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Denken und Liebe

 

Buchfoto - Bestellnr. 112

Ich heiße Thomas und gehöre zu Al-Anon.

Am vergangenen Samstag habe ich im Regionalmeeting  ein Zitat aus unserer Al-Anon Literatur gehört, das mich sehr bewegt hat und das ich zum besseren Verständnis hier wiederhole.

Es ist aus dem Buch „Lois erinnert sich“ (S. 214) und lautet:
Ich dachte immer, dass das Denken die größte menschliche Aufgabe ist.  AA hat mich etwas anderes gelehrt.
Heute erkenne ich, dass unsere wichtigste Aufgabe die Liebe ist.
Das Herz hat den Vorrang vor dem Verstand.“

Und etwas weiter:
Genauso fragt sich unser begrenzter Verstand manchmal, weshalb ein liebender Gott es offensichtlich zulässt, dass Menschen, die Gott augenscheinlich lieben und rechtschaffen sind, gelegentlich von Tragödien heimgesucht werden, unter denen sie leiden. Aber unsere Herzen brauchen keine Logik. Sie können lieben und vergeben, und das annehmen, was unser Verstand nicht begreifen kann. Das Herz kann Dinge erkennen, die sich dem Verstand entziehen.“

Im Unterschied zu Lois bin ich nicht AA sondern Al-Anon dankbar dafür, dass es mir hilft das für mich zu entdecken, was Lois für sich zum Ausdruck bringt.
Lois war Mitbegründerin von Al-Anon und war AA dankbar, wo ihr Mann Bill Genesung fand.

Mein Vater fand nicht zu AA. Mein Denken hat mir lange vorgegaukelt, dass ein Angehöriger mitleiden muss, solange der Alkoholiker nicht aufhört zu trinken.
Mein Denken hat mich zunehmend zu Selbsthass und Selbstzerstörung getrieben, solange es die Oberhand hatte und mich glauben ließ, ich sei einfach nur zu dumm, zu schlecht, zu wenig liebenswürdig, zu feige, zu träge um den Alkoholiker endlich von dem zu überzeugen, was ich für richtig erachtete.

Erst in Al-Anon entdeckte ich, dass die Liebe die stärkere Kraft ist und mir helfen kann, in Akzeptanz meiner eigenen Geschichte gesündere Beziehungen aufzubauen, als ich es im Dunst des Alkoholismus gelernt hatte, gesündere Beziehungen zu mir selbst und zu anderen.

Al-Anon hat mir geholfen, besser zu verstehen und zu fühlen, was Vergebung bewirken kann.
Es hat mich endlich akzeptieren lassen, dass ich niemals alles verstehen und analysieren kann solange ich auch studiere und lerne und denke.
Sondern dass ich mich für Gottes heilende Kraft öffnen darf, um Liebe zu spüren, die immer da ist und mich umgibt.

Und auf einmal ist es nicht mehr schwer, auch die Menschen und Dinge im Leben zu respektieren, die Schwierigkeiten bereiten, ja sogar den Wert der Schwierigkeiten als Wegweiser zu innerem Wachstum zu erkennen.

Hoffentlich ist mein Weg noch lang.

Heute denke ich, Al-Anon wird immer ein Begleiter bleiben.

Thomas

 

“Lois erinnert sich“  (Bestell-Nr. 112 )
Al-Anon Familiengruppen – Zentrales Dienstbüro
Emilienstraße 4 – D – 45128 Essen
Tel. : 0201 / 77 30 07 –  www.al-anon.de

3 Kommentare

  1. leora schrieb:

    Schön gesagt, Thomas. Vielen Dank!
    „Herzlich“
    Leora

    Donnerstag, 16. Mai 2013 um 12 | Permalink
  2. Hubert schrieb:

    Lieber Thomas,
    der letzte Satz Deines Beitrags in dem Du schreibst „..den Wert der Schwierigkeiten als Wegweiser zu innerem Wachstum zu erkennen“ hat bei mir so richtig ins Schwarze getroffen. Al-Anon hat bei mir sehr viel zu der Erkenntnis beigetragen, dass die Stolpersteine des Lebens – ob nun Krankheit, Verlust in jeglicher Form, Trauer oder Schmerz zu einem solchen inneren Wachstum und Reiferwerden führen können. Vorausgesetzt, ich bin bereit diese Schwierigkeiten anzunehmen. So gesehen muss ich doch gerade diesen „Botschaften“ auch dankbar sein können.
    Vielen Dank für Deinen Beitrag.
    Hubert

    Freitag, 17. Mai 2013 um 13 | Permalink
  3. Ingrid schrieb:

    Lieber Thomas,
    so ist es! Vergebung war auch für mich der Schlüssel zur Heilung.
    Danke!
    Lieben Gruß, Ingrid

    Sonntag, 26. Mai 2013 um 15 | Permalink