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Ich bin eine Angehörige

Abbildung einer GeburtstagszahlIch bin erst in eine Al-Anon Gruppe gegangen, als ich nicht mehr weiter wusste. Ich war verzweifelt, fühlte mich hilflos und war hoffnungslos. Meine Kräfte waren am Ende. Eine schwere chronische Krankheit nahm mir die Luft zum Atmen.

Wie konnte es nur weitergehen mit unserer Familie, in der doch auch die Kinder litten? Konnte ich mich aus dieser Beziehung lösen, um aus dem Teufelskreis herauszukommen? In der Zeitung las ich, dass es hier in Potsdam eine Gruppe für Angehörige und Freunde von Alkoholikern gibt. Mein Entschluss stand fest – ich gehe zu dieser Gruppe.

Erstmalig überliess ich meinem Partner die wirklich freie Entscheidung, ob er zu den Anonymen Alkoholikern (A.A.) gehen wollte oder nicht. So sagte ich es ihm dann auch. Sonst hatte ich ihn immer wieder gebeten, gedroht, empfohlen sich beim Therapeuten oder Ärzten u.a., die ich für ihn herausgesucht hatte, Hilfe zu holen. Diesmal überliess ich es ihm, für sich selbst eine Lösung finden. An besagtem Samstag fuhr ich zu Al-Anon und – erstaunlicherweise fuhr mein Mann mit zur parallel stattfindenden A.A. Gruppe.

Ich wollte einen Rat von denen in der Al-Anon Gruppe, nur die Antwort haben, ob und wie ich mich trennen kann. Es kam anders.

Die Teilnehmer dort nahmen mich herzlich auf. Sie ermunterten mich zum Sprechen, hörten mir zu und erzählten, wie sie, als Angehörige mit dem Problem umgingen. Endlich konnte ich mich öffnen, auch viele Tränen fliessen lassen. Meine Fragen wurden nicht beantwortet und doch passierte etwas Besonderes. Ich fühlte – da waren Menschen, denen ich mich anvertrauen konnte, in jeder Lage. Das bewog mich, die Meetings weiter regelmäßig zu besuchen. Ich ließ mich allmählich gern auf das Zwölf-Schritte-Programm ein und las oft in der Al-Anon Literatur.

Für mich begann mit Al-Anon ein neuer, schöner Lebensabschnitt. Ich konnte mich ändern und mein Mann ebenfalls. Wir beide nutzen noch heute die Möglichkeit, uns immer wieder in den Meetings auszurichten. Nie hätte ich während der Alkoholzeit gedacht, dass ich mit meinem Mann zusammen alt werden könnte. Wir vertrauen einander, mühen uns, ehrlich Probleme zu lösen, sind rücksichtsvoll und sehr dankbar, dass wir diese Zeit jetzt erleben dürfen.

Nur gut, dass vor 50 Jahren in Deutschland Al-Anon Gruppen entstanden ! Durch die Wiedervereinigung gibt es jetzt in Potsdam und Berlin Al-Anon Meetings, so dass Angehörige und Freunde von Alkoholikern aus diesem Teufelskreis der Alkoholkrankheit ihren Ausweg finden können.

Geschrieben von einer Al-Anon

Ein Kommentar

  1. Rosie schrieb:

    Obwohl schon viele 24h in Al-Anon berühren mich diese Geschichten immer sehr. Leider durfte ich nicht erleben, dass mein Mann trocken wurde, er verstarb vorher.
    Mein Name ist Rosie, ich bin Angehörige

    Dienstag, 6. Juni 2017 um 12 | Permalink