicht zwingen konnte, mit dem Trinken aufzuhören – ich musste etwas für mich tun.
Ich wurde in der Gruppe so liebevoll aufgenommen, konnte endlich reden und wurde verstanden. Was mich jedoch am meisten beeindruckte, waren die Schilderungen der Meetingteilnehmer über ihr persönliches Schicksal. Den meisten ging es so viel schlechter als mir, aber sie konnten trotz allem lachen.
Lachen, das konnte ich schon lange nicht mehr. Als ich von meinem ersten Meeting nach Haus ging, spürte ich schon etwas von der Spiritualität des Programms. Mir ging es etwas besser.
Von dem Abend an ging ich regelmäßig einmal in der Woche in das Meeting. Die Al-Anon Gruppe wurde meine
Familie. Heute, seit vielen 24 Stunden in Al-Anon, geht es mir gut. Ich kann wieder lachen. Meine Frau muss
trotz vieler Klinikaufenthalte und Entgiftungen noch immer trinken. Ich habe kapituliert. Ich kann und will einen anderen Menschen nicht ändern, Nur ich kann mich ändern. Mit Hilfe der Zwölf Schritte arbeite ich an meiner Weiterentwicklung. Dank Al-Anon kann ich heute mit der Krankheit meiner Frau leben, ich werde an dieser schrecklichen Krankheit nicht zu Grunde gehen.
Ich gehe regelmäßig ins Meeting, um mit meinen Al-Anon Freunden Erfahrung, Kraft und Hoffnung zu teilen,
und vielleicht gelingt es mir, ein wenig Al-Anon Wissen an Neue in der Gruppe weiterzugeben. Ich werde nie vergessen, wie mir durch Al-Anon in meiner größten Not geholfen wurde. In großer Dankbarkeit, dass es Al-Anon gibt, liebe Grüße an alle Al-Anons
Klaus, ein Al-Anon

Ein Kommentar

  1. Heike schrieb:

    Ich bin nun über 7 Jahre mit einem Alkoholiker zusammen. Anfänglich konnte / wollte ich es nicht sehen: das er konsumiert. Doch als der erste, richtige Zusammenbruch seinerseits in unserer Beziehung kam, fing ich an aufzuwachen.
    Auch ich musste mir Hilfe suchen und begab mich in psychologische Behandlung. Parallel dazu suchte ich mir eine Al-Anon Gruppe, die ich wöchentlich besuchte. Es war ein innerer Zwang von mir, dort hinzugehen. Das Literaturmeeting tat verdammt gut. Es war immer wie verhext, wie die höhere Macht einen Tagesspruch hervorzaubert, der genau zu meinem Problem des Tages / der Woche passte. Immer wieder nach dem Meeting fühlte ich mich total geerdet, ruhiger und gelassener als ich zuvor hingegangen war. Ich rätsel oft darüber, warum das so ist. Doch eigentlich ist es auch egal warum, sondern nur: es hilft!! Diese unglaubliche Höhere Macht, die für mich sorgt, mir diese Gruppe mit diesen lieben Menschen geschenkt hat, ist allgegenwärtig.
    Ich arbeite in den Schritten, vielleicht nicht so schnell wie man es sollte (oder vielleicht wie ich denke, wie man es tun sollte?) – ich arbeite in meinem Tempo darin: mal mehr, mal wieder weniger und bin stolz darauf, was ich dadurch für mich und über mich gelernt habe. Ich bin neugierig darauf, was ich noch lernen werde und bin dankbar darüber, dass die Erfahrungen anderer in Al-Anon mir zum Lernen und Leben mitgeben.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein stetiges, ständiges Leben mit einem kranken Partner haben möchte. Doch dann denke ich immer wieder „nur einen Tag nach dem anderen“ und verschiebe eine wirkliche Entscheidung wieder. Der Süchtige hat einen weichen Kern und will genauso geliebt werden wie ich selber auch.
    Mit Al-Anon wird ein Weg möglich, der mittels der Arbeit in der Gruppe Kraft gibt und Hoffnung bereitet.
    Danke dafür.

    Donnerstag, 25. Januar 2018 um 16 | Permalink