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Es geht aufwärts – So wirkt Al-Anon

VornText-Auszug aus der Al-Anon Literatur
„Mut zur Veränderung“ – Einen Tag nach dem anderen in Al-Anon- Seite 33

„Ich pflegte mein Leben so zu leben, als wenn ich auf einer Leiter stünde. Alle anderen waren entweder über mir – zu fürchten und zu beneiden – oder aber unter mir – zu bemitleiden.
Gott war weit, weit oberhalb, außerhalb meiner Sichtweite.
Bei Al-Anon lerne ich, von meiner Leiter herunterzuklettern und in den Kreis der Gemeinschaft hineinzukommen. In diesem Kreis sind alle gleich und Gott ist direkt im Zentrum, leicht zu erreichen. Wenn Neue kommen, machen wir einfach den Kreis größer.
Heute bedeutet für mich „Bescheidenheit“ von der Leiter des Urteilens über mich selbst und andere herunterzukommen, in den Kreis zu treten, indem ich Liebe und Unterstützung erfahre. „Leben und Leben lassen“ befreit mich von dem Zwang zu kritisieren, zu urteilen und zu verdammen. Al-Anon lehrt mich Toleranz, die in Liebe wurzelt.“


Dieser Text hat mich sehr lange und intensiv beschäftigt.
In diesem Text wurde mein eigenes Verhalten gespiegelt. Ich war erschrocken und verzweifelt, denn ich hatte bisher mein Verhalten nie hinterfragt oder an der Richtigkeit gezweifelt.
Nach und nach erkannte ich, dass auch ich unter den Auswirkungen des Alkoholismus litt.

Aufgrund all der Tragödien die ich im Zusammenleben mit einem nassen Alkoholiker erlebt hatte, lernte ich schon sehr früh, niemals den Kopf zu verlieren und das Zepter immer in der Hand zu behalten, damit ich immer handlungsfähig sein und reagieren konnte und mir Strategien für mein Überleben ausdenken konnte.
Heute nenne ich dieses Verhalten „Kontrolle“.

Ich kontrollierte alles, überließ nichts dem Zufall. Ich trainierte täglich: besser, schneller und perfekter als andere zu sein. So suchte ich verzweifelt nach Anerkennung.

Schon als Kind war ich kämpferisch und rebellisch, weil ich bei meiner Geburt ein ungewolltes Kind war und damals schon für mein „Existieren“ und für „gesehen und wahrgenommen werden“ kämpfen musste.  Angst und Panik habe ich erfolgreich verdrängt.

Ich glaubte, die schwierige Situation (den Alkoholismus) Zuhause im Griff zu haben, war aber völlig mit dieser Aufgabe, „Katastrophen“ verhindern zu müssen, überfordert.
Aus Scham schwieg ich und wurde zum Einzelkämpfer.

Ich gab meinem Alkoholiker die Macht über mich, weil ich ihn auf einen Sockel stellte.
Was er sagte, war für mich Gesetz.  Ich konnte nicht erkennen und fühlen, was richtig, falsch oder meine eigene Meinung war.

Ich funktionierte und tat alles, was andere von mir erwarteten. Ich wurde auch gar nicht nach meiner Meinung gefragt.
Ich war kein eigenständig denkender Mensch mehr und trotzdem behandelte ich andere Menschen von oben herab.

Wenn mir schwache Menschen meine Opferrolle spiegelten, verachtete ich sie, obwohl sie sich nicht anders verhielten als ich. Bei anderen konnte ich das kranke Verhalten erkennen, aber bei mir selber nicht. Ich war doch anders und besser!
Ich verurteilte, kritisierte und verletzte sicher viele Menschen – ich fühlte mich dabei auch für kurze Zeit wirklich besser, aber dann distanzierten sich diese Menschen von mir.
Wieder war ich einsam und allein.

Dank Al-Anon ist das nun Vergangenheit.

Heute kenne ich Selbstliebe, Selbstwertgefühl und Selbstwahrnehmung. Ich trete gerne in den Kreis von Al-Anon. Dort finde ich, wonach ich immer gesucht habe: Vertrauen, Liebe, Anerkennung und Unterstützung.

Ich wurde von einer schweren Last befreit.
Heute habe ich den Mut, meine Meinung zu äußern, ohne andere abzuwerten und zu verletzen.

Ich lerne, dass meine Sichtweise nicht zwangsläufig immer richtig und gut ist.
Ich höre anderen im Meeting zu und profitiere von ihrer Sichtweise. Ich lerne langsam meine Arroganz und Überheblichkeit in ein liebevolles Miteinander umzuwandeln.

Aus Groll wurde mit der Zeit Verständnis, aus Feindseligkeit Mitgefühl.
Heute kann ich toleranter sein und weiß, dass andere Menschen ihre eigene oder eine andere Meinung haben und dass auch diese Meinung Bestand hat.

Meine Rettung war Al-Anon.
Veränderung braucht Zeit, aber die Gruppenmitglieder hatten viel Geduld mit mir.
Ich stehe nicht mehr alleine oben auf einer Leiter, sondern wurde liebevoll in den Kreis von Al-Anon aufgenommen.

Mein Motto lautet heute: „Für jedes Problem gibt es eine Lösung“ -ich brauche mich nicht zu ängstigen.
Ich bin voller Vertrauen, dass mir meine Al-Anon Freunde helfen und dass „Gott“ mir das gibt, was ich brauche, damit ich weiterhin genesen darf. Der Text aus dem Tagesmeditationsbuch hat mir geholfen mein eigenes Verhalten zu reflektieren.
Ich erkannte, dass ich mich verändern muss, wenn ich Gelassenheit und Frieden im Leben finden will.
Ich habe andere Menschen für mein „Elend“ verantwortlich gemacht und jahrein jahraus darauf gewartet, dass es endlich besser wird.

Dank Al-Anon habe ich heute eine ganz neue Lebensqualität!

H. – eine dankbare Al-Anon

Ein Kommentar

  1. Hubert schrieb:

    Liebe „H“

    Du schreibst „Für jedes Problem gibt es eine Lösung – ich brauche mich nicht zu ängstigen. Ich bin voll Vertrauen, dass mir meine Al-Anon Freunde helfen und dass „Gott“ mir das gibt, was ich brauche, damit ich weiter genesen darf.“

    Für mich sind diese Aussagen von entscheidender Bedeutung. Ich durfte, wie Du, durch Al-Anon begreifen, mich nicht mehr in meine Probleme zu verbeißen, sondern gelassen darauf zu vertrauen, dass der Weg – so holperig er auch sein mag – für mich der richtige ist.

    Danke für diesen Beitrag.

    Sonntag, 23. Juni 2013 um 09 | Permalink