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Griechenland-Convention oder die Gemeinschaft und ich

Ich möchte von der Al-Anon-Convention in Griechenland berichten- einem Treffen, bei dem Al-Anons aus vielen Städten und Ländern zusammenkommen.
Dieses meist für ein Wochenende, und es werden von morgens bis abends Meetings angeboten.
In Griechenland sind die Al-Anons gerade dabei, eigene Strukturen aufzubauen.
Das in Meetings mitzuerleben, hat mich sehr berührt.
Ich bin unglaublich dankbar für die Conventions- manchmal höre ich Leute teilen, dass sie Gelassenheit und tiefgreifende Veränderung allein durch den Besuch der Meetings erfahren. Bei mir ist das nicht der Fall.

Phasen der Veränderung und Leichtigkeit und Momente der Gelassenheit habe ich dadurch erfahren, dass ich versuche, sämtliche Werkzeuge von Al-Anon zu nutzen – zum Beispiel Sponsorschaft, das Praktizieren der Schritte, die Dienste.

Conventions sind deswegen wertvoll für mich, weil dort viele Al-Anons mit langjähriger Erfahrung sind. Auch, weil ich die Meetings dort als sehr intensiv und besonders wertvoll für mich erlebe.
Also fahre ich zu den Conventions. Es war meine zweite. Ich kam an, war komplett verunsichert und heulte vor Angst.
Bei solchen Gelegenheiten schaltet sich in der Regel mein Kopf ein und bietet mir ein Skript an: Was tun, um willkommen zu sein? Was, um mich richtig zu verhalten?
Ich versuchte also, einen entspannten, souveränen Eindruck zu machen, eloquent, intelligent und interessant zu wirken und den Eindruck eines Al-Anon-Mitglieds zu machen, mit dem jede_r gern etwas zu tun haben möchte. (Ich liebe den Satz: „Der Verstand ist eine gefährliche Nachbarschaft. Besuche sie nicht alleine.“)

Die Crux an der Geschichte: ich mag Al-Anon.Ich fühle mich wohl in den Meetings.
Vor allem aber sehe ich bei den Conventions meine Vorbilder. Menschen, die haben, was ich möchte. Bei denen ich spüre, was Gelassenheit, was Frieden, was Glück und Zufriedenheit ist.

Ich höre Sprecher, deren Teilen so klar ist, dass ich mich persönlich angesprochen fühle: in meiner Krankheit und in dem Weg meiner Genesung.
Ich will dort also angenommen sein und mich willkommen fühlen. Der angemessene Weg dorthin schien mein Plan zu sein.

Er funktionierte ungefähr zwei Stunden. Ich fühlte mich sehr unwohl -gefangen in mir und abgeschnitten von anderen. Ich habe Al-Anons ähnliches teilen gehört: dass in Al-Anon Masken oft nicht funktionieren, und dass in Al-Anon die Sprache des Herzens gesprochen wird. Das macht mir in der Regel Angst. Mich anzuvertrauen mit meiner Angst und Unsicherheit, mich anderen zu zeigen, wie ich bin, in Schwächen und Stärken, fällt mir nicht leicht.

Bei Conventions passieren – wahrscheinlich wegen ihrer Intensität – oft besondere Dinge für mich.
Ich bin dann sehr offen und Botschaften, die sonst längere Zeit brauchen um bei mir anzukommen, finden ihren Weg in mich oft sehr schnell und wirken tief.

Ich bin dieser Convention sehr dankbar, weil sie mir den Weg geöffnet hat zu einem neuen Zugang zu mir. Eine der größten Herausforderungen für mich ist, mich als mögenswert, als liebenswert und als Respekt, Anerkennung und Akzeptanz verdienend zu spüren. Wie oben beschrieben sind die Wege, die ich gehe, um dies zu bekommen, meist die nach außen.

Meine Sponsorin sagte aber in einem Moment der Verzweiflung folgende Worte zu mir, und in dem Moment konnte ich sie hören und annehmen und akzeptieren:
„Es ist ein Spiegel-Prinzip. Verhalte Dich so, dass du selbst dich lieben und akzeptieren kannst. Ob andere dich mögen, ist ein Bonus, und dass sie dich mögen, ist ein Nebeneffekt.“

Nur für heute ist das eine der wertvollsten Lektionen, die ich in meiner Genesung bekommen habe.
Ich kann die Welt und Al-Anon zu einem Ort machen, an dem ich versuche perfekt zu sein und meine Masken und Mauern polieren.
Oder ich kann sie – insbesondere Al-Anon -, zum Ort der Genesung, des Weges zu mir selbst zu machen. Das ist meine Entscheidung.
Ich danke für die Convention. Ich danke für das, was ich bekommen hab.
Ich teile es, um es zu behalten.

Geschrieben von einer Al-Anon aus Berlin