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Durch Al-Anon begann für mich ein neues Leben

FlamingosVor 11 Jahren lernte ich Al-Anon kennen, weil mein damaliger Lebenspartner alkoholkrank war.

Ich wollte gern erfahren, was ich tun kann, um meinen Partner die nötige Hilfeleistung zu geben, damit er keinen Alkohol mehr trinken muss und die täglichen Auseinandersetzungen endlich ein Ende haben.

Ich fand es anfangs schon etwas merkwürdig, als mir gesagt wurde, dass auch ich kranke Verhaltensweisen hätte und in erster Linie für Angehörige von Alkoholikern die Al-Anon-Gruppen für meine Genesung zuständig seien.

Anfangs ergab ich mich in mein Schicksal, da ich mir sicher war, dass ich schon allen beweisen könne, dass sie sich irren, weil ich keinen Alkohol trinke.

Jetzt kam auch noch dazu, dass ich nicht getauft bin und ich dadurch auch keinen Bezug zur Kirche habe.

Ziemlich schnell erkannte ich aber, dass ich immer die Entscheidungen auch für meinen Partner allein getroffen habe.
Sie waren auch immer richtig, zumindest bis ich erkannte, dass kein Mensch das Recht hat sich selbst als Höhere Macht ( Gott) aufzuspielen.

Ich lernte meine Existenzangst, meine Gesundheit und die Sorge um meinen Lebenspartner und die der Kinder einer höheren Macht anzuvertrauen, die größer ist als ich.
Jetzt begann sich allmählich mein Leben in geregeltere Bahnen zu entwickeln.

Ich fand endlich meine inneren Gelassenheit wieder, die notwendig war, um meine Leben wieder meistern zu können.
Nicht einmal meine Söhne glaubten mehr daran, dass ich mein Leben wieder in den Griff bekommen könnte.

Ich arbeitete regelmäßig und intensiv im 12-Schritte-Programm von Al-Anon, das als Grundlage das 12-Schritte-Programm von AA hat.  Mindestens 2 mal wöchentlich besuchte ich Al-Anon-Meetings.

Mein Selbstwertgefühl war damals so weit im Keller, dass es mir anfangs sehr schwer viel in den Meetings zu sprechen.
Ich lernte in den Meetings wieder von mir selbst und meinen Gefühlen zu sprechen.

Aus Dankbarkeit über meine Genesung begann ich mich an der Öffentlichkeitsarbeit in Al-Anon zu beteiligen.
Gemeinsam mit den AA besuchte ich verschiedene Schulen und erzählte dort in den Schulklassen meine Lebensgeschichte .
Ich sprach bei Krankenschwestern, in Suchtkliniken oder im Radio, soweit ich es mit meiner Arbeit regeln konnte.
Ich erkannte, dass es kaum Hilfen für Angehörige oder Kinder von Alkoholkranken gibt.

Die Alkoholkrankheit ist eine Familienkrankheit, in der jedes Familienmitglied betroffen ist.

Mein jüngster Sohn lernte dadurch die Alateen-Gruppe ( Kinder von Alkoholkranken) kennen und konnte dadurch die notwendige Hilfe bekommen, damit er sein Leben wieder meistern konnte.

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie sich dadurch unser Leben schon durch einfache Slogans von Alateen und Al-Anon in die richtigen Bahnen lenken lässt.

Die Alkoholkrankheit als Familienkrankheit ist für mich der Anlass gewesen, mich als Gruppensprecher in die Regionalgruppe delegieren zu lassen, um ein Teil von dem zurück zu geben, was ich erhielt.
Erst hier erkannte ich, wie wichtig es ist über den Tellerrand zu schauen und andere Menschen kennen zu lernen, die sich ebenfalls mit der Öffentlichkeitsarbeit vertraut gemacht haben.

Überall wo ich bisher war, ob bei AA, Al-Anon oder Alateen hatte ich immer das Gefühl, dass ich eine neue Familie gefunden habe. So konnte meine Genesung ständig voranschreiten.

In diesem Jahr wurde ich zur Delegierten gewählt. Ich bedanke mich für die Anerkennung und freue mich schon auf meinen neuen Aufgabenbereich.

Petra