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Durchs Dunkle gegangen – im Hellen gelandet

DunkelHellJe älter ich werde, umso schneller verrinnt die Zeit, aber je älter ich werde, umso schöner empfinde ich mein Leben.

Ich erinnere mich der vielen Jahre, in denen mein Leben voller Sorge und Belastung war.

Damals war es so, dass mir die Zeit endlos erschien.

Ich fand keinen Ausweg aus dem Leben mit meinem Partner, der den Alkohol als liebsten Freund hatte.
Es war, als wäre ich in einer Tretmühle, mein ohnehin geringes Selbstwertgefühl wurde immer kleiner. Die körperlichen Symptome machten mir zu schaffen.

Meine Seele schrie nach Hilfe. – Ich aber war schweigsam, hatte niemanden, mit dem ich mich über all das, was ich durch die Alkoholkrankheit erlitt, austauschen konnte.

Wegen meiner sich verschlechternden Gesundheit konnte ich meine Aufgaben in unserer Familie mit den Kindern und dem trinkenden Mann, sowie im Beruf nicht mehr voll wahrnehmen.

So überwand ich mich, mich von meinem Mann mit seinen 2 mir liebgewordenen Kindern zu trennen.  Nach kurzer Zeit hatte mein Partner den von mir unangekündigten Scheidungsantrag zur seiner Stellungnahme in den Händen.
Sein Wunsch, mit mir zusammenbleiben zu wollen war so groß, dass er mich um etwas bat, das ich  ihm schon viele Male vorgeschlagen hatte, er aber bisher immer aufbrausend abgelehnt hatte – eine Eheberatung aufsuchen.

Der teuflische Rhythmus des Trinkens war kurzzeitig unterbrochen, die  Beratungstherapie lief, hatte aber nicht den gewünschten Erfolg.
Es fühlte sich für mich an, als ginge die Zeit nur schleppend und schwer voran.

Nach vielen Jahren, in denen ich die Trockenheit meines Mannes glaubte zu kontrollieren, es auch regelmäßig Rückfälle gab, kam ich wieder an einen Punkt in meinem Leben, wo ich kraftlos war und nach einer Änderung suchte.
Die Kinder waren inzwischen aus dem Haus.

Ich konnte mir ein weiteres Zusammenleben in dieser Ehe unter solchen Bedingungen nicht vorstellen.
In der Zeitung las ich, dass in unserer Stadt eine Al-Anon Gruppe eröffnet wurde.
Ich hatte ich mich durchgerungen, dort unbedingt hinzugehen.

Dass von da an für mich ein neues Leben begann, verdanke ich einem Umstand, den ich heute als Wink des Schicksals oder als Gabe von oben ansehe.
Denn ich konnte erstmals meinem Mann seine Verantwortung zurückgeben, indem ich sagte, – ich gehe zu Al-Anon ,  ob du dort zu AA gehst oder nicht, das ist mir total egal – ich gehe -.

Wie ein kleines Wunder erlebte ich, dass wir an besagtem Samstag gemeinsam, jeder in seine Gruppe ging. Ich konnte dieses eine Mal mein Drängen,  Manipulieren oder  Bitten lassen.

Ja, nun bin ich wieder bei der Zeit, die so schnell vergeht.
Durch Al-Anon bin ich jetzt in der Lage, mein Leben, Tag für Tag, sinnerfüllt zu gestalten.
Wenn es um mein Wohl geht, stelle ich mich jetzt gern an die erste Stelle. So pflege ich für mich wichtige Freundschaften durch Briefeschreiben, Treffen und Telefonate.

In meiner Familie bringe ich mich entsprechend meiner Möglichkeiten gern, aber abwägend, ein.
Ich widme mich meinen Hobbys, meditiere, treibe Sport und ernähre mich  gesund.
Dadurch, dass mir meine 2 wöchentlichen Meetings-Besuche in Al-Anon zur  Gewohnheit geworden sind, kann ich mich immer emotional gut austarieren.

Ich staune immer wieder über die im Meeting bekommenden Anstöße und ihre Wirkung. Z.B. lasen wir in der Gruppe aus dem Al-Anon Buch „Mit dem Öffnen unserer Herzen verwandeln wir unsere Verluste“ (Best.-Nr. 119).

Innerhalb unseres Rundgespräches erkannte ich, welch ein Gefühl mich von Kindheit an bis zu meiner Al-Anon Teilnahme begleitete.  Ich wusste es bisher nie zu benennen.
Jetzt weiß ich, ich war in grundlegender Traurigkeit gefangen.

Diese und andere Erkenntnisse helfen mir meine Lebenslast zu erleichtern.

Jetzt bin ich dabei, die mir genommene Fröhlichkeit meiner Kindheit neu zu entdecken.
Ich habe Spaß am Leben – dank Al-Anon und seinem wunderbaren spirituellen Programm ! Für mich ist es mein Lebensprogramm.
Ich erlebe heute viel Schönes und bin voller Dankbarkeit.

Und in meiner Ehe fühle ich mich wohler als je zuvor.
Al-Anon und AA bewirkten, dass wir jetzt miteinander Freude haben und Zwistigkeiten keine nachhaltigen Folgen haben, sondern „luftreinigend“ wirken.
Es ist, als würde ich durchs Dunkle gegangen und im hell erleuchteten Teil meines Lebens gelandet sein, ähnlich wie es auf dem Bild zu sehen ist.

Mit Al-Anon konnte mein  Neuanfang beginnen.

In Verbundenheit mit all denen, die vor mir Al-Anon begründeten und mit liebevollen Grüßen an Euch, die auch Ihr in Al-Anon euren Weg findet.

Sabine

2 Kommentare

  1. Sonja schrieb:

    Vielen Dank für den Post! Mir gibt das sehr viel, zu lesen, dass ein Licht am Ende des Tunnels ist.

    Mittwoch, 1. Mai 2013 um 14 | Permalink
  2. Hubert schrieb:

    Liebe Sabine,
    Du schreibst: „ich erlebe viel Schönes und bin voll Dankbarkeit“. Du sprichst mir aus dem Herzen, denn um das Schöne zu erleben, muss ich wache Sinne dafür haben. In der Dunkelheit meines Lebens, verursacht durch den Alkohol, waren diese Sinne erblindet. Durch Al-Anon wurden sie wieder geweckt. Heute kann ich sagen:“Ich habe noch nie so intensiv gelebt“.
    Danke, für diesen Beitrag.

    Samstag, 4. Mai 2013 um 19 | Permalink