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Heute habe ich eine Rettungstasche

Foto einer 1.Hilfe Tasche

Fast meine ganzen ersten zwei Jahre bei Al-Anon bin ich einfach immer wieder hin, einfach, weil es mir irgendwie gut tat. Die Gruppe, die Struktur, die Klarheit, die Verlässlichkeit, die Texte, die Erzählungen… all das zog mich an. Ich ging relativ regelmäßig zu den Meetings und hatte doch in mir Zweifel, ob ich je es verstehen würde oder ob ich jemals innerlich wirklich zu Frieden und Freude finden würde.

Wann kam bei mir dieser „magische Moment“? Würde ich dann endlich dauerhaft meine Höhere Macht spüren? Spüren, was gut für mich ist und mich um mich kümmern können? Meine zwanghaften Kontrollaktivitäten und das ungefragte Einmischen in das Leben aller anderen, besonders meiner Lieben, endlich lassen?

Aber all das blieb aus. Ich dachte immer noch, jemand anderes würde es für mich tun – mich retten. Ich überlegte auch, nicht mehr zu kommen, entschied mich aber immer wieder dafür, bis mir endlich auffiel, dass ich meinen Teil der Arbeit vergaß. So übernahm ich den gerade frei gewordenen Dienst der Kassenwartin und suchte mir eine Sponsorin. Ich begann, mit ihr in den Schritten zu arbeiten und bin immer noch dabei.

Das war meine Rettung, denn Al-Anon war bereits meine letzte Hoffnung. Es war für mich damals wirklich so dramatisch. Ich hatte das sinkende Schiff zwar verlassen, hatte aber nichts zum Festhalten und war am Ende meiner Kräfte. Al-Anon war mein Rettungsboot und heute bin ich dankbarer Teil dieser weltweiten Gemeinschaft. Denn das Leben ist wie ein Ozean, es gibt ruhige und stürmische Zeiten. Ich lerne immer noch, meine Rettungstasche nicht nur zu haben, sondern auch zu benutzen. Gerade darf ich erneut mein altes Kontrollverhalten schmerzlich spüren:

Mein 19-jähriger Sohn ist auf dem besten Wege, sich in virtuellen und alkoholischen Welten zu verlieren. Das gleiche Verhalten wie mein Ex-Mann. Heute weiß ich: Ich bin nicht mehr alleine und ich kann ihn nicht retten. Auch spüre ich heute öfter eine Verbindung zu meiner Höheren Macht, zu dem „Großen Ganzen“ und dass wir alle darin getragen und getröstet sind. Vielleicht verlasse ich wieder ein sinkendes Schiff, diesmal zu meiner Rettung gut ausgestattet. Ich darf realisieren, dass meine Zeit der Erziehung lange vorbei ist und dass auch er mit einer Rettungstasche ausgestattet ist. Das Benutzen jedoch liegt in seiner Verantwortung. Das ist nicht einfach für mich, doch ich versuche mein bestes. Einen Tag nach dem anderen.

In Dankbarkeit, eine Al-Anon

Ein Kommentar

  1. Christine schrieb:

    Ich kenne es sehr gut. Es ist eine der größten Herausforderungen „einen Platz in der ersten Reihe“ zu haben und zu zu sehen, wie unsere Lieben leiden, sich schaden oder sich selbst sogar zerstören, was die Krankheit mit sich bringen kann. Diese Belastung ist zu groß, als dass man sie alleine bewältigen kann. Die Al-Anon Meetings sind für mich wie ein Sicherheitsnetz, dass mich auffängt und mir hilft einen Umgang mit den schwierigen Situationen zu finden.

    Donnerstag, 16. März 2017 um 00 | Permalink